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Thema: Welt ohne Geld? (Gelesen 20626 mal) |
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a-v-o (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #151 am: 08. Juli 2003, 22:50 Uhr » |
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Am 06. Juli 2003, 22:23 Uhr, schrieb Platero :| Was macht Dich so sicher, dass die Vorraussetzung (Überflussgesellschaft) dafür stabil bleibt? |
| a) Derzeit sehe ich, dass die Geldwirtschaft die Überflußgesellschaft nicht stabilisiert, sondern abbaut. Einer der Teufelskreise lautet bspw.: größere Arbeitslosigkeit -> geringere Kaufkraft -> geringere Nachfrage (bei gleichbleibendem oder sogar wachsendem Bedarf) -> Verringerung des Angebots -> Verringerung der Produktion -> Entlassung von Mitarbeitern -> größere Arbeitslosigkeit ... b) Wir haben eine Überflußgesellschaft, gleichzeitig sind umfangreiche und werden zunehmend mehr Ressourcen durch die Geldwirtschaft gebunden (Grund und Boden, Gebäude, Arbeitskräfte und Arbeitszeit, materielle Ressourcen u.ä.). Diese Ressourcen können in einer tauschhandelsfreien Gesellschaft produktiv genutzt werden. c) Zusätzlich haben wir auch noch brach liegende Ressourcen (bspw. Arbeitslose, ungenutzte Patente und Technologien, stillgelegte Produktionsstätten, ungenutzte Produktionsmittel). d) Innovationen können zügiger realisiert werden, da der Weg von der Idee zur Produktion kürzer ist: es entfallen bspw. der aufwändige Schutz der Innovation und die Suche nach einer Finanzierungsmöglichkeit. e) Finanzielle Rentabilität als Wertmaßstab entfällt. Statt dessen kann der mögliche "Erfolg" einer Innovation an anderen Maßstäben (Qualität, Nutzen, Aufwand, ...) abgeschätzt werden. f) Gebrauchsgüter müssen nicht auf Verbrauchsgüter getrimmt werden, um neuen Bedarf zu erzeugen, damit das Unternehmen auch künftig seine Produkte als Tauschwaren verwenden kann. Statt dessen können langlebige und qualitativ hochwertige Produkte erzeugt werden, wodurch eine geringere Produktionsleistung nötig ist. Entsprechend fallen auch weniger Müll / Wertstoffe an. g) Die Automatisierung der Produktion kann ausgeweitet werden ohne Rücksicht auf die "soziale Komponente", so dass weniger menschliche Arbeitskraft nötig ist, um die Produktionsleistung zu sichern. h) Nebenwirkung Bildungsbereich: Freier Zugang zu Bildungsangeboten und Informationen für alle Menschen fördern den allgemeinen Bildungsstand, der den Nährboden für weitere Innovationen bildet. i) Wegfall von finanziell motivierter Ressourcenverschwendung (bspw. Werbegeschenke, Reimporte, aber auch bspw. Spam). Auch durch bedarfsorientierte Produktion werden weniger Ressourcen verschwendet. j) Ausnutzung vorhandener Ressourcen (bspw. die Transportkapazität des Schienenverkehrs). Zu i) bedarfsorientierte Produktion Wenn bspw. ein Automobilhersteller Autos vom Typ A baut, obwohl eigentlich alle am liebsten ein Auto vom Typ B eines anderen Automobilherstellers haben wollen, dann ist nicht einzusehen, warum überhaupt Ressourcen verschwendet werden sollen, um Autos vom Typ A herzustellen. Statt dessen könnten beide Hersteller Autos vom Typ B bauen. Zu j) Weiteres Beispiel können Restbestände aus Verpackungseinheiten sein: Werden Schrauben bspw. in 10er Packungen angeboten und eine Person braucht 5 Schrauben, dann muß die Person derzeit eine 10er Packung kaufen und hat 5 Schrauben übrig, die entweder aufgehoben werden (brach liegende Ressource) oder weggeworfen werden (Verschwendung von Ressourcen), wenn die Person nicht zufällig jemanden kennt, der sie zufällig gerade jetzt brauchen kann. Durch Rückführung der Restbestände zum Hersteller / Händler können diese genutzt werden. Eine quantitative Abschätzung, wieviel Aufwand nötig ist, um den aktuellen Lebensstandard zu sichern, hat Darwin Dante in seinem Buch Die 5-Stunden-Woche vorgenommen. Andere Nebenwirkung: Der Tauschhandel unterteilt unsere Gesellschaft in voll geschäftsfähige, beschränkt geschäftsfähige und nicht geschäftsfähige Menschen. Letztere sind von ersteren zwangsläufig abhängig, wodurch erstere mehr Macht über letztere haben. Diese Unterteilung soll dem Schutz letzterer dienen, die ansonsten von ersteren ausgebeutet werden können. Gleichberechtigung und Gleichstellung von Menschen ist hier prinzipiell nicht möglich. Diese systembedingte Abhängigkeit entfällt, wenn jeder Mensch das eigenständige Recht hat, seine Bedürfnisse mit Hilfe der freien Angebote zu befriedigen. Darüber hinaus kann das Recht, selbständig Angebote machen zu können, zu mehr Anerkennung dieser gesellschaftlichen Randgruppen beitragen.
