|
|
Autor |
Thema: Welt ohne Geld? (Gelesen 20629 mal) |
|
Karl._W._Reich (Offline)
Junior-Mitglied
 

Profil anzeigen |
Beiträge: 100
|
 |
Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #120 am: 03. Juli 2003, 14:58 Uhr » |
|
Werter Dtaumatzein ich werde auf jeden Fall auch noch auf deinen Beitrag eingehen. Dafür brauch ich aber ein wenig mehr Zeit, weil es natürlich schon ein bißchen komplexer ist, was du da zur Disposition gestellt hast. Aber wenigsten wird’s jetzt mal inhaltlich. Habt Dank und seid gegrüßt
|
| |
gespeichert |
|
|
|
Dtaumatzein (Offline)
Mitglied
  

Profil anzeigen |
Beiträge: 174
|
 |
Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #122 am: 03. Juli 2003, 19:51 Uhr » |
|
Karl Reich (Reich woran eigentlich ??) schrieb vor kurzem : Zitat:Was sich im Wunsch nach einer "geldfreien Gesellschaft" artikuliert, ist das bewußte oder unbewußte Wahrnehmen des geschichtlich entstandenen, grausamen Herrschaftsverhältnisses zwischen Kapital und Arbeit. Es ist wichtig dieses dialektische Verhältnis in diesen Begriffen zu fassen und nicht als Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu personifizieren.) Jeder Arbeitende, der aufgrund seiner Herkunft dazu verdammt ist, nichts als seine Arbeitskraft verkaufen zu können, muss sich gezwungenermaßen, um seine Reproduktion zu gewährleisten , unter die Fuchtel des Kapitals begeben. Das Problem ist also viel weniger eines des Geldes, als eines des Kapitals, |
| Ich finde zunächst mal die letzte Feststellung ganz wichtig - die eigentliche Problematik unserer Gesellschaft kommt vom Kapitalverhältnis. Und ich gehe voll mit, daß dies ein HERRSCHAFTSVERHÄLTNIS ist. Aber Herrschaft kann ja wohl nur zwischen Menschen, also zwischen Personen, bestehen ? (Wobei in unserem Zusammenhang natürlich Person nicht als Individuum zu sehen ist, sondern als sozialer Typus, etwa als einer sozialen Klasse zugehörig.) Deshalb verstehe ich nicht, warum Du sagst Zitat:Dieses Herrschaftsverhältnis ist in den Begriffen Kapital und Arbeit zu fassen und nicht als Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu personifizieren. |
| Was soll man sich denn bei dem Begriff Kapital vorstellen - das fixe oder das variable Kapital ? Das Aktienpaket von Kapitaleignern ? Oder ist nicht doch die Bourgeoisie[i]‘der Kapitalist’[/i], oder Ähnliches gemeint ?? Und was soll man sich unter dem Begriff Arbeit hier vorstellen ? Die Arbeitskraft ? Die konkrete Arbeitstätigkeit ? Oder nicht doch die Arbeitenden ? Ich habe nochmals ein wenig im ‘Kapital’ von Marx nachgeschaut. Da tauchen tatsächlich die Worte Kapital und Arbeit auf : Zitat:Andrerseits blieb der Klassenkampf zwischen Kapital und Arbeit in den Hintergrund ge- drängt, politisch durch den Zwist zwischen den um die Heilige Allianz gescharten Regierungen und Feudalen und der von der Bourgeoisie geführten Volksmasse, ökonomisch durch den Hader des industriellen Kapitals mit dem aristokratischen Grundeigentum, [Marx: Das Kapital, S. 16. (vgl. MEW Bd. 23, S. 20)] |
