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02. Sept. 2010, 22:39 Uhr


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   Autor  Thema: Ist Philosophie eine Geisteswissenschaft?  (Gelesen 6096 mal)
Sheelina (Offline)
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Re: Ist Philosophie eine Geisteswissenschaft?
« Antworten #30 am: 09. Apr. 2002, 21:34 Uhr »

Hallo Lessing,
 
also irgendwie weiß ich es jetzt auch nicht mehr. Als Kunst fand ich sie ganz schön. Fest in eine Kategorie einzuordnen bin ich auch nicht gewillt. Philosophie ist wohl eine Wissenschaft für sich.  
 
Gruß
Lina
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"Die Zeit ist die Seele der Welt" (griech. Weisheit)
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Von ´01-´09 schrieb ich hier. Seit 06 als Mod. eingetr. Inaktiv seit 2009. Ich wünsche dem Forum alles Gute
Highlander (Offline)
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Beiträge: 5
Re: Ist Philosophie eine Geisteswissenschaft?
« Antworten #31 am: 12. Apr. 2002, 21:16 Uhr »

Hi
Warum sind wir davon besessen der Philosphie den Rang einer Wissenschaft zu verleihen, wie einen Orden?  
 
Als Wissenschaft scheint sie ziemlich untauglich.  
 
Wissenschaften leben vom Praktischen und Fortschritt.
 
Die Philosophie ist eine Weise des Denkens. Ihre Fragen bleiben dieselben und ich meine nicht, dass die Philosphie, als eine Weise des Denkens, auf Fortschritt und praktische Anwendung angewiesen ist, wäre es demnach dann nicht besser auf das Label Wissenschaft zu verzichten?
 
by for now
 
Highlander
« Zuletzt bearbeitet: 12. Apr. 2002, 21:18 Uhr von Highlander »  IP-Icon gespeichert

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Highlander
Sonja (Offline)
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Beiträge: 311
Re: Ist Philosophie eine Geisteswissenschaft?
« Antworten #32 am: 19. Juni 2002, 12:12 Uhr »

Ich weiß, mein Beitrag kommt nach längerer Pause hier etwas spät. Aber ich möchte doch darauf hinweisen, dass sich auch die Denkweise in der Philosophie maßgeblich verändert hat. Sokrates, Aristoteles, Nietzsche, Frege und Singer haben wohl doch sehr unterschiedlich argumentiert und mithin gedacht. Auch die Fragen haben sich geändert. Fragen die die Philosophie of Mind, die Philosophie der Naturwissenschaften, die philosophische Logik oder die Ethik heute diskutieren, sind keineswegs die gleichen Fragen, die Platon und Aristoteles untersuchten.  
 
Viele Grüße
 
Sonja  
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Patrik (Offline)
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Beiträge: 722
Re: Ist Philosophie eine Geisteswissenschaft?
« Antworten #33 am: 02. Juli 2002, 19:10 Uhr »

Hallo Sonja
 
Bist Du der Meinung, daß der Mensch und das Denken sich verändert haben ?
 
Sind die Fragen wirklich so andere als die heutigen ?
 
 
Lasse mich gerne  
 
MfG
Patrik
 
 
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paul (Offline)
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Beiträge: 2341
Re: Ist Philosophie eine Geisteswissenschaft?
« Antworten #34 am: 03. Juli 2002, 00:21 Uhr »

Hallo Sonja,
 
sehe ich auch so,
es ist eine enorme geistige Evolution mit dem Beginn durch das Dreigestirn Sokrates Plato und Aristoteles abgelaufen. Mit einer gewissen Lähmung der Entwicklung durch die Kirche im "finsteren" Mittelalter für mehrere Jahrhunderte, die dann mit Decartes wieder Begonnen hat.
Wenn man an die ganzen Kriege denkt, scheint allerdings die ethische Entwicklung etwas auf der Strecke geblieben zu sein. Die specktakulären "Erfolge" der Naturwissenschaften verdecken die augenblickliche Umbruchsituation, die ich nur als dramatisch spannend ansehen kann. Ich zweifle sehr, dass die analytischen Objektivisten den Sieg davon tragen werden. Mein Eindruck ist eher, dass die Philosophen in großen Scharen bei den Naturwissenschaften untergekrochen sind. Man kann es auch anders sehen:
Die philosophisch ungeschulten Naturwissenschaftler sehen eine Grenze nach der anderen bei der Erstellung ihrer analytischen Naturmodelle und flüchten sich in die Philosophie. Es gibt wohl auch eine gegenseitige Befruchtung, wobei das Bausteindenken an Wert verliert zugunsten von Systemdenken, holistisch philosophischen Ansätzen, vielleicht mit kleinen Übertreibungen Neuplatonisten, Mystiker, aber sicher kein Stillstand.
Vielleicht kommt die künstliche Intelligenz?
Ein Ersatz des Materie - Geist  Dualismus ist beispielsweise die Metatheorie der Triplexität (Benesch) mit dem System Träger-Muster-Bedeutung (auch schon von Aristoteles rudimentär vorgedacht).
Also mein Eidruck ist, dass die Philosophie eher wieder Hochkonjunktur hat.
Gruss
paul
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Sheelina (Offline)
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Beiträge: 7889
Re: Ist Philosophie eine Geisteswissenschaft?
« Antworten #35 am: 03. Juli 2002, 07:35 Uhr »