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a-v-o (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #152 am: 09. Juli 2003, 01:02 Uhr » |
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Am 07. Juli 2003, 16:51 Uhr, schrieb Dtaumatzein :| was wir unter Überproduktion, Überfluß, Bedarf und Bedürfnis |
| Der Brockhaus in Text und Bild Edition 2002: Zitat:Bedürfnis, aus Mangelzuständen entstehende psychische Spannung, die das Individuum nach der Beseitigung des jeweiligen Mangels (nach Bedürfnisbefriedigung) streben lässt. |
| Zitat:Bedarf, Art und Menge der zur Befriedigung der Bedürfnisse notwendigen Güter. Nur ein Teil des Bedarfs (potenzielle Nachfrage) wird zur kaufkräftigen Nachfrage am Markt (effektive Nachfrage), z.B. aufgrund fehlender Kaufkraft oder Bedarfsdeckung über Eigenproduktion. |
| Zitat:Überproduktion, eine die Nachfrage übersteigende Herstellung von Gütern; als Missverhältnis zwischen dem Bedarf und seiner Deckung eine Krisenerscheinung der Wirtschaft, die zu ruinöser Konkurrenz führen kann. |
| Deine Definition von Bedarf deckt sich offensichtlich nicht mit meiner. Darauf sollten wir wohl im weiteren Diskussionsverlauf achten. Am 07. Juli 2003, 16:51 Uhr, schrieb Dtaumatzein :| Das Geld ist nur das Meßinstrument |
| Es ist schon erstaunlich. Jetzt ist das Geld nur Meßinstrument, also etwas, das eigentlich gar keinen Einfluß ausübt. Gleichzeitig wird mir in diesem Thread erklärt, dass Geld ein Kommunikationsmittel ist. Außerdem schafft Geld anscheinend Verbindung zwischen Handelwilligen. Es ist Tauschmittel und Wertspeicher. Nicht zuletzt ist Geld selbst auch Ware mit der gehandelt werden kann. Geld kann sich vermehren, indem es Zinsen bringt. Geld ist unter bestimmten Umständen eine Form von Kapital. Am 07. Juli 2003, 16:51 Uhr, schrieb Dtaumatzein :Die Bremse, die Wand, um alle Produktionskapazitäten auszuschöpfen, ist aber nicht der Handel, sondern es sind die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse, die Existenz der Lohnarbeit und damit der Aneignung von Teilen der Produkte durch die Besitzer der Produktionsmittel |
| Wenn ich dich richtig verstehe, wäre das Problem gelöst, wenn es keine Lohnarbeit mehr gäbe und entweder alle oder niemand Besitzer der Produktionsmittel und der Produkte wären. Würde niemandem mehr etwas gehören, dann hätte auch niemand irgendetwas zum Tauschen -> Ende der Tauschwirtschaft. Würde jeder Mensch Unternehmer sein, also im Besitz von Produktionsmittel und Produkten, dann entsteht in einer Überproduktionsgesellschaft dennoch die Situation, dass Märkte gesättigt sind und manche dieser Unternehmer ihre Produkte nicht mehr eintauschen und somit ihren Bedarf nicht mehr decken können, sie verarmen. Am 07. Juli 2003, 17:10 Uhr, schrieb Dtaumatzein :| Wenn da jeder Einzelne bei jedem Bedarf erst mal anfängt zu suchen, wo er in der weiten Welt jemand findet, der gerade das, was er braucht,um selbst zu produzieren oder zu konsumieren, bereitstellt .... na dann Prost, auch wenn wir jetzt das Internet haben. |
| Entweder a) hat ein Unternehmen seine Lieferanten, dann bestehen hier Kommunikationsstrukturen und Verbindungen. Die Zulieferung ist gewährleistet. Oder b) ein Unternehmen hat für ein Produkt keinen Lieferanten. Dann bleibt ihm nichts anderes übrig, als das von dir beschriebene: anfangen zu suchen, wo es in der weiten Welt einen Lieferanten gibt. Genau das Gleiche gilt für Konsumenten. Auch ihnen bleibt heutzutage nichts anderes übrig, als nach einem Händler zu suchen, der ihnen die gewünschte Ware liefert. Irgendwie wird hier immer wieder das Thema gewechselt: Beschreibe ich, wie gerade hier oben, dass es bereits bestehende Strukturen gibt, die genutzt werden können, dann wird mir erklärt, dass diese aufgrund fehlender finanzieller Motivation zusammenbrechen werden, weil dann kein Mensch mehr was arbeiten will, sondern nur noch Nichtstun. Versuche ich dann die Motivation für Arbeit zu ergründen, indem ich hinterfrage, "Ist Geldverdienen die einzige Motivation zur Arbeit?", dann wird mir Unsachlichkeit vorgeworfen: Am 07. Juli 2003, 17:10 Uhr, schrieb Dtaumatzein :| Ich finde es unsachlich von Dir, lieber Andreas, wenn Du uns fragst, warum wir denn so scharf aufs Geld seien |
| Meine Ansicht ist ja gerade, dass Menschen auch aus anderen Motiven heraus weiterarbeiten werden, auch wenn die finanzielle Motivation entfällt. Und daher wird es nicht zum Chaos kommen, weil bestehende Strukturen (s.o.) weiterhin existieren werden. Dadurch ist auch weiterhin Arbeitsteilung und die damit hohe Leistungsfähigkeit gewährleistet. Die Frage nach den richtigen Spezialisten, die zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zusammenarbeiten sollen, ist auch in bestehenden Strukturen (Arbeitsmarkt) geregelt. Diese ganzen Abläufe können weiter bestehen und noch ausgebaut werden.