| Aber gemeint sind hier tatsächlich Klassen in der Gesellschaft. Da hat Marx sicher etwas salopp und der allgemeinen Redeweise angepaßt formuliert. Aber sein Werk selbst läuft doch auf etwas anderes hinaus. Er zeigt, daß Kapital eben gerade nicht als eine bestimmte Menge Geldes betrachtet werden darf, das Profit heckt. Er arbeitetet heraus, daß die Eigenschaft, Kapital zu sein, auch nicht Maschinen und Gebäuden anhängt so wie ihre technischen Merkmale (Gewicht, Arbeitsschnelligkeit, Festigkeit etc.). Und er weist nach, wie Geldeigentum erst dann zu profitbringendem Kapital werden kann, wenn für dieses Geld sowohl Produktionsmittel wie Arbeitende gekauft und zum Produzieren eingesetzt werden. Deshalb unterscheidet er dann ja auch fixes und variables Kapital. Und das variable Kapital ist eben die Arbeitskraft. Und erst aus dieser ganzen Begriffsstruktur ergibt sich dann die zentrale Erkenntnis von Marx, Zitat:daß das Kapital nicht eine Sache ist, sondern ein durch Sachen vermitteltes gesellschaftliches Ver- hältnis zwischen Personen. [Marx: Das Kapital, S. 1140. (vgl. MEW Bd. 23, S. 793) |
| Und dieses Verhältnis kann erst zur Basis der kapitalistischen Ordnung werden, nachdem die Arbeitenden massenhaft von den Produktionsmitteln getrennt wurden. Das war ein grausamer Prozeß, und doch auch ein welthistorischer Fortschritt ..... Und ich finde es überhaupt nicht anstößig, wenn man heute von den Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer spricht, um dann die dahinterstehenden gesellschaftlichen Strukturen und Herrschaftsverhältnisse zu untersuchen. Natürlich sind beide Ausdrücke selbst schillernd und verwirrend, denn in welcher Weise gibt der Kapitaleigner Arbeit ? Er ermöglicht dem Beschäftigten zu arbeiten - also der gibt etwas, seine Arbeitskraft und die Produkte seiner Arbeit .... Ist also der Unternehmer eigentlich ein Arbeitnehmer ? Aber das auch noch zu diskutieren würde uns wahrscheintlich nur ablenken. Gruß - Dtaumatzein
|
| |
gespeichert |
|
|
|
a-v-o (Offline)
Einsteiger


Profil anzeigen | Homepage |
Beiträge: 31
|
 |
Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #123 am: 03. Juli 2003, 20:27 Uhr » |
|
Am 03. Juli 2003, 12:47 Uhr, schrieb Platero :| gerade hier in diesem Forum spüren wir doch auch, daß Miteinanderreden ( Kommunikation) noch lange nicht gegenseitiges Verstehen bedeutet. |
| Stimmt. Am 03. Juli 2003, 12:47 Uhr, schrieb Platero :| Aber Geld und 'Gesetz' erleichtert das zwischenmenschliche Miteinander |
| Mir ist nicht klar, wie wir Geld und 'Gesetz' nutzen könnten, um zu einem besseren Verstehen, bspw. hier im Forum, zu gelangen. Mir scheint, dass hier These und Beispiel nicht zusammenpassen.