Hallo Ihr Lieben,
 
weshalb seid Ihr so bedacht die Philosophie in eine Schublade zu stecken?
Ein Philosoph durchläuft mehrere Stufen, wobei er sich der verschiedensten Werkzeuge seines Verstandes (danke für diese Begriffsdefinition Patrik), einschließlich intuitiver und symbolistischer und logischer, bedient.
 
Einige Philosophen ziehen es vor sich überwiegend in dem einen oder anderen Gebiet aufzuhalten. Andere durchlaufen diese Stufen immer und immer wieder. Ein Philosoph der sich beispielsweise mit der Philosophie als Geisteswissenschaft identifiziert, könnte zum Geistlichen werden. Ein Philosoph, der sich beispielsweise überwiegend der Logik bedient wird zum Logiker. Ein Philosoph, der sich beispielsweise in der Kunst des Ausdrucks übt, wird zum Künstler. Ein Philosoph der sich ausschließlich mit politischen Themen beschäftigt könnte zum Politiker werden u.s.w. Ja Sonja, jenachdem wo man hinwill.
 
Aber das Beste an der Philosophie ist doch ihre Vielfältigkeit. Kommt man hier nicht weiter geht man dortlang.  
 
Kann ein(e) Philosoph(in) aufhören Philosoph(in) zu sein, wenn die Philosophie die Kunde vom Leben ist?  
 
Philosophie ist Lebenskunde (mit Rücksicht auf Thomas, nicht Seinskunde). Erklärungen zur Bekanntschaft mit dem Leben.
 
Gruß  
Lina
 
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Re: Ist Philosophie eine Geisteswissenschaft?
« Antworten #36 am: 06. Sept. 2002, 15:50 Uhr »


Aloha,
um vielleicht mal zur Ausgangsfrage zurückzukehren: es ist doch überhaupt nicht klar, ob Philosophie überhaupt eine Wissenschaft ist (oder sein sollte - s. z.B. Adorno), geschweige denn, ob die Einteilung in Geistes- und Naturwissenschaften irgendwie sinnvoll ist. Fehlende Wissenschaftlichkeit soll übrigens nicht "Freifahrtschein für Geschwalle jedweder Provenienz" bedeuten, sondern vielmehr die grundlegende Funktion, die Philosophie (im besten Falle) als "Bedingung der Möglichkeit" von Wissenschaft überhaupt hätte. Will sagen - und damit auch gleich nochmal auf die ersten Beiträge eingehen -, daß eine Unterscheidung zwischen "geistigem" und "materialem" oder so ähnlichem Denken irgendwie nicht ganz dem Blödsinn entbehrt, denn selbst hinter diesem Dualismus müßte natürlich ein Prinzip des Denkens liegen. Und um dieses Prinzip, welches alle Wissenschaften letztlich zugrundeliegen muß, wenn sie irgendwas Wahres sagen wollen, sollte es uns doch wohl gehen.  
Philosophie mag eine strenge Angelegenheit sein, aus ihr eine Wissenschaft zu machen hieße, ihr die Aufgabe, Grundlagen des Denkens zu klären, zu entziehen.
Übrigens: findet Ihr die Diskussion nicht leidig?
Schosha  
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MultiVista (Offline)
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Re: Ist Philosophie eine Geisteswissenschaft?
« Antworten #37 am: 18. Juli 2008, 09:52 Uhr »

Eine Naturwissenschaft ist Philosophie erst recht nicht.
Aber vielleicht lassen wir uns immer wieder zu rasch in diesen Dualismus "Geistes- oder Naturwissenschaften" verstricken?
 