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a-v-o (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #153 am: 09. Juli 2003, 01:43 Uhr » |
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Am 07. Juli 2003, 21:01 Uhr, schrieb Eberhard :| ich hatte an Dich die Frage gestellt, ob Du annimmst, dass sich in der geldlosen Wirtschaft die für die Produktion eines Flugzeugs erforderlichen 1000 Spezialisten spontan zusammenfinden und koordinieren werden. |
| a) Die Entwicklung und Produktion eines Flugzeugs erfolgt nicht spontan. Insofern müssen sich auch die "erforderlichen 1000 Spezialisten" nicht "spontan zusammenfinden". b) Das Finden von Spezialisten erfolgt über diverse Arbeitsmärkte, indem Spezialisten ihre Kenntnisse anbieten und Unternehmen / Projekte ihren Bedarf in Form von Stellenausschreibungen veröffentlichen. c) Für das Finden geeigneter Spezialisten ist es lediglich erforderlich, das Kenntnisprofil des Spezialisten mit dem Anforderungsprofil der Stellenausschreibung zu vergleichen. d) Alle bisherigen Schritte können ohne Geld realisiert werden, d.h. Verbindungen können hergestellt werden. e) Als "Regulativ" kommt nun erst das Geld ins Spiel, indem Spezialisten die Unternehmen / Projekte von der Liste streichen, die ihnen nicht genug Geld bieten. Auf der anderen Seite streichen Unternehmen / Projekte die Spezialisten von der Liste, die zu teuer sind. Für die Menge an möglichen Verbindungen gilt: d) >= e) Am 07. Juli 2003, 21:01 Uhr, schrieb Eberhard :| 1. Die Weiterentwicklung einer Software ist ein schöpferischer Prozess und setzt die Erfindung bisher nicht vorhandener Problemlösungen voraus. Da man nicht prognostizieren kann, welche Erfindungen zukünftig gemacht werden, kann es hierfür auch keinen konkreten Produktionsplan geben. |
| a) In manch einer Softwarefirma gibt es Produktionspläne für die Weiterentwicklung von Software, da wird gleichzeitig an mehreren Generationen der Software programmiert. b) Auch die Weiterentwicklung bspw. eines Flugzeugs "ist ein schöpferischer Prozess und setzt die Erfindung bisher nicht vorhandener Problemlösungen voraus." Auch im Bereich Flugzeugbau wissen wir nicht, was nächstes Jahr erfunden wird. Am 07. Juli 2003, 21:01 Uhr, schrieb Eberhard :| 2. Die Weiterentwicklung einer Software bedarf nicht unbedingt der Koordination. Es ist sogar oft sinnvoll, dass mehrere Entwickler unabhängig voneinander am gleichen Problem arbeiten, in der Hoffnung, dass einer von ihnen eine geeignete Lösung finden wird. |
| Dies trifft genauso auf materielle Produkte zu. Am 07. Juli 2003, 21:01 Uhr, schrieb Eberhard :| 3. Die Entwicklung einer Software setzt nicht notwendig Arbeitsteilung und Kooperation voraus. Im Prinzip kann ein einzelner Informatiker diese Arbeit allein durchführen. |
| Dieser einzelne Informatiker müßte ein Multitalent von einem Spezialisten sein. Vom Prinzip her ist genauso auch ein Multitalen-Flugzeugbauer denkbar. Früher wurden Flugzeuge von einzelnen entworfen und gebaut. Und heute ist die Komplexität einiger Programme so groß, dass Entwicklerteams erforderlich sind, in denen sich Spezialisten die Arbeit teilen.
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Karl._W._Reich (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #154 am: 09. Juli 2003, 13:32 Uhr » |
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Hi Eberhard, Eberhard: "danke für die historisch-materialistische Nachhilfestunde, die in meinem Fall allerdings überflüssig war, weil ich die marxistische Terminologie kenne, sie jedoch für wenig hilfreich halte bei der Beantwortung der Frage, ob eine entwickelte Gesellschaft ohne Geld möglich ist" Was meinst du mit kennen? Mal davon gehört oder damit beschäftigt? Immerhin habe ich mit meinem Beitrag Bezug auf eine Aussage von dir genommen, die jemandem, der sich damit beschäftigt hat wohl kaum über die Lippen gekommen wären. Man kann bis in alle Ewigkeit darüber quasseln, ob eine entwickelte Gesellschaft nun ohne Geld funktioniert oder nicht. Das ist aber definitiv nicht der Punkt und das müsste jeder wissen, der es ernst meint mit historischen Materialismus. Ich habe ausser bei Dtaumatzein nicht dass Gefühl, dass hier erkenntniskritisch die subjektiven Grundlagen, die ja nun mal Gesellschaft konstituieren, die nichts "an sich" seinendes ist, mitreflektiert werden. Sollte es hier um die Frage gehen, ob eine privatwirtschaftliche, warenproduzierende Gesellschaft, die in der Ausbeutung abstrakter Arbeit ausschließlich Tauschwerte produziert, ohne Geld, also ohne ein vom Gebrauchswert abstrahiertes Äquivalent auskommt, ist die Antwort sehr einfach. Nämlich: NEIN! Aus diesem Grund fände ich es hilfreich, mal wieder diejenigen in den Mittelpunkt zu rücken, um deren Wohl wir uns hier (hoffentlich) sorgen. Die