|
| |
gespeichert |
|
|
|
a-v-o (Offline)
Einsteiger


Profil anzeigen | Homepage |
Beiträge: 31
|
 |
Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #124 am: 03. Juli 2003, 21:35 Uhr » |
|
Am 03. Juli 2003, 14:56 Uhr, schrieb Platero :Praktische Beispiele sind doch recht nützlich, wenn es um das 'Verständnis' geht. Bleiben wir dabei, wenn Du einverstanden bist? |
| Ich persönlich habe nichts dagegen. Es kommt eher darauf an, inwiefern die anderen Diskussionsteilnehmer neben theoretischen Erörterungen auch an einer Diskussion zur praktischen Umsetzung interessiert sind. Sollte die praktische Diskussion hier nicht gewünscht sein: http://a-v-o.selfhost.de/forum Am 03. Juli 2003, 14:56 Uhr, schrieb Platero :| Ich habe nun überlegt, daß meine Ponys eine Ressource sind, die ich anderen anbiete möchte. |
| Zur Nutzung (also Ausleihen) oder Verschenken? Sind sie für dich eine Ressource, die du praktisch im Überfluß hast, so dass es dir nichts ausmacht, wenn andere sie nutzen / bekommen, ohne dass du etwas davon hast? Am 03. Juli 2003, 14:56 Uhr, schrieb Platero :| Ich setze also eine Anonnce in die Zeitung: Biete kostenlos zwei Ponys. |
| Ob mit einer Annonce der Hintergrund für dein Angebot vermittelt werden kann, weiß ich nicht. Ich selbst habe nach einer kostenlosen Anzeige gefragt, was abgelehnt wurde, statt dessen hat sich die Redaktion dafür interessiert und einen halbseitigen Beitrag veröffentlicht: http://a-v-o.bei.t-online.de/projekt/ht01.html Am 03. Juli 2003, 14:56 Uhr, schrieb Platero :| Wenn ich dich richtig verstanden habe, soll ich sie demjenigen geben, der sie haben möchte und demjenigen selbst überlassen, ob er mir (irgendetwas anderes) dafür geben möchte? |
| Abgesehen davon, dass Ponys Lebewesen (und keine Sachen) sind, ja. Bei Nutzung erwarte ich einen pfleglichen Umgang mit der Ressource (wie es bspw. beim Ausleihen unter Freunden üblich sein sollte). Beim Verschenken wäre mein persönliches Anliegen, dass jemand die Ressource bekommt, der sie auch nutzen kann und will. Am 03. Juli 2003, 14:56 Uhr, schrieb Platero :| Wie geht das Deiner Erfahrung nach nun weiter? |
| Meine Erfahrung beschränkt sich bisher auf die wenigen geschilderten Fälle: a) Angebot vor Leistung b) Angebot nach Leistung c) Leistung, mit Angebot späterer Gegenleistung d) Leistung ohne Angebot e) Angebot ohne Leistung Umgekehrt nehme ich nur Angebote an, die geeignet sind, meinen aktuellen Bedarf zu decken. Geht es dir um die Nutzung der Ponys, dann würde ich mal mutmaßen, dass die Nutzer im Laufe der Zeit eine freundschaftliche Beziehung zu den Tieren aufbauen, so dass ihnen das Wohlergehen der Tiere wichtig ist. Es wird ihnen auch mehr oder weniger bewußt sein, dass die Ponys Bedürfnisse haben und dass die Ponys weitgehend von dir abhängig sind. Es würde mich nicht überraschen, wenn manch einer etwas zum Wohlergehen "seines" Ponys beitragen möchte, indem er dir Angebote macht, die direkt dem Pony zugute kommen oder dir als Fürsorger, denn wenn es dir schlecht geht, dann trifft das wahrscheinlich auch die Ponys.
|
| |
gespeichert |
|
|
|
gershwin (Offline)
Mitglied
  

Profil anzeigen |
Beiträge: 246
|
 |
Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #125 am: 03. Juli 2003, 22:55 Uhr » |
|
Hi Leute Wer Ponys kostenlos abgibt, verdirbt es sich mit Leuten, die mit dem Verkauf von Ponys Geld verdienen und ihren Lebensunterhalt bestreiten wollen. Grüße Thomas
