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Thema: Russische Philosophie (Gelesen 9142 mal) |
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Anita (Offline)
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Russische Philosophie
« am: 17. Okt. 2001, 16:58 Uhr » |
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Hallo zusammen, ich bin auf der Suche nach anderen DoktorandInnen oder Philosophie-Studierenden, die sich mit russischer Philosophie beschŠftigen. Wer hat Interesse an einem Austausch zu diesem Thema? Ich selber interessiere mich vor allem fŸr Rechtsphilosophie und politische Philosophie, diskutiere aber gerne auch Ÿber andere Fragen. Anita
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Sonja (Offline)
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Re: Russische Philosophie
« Antworten #1 am: 17. Okt. 2001, 22:02 Uhr » |
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@Anita Interessiert Dich eher die russische Philosophie der Aufklärung oder die russische Philosophie der Gegenwart. Schreibe mal, wie Du zur russischen Philosophie gekommen bist und welche Philosophen Du so liest. Sonja
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Anita (Offline)
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Re: Russische Philosophie
« Antworten #2 am: 20. Okt. 2001, 17:28 Uhr » |
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Hallo Sonja, was mich vor allem interessiert ist die Rechtsphilosophie des Silbernen Zeitalters, wie beispielsweise Kistjakovskij, Novgorodcev und natürlich auch Vl. Solov'ev. Doch dazu braucht man auch einen Hintergrund und daher ist die Philosophie des 19. Jahrhunderts ebenfalls sehr wichtig für mich. Daneben interessiert mich auch, was momentan so diskutiert wird in Russland, gerade auch im Bereich der Rechtsphilo und der politischen Philo (z.B. E. Solov'ev oder Nersesjanc). Zu diesem Thema gekommen bin ich durch mein Studium an der Uni Fribourg in der Schweiz - ich hatte da Kulturphilosophie von Ost- und Ostmitteleuropa im Hauptfach. Momentan bin ich nun an demselben Lehrstuhl als Assistentin tätig, d.h. ich versuche auch, eine Diss zu diesem Thema zu schreiben. Beschäftigst Du Dich auch mit russischer Philo? Und wenn ja, welche Themen oder Personen interessieren Dich besonders? Anita
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Sonja (Offline)
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Re: Russische Philosophie
« Antworten #3 am: 21. Okt. 2001, 10:08 Uhr » |
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Hallo Anita, es freut mich für Eure Uni, dass die osteuropäische Philosophie einen institutionellen Rahmen hat. Das würde ich mehr Universitäten wünschen. Die von Dir genannten Philosophen kenne ich zum großen Teil nicht. Mich interessieren an der osteuropäischen Philosophie eher Sinovjev und die Lvow-Warschau-Schule, also eher die logisch orientierten Denker. Sonja
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albertus72 (Offline)
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Re: Russische Philosophie
« Antworten #4 am: 26. Okt. 2002, 15:05 Uhr » |
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Hallo Sonja (und Anita), ich stieß eher zufällig auf Deinen (Such-) Beitrag. Schau doch mal im WWW nach dem Veranstaltungsangebot des Lehrstuhls für Religionsphilosophie an der TU-Dresden nach. Ein Forschungsschwerpunkt der dortigen Prof. Gerl-Falkovitz ist u.a. die Russ. (Relig.-)Philosophie. Meines Erachtens wird auch dieses Semester (2002/03; ich glaub´im Jan/Febr. 2003) wieder ein Blockseminar angeboten (zu Schestow: "Athen und Jerusalem" et al). Vielleicht hilft Dir der Link ja weiter oder Du kannst einen Besuch in DD zum Zeitpunkt des Seminars einrichten. Vorerst verbleibt mfG ReneK.l
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gershwin (Offline)
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Re: Russische Philosophie
« Antworten #5 am: 27. Okt. 2002, 06:21 Uhr » |
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Hi Albertus Nur damit Du Dich nicht wunderst, weil eine Antwort ausbleibt. Sonjas obiger Beitrag ist vom Oktober 2001. Ich fürchte, sie hat sich mittlerweile aus diesem Forum zurückgezogen. Schade eigentlich. Grüße Thomas
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duns (Offline)
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Re: Russische Philosophie
« Antworten #6 am: 24. Jan. 2003, 16:07 Uhr » |
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Hi, falls sich aber noch nicht alle verabschiedet haben - das Institut f. Religionsphilosophie (Prof. H.B. Gerl-Falkovitz) an der TU Dresden wird sich auch weiterhin mit der russischen Religionphilosophie beschäftigen. S. Bulgakov wird wahrscheinlich als nächster im Oberseminar des Sommersemesters behandelt. Gruß Thomas
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Inkompetenz (Offline)
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Re: Russische Philosophie