Menschen. Was ist denn überhaupt die Motivation dieser Diskussion? Woher kommt eine Fragestellung, wie die nach der Möglichkeit der Abschaffung des Geldes? Es ist doch ganz offensichtlich ein in der Wirklichkeit vorhandener Widerspruch in der menschlichen Praxis, der sich in dieser Fragestellung objektiviert. Wenn nun allerdings wie gebannt aufs Geld geschaut wird, welches lediglich die, sich in die Sinnlichkeit erhobene, Inkorporation der abstrakten Gesellschaftlichkeit ist, geht der Tunnelblick am eigentlichen Problem vorbei. a-v-o: "Wenn ich dich richtig verstehe, wäre das Problem gelöst, wenn es keine Lohnarbeit mehr gäbe und entweder alle oder niemand Besitzer der Produktionsmittel und der Produkte wären. Würde niemandem mehr etwas gehören, dann hätte auch niemand irgendetwas zum Tauschen -> Ende der Tauschwirtschaft. Würde jeder Mensch Unternehmer sein, also im Besitz von Produktionsmittel und Produkten, dann entsteht in einer Überproduktionsgesellschaft dennoch die Situation, dass Märkte gesättigt sind und manche dieser Unternehmer ihre Produkte nicht mehr eintauschen und somit ihren Bedarf nicht mehr decken können, sie verarmen." Klassischer Fall des Problems, auf das ich , mittlerweile verzweifelt, hinzuweisen versuche. Erstens hat Dtaumazzein, wenn ich ihn da richtig verstanden habe, den Unterschied zwischen Überfluß- und Überproduktionsgesellschaft bereits erläutert. Das ist der eine Punkt, an dem die Kritik von a-v-o am Gegenstand vorbeirauscht. Zweitens kann man die gegenwärtige (kapitalistische) Form von Begriffen wie "Unternehmer" und "Märkte" nicht auf eine zukünftige Gesellschaft projezieren. In einer Gesellschaft, die ihren tatsächlichen Bedarf und dessen Befriedigung konkret, und eben nicht abstrakt über einen, Naturgesetzen nachgebildeten, Markt kommunizieren würde, ist es ausgeschlossen, dass jemand verarmen würde. Salut
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a-v-o (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #155 am: 09. Juli 2003, 21:39 Uhr » |
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Am 07. Juli 2003, 16:51 Uhr, schrieb Dtaumatzein :die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse, die Existenz der Lohnarbeit und damit der Aneignung von Teilen der Produkte durch die Besitzer der Produktionsmittel |
| Da die tauschhandelsfreie Gesellschaft auf Überproduktion und Vollversorgung der Bevölkerung beruht, ist niemand mehr zur Lohnarbeit gezwungen. Wenn jemand seine Arbeitskraft in die Dienste eines Unternehmens / Projekts stellt, dann ist das seine freie Entscheidung. Das Aneignen von Teilen der Produkte und die dabei entstehenden kapitalistischen Eigentumsverhältnisse stellen nur so lange ein Problem dar, wie Produkte knapp sind. Gibt es Produkte massenhaft, dann kann jeder aufhäufen so viel er will. Jede Gier hat bei materiellen Dingen eine Grenze. Rechne eine Milliarde Euro in Waren um: Wie viele Häuser, Autos, Fernseher usw. müßte ein Milliardär ansammeln? Würde dieser Mensch sich wirklich um die Erhaltung aller dieser Werte kümmern wollen, zig Häuser reinigen, instandhalten, zig Autos warten usw.? Jemand, der Produktionsanlagen besitzt, aber selbst nichts produzieren will, wird sicher nicht den Aufwand betreiben, sich um diese Anlagen zu kümmern. Ob sie jemand anders zur Produktion nutzt, dürfte ihm egal sein. Er wird vielleicht sogar erfreut darüber sein, denn so kann er in den Genuß dieser Produkte kommen, die diese Anlagen durch die Arbeit eines anderen herstellen. Natürlich kann jetzt wieder gefragt werden, warum dieser Andere die Arbeit machen soll, womit wir wieder beim Thema Motivation für Arbeit wären. Weiterhin kann gefragt werden, warum dieser Andere die hergestellten Produkte an den Ersten abgeben soll. Drehen wir die Frage um: Wenn über Bedarf produziert wird, warum soll der Erste nichts bekommen? Am 09. Juli 2003, 13:32 Uhr, schrieb Karl._W._Reich :| Wenn nun allerdings wie gebannt aufs Geld geschaut wird, welches lediglich die, sich in die Sinnlichkeit erhobene, Inkorporation der abstrakten Gesellschaftlichkeit ist, geht der Tunnelblick am eigentlichen Problem vorbei. |
