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Thema: Welt ohne Geld? (Gelesen 20631 mal) |
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anna11
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #180 am: 14. Juli 2003, 10:48 Uhr » |
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Nun Karl, ich hab mich tatsächlich an unpassender Stelle hier eingeklinkt. Neige ich doch zum Konstruktivismus, schlimmer noch - zur praktikableren Form, der Wahrheitsforschung. Insofern MUSS ich mich nicht bis in’s Detail in Marxismus und Kapitalismus hineinarbeiten, weil beides meinem Anspruch nicht genügt (Oder ich womöglich meinen Anspruch bei weitem übererfüllt sehen würde?). So bleibt für mich das „Werkzeug“ Geld trotz oder vielleicht gerade wegen der sich selbst mystifizierenden Eigenschaft ein brauchbares Mittel zum Zweck. Unbewusste Mystifizierung mag dem Ideologen widerstreben, bei aller Selbstzerfleischung und Zerfleischung anderer wird er das Unbewusstsein nicht dadurch aus der Welt schaffen, indem er die Kausalkette von hinten aufrollt. Und jetzt macht weiter mit den Zinsen. Ich setz mich in eine ruhige Ecke und lausche...
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Karl._W._Reich (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #181 am: 14. Juli 2003, 14:55 Uhr » |
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Tach Anna die Elfte, Mich würde brennend interessieren, wie man die Fragestellung "Welt ohne Geld?" aus pragmatisch konstruktivistischer Sicht behandelt. Und: Auf welchen theoretischen Konstruktivismus beziehst du dich. Eher auf den radikalen a la Watzlawick und Luhmann oder auf einen gemäßigten wie z.B. durch Piaget vertreten? Salut
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anna11
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #182 am: 14. Juli 2003, 20:12 Uhr » |
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Karl, dass Luhmann sich ausgiebigst mit dem lieben Geld und dem Marxschem Kapital speziell auseinandergesetzt hat, das muss ich Dir wohl kaum erzählen. Und dass es genügend Kritiker Luhmanns gibt, das würdest Du ohnehin anführen. In meinen Augen hat Marx das Geld tatsächlich unterschätzt, und die Macht, die ihm innewohnt. Das komplexe Zusammenwirken des Geldsystems mit seiner Umwelt macht es für mich jedoch nicht unbrauchbar - wie jedes andere System auch. Wirtschaftsethik wird zukünftig ein Thema sein müssen, wenn das Geldsystem nicht kollabieren soll. Vielleicht schaffen wir das. Und wenn nicht, dann ist es mir relativ gleichgültig. Zu Deiner Frage, welche Art Konstruktivismus ich bevorzuge: Ich bin mir darüber nicht ganz im Klaren. Bisher ist es der einzige Erklärungsversuch meiner selbst, bei dem ich nicht auf eine Sackgasse stieß. Noch kann ich den radikalen Weg mitgehen, wenn dem nicht mehr so ist, dann steht es mir frei, mich abzuwenden. Bisher erscheint es mir brauchbar und deckt sich mit meinen eigenem Erleben.