Ich sage:  
Philosophie ist die Königin ÜBER allen Wissenschaften.
------------------------------------------------------
 
 
Naturwissenschaft und... Geisteswissenschaft?  
 
http://brightsblog.wordpress.com/2008/07/06/die-wendeltreppe-abwarts/
 
"Natur"wissenschaft im Unterschied, im Gegensatz zu... was?! Zu Geisteswissenschaft, Moral science, "Humaniora"?  
 
Der Unterschied ist nicht selbstverständlich, und darum wurde er auch nicht immer gemacht. Bei den Antiken erscheinen Physik und 'Meta'-Physik noch ganz ungeschieden, erst bei Aristoteles werden sie wenigstens auf verschiedene Bände verteilt; aber schon bei den – dann lange Zeit Ton angebenden – Neuplatonikern (Plotin, Proklos) treten sie wieder vermengt auf.  
 
Sachlich notwendig wird sie auch wirklich erst mit Galileo, der mit der Mathematisierung der Formeln zuerst ein Kriterium eingeführt hat, um 'strenge' Wissenschaft von mehr oder minder plausiblem Dafürhalten zu unterscheiden. Mit Descartes ist dieses Kriterium fürs Abendland verbindlich geworden: Wissenschaft spricht wahr, und der Maßstab für die Wahrheit der Aussagen ist, dass sie 'so klar und eindeutig bewiesen werden können wie die Demonstrationen der Geometrie'. Nur was sich in einem mathematischen Modell darstellen lässt, lässt sich mit mathematischer Strenge beweisen.  
 
Dass 'Natur' eo ipso in ein mathematisches Modell gehört, war damit stillschweigend unterstellt. Die Unterstellung ist geschehen, indem sich Galileo ausdrücklich aus der aristotelischen Meta-Physik ZURÜCK besann auf Platos 'Ideen'-Begriff und seiner Anschauung der reinen Formen ('vollkommene Körper') in der Mathematik. Dass damit 'allein die Natur' zu erfassen wäre und sonst nichts, war damit noch gar nicht positiv gesetzt. Es ergab sich negativ, indem ein REST übrig blieb, der sich nicht in mathematischen Modellen darstellen lässt; eben die 'nicht-exakten' Wissenschaften: Wissenschaften im eingeschränkten Sinn...  
 
Descartes hat schon zu seiner Zeit energischen Widerspruch gefunden, der zu seiner Zeit aber ungehört blieb. Giambattista Vico (1668-1744; Neapel) stellte der Idee von der mathematischen Durchschaubarkeit von Gottes Schöpfung den Grundsatz entgegen, dass einer nur das 'wahr' erkennen könne, was er selber GEMACHT habe: "Verum et factum convertuntur", 'wahr' und 'gemacht' bedeuten dasselbe. Die Natur habe Gott gemacht und der allein könne sie erkennen. Der Mensch hat seine Geschichte (seine Kultur, seine Kunst…) gemacht, und die allein könne er verstehen.  
 
In einen GEGENSATZ sind Physik und Philosophie mit dem Beginn der industriellen Revolution FAKTISCH getreten. Es war ein Streit um die Deutungshoheit im gesellschaftlichen Raum, den die Philosophie ab Mitte des 19. Jahrhunderts nur verlieren konnte. Der Rückgriff auf Giambattista Vicos Gedanken erfolgte gegen Ende des Jahrhunderts, als Philosophie und Geschichtswissenschaft gegen den bloßen Positivismus der 'Natur'- und Ingenieurswissenschaften sich neu zu behaupten suchten.  
 
Eine positive Bestimmung hat dann wohl zuerst Wilhelm Dilthey (1833-1911) unternommen. Während der Mensch im ersten Fall 'die Natur außer ihm' untersucht, betrachtet er in den "Geistes"-Wissenschaften 'sich selbst und seine Werke'. Gilt es bei jenen, die Dinge aus ihren Ursachen zu erklären (wenn...dann), suchen diese, die Taten den Menschen aus ihren Motiven zu verstehen (um...zu). Die Methode dort ist rationale Rekonstruktion, hier intuitive Einfühlung. (Opinox)
 
