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Thema: Welt ohne Geld? (Gelesen 20627 mal) |
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Sonja (Offline)
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Welt ohne Geld?
« am: 15. Okt. 2001, 13:50 Uhr » |
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Kann es eine Welt ohne Welt geben oder ist da ein philosophisches Gesetz, dass jede entwickelte Gesellschaft auch notwendig Geld haben muß? Grüße von Sonja
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Zarathustra82 (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #1 am: 24. Okt. 2001, 23:00 Uhr » |
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Hi Sonja! Die Formulierung "philosophisches Gesetz" hört sich für mich sehr seltsam an. Abgesehen davon ist Geld für die Komplexität unserer Handelsgemeinschaft und unseres momentanen Wirtschaftssystems mit Sicherheit unabkömmlich für die Funktionsfähigkeit. Was ist aber mit der Zukunft? Folgt man z.B. dem kommunistischen Gedanken und geht davon aus, dass der Mensch irgendwann die "Fesseln" des Kapitalismus abstreifen wird, dann wird deine These denkbar. Ein wenig hinderlich dafür ist unsere Grundmotivation. Der Drang nach Macht, Reichtum, Zufriedenheit etc. Der Mensch muß sich also erst auch selbst geistig weiterentwickeln, damit ein Gesellschaftsystem von "Geld" als Tauschmittel abstrahieren kann. Einstein[?]
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Sonja (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #2 am: 02. Nov. 2001, 22:51 Uhr » |
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Zum Terminus "philosophisches Gesetz" sollten wir im Erkenntnistheorie-Forum gelegentlich mal diskutieren. Was die Zukunft des "Kapitalismus" betrifft, bin ich mir nicht im klaren. Meine Vorstellung von der Stabilität von Geschichte ist in den letzten Jahren stark erschüttert worden. Sowohl der Zusammenbruch der DDR, als auch das Ende der Apartheid und auch der Beginn des Palästina-Prozesses (der inzwischen allerdings längst nicht mehr funktioniert) kamen völlig überraschend und plötzlich. Sie haben gezeigt, dass es starke gesellschaftliche Änderungen in kurzer Zeit geben kann, mit denen niemand rechnet. Die Geschichte ist keinesfalls so stabil wie es manchmal scheint. Dies kann auch für die Gesellschaftsordnung gelten, die wir heute in Deutschland haben. Keiner weiß heute, in welche Richtungen solche Wechsel gehen können. Sonja
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Epimetheus (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #3 am: 13. Nov. 2001, 20:32 Uhr » |
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Hallo, meines erachtens nach ist eine Welt ohne Geld durchaus denkbar. Im Prinzip gibt es bereits tausende "Welten ohne Geld". Diese Welten entsprechen kleinen Personengruppen welche innerhalb ihrer Gruppe keinen oder nur einen aufgeweichten Begriff von Privateigentum besitzen. Eine Familie zum Beispiel stellt eine (hoffentlich) intakte Gesellschaft in der Gesellschaft dar in welcher es kein Eigentum gibt. Wenn es diese "Welt ohne Geld" im Prinzip schon im kleinen Gibt, sehe ich keine prinzipiellen Probleme dieses Prinzip auf eine grössere Gesellschaft zu beziehen. Grösstes Problem dürfte das übertragen der Nächstenliebe sein, eine Revolution auf allen Ebenen der Gesellschaft würde notwendig sein. MfG, Epimetheus
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Zarathustra82 (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #4 am: 18. Nov. 2001, 00:44 Uhr » |
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Hi Das mit der Revolution sehe ich ebenfalls. Trotzdem wird es schwer; Geld ist nicht nur ein Sinnbild für Kapitalismus oder ein spezielles wirtschaftliches System, sondern lediglich eine Vereinfachung von Handel. Mit der Größé der Gesellschaft erhöht sich auch die Komplexität der notwendigen Tauschbeziehungen, wenn die Gesellschaft nicht modular, sondern einheitlich effizient sein will. Eine schnelle Verteilung von Werten ist für eine entwickelte Gesellschaft sehr wichtig. Ach ja: Meine Familie benötigt auch intern Geld. Alleine um einen "sozialen" Augleich, eine Umverteilung zu schaffen. Z.b. Taschengeld, oder eine Abgabe von seinem Gehalt an die Eltern - eine Art Miete, Kostgeld etc. Ich habe mir mal vor einiger Zeit ein ziemlich teures Keyboard zugelegt (2600DM) und wollte es jetzt, da ich das für eine Fehlinvestition halte, möglichst schnell wieder verkaufen, um den Verlust zu minimieren. Mein Vater ist jedoch der Meinung, dass ich das nicht darf, weil meine Schwester doch noch so gerne darauf spielt... Soll ichs ihr also einfach so schenken, oder ist hier ein Geldtransfer inerhalb der Familie erlaubt? MfG Markus