« Antworten #7 am: 14. Dez. 2003, 12:53 Uhr » |
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schade ich würde mich für oben genanntes auch interessieren besitze aber auch sogut wie keine Grundkenntnisse zu diesem Thema mgf ich
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soccerfande (Offline)
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Frage zu "Staat und Revolution" von Lenin
« Antworten #8 am: 12. März 2004, 21:20 Uhr » |
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Hallo, Ich habe eine Frage zur Staatstheorie von Lenin in seinem Werk "Staat und Revolution". Ich hoffe, ihr könnt mir weiterhelfen, denn ich bräuchte einen Link oder Tipp, von wo ich eine treffende Erklärung oder Erläuterung zu seiner speziellen Theorie "Staat und Revolution" bekommen kann. Ich habe nehmlich Verständnisprobleme und benötige es dringend für die Schule!! Vielen Dank im voraus MFG Rico
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RomanK (Offline)
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Re: Russische Philosophie
« Antworten #9 am: 15. Mai 2004, 14:13 Uhr » |
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Hallo, kome aus Russland. Habe da Philosophie an der Uni studiert. Interessiere mich für Russische Philosophie (19 J.H.). Möchte gerne promovieren oder habilitieren (habe schon in Russland promoviert). Könnte jemand etwas raten, wo ich das besser machen könnte, oder einen Professoren suchen. Grüße, Roman
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MultiVista (Offline)
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Re: Russische Philosophie
« Antworten #10 am: 12. Feb. 2007, 14:42 Uhr » |
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Hier habe ich etwas zur "Russischen Seele" mit aktuellem Bezug auf Putins Russland: Bei der Münchener Sicherheitskonferenz macht der russische Präsident Front gegen die USA. Seinen Landsleuten spricht er damit aus der Seele.(aus der sprichwörtlich "russischen Seele" ? ) Hier Essays aus DIE WELT und FAZ: Es ist für die internationale Politik nicht so sehr wichtig, ob die Einschätzung der Lage, wie Putin sie vornimmt, tatsächlich stimmt. Die Abwehr äußerer geistiger Einflüsse genießt in Russland inzwischen fast schon die gleiche Priorität wie in der islamischen Welt. Auch die gefühlte internationale Gefahr kann zur materiellen Gewalt werden, wenn sie die Regierungen und - wie im Falle Russlands - auch die Regierten ergreift. Denn die Mehrheit der Russen sieht inzwischen in den USA wieder einen Feind. Die Nato ist für sie ein aggressiver Militärblock, der sich, entgegen früherer Zusagen, an die Grenzen ihres Vaterlandes heranschleicht, ehemalige Sowjetrepubliken Russland entfremdet und sie "widerrechtlich" zu Mitgliedern des Paktes macht. Nur wenige Russen glauben, dass Georgier oder Ukrainer ihre Entscheidung für eine Westorientierung auch unter dem Eindruck demokratischer Entwicklungen getroffen haben. Wo das Wort Demokratie in Russland nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre nicht ohnehin negativ besetzt ist, bleibt es den Russen doch fremd. 65 Prozent, das belegte kürzlich eine Umfrage, empfinden es als schwierig, Demokratie überhaupt zu beschreiben. Noch mehr, nämlich 71 Prozent, sehen sich gar nicht als Europäer, während die Hälfte aller Russen den Kontinent, auf dem auch ein Teil ihres Vaterlandes liegt, als Gefahr für die finanzielle und industrielle Unabhängigkeit Russlands betrachtet. ( Multi schrieb erst jüngst: Ist Demokratie nicht nur ein Ideal? Ja, aber nicht ein objektiver Zustand, nur ein Ideal, das man anstreben kann - aber nicht muss! Egon Bahr fragte jüngst im "Philosophischen Quartett", woher wir eigentlich die Arroganz nähmen, dass andere Kulturen, Nationen UNSER Verständnis von Demokratie übernehmen sollten, müssten ? ) siehe ggf. auch hier: http://www.philtalk.de/cgi-bin/YaBB.cgi?board=politik;action=display;num =1144141777;start=60 ) in Bezug auf das Philosophische Quartett zu "Putins Russland": http://www.zdf.de/ZDFmediathek/inhalt/3/0,4070,4082019-5,00.html Das ist der geistig-emotionale Hintergrund, vor dem die immer schärfer werdenden nationalistischen Äußerungen russischer Politiker gesehen werden müssen und der auch die Denkweise des Mannes im Kreml beeinflusst. Wir, die Bewahrer des Guten und der völkerrechtlichen Prinzipien, allein gegen die böse Welt - diese Überzeugung teilen die russischen Eliten mit der Mehrheit ihrer Landsleute. Die Araber registrierten etwa wohlwollend, dass die orthodoxen Slawen sich im Streit um die Mohammed-Karikaturen Anfang 2006 eindeutig auf die Seite des Islam stellten. Demokratische Freiheiten wie Meinungs- und Medienfreiheit gelten beiden Religionen höchstens als Sekundärtugenden. .. Während "Der Untergang des Abendlandes" in der deutschen Verlagswerbung als "Klassiker der Anti-Moderne" und als "Mahnmal der Kulturkritik" herausgestellt, sein Thema auf den "unaufhaltsamen Niedergang Europas" festgelegt wird, erscheint das Buch in Russland