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Platero (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #183 am: 14. Juli 2003, 20:38 Uhr » |
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Liebe Philtalker Also medias in res: Was sind Zinsen? Dtaumatzein schreibt uns: Zitat: Man kann dann von dem Kreditnehmer einen gewissen Ersatz für den potentiellen Gewinn erwarten und das ist eben der Zins. |
| In einem meiner früheren Beiträge habe ich bereits auf Aufgaben des Geldes hingewiesen, die sich gegenseitig widersprechen: a) als Tauschmittel b) als Vermögensgegenstand Ein Tauschmittel kennzeichnet, dass es weitergeben wird, ein Vermögengegenstand wird gehortet. Ein Tauschmittel steht allen zur Verfügung, ein Vermögensgegenstand ist privates Gut, das alle anderen von der Benutzung ausschließt. Bisher sind wir 'fast einhellig' zu der Auffassung gelangt ( Achtung Lina, kleines Zwischenergebnis): ohne Tauschmittel ist Tausch nicht möglich und damit auch nicht Arbeitsteilung. Wenn ich also Geld besitze und horte, habe ich den Vorteil, es einerseits jederzeit gegen alles andere eintauschen zu können (Joker), gleichzeitig ist es für alle anderen Teilnehmer gesperrt. Dieser Vorteil ist die Liquidität, wenn ich ihn aufgebe, indem ich Geld verleihe, bekomme ich dafür eine Liquiditätsprämie (s. Keynes) sie entspricht dem Zins. Wird Geld aus bestimmten Gründen aus dem Wirtschaftskreislauf zurückgehalten, wird es knapp und der Geldbesitzer kommt zu erhöhten Zinsbezügen, die er auf Kosten Leistender erhält, das kann der Kreditnehmer selber sein oder über die Preise alle Endverbraucher, wenn es sich um Wirtschaftskredite handelt. Die Rendite aus Sachkapital muß nun mindestens dem Zins entsprechen, andernfalls ist das Sachkapital nicht mehr rentabel. So ist natürlich das zinstragende Geld nicht der Grund für die Kapitalrenditen ( das ist immer noch der durch die Arbeit erbrachte Mehrwert), der Zins sorgt aber dafür, dass die Renditen nicht unter eine bestimmte Grenze sinken können. Andernfalls macht das Unternehmen Konkurs, auch wenn es vielleicht noch wirtschaftlich arbeiten könnte. Wie am Beispiel von Wörgl braucht es einen Anreiz, Geld nicht zu horten, diese Funktion erfüllt der Zins, daher ist er aus einem funktionierenden Wirtschaftszyklus m.A.n. nicht fortzudenken, wohl aber zu modifizieren. Soviel zunächst zum Zins und der Besonderheit des Geldes als Ware allgemein, natürlich gibt es da noch einiges mehr zu verstehen und zu diskutieren z.B. die Besonderheit des Zinseszinseffektes, auch sie erklärt uns, weshalb die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinanderklafft. Weiterhin vermutet Dtaumatzein: Zitat: (Übrigens: In Wörgl war offensichtlich der Negativzins wohl eine Art Steuer, die die Gemeinde erhoben hat, die wie die meisten Kommunen heute ja in argen Finanznöten gesteckt hat ...) |
| Daß der eigentliche Nutznießer des Experimentes die Gemeinde war, ist völlig richtig und dagegen ist ja nun nichts einzuwenden. Dennoch ist die Einführung des Freigeldes nicht mit der üblichen Haushaltsaufbesserung durch Steuern zu vergleichen. In der gesamten Gemeinde blühte ja das zuvor stagnierende wirtschaftliche Leben wieder auf, die Arbeitslosigkeit sank. Das wird in der Regel durch eine einfache Steuererhöhung nicht so leicht erreicht. Der Grund liegt in einem veränderten Verhalten der Wirtschaftenden der Gemeinde durch das neue Geld. Zitat: In der sog. Trinitarischen Formel haben die klassischen Ökonomen Adam Smith und David Ricardo behauptet, es gibt im Nationaleinkommen drei Formen von Einkommen oder Revenuen, die jeweils den Grundklassen der Gesellschaft zukommen. Diese Einkommensarten sind Lohn (für die Arbeiter), Profit (für Kapitalisten) und Grundrente (für Grundbesitzer). Ein wesentliches Verdienst von Marx und Engels besteht darin, nachzuweisen, daß die einheitliche Quelle des Nationaleinkommens bzw. der Revenuen die produktive Arbeit von Lohnarbeitern ist. |
| Nur ganz kurz: Was natürlich weder Marx noch Engels damals wissen konnten ist, dass es heute einem Lohnarbeiter nach relativ kurzer Zeit Arbeit möglich ist, ein Auto zu besitzen, damit besitzt er ein technisch hochentwickeltes Produktionsmittel für Dienstleistungen, er kann damit z.B. ein Taxiunternehmen gründen oder Kurierdienste übernehmen. Natürlich nur, wenn er bereit ist, das Risiko seines Unternehmens auch zu tragen. Auch ein PC ist gewissermaßen ein hochentwickeltes potentielles Produktionsmittel, ein Cd-Brenner und vieles mehr. Wenn er dann in seinem Auto fährt fließt, ihm der Profit für seine Arbeit gleich in die eigene Tasche - dagegen hätte doch Marx im Grunde gar nichts haben dürfen, oder irre ich mich hier? Mit besten Grüßen Platero PS Beim Durcharbeiten der Kapitel 23: Zins und Unternehmergewinn und 48: Die trinitarische Formel ist mir aufgefallen, daß Marx nirgends auf das Unternehmerrisiko eingeht, der Begriff taucht da gar nicht auf oder hab ich da was übersehen?