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Sonja (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #5 am: 19. Nov. 2001, 07:17 Uhr » |
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Hallo Einstein, rein juristisch hast Du keine Chance. Deine Vater kann Dir das Keyboard zwar nicht wegnehemen, aber verkaufen kannst Du es erst, wenn Du 18 bist. Auch ohne Finanzströme in der Familie. Zum Thema: Natürlich gibt es Wirtschaftskreisläufe (z. B. in der Familie) ohne Geld. Die Frage war, ob dies in einer entwickelten Gesellschaft funktionieren kann. Die Versuche der Tauschringe haben gezeigt, dass es wenn man versucht die Funktion des GEldes auszuhebeln, doch wieder zu Geld kommt, auch wenn es einen anderen Namen hat. Sonja
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Zarathustra82 (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #6 am: 19. Nov. 2001, 20:11 Uhr » |
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Hi Sonja! Juristisch gesehen bin ich 19 - leider bin ich aber sonst noch ziemlich von meinen Eltern abhängig... Beim Thema sind wir wohl mal wieder einer Meinung . Markus
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flohvo (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #7 am: 26. Dez. 2001, 18:55 Uhr » |
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Hallo, Die Vorstellung einer Welt ganz ohne Tauschhandel ist aus unserer Sicht schwer vorstellbar. (Auch Geld ist nur ein Tauschobjekt. Es hat sich eben als praktischer erwiesen Papier zu bedrucken, als immer 2 Schweine und einen Sack Mehl mitzuführen, davon abgesehen, dass auch Geld fast nur noch virtuell besteht) Auch wenn ich mir schwer eine Welt ohne Geld vorstellen kann, so halte ich doch solch eine für theoretisch Möglich, wenn nicht gar für erstrebenswert. Ein Verzicht auf Tauschhandel, würde auch den Verzicht auf Besitz bedeuten, denn wie sollte man an Besitz kommen, der über die Eigenproduktion hinausgeht. Ein großer Teil der Konflikte würde sich somit auflösen, da die Motivation "Mehrung des Besitzes" gegenstandslos würde. Ein anderer Punkt, der Gegen den Besitz spricht, ist die zunehmende Automatisierung der Produktion. Ich weiss nicht wie gross der Anteil der Arbeitnehmer ist, die direkt an der Produktion beteiligt sind. Aber der Anteil schwindet. Und somit schwindet auch der Wert des Tauschobjektes Arbeitsleistung. IMHO muss langfristig über ein anderes Wirtschaftssystem nachgedacht werden, da auch jetzt schon ein beachtlicher der Wirtschaft darauf beruht, dass Leute Dinge kaufen die sie nicht wirklich benötigen. Es klingt zwar albern, aber die Autoren von StarTrek haben sich darüber schon einige (sehr wenige) Gedanken gemacht. ( http://62.16.158.226/voyager-center/focuses/allgemein/geld.php ). Auch Huxleys "Brave New World" beschreibt ein Gesellschaftssystem, dass ohne Geld auskommt. Ob diese Systeme möglich und erstebenswert sind, ist ein weiteres Problem, wie auch die Frage, wie der Mensch ohne Arbeit seinem Leben einen Inhalt gibt, und ob der Mensch seinen Hang zum Sammeln und Horten jemals überwinden kann. Grüße Flo
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Sheelina (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #8 am: 27. Dez. 2001, 22:06 Uhr » |
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Hallo, möglich schon, doch was machen die Menschen mit Ihrer daraus gewonnen Zeit. Vor dem Computer sitzen, was sonst. Schaut Euch doch die Kids an (und nicht nur die), sie sind nicht mehr weg zu bekommen davon. Und gegen die sog. Vereinsamung gibt es sicherlich noch andere nette Treffpunkte als Kaufhäuser und Co. Gruß Lina ;D
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P.Panter (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #9 am: 01. Jan. 2002, 22:08 Uhr » |
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Hat es denn das Geld schon immer gegeben? War der Mensch und das, was man eine Urform von Wirtschaften nennen kann, schon vor dem Geld existent?
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Sheelina (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #10 am: 01. Jan. 2002, 22:37 Uhr » |
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Woran lag es im Ursprung, daß der Mensch >bezahlen< mußte, wollte? Ist es eine menschliche Eigenschaft oder kam der Einfluß von außen?