| Das ist so ein Satz, bei dem ich mich frage, welche Vorstellungen der Schreibende dabei hatte. Was stellt sich Karl unter einer "abstrakten Gesellschaftlichkeit" vor? Dass diese inkorporiert wird heißt wohl nichts anderes, als dass das Abstraktum einen konkreten Körper bekommt. Bei Sinnlichkeit stellt sich die Frage nach dem Kontext (biologisch, psychologisch, allgemeiner Sprachgebrauch, sexuell). Der konkrete Körper des Abstraktums hat sich also aus irgendwelchen Niederungen in die Sinnlichkeit erhoben, so dass wir ihn zur Kenntnis nehmen können. "lediglich" deutet noch an, dass es sich dabei um nichts Besonderes sondern um etwas eher Nebensächliches handelt. Ich verstehe die Grundbotschaft des Satzes: Eine Diskussion über das Geld ist sinnlos. Aber die eingebaute Begründung kann ich gedanklich nicht nachvollziehen. Wie bereits erwähnt ist das Geld für mich lediglich ein Symbol für das zugrunde liegende Tauschhandelsprinzip. Dieses ist meiner Ansicht nach nicht geeignet in einer Überproduktionsgesellschaft die Verteilung der Güter so zu regeln, dass jeder seinen Bedarf decken kann. "Welt ohne Tauschhandel!" wäre die korrekte Formulierung für meine These. Am 09. Juli 2003, 13:32 Uhr, schrieb Karl._W._Reich :| Erstens hat Dtaumazzein, wenn ich ihn da richtig verstanden habe, den Unterschied zwischen Überfluß- und Überproduktionsgesellschaft bereits erläutert. |
| Dieser Unterschied entsteht dadurch, dass Überproduktion über die (effektive oder kaufkräftige) Nachfrage definiert wird, Überfluß jedoch über den Bedarf (potenzielle Nachfrage). Entfällt der Hemmschuh "Kaufkraft", dann erzeugt Bedarf praktisch immer Nachfrage, der Unterschied verschwindet. Am 09. Juli 2003, 13:32 Uhr, schrieb Karl._W._Reich :| In einer Gesellschaft, die ihren tatsächlichen Bedarf und dessen Befriedigung konkret, und eben nicht abstrakt über einen, Naturgesetzen nachgebildeten, Markt kommunizieren würde, ist es ausgeschlossen, dass jemand verarmen würde. |
| Habe ich das richtig verstanden, dass wir derzeit abstrakt über einen Naturgesetzen nachgebildeten Markt kommunizieren? Wie soll die konkrete Kommunikation aussehen / ablaufen?
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Platero (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #156 am: 09. Juli 2003, 22:29 Uhr » |
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Am 08. Juli 2003, 18:57 Uhr, schrieb Eberhard : 1. Warum haben die Leute das Geld zur Bank gebracht, wo sie Strafzinsen zahlen mussten, anstatt es unter ihrer Matratze zu deponieren? |
| Hallo Eberhard, schön da interessiert sich doch noch jemand für Zinsen und fragt sogar nach! a-v-o hat ja schon einen Link geschickt, überhaupt gibt es einige Stellungnahmen dazu im Net und es war wohl auch nicht das einzige Experiment dieser Art! Aber nun zu Deiner Frage: Diese Noten entwerteten sich monatlich um ein Prozent ihres Nennwertes. Durch das Aufkleben einer Marke in Höhe des Schwundes am Monatsende durch den jeweiligen Besitzer konnte der Schwund ausgeglichen werden. Man nannte das auch 'Schwundgeld' Zitat: 2. Durfte man sich Geld von anderen ausleihen oder konnte man nur ausgeben, was man hatte? |
| Ich denke schon, daß man es leihen konnte, aber was hätte das gebracht? Zitat: 3. Hatte das Wörgler Freigeld am Ende die gleiche Kaufkraft wie am Ende oder war es an den Wert des Schilling gekoppelt? 4. Was bekamen die Wörgler am Ende des Experimentes für das Freigeld in ihrem Besitz? |
| Das Notgeld war in Schillinge konvertierbar, d.h. es konnte nach einer Entrichtung der Umtausgebühr von zwei Prozent des Nominalbetrages in normale Schillinge umgetauscht werden. Insgesamt lief der Schwundgeld-Versuch 14 Monate und es nahmen ca. 6.000 (!!) Menschen aus Wörgl und den umliegenden Gemeinden daran teil! Zitat: 5. Wie wurde das Freigeld eingeführt? Musste man es sich kaufen oder wurde es umsonst auf alle Einwohner (gleich?) verteilt? |
| In Umlauf wurde das Geld dadurch gebracht, daß die Gemeinde denjenigen Arbeitern und Angestellten der Gemeinde, die sich mit der Zahlung in Notgeld konform gezeigt haben, zunächst 50 % , später sogar 75 % der Löhne und Gehälter in Notgeld ausgezahlt wurden. Freigeld, also Geld, das nicht hamsterbar ist und eine feste Kaufkraft hat, ist trotz der letztgenannten Eigenschaft kein Hamstergut, sondern ein reines Tauschmittel. So erfüllt es endlich die Anforderung, die schon Aristoteles (384 - 322 vor Chr.) mit Recht an ein gutes Geld gestellt hat: daß es stets und ohne Unterbruch weiter gegeben werde, da seine Aufgabe der Umlauf sei. (Fritz Schwarz: Das Experiment von Wörgl) Mit bestem Gruß Platero
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Sheelina (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #157 am: 09. Juli 2003, 22:55 Uhr » |
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Guten Abend zusammen, da mich dieser Thread von Anfang an sehr interessiert hat, ich aber nun kaum in der Lage bin Euren Diskussionen hier zu folgen, ich also gar nicht weiß wer für was argumentiert und geschweige denn, zu welchen Erkenntnissen ihr nun gekommen seid, möchte ich Euch bitten, falls es nicht zu viel verlangt ist, mir am Ende das Ergebnis mitzuteilen, ob und wie eine Welt ohne Geld denn nach Eurer Ansicht nun möglich ist oder nicht. Lieben Dank. Lina
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| « Zuletzt bearbeitet: 09. Juli 2003, 22:58 Uhr von Sheelina » |