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anna11
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #185 am: 14. Juli 2003, 20:53 Uhr » |
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Lina, aber Arbeitsteilung oder Spezialisierung macht es notwendig, Produkte von A nach B zu bringen. Dazu ist Geld unerlässlich. Oder?
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Platero (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #187 am: 14. Juli 2003, 22:43 Uhr » |
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Am 14. Juli 2003, 20:48 Uhr, schrieb Sheelina : Das ist wirklich lieb von Dir Platero, daß Du mich auf ein Zwischenergebnis aufmerksam machst. Aber sei mir bitte nicht böse, kann das alles hier eigentlich Eurer Ernst sein? Ihr benutzt ja kapitalistische Argumente, wie sollte da etwas anderes bei rauskommen, als die Unmöglichkeit einer Welt ohne Geld Und selbstverständlich ist Arbeitsteilung auch ohne Geld möglich. Es ist in den Familien möglich und könnte so auch in der Gesellschaft möglich sein. Der Tauschfaktor wäre dann wenn Du so möchtest die Arbeit selbst. |
| Hallo Lina, die Frage war doch m.E., ob es in einer hoch entwickelten Gesellschaft ohne Geld geht, das hab ich nun nicht mehr explizit erwähnt und ich sagte Dir ja bereits, auch in einer solchen Diskussion ist der Weg das Ziel. Auf Deinen Hinweis zur Familienarbeit nochmals einzugehen würde uns um ca. 1/2 Jahr und viele Beiträge zurückwerfen - Geschrieben von: Dtaumatzein Geschrieben am: 27. Jan. 2003, 11:38 Uhr Zitat: Gemeinschaften ohne Geld gab und gibt es wohl nicht nur als Familien und zu Inflationszeiten. Bis heute wurde immer wieder mit solchen Lebensformen experimentiert. Über die Gütergemeinschaft der ersten Christen erfährt man :"Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, daß sie sein wären, sondern war ihnen alles gemeinsam .... und teilten aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte." (Bibel, Apostelgeschichte 4,32f und 3,45). In Gütergemeinschaften leben noch heute etwa 33.000 Hutterer in den USA, Kanada und Japan. Klöster finden wir in christlicher, buddhistischer und gandhistischer Tradition. Die Utopisten Fourier wie Owen gründeten im 19.Jh. Gemeinschaften, wo die Mitglieder ohne Geldbeziehungen zusammenlebten. Kibuzzi spielten eine große Rolle bei der Entstehung des heutigen Israel. Warum wohl blieben das Inseln in den Meeren von Privatbesitz an Produktionsmitteln ? Ich denke, weil solche Lebensgemeinschaften sich oft recht engen Begrenzungen in den Bedürfnissen auferlegen mußten. So geriet die Freiheit mit der Gleichheit und Brüderlichkeit öfter in Konflikt. Vor allem junge Menschen sahen wohl die moralische Würde eines Lebens und die soziale Wärme bei Geldlosigkeit und Gütergemeinschaft. Aber sie sahen auch die vielfältigeren Lebensmöglichkeiten, die im 'Weltleben' mit seinem Leistungs- und Geldstreben entstehen. Marx hat wohl in einer seiner Schriften dieses Paradoxon weiter durchdacht. Er meint in etwa, auch in einer alternativen, sozialistischen Gesellschaft müsse es noch Geld geben, um überdurchschnittliche Leistungen zu bewerten und zu belohnen. Eine Gesellschaft, in der jeder erhalten kann, je nachdem er es nötig hat, würde nur funktionieren, wenn ein Überfluß an Gütern und Dienstleistungen produziert werden kann. Erst dann kann man den ärgerlichen Streit um Mehrhaben wirklich vermeiden. Mir leuchtet das ein. |
| Hier nochmal zum Nachlesen, damit sich Deine Haare wieder glätten Platero
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| « Zuletzt bearbeitet: 14. Juli 2003, 22:47 Uhr von Platero » |
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a-v-o (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #188 am: 14. Juli 2003, 23:48 Uhr » |
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Die Frage ist also: Ist unsere Wirtschaft leistungsfähig genug, um Überfluß zu produzieren?