|
| |
gespeichert |
|
|
|
Platero (Offline)
Junior-Mitglied
 

Profil anzeigen |
Beiträge: 67
|
 |
Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #126 am: 03. Juli 2003, 23:02 Uhr » |
|
Hallo a-v-o, hallo 'Welt - ohne - Geld' - Interessierte! also nun will mal erzählen, was ich tatsächlich gemacht habe: Ich habe eine Annonce in einer Online-Zeitung aufgegeben, in der ich die Ponys angeboten habe, mit der Bemerkung: Platz vor Geld, was bedeutet, es geht mir vor allem darum, daß sie gut untergebracht sind, weniger um das Geld, das ich für sie bekomme. Passiert ist nun folgendes: Eine junge Frau meldete sich, die einen hervoragenden Platz und Verwendungszweck ( sie betreibt einen Reiterhof) vorweisen konnte, die Ponys nach den Fotos gleich mochte und gerne nehmen wollte, aber mir gleich sagte, sie habe momentan kein Geld zur Verfügung. Zunächst war ich verblüfft und dachte, da sei wohl nichts zu machen - sie selber dachte das auch. Dann habe ich Deinen Rat beherzigt und ihr gesagt, das sei kein Problem, und daß ich froh bin, wenn die Ponys gut untergebracht sind; vielleicht gebe es ja irgendetwas, das sie 'über' hat, von dem sie meint, daß ich es evtl. gebrauchen könnte. An ihren Reiterhof denkend, habe ich noch vorgeschlagen, daß wir eine Woche Urlaub bei ihr außerhalb der Saison nach 7 Jahren ohne gemeinsamen Urlaub wohl gut gebrauchen könnten. Sie war völlig perplex und hocherfreut! Das Spannende daran ist, daß sie mir nun noch ihre Riesenschildkröten angeboten hat, weil sie wegen der Pferde dafür kaum Zeit hat - ich finde diesen Gedanken ganz neu und interessant und prüfe nun ernsthaft, ob ich wirklich Riesenschildkröten haben will. Gerne können wir uns nun wieder der Theorie zuwenden - aber was nutzt die beste Theorie ohne praktische Erfahrung? Platero
|
| |
gespeichert |
|
|
|
Platero (Offline)
Junior-Mitglied
 

Profil anzeigen |
Beiträge: 67
|
 |
Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #127 am: 03. Juli 2003, 23:13 Uhr » |
|
Am 03. Juli 2003, 22:55 Uhr, schrieb gershwin :Hi Leute Wer Ponys kostenlos abgibt, verdirbt es sich mit Leuten, die mit dem Verkauf von Ponys Geld verdienen und ihren Lebensunterhalt bestreiten wollen. Grüße Thomas |
| Hallo Thomas, hier irrst Du, denn ich hatte einem mir gut bekannten Pferdehändler die Tiere angeboten. Er hätte sie mir auch abgenommen, aber empfahl mir gleichzeitig, auch selber nach einem guten Platz zu suchen. Als ich ihn heute anrief und das 'Geschäft' absagte, sagte mir, das sei wohl so wirklich das Beste. Gruß, Platero
|
| |
gespeichert |
|
|
|
Platero (Offline)
Junior-Mitglied
 

Profil anzeigen |
Beiträge: 67
|
 |
Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #128 am: 03. Juli 2003, 23:41 Uhr » |
|
Am 03. Juli 2003, 20:27 Uhr, schrieb a-v-o : Mir ist nicht klar, wie wir Geld und 'Gesetz' nutzen könnten, um zu einem besseren Verstehen, bspw. hier im Forum, zu gelangen. Mir scheint, dass hier These und Beispiel nicht zusammenpassen. |