unter durchweg positivem Vorzeichen: Spengler habe für das dritte Jahrtausend einen eigenständigen russisch-sibirischen Kulturtypus prognostiziert, der das romanisch-germanische Abendland als geschichtsbildende und religiöse Kraft ersetzen werde. Dadurch dürften sich in erster Linie die erstarkenden Fraktionen der konservativen rechtsnationalen und der christlichen (russisch-orthodoxen) Intelligenz angesprochen fühlen, aber auch die militanten Anhänger eines "eurasischen" Staatsdenkens, das kompromisslos darauf angelegt ist, das europäische Abendland durch ein russisches Morgenland abzulösen. Dass Spenglers Russland-Bild durch Dostojewski selbst wie auch durch dessen wortführende Exegeten - allen voran Dimitri Mereschkowski und Wassili Rosanow - seine tiefste Prägung erfuhr, ist offenkundig. In Dostojewski glaubte der konservative Deutsche den konservativen Russen schlechthin zu erkennen, den ursprünglichen, erdverbundenen, gottgläubigen Russen, der alle Insignien des dekadenten Westens mit gerechtem Hass überzog - Großstadt und Mechanisierung, Kapitalismus und Bürgerlichkeit. Der echte Russe, bekräftigt Spengler, sei "ein Jünger Dostojewskis, obwohl er ihn nicht liest, obwohl und weil er überhaupt nicht lesen kann. Er ist selbst ein Stück Dostojewski." Der große Romancier und Publizist blicke "aus seiner Zukunft . . . wie aus weiter Ferne" auf die Welt, deren gleichsam organische Evolution zur "All-Einheit" er mit religiöser Inbrunst erwarte, statt sie - wie der "Revolutionär" Leo Tolstoi - bloß verändern zu wollen: "Das Christentum Tolstois war ein Missverständnis. Er sprach von Christus und meinte Marx." Ebendieses Verdikt ergänzt Spengler durch jenen Satz, in dem heutige Russen sein zukunftsweisendes Vermächtnis erkennen wollen: "Dem Christentum Dostojewskis gehört das nächste Jahrtausend." Und an anderer Stelle fügt er hinzu: "Erst in Zukunft werden sich echter Adel und Priestertum russischen Stils herausbilden." Wenn Spengler auch in Russland zu einem Erfolgsautor geworden ist, so gibt es dafür eine Reihe besonderer Gründe. Die Rezeption seines Hauptwerks kam schon bald nach ihrem fulminanten Auftakt in den frühen zwanziger Jahren aus ideologischen Gründen zum Erliegen. Mit der sowjetischen Staatsideologie waren weder Spenglers Technik- und Fortschrittskritik noch sein Lob Dostojewskis und der russischen Volksreligiosität vereinbar. Nach der jüngsten politischen Wende gehörte Spengler - neben Carl Schmitt, C. G. Jung, Martin Heidegger oder Ernst Jünger - zu den ersten Autoren, die nach jahrzehntelanger Ächtung neu entdeckt und von der erstarkenden russischen Rechten geradezu enthusiastisch vereinnahmt wurden. Dazu kommt, dass "Der Untergang des Abendlandes" in seiner belletristischen Aufmachung, mit seinem Welterklärungspathos und seiner Endzeitrhetorik exakt der Tradition des ausschweifenden Räsonierens entspricht, wie man es von russischen Meisterdenkern kennt, denen das Philosophieren stets wichtiger war als die Philosophie: Intuition, Spekulation, Vision haben hier klaren Vorrang vor rationaler Argumentation, logischen Schlüssen und philosophischen Praxisbezügen. Abgesehen von stilistischen und weltanschaulichen Übereinstimmungen finden sich bei Spengler viele Grundannahmen wieder, die auch für das "autochthone" russische Denken bestimmend sind, so etwa die Vorrangstellung von Kultur gegenüber Zivilisation, von Religion gegenüber Wissenschaft, von Schicksal gegenüber Kausalität und Planung, von organischen (zyklischen) gegenüber mechanischen (linearen) Strukturen und Prozessen. Vorrangig für die neoslawophile russische Intelligenz ist jedoch zweifellos die Bestätigung ihrer grundsätzlichen Kritik sowohl an der Europäisierung Russlands unter Peter dem Großen wie auch an der bolschewistischen Machtergreifung unter Lenin. Der von Spengler zur Charakterisierung dieser beiden gewaltigen und auch extrem gewalthaften Umwälzungen eingeführte Begriff der "Pseudomorphose" ist im postsowjetischen Russland zu einem polemischen Schlagwort der Konservativen geworden, die in Peter den direkten Wegbereiter Lenins sehen wollen und in jeglichem Versuch, Russland zu "verwestlichen", einen destruktiven Eingriff in die "organische" Geschichtsentwicklung. Der große Zar und der große Revolutionär als "Verhängnis des Russentums" - so steht es wörtlich bei Oswald Spengler, und das ist auch, Wort für Wort, die Überzeugung heutiger russischer Patrioten und orthodoxer Christen. "Der primitive Zarismus von Moskau ist die einzige Form, welche noch heute dem Russentum gemäß ist", stellte Spengler fünf Jahre nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution hochgemut fest, "aber er ist in Petersburg (d. h. durch Peter den Großen) in die dynastische Form Westeuropas umgefälscht worden . . . Ein Volkstum, dessen Bestimmung es war, noch auf Generationen hin geschichtslos zu leben, wurde in eine künstliche und unechte Geschichte gezwängt, deren Geist vom Urrussentum gar nicht begriffen werden konnte.