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Platero (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #190 am: 15. Juli 2003, 10:08 Uhr » |
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Am 15. Juli 2003, 00:24 Uhr, schrieb paul : Ist unsere Wirtschaft leistungsfähig genug, um Überfluß zu produzieren? noch wichtiger wäre doch die Frage: Warum sollte sie? |
| Hallo Andreas, hallo Paul, Zur Frage von Andreas: Nehmen wir mal das Beispiel Milchproduktion: Heute wird in der EU Milch im Überfluss produziert und zu Preisen angeboten, die weit unter den Herstellungskosten liegen, die Landwirte tatsächlich aufwenden müssen. Das geht nur, weil die Milchwirtschaft subventioniert wird, d.h. wir alle zahlen dafür an anderer Stelle, daß wir billige Milch kaufen können. Nun wird die überflüssige Milch nicht einfach ins Meer geschüttet sondern exportiert, damit wenigstens ein gewisser Betrag zurückfließt. Diese Billigmilch sorgt damit dafür, daß die Milchproduktion in den ärmeren Ländern zerstört wird. Wollen wir das wirklich? Platero
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Karl._W._Reich (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #191 am: 15. Juli 2003, 12:27 Uhr » |
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Servus Anna, Du machtest jene Bemerkungen: "Ich kann dem Faden Deiner Beiträge durchaus folgen, jedoch widerstrebt es mir, Deine Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Das Übel ist nicht das Geld, das Übel ist die Gesellschaft." "In meinen Augen hat Marx das Geld tatsächlich unterschätzt, und d i e M a c h t, d i e i h m i n n e w o h n t. Das komplexe Zusammenwirken des Geldsystems mit seiner Umwelt macht es für mich jedoch nicht unbrauchbar - wie jedes andere System auch. Wirtschaftsethik wird zukünftig ein Thema sein müssen, wenn das Geldsystem nicht kollabieren soll. Vielleicht schaffen wir das. Und wenn nicht, dann ist es mir relativ gleichgültig." Kannst du mir herleiten, wie das zusammengeht. Ist jetzt die Gesellschaft das Übel, oder hat doch das Geld ein Eigenleben? Zur BRAUCHBARKEIT von Systemen stellt sich mir immer die Frage: Für Wen? und Warum? Das Geldsystem verschleiert, ob nun gewollt oder ungewollt, den Ursprung von Wertschöpfung und erhält und verfestigt Herrschaftsverhältnisse, die ich nicht akzeptieren kann und will, weil sie mir meinen Alltag zur Hölle machen, und ich glaube, dass sogar die Nutzniesser dieses Systems um ihr mögliches Glück gebracht werden, weil es auch ihnen verwehrt ist etwas wie Frieden zu verspüren. In der Herrschaft von Menschen über Menschen gibt es nur Verlierer. Im übrigen hat in meinen Augen die reine Deskription der Wirklichkeit die Tendenz, sich dieser zu unterwerfen, weil sie keinen Anspruch mehr an den Gegenstand ihrer Erkenntnis heranträgt, welcher einzig fähig wäre ihn zu verändern. Das ist der Tot des menschlichen Willens, der bis jetzt noch für jede Errungenschaft der Menschheit verantwortlich ist und ohne den wir noch immer im Urschlamm kröchen. "Zu Deiner Frage, welche Art Konstruktivismus ich bevorzuge: Ich bin mir darüber nicht ganz im Klaren. Bisher ist es der einzige Erklärungsversuch meiner selbst, bei dem ich nicht auf eine Sackgasse stieß. Noch kann ich den radikalen Weg mitgehen, wenn dem nicht mehr so ist, dann steht es mir frei, mich abzuwenden. Bisher erscheint es mir brauchbar und deckt sich mit meinen eigenem Erleben." Solipszismus, und nichts anderes ist der radikale Konstruktivismus, hat nunmal die Eigenschaft ein geschlossenes System zu sein. Er kommt allerdings nicht umhin, die Gegenstände seiner Erkenntnis zu verbiegen um sich seine Identität zu