| Da hast Du wohl recht! Ich hatte dies auch nicht in einen kausalen Zusammenhang gebracht, jedenfalls war das von mir nicht beabsichtigt! Das Beispiel für Geld zum besseren Verständnis war ja das Nachfolgende von mir Geschriebene, mit dem Mißverständnis der getroffenen Absprachen über Arbeitsteilung. Ich möchte gerne noch auf Deine wiederholte Bemerkung von der vermeintlichen 'Trennung' eingehen: Geschrieben von: a-v-o Gestern, 19:30 Uhr: Das Geld wirkt als Trennung zwischen Bedarf und Nachfrage. Ohne das Geld (das Tauschhandelsprinzip) entspricht die Nachfrage dem Bedarf. Wenn Geld als Trennung (weil ich es nicht habe) wirken kann, dann natürlich auch genauso als Verbindung (wenn ich es habe). Die Nachfrage entspricht dem Bedarf heißt aber doch nicht zwangsläufig, daß der Bedarf auch erfüllt wird. Welchen Anreiz gibt es für einen Produzenten, den Bedarf zu erfüllen? nun soviel erstmal, beste Grüße Platero
|
| |
gespeichert |
|
|
|
Platero (Offline)
Junior-Mitglied
 

Profil anzeigen |
Beiträge: 67
|
 |
Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #129 am: 04. Juli 2003, 00:34 Uhr » |
|
Am 03. Juli 2003, 19:51 Uhr, schrieb Dtaumatzein : Und ich finde es überhaupt nicht anstößig, wenn man heute von den Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer spricht, um dann die dahinterstehenden gesellschaftlichen Strukturen und Herrschaftsverhältnisse zu untersuchen. Natürlich sind beide Ausdrücke selbst schillernd und verwirrend, denn in welcher Weise gibt der Kapitaleigner Arbeit ? Er ermöglicht dem Beschäftigten zu arbeiten - also der gibt etwas, seine Arbeitskraft und die Produkte seiner Arbeit .... Ist also der Unternehmer eigentlich ein Arbeitnehmer ? Aber das auch noch zu diskutieren würde uns wahrscheintlich nur ablenken. |
| Lieber Dtaumatzein, schade eigentlich, es ist doch ein recht 'hübsches' Wortspiel! Natürlich sind wir uns weiter oben einig gewesen, daß es ja 'den Menschen' nicht gibt. Es gibt aber bestimmte 'Klassen' von Menschen? In eine solche Klasse drücke ich dann das Individuum hinein, da ist es dann Unternehmer oder eben Arbeitnehmer und somit entweder Ausbeuter oder Ausgebeuteter? Sicher meinst Du es anders? Ich kenne - obwohl im Kapitalismus groß geworden - diesen 'Unternehmer' nicht, den Du beschreibst. Platero
|
| |
gespeichert |
|
|
|
a-v-o (Offline)
Einsteiger


Profil anzeigen | Homepage |
Beiträge: 31
|
 |
Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #130 am: 04. Juli 2003, 01:45 Uhr » |
|
Am 03. Juli 2003, 23:41 Uhr, schrieb Platero :| Wenn Geld als Trennung (weil ich es nicht habe) wirken kann, dann natürlich auch genauso als Verbindung (wenn ich es habe). |
| Wenn eine Tür als Trennung (weil sie geschlossen ist) wirken kann, dann natürlich auch genauso als Verbindung (wenn sie offen ist). Die offene Türe wirkt genauso als Verbindung wie ein Loch in der Wand. Wenn ich von 2 Möglichkeiten eine wählen soll, dann wähle ich die, die mit geringstem Aufwand das Ziel bestmöglichst realisiert und die geringsten Mißbrauchsmöglichkeiten (*) bietet. Eine Türe ist gegenüber einem Loch mit Mehraufwand verbunden ohne zusätzlichen Nutzen und läßt sich leichter mißbrauchen (schließen). Entsprechend ist Geld gegenüber der Tauschhandelsfreiheit mit Mehraufwand verbunden, ermöglicht keine zusätzlichen Verbindungen, weil in der tauschhandelsfreien Gesellschaft jeder mit jedem handeln kann. Geld läßt sich leichter zur Trennung mißbrauchen, indem es Menschen entzogen wird. (*) Mißbrauch bedeutet hier die Verfolgung anderer Ziele; konkret hier: Verbindung trennen Am 03. Juli 2003, 23:41 Uhr, schrieb Platero :| Welchen Anreiz gibt es für einen Produzenten, den Bedarf zu erfüllen? |