Das ist früh als unbefriedigend empfunden worden. Plausibel und für die Konversation tauglich ist es wohl, aber sobald man sich den wissenschaftlichen Grenzfällen nähert – für die die Unterscheidung ja taugen soll, nicht aber für die unstrittigen Fälle! -, lässt sie sich nicht konsequent durchführen. Generell schon darum nicht, weil nach Kant (von dem auch Dilthey ausging) auch in den Naturwissenschaften das menschliche Apriori – die 'Kategorien' und die 'transzendentalen Anschauungsformen' Raum und Zeit – immer schon mit enthalten ist. Und im Besondern wird es deutlich bei der immanenten Methodenreflexion der Naturwissenschaften: Beschäftigt sich Wissenschaftslogik mit der Natur außer uns oder mit uns selbst und unsern Werken?! Gänzlich verwirrend wird es beim Prüfstein der Naturwissenschaftlichkeit selber: der Mathematik. In ihr 'versteht' der menschliche Geist sein eignes Konstruieren aus gegebenen Zwecken heraus – und doch soll sie das Grundmuster aller ursächlich-'erklärenden' Wissenschaft abgeben! Die Katze beißt sich in den Schwanz...  
 
Wilhelm Windelband (1848-1915) sah es als irreführend an, die beiden großen Wissenszweige nach ihren Gegenständen unterscheiden zu wollen: Es steckten viel zu viele Prämissen da schon drin! Zweckmäßiger sei es, zunächst ihre Verfahrensweise und eo ipso ihre Erkenntnisabsichten zu unterscheiden: Die 'Gegenstände' werden sich finden…  
 
Es gibt Wissenszweige, die in der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen nach durchgehenden Regelmäßigkeiten suchen, und wenn sie sie finden, stellen sie sie womöglich in mathematischen Formeln dar. Diese nennen sie 'Naturgesetze'. Wissenschaften, die sich um die Formulierung von Gesetzen bemühen, nennt er 'nomothetisch' (von gr. nómos=Gesetz, und thésis=Setzung). Es gibt andere Wissenszweige, in denen es um die möglichst vollständige Beschreibung einer einzelnen Gegebenheit geht (die notabene zu diesem Zweck als eine 'Einheit' alias 'Ganzes' gedacht werden muss). Diese Wissenschaften nennt er 'idiographisch' (vorn gr. ídion=dieses-Eine, und gráphê=Zeichnung).  
 
Man solle daher nicht sagen: Die Geschichtswissenschaft (Gesellschafts-, Literatur-, Sprachwissenschaft…) "ist" idiographisch, "weil" ihr Gegenstand nichts anderes zulässt und man sich bescheiden muss, immer nur ein historisch eingrenzbares Einzelnes nach allen seinen Seiten auszuleuchten. Man kann auch immer auf diesen Feldern quer durch die Geschichte hindurch nach 'Gesetzmäßigkeiten' suchen. Freilich wird man ihr Vorhandensein nun nicht mehr arglos VORAUS SETZEN können. Und hat man FAKTISCHE Regelmäßigkeit (=Wahrscheinlichkeiten) wirklich aufgefunden, wird man immer noch begreiflich machen müssen, was daran NOTWENDIG gewesen sein mag.  
 
Kurz gesagt:  
 
Im Unterscheid zu Diltheys DOGMATISCHER Unterscheidung von Natur- und Geisteswissenschaften ist Windelbands Unterscheidung von nomothetischen und idiographischen Disziplinen eine HEURISTISCHE und daher kritische Bestimmung. Wo es auf gedankliche Präzision ankommt, ist ihr immer der Vorzug zu geben.  
 
« Zuletzt bearbeitet: 18. Juli 2008, 10:07 Uhr von MultiVista »  IP-Icon gespeichert

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Re: Ist Philosophie eine Geisteswissenschaft?
« Antworten #38 am: 18. Juli 2008, 11:08 Uhr »
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Am 18. Juli 2008, 09:52 Uhr, schrieb MultiVista :


.....
1. Aber vielleicht lassen wir uns immer wieder zu rasch in diesen Dualismus "Geistes- oder Naturwissenschaften" verstricken?
 
2. Ich sage:  
Philosophie ist die Königin ÜBER allen Wissenschaften.
------------------------------------------------------
....
 
3. Kurz gesagt:  
 
Im Unterscheid zu Diltheys DOGMATISCHER Unterscheidung von Natur- und Geisteswissenschaften ist Windelbands Unterscheidung von nomothetischen und idiographischen Disziplinen eine HEURISTISCHE und daher kritische Bestimmung. Wo es auf gedankliche Präzision ankommt, ist ihr immer der Vorzug zu geben.  
 