beweisen. Den gleichen Fehler hat ein Hegel gemacht, als er nichts mehr ausserhalb vom All-Subjekt lassen wollte. Ich behaupte, dass ein großer Fehler des Denkens sein Zwang zur Identität ist, weswegen ich mich als Kritiker der bestehenden Gesellschaft verstehe, die das identitäre Denken bis in ihre äußersten Momente zur falschen, unmenschlichen Wirklichkeit gemacht hat. Wer nichts mehr ausserhalb seiner selbst läßt, beschneidet sich ums Andere und das rächt sich. Das bedeutet nicht, dass man in relativistisches Denken verfallen sollte, sondern, dass man seine Erkenntnis auf Gegenstände richtet, von denen man w i s s e n kann, und das sind zuert einmal alle m e n s c h l i c h e n Erzeugnisse. MFG, Karl
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Karl._W._Reich (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #192 am: 15. Juli 2003, 14:23 Uhr » |
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Salut Platero, Du hast letztens diese Behauptung aufgestellt: "Bisher sind wir 'fast einhellig' zu der Auffassung gelangt ( Achtung Lina, kleines Zwischenergebnis): ohne Tauschmittel ist Tausch nicht möglich und damit auch nicht Arbeitsteilung." Wer ist zu dieser Auffassung gekommen? Soweit ich weiß ist a-v-os Ansatz genau gegenteiliger Auffassung, Dtaumatzein hat bis jetzt auch nichts derartiges behauptet, meine Wenigkeit hat sich bis jetzt auch nicht in diese Richtung geäußert und Lina hat was dazu gesagt, was ein absoluter Treffer ins Schwarze war: "Das ist wirklich lieb von Dir Platero, daß Du mich auf ein Zwischenergebnis aufmerksam machst. Aber sei mir bitte nicht böse, kann das alles hier eigentlich Eurer Ernst sein? Ihr benutzt ja kapitalistische Argumente, wie sollte da etwas anderes bei rauskommen, als die Unmöglichkeit einer Welt ohne Geld" So einfach kann man den Konsens nicht beschwören. Wir wollen doch nicht undemokratisch werden, oder? Wie gehen wir nun damit um, dass offensichtlich ALLE "subjektive" Bewertungen der Richtigkeit der einzelnen Beiträge vornehmen, die logischerweise auf das zurückweisen, was wir jeweils für objektiv erachten? Lina hat ja nun auch darauf hingewiesen, dass immanente Argumentation, den Teufelskreis nicht fähig sind zu verlassen, um den sich diese Diskussion dreht. Ausser man bleibt dabei, dass eine Gesellschaft, wie unsere absolut wünschenswert ist, weiß ich nicht was Argumente bringen sollen, die das Bestehende nachträglich, reflexiv rationalisieren, anstatt seinen objektiven Unsinn zu beweisen. Sonst könnte man nämlich genauso gut behaupten, dass der Feudalismus eigentlich ganz gut war, denn auch in ihm haben nicht a l l e Menschen ihr Lebem gelassen. Die mehr schlecht als rechte Funktionalität eines Systems ist kein Grund, es als ein "an sich" zu affirmieren. Platero: "Ein Tauschmittel kennzeichnet, dass es weitergeben wird, ein Vermögengegenstand wird gehortet. Ein Tauschmittel steht allen zur Verfügung, ein Vermögensgegenstand ist privates Gut, das alle anderen von der Benutzung ausschließt." Seit wann steht JEDEM dieses Tauschmittel zur Verfügung? Einige können nur über wenig davon v e r f ü g e n, während andere, die genauso viel oder wenig konkrete Arbeit geleistet haben, über sehr viel mehr verfügen können. Erklär mir das mal. Platero: "Wenn ich also Geld besitze und horte, habe ich den Vorteil, es einerseits jederzeit gegen alles andere eintauschen zu können (Joker), gleichzeitig ist es für alle anderen Teilnehmer gesperrt." Wie komme ich zu diesem Geld und diesem V o r t e i l? Steht das o b j e k t i v jedem offen? Warum gibt es kein von Arbeitnehmern (die eigentlich die ArbeitGEBER sind) gegründetes Kreditinstitut?