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TIEF durchatmen nicht vergessen! Weil was wirklich wirklich ist, weiss der Mensch nun wirklich nicht... (c) Multi 2003
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Einwurf
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Re: Russische Philosophie
« Antworten #11 am: 13. Feb. 2007, 17:36 Uhr » |
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Während dem Westen Russland immer unheimlicher wird, f ü h l t sich die russische Bevölkerung unter Putin immer besser.... Sonja Margolina in der NZZ: "So war laut Umfragen des Lewada-Zentrums das vergangene Jahr eines der ruhigsten und glücklichsten. 46 Prozent der Russen blicken optimistisch in die Zukunft. Die Ursache ist eine reale Verbesserung der Lebensstandards eines bedeutenden Teils der Bevölkerung. Die Ergebnisse der Reformen, die Anfang der neunziger Jahre in Gang gesetzt wurden, kommen endlich auch dem Durchschnittsmenschen zugute. Iwan Normalverbraucher, der dank billigen Krediten nun seine lange angestauten Konsumträume verwirklichen kann, interessiert sich kaum für Demokratie und Menschenrechte, er ist auch durch die Ermordung von Anna Politkowskaja oder Alexander Litwinenko nicht aus der Laune zu bringen und pfeift auf die westliche Kritik. Nach der Niederlage im Kalten Krieg hat er an Selbstbewusstsein gewonnen und heißt die Politik des Kremls, auch dessen Großmachtgebärden, gut." Sonja Margolina lebt als freie Publizistin mit Themenschwerpunkt Russland in Berlin. Zuletzt erschien im Berliner WJS-Verlag: Wodka. Trinken und Macht in Russland. Sie führt aus: Die Russen blicken so optimistisch in die Zukunft wie schon lange nicht mehr. Für einen grossen Teil der Bevölkerung hat sich der Lebensstandard verbessert. Iwan Normalverbraucher kümmert sich wenig um Demokratie und Menschenrechte und befürwortet die neue selbstbewusste Politik des Kremls. Der Westen muss sich von der Illusion lösen, dem Land seine eigenen Werte aufzwingen zu können. Der Wandel muss von innen kommen. Igor Awerkijew leitet die Zivilkammer beim Gouverneur in der Industriestadt Perm, eine von Präsident Putin ins Leben gerufene Institution. Viele Regimekritiker sehen diese als Versuch, einen machtkonformen Ersatz für die Zivilgesellschaft zu schaffen. Dabei scheint gerade im Gebiet Perm etliches anders zu sein. In Perm befindet sich zum Beispiel ein einzigartiges Straflager-Museum, Perm-36, das aus dem regionalen Etat finanziert wird. Und bei den letzten Wahlen zur regionalen Duma hat die liberale Partei Union Rechter Kräfte (SPS), dem administrativen Druck seitens des Kremls zum Trotz, über sechzehn Prozent der Stimmen holen können. Für die liberale Öffentlichkeit gilt Perm deshalb als Ausnahme, welche die Regel bestätigt: Seine lebendige Zivilgesellschaft scheint ihr lediglich Beweis dafür, dass die Zivilgesellschaft im übrigen Land erwürgt wird. Auch in Deutschland, wo besonders viele Verbände sich für die russische Zivilgesellschaft engagieren, sieht man den in Russland wachsenden Autoritarismus mit Sorge. Awerkijew versteht diese Schwarzmalerei nicht. «Wenn ich im Ausland bin», sagte er auf einer Berliner Tagung über Xenophobie in Russland, «habe ich das Gefühl, dass ich aus einem faschistischen Staat eingereist komme und ein Opfer bin. Russland ist aber kein faschistischer Staat, und ich bin kein Opfer. Mir geht es gut, und ich tue das, was ich für richtig halte. Und überhaupt», fügte er hinzu, «man sollte aufhören, uns Geld zu geben. Wir kommen schon selbst zurecht.» Neues Selbstbewusstsein Manche unter den Anwesenden reagierten mit Unmut auf solche Selbstgerechtigkeit. Die einen unterstellten dem engagierten Menschenrechtler, er sei ein Sprachrohr des Regimes geworden; die anderen erschraken angesichts der Perspektive, sie könnten ihre Existenzberechtigung als «Demokratie-Promoter» verlieren. Dabei kam in Awerkijews irritierender Replik sowohl ein neues Selbstbewusstsein als auch ein Vertrauen in die eigenen Kräfte zum Ausdruck. Diese Zuversicht teilt Awerkijew mit einer wachsenden Anzahl seiner Landsleute. Und viele im Westen können damit wenig anfangen. Tatsächlich steht die zunehmend kritische Einstellung der westlichen Öffentlichkeit zur Entwicklung in Russland im krassen Widerspruch zur Selbsteinschätzung der russischen Bevölkerung. So war laut Umfragen des Lewada-Zentrums das vergangene Jahr eines der ruhigsten und glücklichsten. 