| Welchen Anreiz hast du als Ponyproduzent, deine Ponys herzugeben und damit den Ponybedarf von jemand anderem zu erfüllen? Welchen Anreiz hatte der Pferdehändler dir zu raten, dass du auf seine Dienste verzichten sollst? Ich weiß es nicht. Das entscheidet jeder Mensch für sich selbst. Vielleicht will er seinen eigenen Bedarf erfüllen und als Abfallprodukt bekommt auch die übrige Menschheit etwas davon ab. Vielleicht haben andere den gleichen Bedarf und einige kooperieren, um den Bedarf einer größeren Gemeinschaft zu decken. Vielleicht will jemand Anerkennung erwerben und produziert daher etwas. Vielleicht weiß er nicht, was er sonst tun soll/will. Vielleicht fühlt er sich einer Familientradition verbunden. Vielleicht macht es ihm Spaß. Welchen Anreiz gibt es für einen Waffenproduzenten Waffen herzustellen, wenn es keinen finanziellen Anreiz mehr gibt? Ich hoffe: Keinen! (Ersetze "Waffen" durch andere gesellschaftlich unerwünschte Produkte und Leistungen) Es freut mich, dass du eine positive neue Erfahrung machen konntest. Und das Angebot mit den Riesenschildkröten zeigt, dass viele Menschen viel "über" haben, aber nicht daran denken. Oder sie haben den Aufwand gescheut, sich um das Loswerden zu kümmern. Auch zeigt sich hier, dass durch die Negation ("kein Geld") eigentlich nur Perspektivlosigkeit erzeugt wird ("da sei wohl nichts zu machen"). Ebenso zeigt sich hier, dass die beispielhafte positive Alternative ("1 Woche Urlaub") die Phantasie so anregt, dass weitere positive beispielhafte Alternativen ("Riesenschildkröten") entstehen können. Während die erste Alternative noch recht naheliegend ist, weil sie dem unmittelbaren Kontext entspringt (Urlaubswunsch, Reiten, Reiterhof), hat an letztere zu Beginn des Gesprächs bestimmt keiner von beiden gedacht. Ob das nun ein Tauschhandel war oder gegenseitige kostenlose Angebote hängt davon ab, ob du deine Ponys auch ohne Gegenleistung abgegeben hättest und der Urlaub nur ein Vorschlag war. Du kannst es auch daran erkennen, wie du dich fühlst, wenn das Urlaubsangebot zurückgezogen wird.
|
| « Zuletzt bearbeitet: 04. Juli 2003, 01:54 Uhr von a-v-o » |
gespeichert |
|
|
|
Platero (Offline)
Junior-Mitglied
 

Profil anzeigen |
Beiträge: 67
|
 |
Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #131 am: 04. Juli 2003, 16:34 Uhr » |
|
Am 04. Juli 2003, 01:45 Uhr, schrieb a-v-o : Wenn eine Tür als Trennung (weil sie geschlossen ist) wirken kann, dann natürlich auch genauso als Verbindung (wenn sie offen ist). Die offene Türe wirkt genauso als Verbindung wie ein Loch in der Wand. Wenn ich von 2 Möglichkeiten eine wählen soll, dann wähle ich die, die mit geringstem Aufwand das Ziel bestmöglichst realisiert und die geringsten Mißbrauchsmöglichkeiten (*) bietet. Eine Türe ist gegenüber einem Loch mit Mehraufwand verbunden ohne zusätzlichen Nutzen und läßt sich leichter mißbrauchen (schließen).. |
| hmm, a-v-o, ohne zusätzlichen Nutzen? Damit bin ich nicht so ganz einverstanden! Sie ist doch immerhin eine Art Regulativ, wenn es draußen warm ist, kann die Tür ja offen bleiben, aber wenn der Winter kalt wird, möchte ich sie evtl. schließen - oder auch nur zeitweise öffnen. So sehr ich von der Idee der Tauschhandelsfreiheit begeistert bin - ich hab es ja nun auch selber ausprobiert - kann ich mir das doch nicht für alle Bereiche meines Lebens vorstellen. Und dann hat ja jedes Ding immer zwei Seiten - welches sind denn die 'Risiken und Nebenwirkungen' der tauschhandelsfreien Welt nach Deiner Meinung? Gruß Platero
|
| |
gespeichert |
|
|
|
Dtaumatzein (Offline)