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Von ´01-´09 schrieb ich hier. Seit 06 als Mod. eingetr. Inaktiv seit 2009. Ich wünsche dem Forum alles Gute
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Karl._W._Reich (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #158 am: 10. Juli 2003, 00:02 Uhr » |
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Hallo zusammen, Folgende Frage: Was ist der Sinn des Lebens? Ich meine, was bedeutet das hier alles? Diskutiert doch bitte mal die Frage, und wenn es nicht zuviel verlangt ist, sagt mir dann bescheid, wenn ihr die Lösung gefunden habt. Also dieses Thema interessiert mich irgendwie brennend, aber ich hab´s bis jetzt selbst nicht geschafft, mich damit zu beschäftigen. Ich hätte die Antwort gern auf so 1-2 Din A4 Seiten, aber nur wenn das nich zuviel Mühe macht. Na dann gute Nacht
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Platero (Offline)
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[spin]Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #159 am: 10. Juli 2003, 00:04 Uhr » |
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Am 09. Juli 2003, 22:55 Uhr, schrieb Sheelina :Guten Abend zusammen, da mich dieser Thread von Anfang an sehr interessiert hat, ich aber nun kaum in der Lage bin Euren Diskussionen hier zu folgen, ich also gar nicht weiß wer für was argumentiert und geschweige denn, zu welchen Erkenntnissen ihr nun gekommen seid, möchte ich Euch bitten, falls es nicht zu viel verlangt ist, mir am Ende das Ergebnis mitzuteilen, ob und wie eine Welt ohne Geld denn nach Eurer Ansicht nun möglich ist oder nicht. Lieben Dank. |
| Hallo Lina, der Weg ist das Ziel ! Aber vielleicht gibt es ja am Ende so eine Art Zusammenfassung??? Liebe Grüße Platero
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Sheelina (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #160 am: 10. Juli 2003, 06:47 Uhr » |
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Guten Morgen K.W. Reich und Platero, spätestens wenn ich mal in Rente gehe, werde ich es dann mal wohl selbst machen, wahrscheinlich aber eher nicht. Wie man allerdings von einer Welt ohne Geld auf den Sinn des Lebens kommt, ist mir schleierhaft. Ich glaube, es würden noch mehr ihren Sinn des Lebens verlieren und es würde noch mehr Suchende nach dem Sinn des Lebens geben. Grüsse, Lina
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Von ´01-´09 schrieb ich hier. Seit 06 als Mod. eingetr. Inaktiv seit 2009. Ich wünsche dem Forum alles Gute
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Platero (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #161 am: 10. Juli 2003, 12:29 Uhr » |
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Hallo, liebe Philtalker, zunächst Dank an Dtaumatzein für den Hinweis zu den Begriffen Überproduktion, Überfluss, Bedarf, Bedürfnisse usw. Ich gebe zu, damit zunächst auch recht schlampig umgegangen zu sein. Beim weiteren Nachdenken bin ich darauf gekommen, dass wir auch den Begriff Waren zunächst nur sehr grob handhaben. Dass es sich bei der Arbeitskraft um eine Ware handelt wurde schon mehrfach genannt, alles andere bezeichnet auch man auch als 'Güter'. Grundsätzlich gilt: Es gibt 'freie Güter' wie z.B. die Luft zum Atmen, die jedem frei zugänglich ist (außer Bergarbeitern, Tauchern, Astronauten usw.) mit dieser Art von Gütern lässt sich tatsächlich nicht handeln – sie sind im Überfluss vorhanden und das bleibt hoffentlich auch so. Die meisten anderen Güter aber sind grundsätzlich 'knappe Güter', ich muß etwas dafür tun oder geben, um sie nutzen zu können, daraus ergibt sich der Tauschhandel. Wenn ich persönlich nichts dazu tue, muß es ein anderer für mich tun. Dann gibt es darüber hinaus noch Kollektivgüter oder Öffentliche Güter (z.B. Hochwasserschutz, von dem niemand ausgeschlossen werden kann) Nun befinden wir uns in einer Situation, in denen auch die 'knappen Güter' scheinbar in einem Überfluss (so wie die Luft zum Atmen) vorhanden sind und a-v-o glaubt m.E., das eine mit dem anderen gleich setzen zu können. Deshalb meine Frage an dich, was macht dich so sicher, dass diese knappen Güter weiterhin im Überfluss vorhanden sein werden? Deine Antworten hierzu befriedigen mich nicht so recht. Die Grundprobleme in der Wirtschaft bei Arbeitsteilung, die auch in deinen Antworten auftauchen, sind doch folgende: 1. Informationsproblem: Welche Gütermengen werden wann wo benötigt bzw. sind wo verfügbar? 2. Leistungsproblem: Wie kann man Menschen zur Leistung und Innovation motivieren? 3. Koordinationsproblem: Wie können Pro- duzenten miteinander koordiniert werden? 4. Kontrollproblem: Wie kann regel- bzw. vertragsgerechtes Verhalten gesichert werden? Hinzu kommt: Menschen haben Interessen, die zu Konflikten in der Gesellschaft führen. All diese Probleme sind immer zu lösen – eben weil es sich grundsätzlich um knappe Güter handelt und nicht um Luft. Beste Grüße Platero