46 Prozent der Russen blicken optimistisch in die Zukunft. Die Ursache ist eine reale Verbesserung der Lebensstandards eines bedeutenden Teils der Bevölkerung. Die Ergebnisse der Reformen, die Anfang der neunziger Jahre in Gang gesetzt wurden, kommen endlich auch dem Durchschnittsmenschen zugute. Iwan Normalverbraucher, der dank billigen Krediten nun seine lange angestauten Konsumträume verwirklichen kann, interessiert sich kaum für Demokratie und Menschenrechte, er ist auch durch die Ermordung von Anna Politkowskaja oder Alexander Litwinenko nicht aus der Laune zu bringen und pfeift auf die westliche Kritik. Nach der Niederlage im Kalten Krieg hat er an Selbstbewusstsein gewonnen und heisst die Politik des Kremls, auch dessen Grossmachtgebärden, gut. Normative Optik Das aus russischer Sicht erfolgreiche Jahr 2006 erscheint in der Wahrnehmung der westlichen Öffentlichkeit indes als eines der beunruhigendsten nach dem Auseinanderfallen der Sowjetunion. Allerdings gab es schon lange nicht mehr so viele Ereignisse in so kurzer Zeit, die ein so heftiges Unbehagen an Russland und Zweifel an seiner aussenpolitischen Berechenbarkeit hatten aufkommen lassen. Nach dem Abdrehen des Gashahns für die Ukraine kam der Konflikt mit Georgien, der von einer Handelsblockade gegenüber dem kleinen Land sowie von der Deportation georgischer Staatsangehöriger aus russischen Städten begleitet wurde. Gleichzeitig kam es zu einer feindlichen Übernahme der Anteile des von Shell geführten Energiekonsortiums, das seit Mitte der neunziger Jahre in die Förderung der Öl- und Gasvorkommen bei Sachalin investiert hatte, durch Gazprom. Am Jahresende hat Russland wegen des Konflikts mit Weissrussland die Ölversorgung europäischer Raffinerien für drei Tage unterbrochen. Das dubiose Gesetz, das ausländische und russische NGO unter staatliche Kontrolle stellt, der Mord an der kritischen Journalistin Anna Politkowskaja und die Polonium-Affäre haben das Ihre getan, um den Ruf Russlands zu beschädigen. Aber je kritischer die westliche Berichterstattung wird, desto mehr verschwindet das reale Leben des weiten Landes hinter den Politkrimis, und desto unverständlicher erscheint die Haltung von Leuten wie Igor Awerkijew. Die normative Optik, die ganz auf «Werte» ausgerichtet ist, beeinträchtigt die Erkenntnis des Anderen. Seit der Aufklärung beansprucht die westliche Sicht universalistische Geltung. Als Europa und dann die USA die Welt dominierten, setzte sich ihre Sicht als alternativlos durch. Heute jedoch schrumpft der Einfluss des Westens und mit ihm die Anziehungskraft seiner Werte. «Sonderweg» ist kein blosses Etikett mehr für eine von der Demokratie abweichende Entwicklung, sondern wird wahrgenommen als legitime Besonderheit der Modernisierung bei vielen Nationen, die zum Erfolg gelangen, ohne sich um Gewaltenteilung und Menschenrechte zu scheren. Der Ölsozialismus eines Hugo Chávez, der chinesische Kommuno-Kapitalismus, zahlreiche Pseudodemokratien und staatskapitalistische Autokratien (was häufig dasselbe ist) werden von der eigenen Bevölkerung und den Nachbarn danach beurteilt, ob sie Erfolge vorweisen können. Freilich sind die meisten dieser Länder weit weg und zivilisatorisch anders als die europäische Peripherie Russland, die schon seit Jahrhunderten versucht, den Westen einzuholen. Die russische Elite hat westliche Bildung und Wissenschaft übernommen und definiert ihre Identität mit Blick auf die europäische Kultur. Aus dieser kulturellen Affinität heraus träumten die russischen «Westler» vom «gemeinsamen Haus Europa». Der Westen fordert von Russland seinerseits eine «Transformation», die deterministisch in dessen Europäisierung gipfeln soll. Der unlängst verstorbene Moskauer Soziologe Juri Lewada zweifelte an dieser Art von Entwicklungsteleologie. «Transformation», pflegte er zu sagen, «ist kein Prozess, sondern ein Zustand». Ein schwieriger