Mitglied
  

Profil anzeigen |
Beiträge: 174
|
 |
[i][/i]Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #132 am: 04. Juli 2003, 17:00 Uhr » |
|
Hallo, alle, Andreas schrieb : Zitat:Auf deine weiteren Ausführungen zum Thema Geld und Kapital bin ich gespannt, denn die vorliegenden Thesen verstehe ich so, dass Kapital eine andere Form von Geld ist, denn sonst könnte Geld nicht zu Kapital werden. Da die Bedingung in Punkt 2 erfüllt ist, ist Geld zu Kapital geworden, also gibt es kein Geld mehr, sondern nur noch Kapital. Andererseits wirkt Geld in Punkt 4 unter bestimmten Bedingungen als Kapital. |
| Wenn ich darauf antworten soll, muß ich erst einige grundsätzliche Bemerkungen über wissenschaftliche Methoden machen. Früher war es üblich, auf die Frage : ‘Was ist x ?’ zu antworten, ‘X hat die Eigenschaften x, y, z’. ‘Ein Löwe ist ein Tier, das von der Jagd auf andere Tiere lebt, ein gelbliches Fell und als männlicher Löwe eine Mähne hat.’ ‘Raum ist eine dreidimensionale Ausdehnung’ u.ä. Für Descartes bestand die Welt bekanntlich aus zwei Substanzen - Stoff und Denken. Ihre Eigenschaften waren jeweils Undurchdringlichkeit bzw. Bewußtsein. In der Neuzeit setzte sich ein anderer Denkstil durch - man fragte vor allem nach den Prozessen, in denen ein Ding entsteht und wirkt. Das führte etwa zur Relativitätstheorie von Einstein, in der Masse, Geschwindigkeit, Raum, Zeit, Energie nicht fixe Substanzen sind, sondern sich gegenseitig beeinflussende Vorgänge. Ähnlich geht die moderne Systemtheorie doch grundsätzlich davon aus, daß Systeme sich durch die Relationen ihrer Elemente untereinander und zur Umwelt konstituieren, erhalten und wandeln. Das Einzelne ist also nur aus dem Zusammenhang mit allem anderen zu verstehen. Mit solchem Funktionsdenken muß man wohl auch an die Politische Ökonomie und die Gesellschaftsphilosophie herangehen. Am ‘Geld’ interessiert also nicht primär seine äußere Form, ob Muschel, Münze, Scheck oder bloßes Wertzeichen auf der Chipkarte oder dem Kontoauszug. Am Geld interessiert seine Funktion als Wertzeichen, als Zeichen für den Tauschwert wohlgemerkt. Um nun zu begreifen, was diese Funktion ausmacht, muß man sich den ganzen Prozeß der Arbeit genauer ansehen und stößt dann auf solche Zusammenhänge, daß Wert einer Ware letzlich bestimmt wird durch die durchschnittlich notwendige Arbeitszeit, der Preis um den Wert aber schwankt usw. Und dann kommt die spannende Frage, wieso kann Geld auch die interessante Eigenschaft haben, daß es ‘wächst’, Zinsen oder gar Profit bringt. Noch Adam Smith und David Ricardo waren ja der Meinung, daß die drei Elemente der Produktion - ‘Kapital’, ‘Arbeitskraft’ und ‘Grund und Boden’ Substanzen sind, die die Eigenschaft haben von sich aus Werte zu erzeugen. Marx hat dann nachgewiesen, daß die Werte durch die Arbeitszeit bestimmt sind. Wenn Andreas nun schreibt Zitat:Kapital ist eine andere Form von Geld, denn sonst könnte Geld nicht zu Kapital werden. Da die Bedingung in Punkt 2 erfüllt ist, ist Geld zu Kapital geworden, also gibt es kein Geld mehr, sondern nur noch Kapital.’ |