 

Zu 1.:
Ja! Dieser Dualismus ist "getauter Schnee von gestern" - aus vielerlei Gründen ..
Zu 2.:
Ja!  
Nur zur Ergänzung: Meister EINSTEIN hatte die Philosophie als "Mutter aller Wissenschaften" bezeichnet ...wenn das richtig ist, sind die Einzel-Wissenschaften "Kinder" dieser Mutter ...als solche ist sie in historischer (und systematischer) Hinsicht auf einer "anderen Ebene" als ihre "Kinder" ...
"Königin" ist eine sehr schöne Metapher ... für die "Liebe zur Weisheit" ...
Meister EINSTEIN irrte, als er die Mathematik als "Königin" aller Wissenschaften bezeichnet hatte (1921!). Zu seiner "Verteidigung":
Kurt GÖDEL hatte erst ca. 10 Jahre später sein berühmtes "Unvollständigkeitstheorem" für die Mathematik formuliert ...und der sog. Königin" die KRONE vom Kopf gerissen ...
Zu 3.:
 
Martin Heidegger hatte in diesem Zusammenhang noch eine interessante Differenzierung formuliert:
"Die Naturwissenschaften sind exakt, die Geisteswissenschaften streng."
sbt

« Zuletzt bearbeitet: 18. Juli 2008, 11:10 Uhr von seberta »  IP-Icon gespeichert
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Re: Ist Philosophie eine Geisteswissenschaft?
« Antworten #39 am: 18. Juli 2008, 11:21 Uhr »

Am 18. Juli 2008, 07:18 Uhr, schrieb seberta :


 
Martin Heidegger hatte in diesem Zusammenhang noch eine interessante Differenzierung formuliert:
 
"Die Naturwissenschaften sind exakt, die Geisteswissenschaften streng."
 

 
http://www.geocities.com/capecanaveral/4310/philo.html

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seberta
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Re: Ist Philosophie eine Geisteswissenschaft?
« Antworten #40 am: 18. Juli 2008, 21:44 Uhr »
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Sehr interessanter link!  
Ich werde mich in den nächsten Tagen mal intensiver darum kümmern ...
(Die "Schnittmenge" zwischen Physik und Meta-Physik ist doch mein Lieblingsthema ... )
Gruß, sbt
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Re: Ist Philosophie eine Geisteswissenschaft?
« Antworten #41 am: 26. Aug. 2008, 09:42 Uhr »

Ironische Solidarität
 
Gustav Mechlenburg zu Goebel, Bernd / Müller, Fernando Suárez (Hrsg.):  
 
"Kritik der postmodernen Vernunft" - Über Derrida, Foucault und andere zeitgenössische Denker. Darmstadt WBG 2007
 
Mit Ciorans Ausspruch „Ein Buch, das sich, nachdem es alles zerrissen hat, nicht selbst zerreißt, hat uns vergeblich in Erregung versetzt“ müsste man eigentlich davon ausgehen, mit dem Band „Kritik der postmodernen Vernunft“ einen anständigen Verriss in Händen zu halten, der sich nicht scheut, Selbstkritik bis zur Selbstzerfleischung durchzuführen. Heftig wird allerorten über die Postmoderne hergezogen, was immer auch darunter verstanden wird. Oder aber sie ist überhaupt kein Thema mehr, sondern angeschlossen wird wieder freimütig an die Moderne, was immer darunter nun wieder zu verstehen ist. Doch nein, mit diesem Sammelband ist es anders. Den Herausgebern und Autoren ist ein Unternehmen geglückt, das seinen Gegenstand nicht diskreditiert, sondern argumentativ kritisiert und zu erneuter Lektüre postmoderner Schriften anregt. Die Sammlung enthält kritische Essays nam-haf-ter Autoren aus Deutschland, den Niederlanden und den USA. Sie behandeln Philosophen wie Jacques Derrida, Michel Foucault, Richard Ror-ty, Pe--ter Sloterdijk und Hans Blumenberg. Deren Vernunftkritik wird ernst genommen, doch wird den Voraussetzungen dieser Kritik nachgegangen und eine „Kritik der postmodernen Vernunft“ versucht. Gerade weil die Postmoderne als so wirkmächtig angenommen wird, sie aber bisher kaum einer ernsthaften Kritik unterzogen wurde, ein lohnender Versuch – nicht nur für die Philosophie. „Da die Wirkung der post-mo--der-nen Theo-re-tiker weit über das phi-losophische Feld hinausreicht, ist die hier geführte De-batte für alle Men-schen von Be-lang“, heißt es bedeutend im Klappentext.  
 