Brocken Mit der Erkenntnis, dass es in die Irre führt, wenn die russischen Zustände mit der westlichen Messlatte gemessen werden, wäre schon viel gewonnen. Die EU-Politiker scheinen zu glauben, dass die «Integration» Russlands in den Westen zu einer «wertebasierten Partnerschaft», das heisst zu Beziehungen, die auf den westlichen Normen basieren, führen würde. Die Integration eines so gewaltigen Gemeinwesens wie Russland in die EU würde den Import seiner «Werte», wie sie in der politischen und wirtschaftlichen Kultur ihren konzentrierten Ausdruck finden, massiv beschleunigen. Die bekannteste Verkörperung dieser Kultur ist die vom Kreml geführte Gazprom. Russland ist ein schwieriger Brocken. Der Westen tut gut daran, sich nicht länger als Lehrmeister aufzuspielen, von der russischen Bevölkerung die Übernahme westlicher Werte abzuverlangen und sich darüber zu empören, wenn der Wertetransfer nicht so leicht funktioniert. Es ist die Sache von Igor Awerkijew und seinesgleichen, Russland voranzubringen. In seiner Stadt hat er damit Erfolg. Dass er auch scheitern kann, weiss er selber nur allzu gut.
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MultiVista (Offline)
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Re: Russische Philosophie
« Antworten #12 am: 14. Feb. 2007, 13:12 Uhr » |
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Angesichts des Reichtums, den Wladimir Putin Russland beschert hat, stellt der Schriftsteller Viktor Jerofejew fest, dass die Dinge in Russland "gar nicht so schlecht" wären, "wenn Putin eine Möglichkeit finden würde, sich auf die demokratische Elite Russlands zu stützen, die während der Perestrojka entstand, doch er sieht in ihnen offenbar die Verantwortlichen für Chaos und Prestigeverlust unter Jelzin." Weswegen er fatalerweise im Kampf gegen Oligarchen, Mafia und Korruption, lieber auf seine alten KGB-Genossen und die orthodoxe Kirche setze. "Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass in Russland immer stärker antiwestliche Kräfte die Oberhand gewinnen, die von einer Wiederherstellung des Russischen Imperiums träumen. Das hat zu einem wilden Umsichgreifen des Nationalismus geführt, zum Glauben an die Einzigartigkeit des russischen Geistes - im Grunde also zu einem neuen Messianismus und einer neuen Utopie, die auf den alten Träumen von der Heiligen Rus basiert. Der russische Kult hemmungslosen Gebets und hemmungsloser Ausschweifung, also das Ideal Rasputins, die Verbindung von Gotteshaus und Wirtshaus, der inbrünstige Dienst an der Heimat und zugleich der Genuss ungehinderter Machtausübung - das sind Tugenden, die heutzutage nicht wenigen hoch gestellten russischen Seelen zu Kopf steigen." Der Traum von der Wiederherstellung des Russischen Imperiums Von Viktor Jerofejew in DIE WELT vom 13.2.07: Wer ist schuld daran, dass das Ansehen Russlands im Westen in letzter Zeit so katastrophal schlecht, um nicht zu sagen auf ein Rekordtief gesunken ist? Zu diesem Thema existieren im Kreml und im Westen diametral entgegengesetzte Meinungen. Beide Seiten zeigen mit dem Finger aufeinander und beharren stur auf ihrer Position. Im Grunde kann man bereits von einer neuen Form des Kalten Krieges reden – einem Image-Krieg. In diesem Krieg sieht der Kreml sich selbst als Opfer einer Aggression mit den westlichen Massenmedien als deren eifrigsten Vertretern. Übrigens kann man auch sagen, dass der Westen eine kläffende Meute von bissigen, jungen Hunden auf Russland losgelassen hat: seine neuen Verbündeten aus der Reihe der ehemaligen Republiken und Satelliten der Sowjetunion. Sie haben zu einem Gebell angehoben, während ihr Herrchen abseits steht und sich zufrieden die Hände reibt. Jedenfalls ist der Kreml empört wie ein Kind und zutiefst in seiner Seele gekränkt. Denn er hat doch gar nichts Schlimmes getan! „Nichts Schlimmes?