| so würde ich daraus schließen, daß er sich noch im Substanzdenken bewegt. Er sieht nicht, daß das, was ‘Geld’ oder ‘Kapital’ oder ‘Wert’ ist oder besser bewirkt, von ihrer Stellung in der Gesamtbewegung der Produktion und der Gesellschaft abhängt. Ich habe in einer anderen Diskussionsbemerkung ja auch darauf hingewiesen, daß ‘Kapital’ tatsächlich ständig seine Form wechselt, mal in der Geldform auftritt, mal als Maschinerie und als Arbeitskraft ... usw. Aber dabei ist es nur für den Besitzer als Geld verschwunden und kommt am Ende (meist) wieder vermehrt heraus. Was bleibt nun in dem ganzen Mummenschanz der Wandlungen erhalten oder wäachst ? TAUSCHWERT (Entschuldigt die Länge meiner Bemerkung, aber andere haben drei Bände gebracht, um das noch etwas detaillierter darzustellen ....) Dtaumatzein
|
| |
gespeichert |
|
|
|
Platero (Offline)
Junior-Mitglied
 

Profil anzeigen |
Beiträge: 67
|
 |
Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #133 am: 04. Juli 2003, 21:18 Uhr » |
|
Hallo, ich habe großen Respekt vor dem Werk des Karl Marx! Und mir sind die unterschiedliche Bedeutung der Kreisläufe G-W-G und W - G - W bekannt. Es sind die Schlussfolgerungen daraus, die sich nicht mit meinen Beobachtungen 'heute' decken. Ich traue aber durchaus auch meinen eigenen Sinnen und Wahrnehmungen in der heutigen Zeit. Mir ist bekannt, dass es zur Zeit von Karl Marx den ‚Sozialtypus’ Unternehmer gegeben hat, der brutal den Mehrwert einer Arbeiterschaft in seine eigene Tasche gesteckt hat, ohne sich darum zu kümmern, ob diese Arbeiterschaft zu ihrem Recht kommt. Abgesehen davon gab es natürlich auch in dieser Zeit eine Reihe von Unternehmern, die sich um die sozialen Belange ihrer Beschäftigten vorbildlich gekümmert haben. Aber dies sei hier nur am Rande bemerkt, ich beobachte heute ein ganz anderes Unternehmertum und behaupte, der 'Sozialtypus' Unternehmer hat sich gewandelt. Ich denke an die zahlreichen kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) und die Selbständigen. Sie - rund 3,3 Millionen - repräsentieren in Deutschland rund 40 Prozent der Bruttoinvestitionen und 49 Prozent der Umsätze, sie beschäftigen 70 Prozent aller Arbeitnehmer und bilden 80 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland aus. Dem gegenüber stehen die großen Konzerne, die aber lange nicht mehr im Privatbesitz Einzelner sind, sondern Kapitalgesellschaften, die mit Einlagen Dritter operieren. Hier käme nun jedem einzelnen Aktionär ein ‚anteiliger’ Unternehmerstatus zu. Meist sind Beschäftigte der Unternehmer gleichzeitig im Besitz von Firmenaktien. Genauso sind natürlich die Unternehmer der KMUs und die Selbstständigen ohne Beschäftigte immer auch ‚Arbeiter’, ihre Arbeitswoche ist in der Regel um viele Stunden länger als die vor kurzem hart umkämpften 35 Stunden. Zum Einkommen geben rund zwei Drittel aller AlleinUnternehmer weniger als 3.000 DM an. Und sie sind nicht unbedingt 'Besitzende', sondern wirtschaften mit Krediten usw. Natürlich sind sie alle auch Endverbraucher. Wir müssen doch hieraus erkennen, dass es die typische 'Unternehmerklasse' gar nicht mehr gibt. Dennoch geht die Schere Armut/Reichtum weiter auseinander. Selbstverständlich bestehen dadurch weiterhin Herrschaftverhältnisse. Aber wenn es nicht die ausbeutenden Unternehmer sind, wer oder was dann? Gibt es in unserem Geldsystem einen Systemfehler? Ich behaupte ja, wie weiter oben schon einmal ausgeführt. Wenn es so ist, dann können doch 'alle' gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Vielleicht liege ich ja mit meinen Wahrnehmungen und Überlegungen schief? Dann bitte ich die Wirtschaftexperten hier freundlich um Aufklärung, Mit freundlichem Gruß Platero
|
| |
gespeichert |
|
|
|
|