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Karl._W._Reich (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #193 am: 15. Juli 2003, 14:24 Uhr » |
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Platero: "Wie am Beispiel von Wörgl braucht es einen Anreiz, Geld nicht zu horten, diese Funktion erfüllt der Zins, daher ist er aus einem funktionierenden Wirtschaftszyklus m.A.n. nicht fortzudenken, wohl aber zu modifizieren." Ist der Zins nicht gerade die irrationale Belohnung für den, der die Ware Geld hortet? Platero: "Was natürlich weder Marx noch Engels damals wissen konnten ist, dass es heute einem Lohnarbeiter nach relativ kurzer Zeit Arbeit möglich ist, ein Auto zu besitzen, damit besitzt er ein technisch hochentwickeltes Produktionsmittel für Dienstleistungen, er kann damit z.B. ein Taxiunternehmen gründen oder Kurierdienste übernehmen. Natürlich nur, wenn er bereit ist, das Risiko seines Unternehmens auch zu tragen. Auch ein PC ist gewissermaßen ein hochentwickeltes potentielles Produktionsmittel, ein Cd-Brenner und vieles mehr. Wenn er dann in seinem Auto fährt fließt, ihm der Profit für seine Arbeit gleich in die eigene Tasche - dagegen hätte doch Marx im Grunde gar nichts haben dürfen, oder irre ich mich hier?" Dass ein Arbeiter, seine Stellung zu den Produktionsmitteln verändert und zum Unternehmer wird, ändert nichts an der gesamten Wirtschaftsweise. Ausserdem hat sich der größte Teil des Bürgertums in dieser Weise geschichtlich konstituiert. Großbauern, zu Geld "gekommene Handwerker" etc. Dass man allerdings, gemessen an den gesellschaftlich erwirtschafteten Produktionsmitteln, mit einem Auto nicht besonders weit kommt, ist ein Weiteres. Vor hundert Jahren hatten bestimmt auch einige Arbeiter eine Zange oder einen Hammer. Genützt hats ihnen nichts. Sie mussten sich dennoch verdingen um ihre Reproduktion zu sichern. Frag mal den kleinen Taxiunternehmer, wie sein Geschäft läuft. Ich bin zwei Jahre Taxi gefahren. Das ist not amusing. Die ganze Ideologie der Ich-AG, die ja genau diesen Kleinunternehmerquatsch fördern will, setzt einfach stillschweigend den Humeschen Satz vom Menschen, der dem Menschen ein Wolf ist vorraus, ohne zu bemerken, dass dieser Zustand ein entstandenes ist und nicht naturgegeben. Das Risiko des Unternehmers entsteht überhaupt nur dadurch, dass die gesellschaftliche Produktion nicht gesellschaftlich abgesichert ist, was nur in der privatwirtschaftlichen Produktionsweise zum Problem wird. Warum sollte ein Einzelner die Verantwortung für ein gesellschaftliches Projekt tragen? Mir fällt kein Argument dafür ein. Adieu Karl
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Sheelina (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #194 am: 15. Juli 2003, 20:39 Uhr » |