“, empört sich seinerseits der Westen. „Wer setzt denn die Nachbarn mit seinen Gaslieferungen unter Druck: Georgien, die Ukraine und nun auch Weißrussland? Wer veranstaltet ethnische Säuberungen unter den Georgiern? Wer hat die unabhängige Journalistin Politkowskaja umgebracht und vor den Augen der ganzen Welt Litwinenko vergiftet? Wer beschneidet die demokratischen Freiheiten in Russland? Wer spielt ein doppeltes Spiel im Iran? Und wer organisiert in europäischen Nobelskiorten Luxusbordelle (man erinnere sich an den Skandal um den russischen Oligarchen Michail Prochorow, der neulich in Courchevel in den französischen Alpen wegen Zuhälterei verhaftet wurde)?" Punkt für Punkt weist der Kreml alle Anschuldigungen von sich. Seine Nachbarn habe er nicht unter Druck gesetzt; es sei da lediglich um eine wirtschaftliche Frage gegangen, zudem Gebiete betreffend, die für Russland eine Zone politischer Interessen darstellen. Die Morde nützten den Kreml-Gegnern und seien offensichtlich von politischen Emigranten in Auftrag gegeben worden. Und so weiter in diesem Sinne, bis hin zum Bordell in den französischen Alpen. Russland lässt sich ein neues Image viele Millionen Dollar kosten. Außerdem tut der Kreml alles, um sein Image zu verbessern. Er ist dabei, Millionen Dollar für groß angelegte Werbekampagnen auszugeben. Inoffiziellen Informationen zufolge hat er schon einmal 15 Millionen locker gemacht – für die Image-Kampagne anlässlich des G8-Gipfels 2006 in St. Petersburg. Und just in dieser Woche geht es um 11 Millionen Dollar für die Rehabilitierung von Gazprom nach dem erfolgreichen Gaskrieg gegen Lukaschenko, einem Vorgang, der den Verbrauchern in Europa einen ziemlichen Schrecken eingejagt hat. Im Laufe dieser Werbekampagne wird sich die Welt wieder einmal davon überzeugen können, dass Russland nicht nur Gazprom ist, sondern auch großartiges Tennis, großartige Musiker, großartiges Ballett, großartiger Eiskunstlauf und außerdem die Heimat von Kandinski, Dostojewski, Rachmaninow und Pasternak. Wirklich, dieses Russland existiert, und niemand hat Streit mit so einem Russland. Aber warum sich immer hinter diesem großen Russland verstecken? Der Westen gilt den Russen als unzuverlässig. Für den derzeitigen Image-Konflikt gibt es zwei Gründe – einen politischen und einen mentalen, der mit den historischen Werten des russischen Volkes zu tun hat. Schon Ende der Jelzin-Ära machte sich Enttäuschung über den Westen breit, den man als unzuverlässig und suspekt empfand. Im Kreml begann man über eine russische Nationalidee nachzudenken. Putin leitete eine Periode der Ordnung ein, die das Land dringend brauchte. Russland wollte den verlorenen Status einer Großmacht mit Autorität zurückerlangen. Das war offenbar etwas verfrüht, aber der Strom von Öldollars, die Entstehung einer Mittelschicht und die Entwicklung einer Konsumgesellschaft überzeugten die Staatsmacht davon, dass sie dieses Vorhaben umsetzen könnte. Russland hat nie so reich gelebt wie jetzt; das ist vielleicht eher Glück als ein Verdienst, aber es ist eine Tatsache, und die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung unterstützt Putin. Alles wäre gar nicht so schlecht, wenn Putin eine Möglichkeit finden würde, sich auf die demokratische Elite Russlands zu stützen, die während der Perestrojka entstand, doch er sieht in ihnen offenbar die Verantwortlichen für Chaos und Prestigeverlust unter Jelzin. Im verzweifelten Kampf gegen Oligarchen, Mafia und Korruption, bestrebt, die moralische, soziale und ökonomische Krise zu überwinden, setzte Putin daher auf diejenigen, die er für seine unbestechliche Garde hielt, auf seine KGB-Genossen nämlich. Außerdem setzte er auf die orthodoxe Kirche als möglicher Quelle für eine moralische Wiedergeburt des Landes. Der Nationalismus grassiert. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass in Russland immer stärker antiwestliche Kräfte die Oberhand gewinnen, die von einer Wiederherstellung des Russischen Imperiums träumen. Das hat zu einem wilden Umsichgreifen des Nationalismus geführt, zum Glauben an die Einzigartigkeit des russischen Geistes – im Grunde also zu einem neuen Messianismus und einer neuen Utopie, die auf den alten Träumen von der Heiligen Rus basiert. Der russische Kult hemmungslosen Gebets und hemmungsloser Ausschweifung, also das Ideal Rasputins (den heute manche Kirchendiener kanonisieren wollen), die Verbindung von Gotteshaus und Wirtshaus, der inbrünstige Dienst an der