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Dtaumatzein (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #162 am: 11. Juli 2003, 18:18 Uhr » |
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Lieber Andreas, Du hast Dir - wie andere hier im Talk auch - eine schöne auf liebenswerte Aufgabe gestellt. Du suchst nach einer alternativen, besseren Form menschlichen Zusammenlebens, das möglichst nicht von Geldsorgen belastet und verzerrt wird. Leider unterlaufen Dir aber bei unserer Diskussion im Übereifer recht oft peinliche logische Schnitzer und Argumentationsmängel. Hier nur einige Beispiele : Am 8.Juli schriebst Du : Zitat:Gestern, 13:32 Uhr, schrieb Karl._W._Reich : Erstens hat Dtaumazzein, ......., den Unterschied zwischen Überfluß- und Überproduktionsgesellschaft bereits erläutert. Dieser Unterschied entsteht dadurch, dass Überproduktion über die (effektive oder kaufkräftige) Nachfrage definiert wird, Überfluß jedoch über den Bedarf (potenzielle Nachfrage). Entfällt der Hemmschuh "Kaufkraft", dann erzeugt Bedarf praktisch immer Nachfrage, der Unterschied verschwindet. |
| Ja, genau auf diesen Unterschied zwischen den Definitionen kaufkräftiger und potentieller Nachfrage habe ich hingewiesen. Dabei gehen wir alle davon aus, daß die Unterschiede in der Definition einem realen Unterschied entsprechen. Hingewiesen habe ich auf diese Unterschiede, weil Du immer und immer wieder behauptest, wir leben in einer ‘Überflußgesellschaft’, tatsächlich aber haben wir eine ‘Überproduktionsgesellschaft’. Und Deine Beispiele, mit denen Du Deine Behauptung beweisen willst, belegen den Zustand der Überproduktion. Es werden mehr Dinge und Dienstleistungen bereitgestellt als mit Geld bezahlt werden können. Nun willst Du in der Wirklichkeit das Geld wegfallen lassen - und behauptest dann, daß somit die Unterschiede zwischen kaufkräftiger und potentieller Nachfrage wegfallen. Welche Unterschiede denn ? In der Definition oder in der Wirklichkeit? In der Definition können sie nicht wegfallen, denn die eine Definition bezieht sich auf den Zustand mit Geld und die andere auf den Zustand ohne Geld. Und die Definition der kaufkräftigen Nachfrage bleibt richtig, auch wenn ein anderer Zustand der Gesellschaft eingetreten ist. Wenn ein Lebenwesen gestorben ist bleibt die Definition, was Leben ist, auch immer richtig. In der Wirklichkeit kann der Unterschied von kaufkräftiger und potentieller Nachfrage auch nicht wegfallen, weil ja in der Welt ohne Geld gar keine Kaufkraft mehr da ist. Dtaumatzein
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Dtaumatzein (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #163 am: 11. Juli 2003, 18:23 Uhr » |
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Lieber Andreas, später lesen wir von Dir : Zitat:Am 06. Juli 2003, 22:23 Uhr, schrieb Platero : Was macht Dich so sicher, dass die Vorraussetzung (Überflussgesellschaft) dafür stabil bleibt? a) Derzeit sehe ich, dass die Geldwirtschaft die Überflußgesellschaft nicht stabilisiert, sondern abbaut. Einer der Teufelskreise lautet bspw.: größere Arbeitslosigkeit -> geringere Kaufkraft -> geringere Nachfrage (bei gleichbleibendem oder sogar wachsendem Bedarf) -> Verringerung des Angebots -> Verringerung der Produktion -> Entlassung von Mitarbeitern -> größere Arbeitslosigkeit ... b) Wir haben eine Überflußgesellschaft, gleichzeitig sind umfangreiche und werden zunehmend mehr Ressourcen durch die Geldwirtschaft gebunden (Grund und Boden, Gebäude, Arbeitskräfte und Arbeitszeit, materielle Ressourcen u.ä.). Diese Ressourcen können in einer tauschhandelsfreien Gesellschaft produktiv genutzt werden. ........... Der Tauschhandel unterteilt unsere Gesellschaft in voll geschäftsfähige, beschränkt geschäftsfähige und nicht geschäftsfähige Menschen. Letztere sind von ersteren zwangsläufig abhängig, wodurch erstere mehr Macht über letztere haben. Diese Unterteilung soll dem Schutz letzterer dienen, die ansonsten von ersteren ausgebeutet werden können. Gleichberechtigung und Gleichstellung von Menschen ist hier prinzipiell nicht möglich. |