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Sonja (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #11 am: 02. Jan. 2002, 09:14 Uhr » |
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Geld entsteht in den Gesellschaften erst dann, wenn mehr produziert wird als man zum Überleben benötigt, bzw. wenn die Arbeitsteilung soweit vorangeschritten ist, dass man anfangen kann zu handeln. Dann entsteht zunächst ein Tauschhandel und wenn der komplexer wird, wird der Tauschhandel durch Geld ergänzt und beide existieren zunächst parallel. Geld ist nicht von Anfang Münzgeld vorher wird zum Beispiel Schmuck oder Vieh als Geld genutzt. Die Frage, ob eine Welt ohne Geld funktionieren kann, ist damit für den Anfang der Menschheit klar. Die Frage, die ich hier zur Debatte gestellt habe, war eher, ob eine entwickelte Wirtschaft in der Zukunft ohne Geld auskommen könnte. Sonja
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P.Panter (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #12 am: 02. Jan. 2002, 18:36 Uhr » |
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Selbst in der jüngeren Geschichte gibt es Beispiele in denen zumindst de facto kein Geld im Sinne eines gesellschaftlich anerkannten und brauchbaren Zahlungsmittels existierte. Ich meine z.B. die Zeiten der großen Inflation in den der 20iger Jahren oder in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Aktuell wird dies auch auf die Verhältnisse in Argentinien zutreffen. Wenn wir Geld sehr eng danach definieren, dass es ausschließlich als gesellschaftlicher Vertrag verstanden wird, der auch eine Anerkennung durch die Organe des Staatsgefüges anerkannt wird, so würde ich meinen, dass eine entwickelte Gesellschaft auch ohne Geld in diesem Sinne auskommen kann. In einer weiter gefassten Begrifflichkeit, unter die dann auch der Tauschhandel fiele, möchte ich dies ausschließen.
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Sheelina (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #13 am: 03. Jan. 2002, 00:33 Uhr » |
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Hallo Sonja, was war kann es immer wieder geben. Die Frage ist nicht ob, sondern wie ist es zu bewerkstelligen und welche Konsequenzen ergeben sich daraus. Du meinst also, ob eine Welt ohne Geld erstrebenswert ist? Ja, wenn der Mensch die dadurch gewonnene Zeit friedlich verbringen kann und die jetztigen Wirtschaftskriege dann nicht in anderen Kriegen, die gegen Lebewesen gerichtet sind, ausgelebt werden. Alles Gute Lina
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Fabolus (Offline)
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Re: Welt ohne Geld?
« Antworten #14 am: 27. März 2002, 22:41 Uhr » |
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ich halte eine welt ohne geld in absehbarer zeit nicht für verwirklichbar. wie schon angesprochen, hat das geld seinen zweck darin, den tauschhandel zu vereinfachen. man kann diesen tauschhandel beispielhaft auf die ebene von zwei beziehungspartnern verlegen. hier wirkt das gleiche prinzip: man gibt dem anderen etwas in der absicht etwas anderes dafür zu bekommen (dieser prozeß mag nur unterbewusst ablaufen, aber man gibt um zu nehmen..das geben selbst kann so zum zweck werden, nur um der befriedigung willen). geld wird durch sein wesen als tauschhandelsobjekt ein mittel zur persönlichkeitsentfaltung über die eigentlichen relativen möglichkeiten hinaus.(siehe dazu auch www.rudi-zimmerman.de) es wird nicht eher eine gesellschaft ohne geld geben, bis die masse nicht wirklich verstanden hat, dass eine funktionierende gesellschaft nur durch die teilnahme eines jeden machbar ist, bis jeder also eine identifikation mit seiner rolle in der gesellschaft gefunden hat und, was dem vorausgehen muss, ein verständnis für sich selbst, für die eigenen fähigkeiten, schwächen und bedürfnisse, für sein eigenes wesen.er muss also in seiner rolle als gesellschaftswesen eine rollendistanz besitzen, die seine individuelle persönlichkeit am leben erhält. es ist nicht das geld was den menschen verdorben hat. der mensch an sich ist es. der umgang mit dem geld und die sich daraus entwickelnden zustände sind produkt der gesellschaft und damit des menschen selbst. man sollte bei sich selbst anfangen, selbsterkenntnis gewinnen, sich in seiner umwelt verstehen, seine verantwortung erkennen...mögen sich viele diesen zielen anschließen, so gibt es vielleicht auch irgenwann einmal ein welt ganz ohne geld.
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