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Guten Tag, Platero, meine Haare haben sich wieder geglättet, (auch ohne waschen und legen beim Frisör) ich trag sie wie gehabt im Zopf. Ich möchte noch ein paar Gedanken loswerden. Du schreibst Platero, daß der Weg das Ziel sei, ich kann Dir dahingehend zustimmen, wenn es das Ziel ist, einen Weg aufzuzeigen und nicht den Trampelpfad zu laufen, der bisher geläufig ist. So. Also. Hmm. Eigentlich halte ich das Kapital für zu mächtig, als daß ich gegen dieses alleine oder mit wenigen ankommen könnte, sollte mich aber eigentlich nicht hindern, wenn ich nicht schon irgendwelche Anzeichen sehe, die nämlich genau in die Richtung gehen, die das Kapital nicht in dem bisherigen Licht dastehen läßt. Ich sehe einfach eine zu große Ungerechtigkeit. Die einen können mit dem Geld >spielen<, für die anderen ist Geld nichts weiter als eine Existenzgrundlage und für wieder andere, den Mittelteil vielleicht Existenzgrundlage und etwas darüber hinaus. Soweit ich mich recht entsinne, kam der zweite Weltkrieg bzw. dessen Vorbereitungen einer Entwicklung Richtung Kapitalveränderung (sag ich jetzt mal so) dazwischen. Heute könnte die Angelegenheit vielleicht ein bisschen anders aussehen. Die Arbeitslosenquote ist mit dem Grundlagenkapital was wir haben meines Erachtens nicht mehr zu senken, was den Effekt hat, daß es immer mehr Arbeitslose geben wird. Arbeitslose galten bisher eigentlich immer als Randgruppen der Gesellschaft, hier wäre es zunächst erforderlich diese als vollwertige Gesellschaftsmitglieder zu akzeptieren, auch wenn sie scheinbar nichts für die Gesellschaft tuen. Sie werden jetzt, um überhaupt leben können zu Arbeiten herangezogen, die ein vergleichbarer fester Angestellter für das dreifache Kapital erledigen würde. Zumindest kenne ich kleine Beispiele aus der Lebenspraxis und ich meine Schröder hätte vor Monaten (oder sind es schon Jahre?) dieses Vorgehen verschärft angedroht (angekündigt). Ist das nicht ein Austreiben des Belzebuben von unten heraus in obiger Pflicht nach unten in die Breite gesetzt? Und wo führt das weiter hin? Es war gut Platero, daß Du d`taumatzin nochmal zitiert hast. Er/sie schreibt, daß Geld immer noch benötigt wird, um evtl. besondere Leistungen zu entlohnen. Aber was im Gottes Namen, sind besondere Leistungen? Leistungen bei denen man sich quält vielleicht, ansonsten müsste man ja vielleicht noch etwas mitbringen? Weitergehend ist doch dann viellmehr die Frage, warum und bei welchen Arbeiten sich der Mensch nicht als Mensch fühlt, sondern wie eine Produktionsmaschine, die sich selbst nicht sagen darf: So, Schluß für jetzt. Daß der Mensch nach der langen Geschichte des Geldes erstmal nicht ohne Zeiteinteilung auskommen wird, dürfte wohl unumstritten sein, er würde wahrscheinlich zum dahinvegetieren neigen, wie man es auch oft in zerütteten Familien sehen kann, die durch die Arbeitslosigkeit aus dem zeitlichen und sozialen Netz gefallen sind. Fortsetzung folgt (hättest mir nicht den kleinen Finger reichen dürfen, wenn es Dir nicht passt ), aber keine Sorge es ist nicht immer so.
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| « Zuletzt bearbeitet: 15. Juli 2003, 20:58 Uhr von Sheelina » |
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"Die Zeit ist die Seele der Welt" (griech. Weisheit) Der Geist ist der Raum der Welt.
Von ´01-´09 schrieb ich hier. Seit 06 als Mod. eingetr. Inaktiv seit 2009. Ich wünsche dem Forum alles Gute
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