| Die Frage von Platero faßt die vielen Einwände zusammen, die schon zu Deiner Idee von der tauschhandelsfreien Gesellschaft gekommen sind. Von verschiedenen Seiten wurde ja darauf hingewiesen, daß über das Geld als Wertzeichen die Reproduktionszyklen und die Proportionen in der Gesellschaft vermittelt, organisiert werden und daß solche Vermittlung immer notwendiger wird, je arbeitsteiliger und dynamischer die Gesellschaft wird. Es wurde auf die historischen Wandlungen in der Arbeitsteilung, den Klassenbeziehungen und dem Entwicklungstempo von Gesellschaften hingewiesen. Als Antwort, wie denn ohne Geld stabile (und ausreichend schnelle) Vermittlungen zwischen den Gesellschaftsmitgliedern erhalten, also auf Dauer gestellt bleiben können, antwortest Du auf zweierlei Weise : Einerseits schwärmst Du wieder von den Vorteilen einer tauschhandeslfreien Gesellschaft. Zum anderen sagst Du, man kann ja die bestehenden Strukturen weiter nutzen. So etwa Zitat:Die Frage nach den richtigen Spezialisten, die zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zusammenarbeiten sollen, ist auch in bestehenden Strukturen (Arbeitsmarkt) geregelt. Diese ganzen Abläufe können weiter bestehen und noch ausgebaut werden. |
| Solche Ausführungen überzeugen aus zwei Gründen überhaupt nicht : Der Markt ist ja die Institution, wo der Tauschhandel realisiert wird. Du behauptest nun, daß dieser Tauschhandel zugleich abgeschafft und doch weiter bestehen kann - also logischen Unsinn. Zum anderen sprichst Du zwar auch von bestehenden Strukturen, die Abläufe sind. Zugleich scheinst Du aber zu vergessen, daß diese Abläufe eben durch Geld realisiert, gesteuert werden und zum anderen vergißt Du, daß sich alle Strukturen und Abläufe heutzutage rasend verändern, also nicht einfach bestehen, sondern immer wieder neu gestaltet und einjustiert werden müssen. Man kann etwa das Wertzeichen Geld durch das Wertzeichen Arbeitszeit ersetzen - aber irgend ein Wertzeichen brauchen wir in der entwickelten Gesellschaft. Dtaumatzein
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Dtaumatzein (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #164 am: 11. Juli 2003, 18:29 Uhr » |
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Lieber Andreas, Du sagst uns . Zitat:Am 07. Juli 2003, 16:51 Uhr, schrieb Dtaumatzein : Das Geld ist nur das Meßinstrument Es ist schon erstaunlich. Jetzt ist das Geld nur Meßinstrument, also etwas, das eigentlich gar keinen Einfluß ausübt. Gleichzeitig wird mir in diesem Thread erklärt, dass Geld ein Kommunikationsmittel ist. Außerdem schafft Geld anscheinend Verbindung zwischen Handelwilligen. Es ist Tauschmittel und Wertspeicher. Nicht zuletzt ist Geld selbst auch Ware mit der gehandelt werden kann. Geld kann sich vermehren, indem es Zinsen bringt. Geld ist unter bestimmten Umständen eine Form von Kapital. .................. Irgendwie wird hier immer wieder das Thema gewechselt: Beschreibe ich, wie gerade hier oben, dass es bereits bestehende Strukturen gibt, die genutzt werden können, dann wird mir erklärt, dass diese aufgrund fehlender finanzieller Motivation zusammenbrechen werden, weil dann kein Mensch mehr was arbeiten will, sondern nur noch Nichtstun. Versuche ich dann die Motivation für Arbeit zu ergründen, indem ich hinterfrage, "Ist Geldverdienen die einzige Motivation zur Arbeit?", dann wird mir Unsachlichkeit vorgeworfen |
| Lieber Andreas, zunächst begehst Du etwas, was ich hier schon mal als Todsünde beim Argumentieren bezeichnet habe - Du zitierst, indem Du eine Wortfolge aus dem Zusammenhang herausnimmst. Ich hatte gesagt, daß bei den Krisen der kapitalistischen Gesellschaft das Geld nur das Meßinstrument ist, nicht die wesentliche Ursache. Ich habe also keine Definition von Geld überhaupt gegeben. Du aber bist erstaunt, wenn auch noch auf andere Eigenschaften und Funktionen von Geld verwiesen wirst und siehst darin einen willkürlichen Themenwechsel bei Deinen Gesprächspartnern. Merkst Du gar nicht, daß es sich um verschiedene Aspekte in der Wirklichkeit handelt, die zur Sprache gebracht werden ? Und das macht eben auch das Problem wissenschaftlichen Denkens aus, den Zusammenhang der verschiedenen Aspekte aufzudecken. Und wenn Unterschiede in den Definitionen auftreten, so stecken dahinter vor allem Unterschiede in den Theorien und Ideologien und in der Problemsicht, die in weiterer Diskussion und Untersuchung bewußt gemacht werden können. Ich grüble etwa im Moment daran, ob die Idee von Marx von der kommunistischen ‘Überflußgesellschaft’ realistisch ist. Zwar vermehren sich unsere Produktionsmöglichkeiten immer rascher, doch wachsen die Bedürfnisse nicht noch rascher ? Dazu würde ich mir gerne eine Denkpause in unserer Diskussion ausbitten. Je länger ich mich mit Deinen Diskussionsbeiträgen befasse, um so mehr habe ich den Eindruck, Deine Überlegungen kommen weniger aus einer gründlichen und historischen Untersuchung der wirklichen Vorgänge, sondern aus einer guten Absicht. Der Stil der Argumentation paßt eher in die Zeit des frühen Sozialismus und Kommunismus etwa bei Robert Owen oder Saint Simon. Vielleicht gönnst Du Dir auch ein Denkpause und siehst Dich dabei noch einmal in den nachfolgenden Theorien zur Gesellschaftsentwicklung um. Ich denke, dann wird der Gedankenaustausch noch spannender. Dtaumatzein
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