Heimat und zugleich der Genuss ungehinderter Machtausübung – das sind Tugenden, die heutzutage nicht wenigen hoch gestellten russischen Seelen zu Kopf steigen. Natürlich entsteht in dieser Situation ein heftiger Konflikt mit dem maßvollen, rationalistischen Westen, der ein unberechenbares Russland fürchtet und sich zum Verteidiger von dessen nächsten Nachbarn aufschwingt. Die Schwäche der heutigen russischen Politik besteht nicht darin, dass sie ihre nationalen Interessen schlecht verteidigt, sondern darin, dass einige russische Ideale absolut nicht in andere Sprachen übersetzbar sind. Wenn manche einflussreiche Nationalisten meinen, der Westen hasse uns, weil wir heilig sind und da drüben seien alle des Teufels, dann riecht das eindeutig nach Fundamentalismus. Klar, dass der stille Stratege Putin im Idealfall keine von der Miliz inszenierten antigeorgischen Pogrome und auch keine Morde an politischen Gegnern brauchen kann. Wenn aber der Trend der russischen Politik einen nationalistischen, antiwestlichen Charakter annimmt, dann bedeutet das, Putin kann seine Hände in Unschuld waschen. Das bedeutet, man wird ewig im Westen Verschwörungen gegen Russland wittern, die Russen werden universale Werte ablehnen und sich darauf einrichten müssen, dass russische Schurken es für ihre Pflicht halten, Leute umzubringen, die ihnen nicht passen. Russland hat die Belehrungen des Westens satt, und der Westen hat die russischen Skandale satt. Der Image-Krieg ist Ausdruck tiefer gegenseitiger Enttäuschung, die nur von einer neuen Generation russischer Politiker überwunden werden kann. Aber WIE ist nun die RUSSISCHE PHILOSOPHIE ???
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TIEF durchatmen nicht vergessen! Weil was wirklich wirklich ist, weiss der Mensch nun wirklich nicht... (c) Multi 2003
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hedgi (Offline)
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Re: Russische Philosophie
« Antworten #13 am: 02. März 2007, 11:02 Uhr » |
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Ich fürchte mit einer an eine Nationalität gebundenen Philosophie wird bei uns kaum jemand etwas anfangen können. Es kann höchstens zwischen Religion und Philosophie unterschieden werden. Religion kann zweifellos, an ein Volk gebunden sein, Philosophie muss aber für jeden unabhängig von seiner Nationalität offen sein. ein Beispiel ist Konfuzius, er hat allen Menschen etwas zu sagen. Beschäftigt sich man mit ihm, fallen Ähnlichkeiten zur Philosophie des Aristoteles, der ca. 100 Jahre nach Konfuzius lebte, auf, obwohl Aristoteles wegen der räumlichen Distanz, ihn nicht gelesen haben kann. Es ist nicht bekannt, dass in der alten Welt, jemand von der Existenz Chinas Kenntnis hatte. Wir können aber durchaus von philosophischen Richtungen reden, so halten amerikanische Philosophen andere Schwerpunkte als Philosophen der alten Welt besetzt. Wenn wir die russische Seele ergründen wollen, bleibt immer noch die russische Literatur zu lesen. Ein namhafter russischer Philosoph ist mir nicht bekannt, wenn wir Lenin nicht als solchen bezeichnen wollen. Lenin hat zwar die russische Entwicklung im besonderen Maße beeinflusst, aber als bedeutenden Philosophen würde ich ihn nicht sehen. Aber ein bedeutender Politiker, der die marxsche Philosophie in Russland umgesetzt hat, war er zweifelsfrei. hedgi
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Wahrheit ist das – was uns plausibel scheint, bis wir eines besseren belehrt werden.
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hedgi (Offline)
V.I.P.
    

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Beiträge: 1210
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Re: Russische Philosophie
« Antworten #14 am: 04. März 2007, 23:19 Uhr » |
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Putins Russland Erkundung eines unheimlichen Landes. Diese Seite enthält interessante Informationen über Russland. hedgi
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Wahrheit ist das – was uns plausibel scheint, bis wir eines besseren belehrt werden.
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