Schaut man sich den Kreis der Mitwirkenden genauer an, war das nicht von vornherein absehbar. Markus Enders beispielsweise ist Professor für christliche Religionsphilosophie an der Universität Freiburg, Bernd Goebel Professor an der Theologischen Fakultät Fulda, Vittorio Hösle lehrt an der Universität von Notre Dame und Karlheinz Ruhstorfer ist gar Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie. Dass in diesem Umfeld die Postmoderne einen schlechten Ruf genießt, wäre mehr als zu erwarten. Und es ist natürlich wahnsinnig lustig, wenn sich „Theologen“ über postmoderne Philosophen auslassen. Aber sie machen ihre Sache gut. Der postmodernen Neurodermitis, bei der, so sie voll zum Ausbruch kommt, alles offen ist und man sich überall kratzen muss, nicht nur mehr am Kopf, ist diese Aufsatzsammlung ein geeignetes Heilmittel. Sloterdijk wird das Wort abgeschnitten, ohne seine Gedankengänge zu simplifizieren. Der schlichte Hinweis auf den einen oder anderen Selbstwiderspruch oder, auch beliebt bei Sloterdijk und anderen, tautologisches Gewirr, wie es eben gerne vorkommt bei „großen Würfen“, genügt, um mit Vergnügen eine Polemik wie von Vittorio Hösle zu lesen, die wie auch der Text von Fernando Suárez Müller dem Metaphernwald des Fernsehphilosophen klug zu Leibe rückt.  
 
In „ironischer Solidarität“ begegnen die Autoren dem Postmodernismus – im Vorwort erklären die Herausgeber, dass sie bei der Postmoderne nicht von einer Epoche ausgehen, sondern von einer Strömung, weshalb sie den Begriff des Postmodernismus vorziehen. Die Kritik richtet sich deshalb nicht an eine abgeschlossene Denkschule, sondern ganz allgemein werden Tugenden wie Wahrheitsanspruch und Moral wieder eingefordert, solange es sich denn überhaupt um Philosophie handeln soll. Aufklärerisch wird die Forderung gestellt, die postmodernen Philosophen müssten ihre Kritik an sich selbst anwenden. Das Augenmerk gilt daher vor allem dem Selbstwiderspruch eines uneingestandenen Wahrheitsanspruchs und der mangelnden Historisierung der postmodernen Philosophie. Doch stellt sich die Fragen, ob es sich bei solcher Art Kritik nicht doch nur um selbstrechtfertigende Anschlussfähigkeit in der Philosophie handelt. Die Skepsis gegenüber großen Würfen ist heute leider so stark, dass es auch kaum mehr welche gibt. Die im Buch geäußerte Kritik ist nicht mehr als eine Reaktion auf die Irrationalität und Selbstwidersprüche des Postmodernismus. Zu eigenen philosophischen Systemen reicht sie dagegen nicht. So harsch die Kritik an den Abwegen der Postmodernisten ist, als unhintergehbar wird die Denkströmung dennoch angesehen. Ein einfaches Zurück kann es nicht geben. Und doch tun die Autoren dieses Bands so, als wären die Erträge der Postmodernisten ohne die Selbstwidersprüche zu haben, was es aber erst zu beweisen gelte. Denn inwiefern der vermeintliche Selbstwiderspruch nicht doch auch wieder als Rhetorik verstanden werden kann, bleibt offen.  
 
Der in der Postmoderne latente Nihilismus ist den Autoren der Stachel, der sie gegen die Postmodernen wie Derrida, Foucault etc. und gegen die Sphären und Schäume aufbringt. Es fehlen, wie das Vorwort auch einräumt, allerdings wesentliche Protagonisten und auch die Auswahl der behandelten Autoren erstaunt zumindest. Lyotard und Deleuze beispielsweise werden nur am Rande behandelt. Ob Heidegger dagegen der Postmoderne zugeschrieben werden kann, ist mehr als fraglich. Die Moralfreiheit seiner Philosophie ist nur ein schlechter Hinweis. Hervorragend sind dagegen zwei Aufsätze, die Postmoderne und antike Sophistik gegenüberstellen. „Anscheinend vermag der menschliche Geist nur eine begrenzte Zahl von Grundpositionen einzunehmen“, heißt es in dem verblüffenden Vergleich. Auch der großartige Text zu Derridas Hegelinterpretation der Antigone sei hervorgehoben. Die Kritik an Derrida hätte dabei allerdings noch pointierter ausfallen können. Auffällig ist das In-Schutz-Nehmen der Vorkämpfer wie Foucault und Derrida vor ihren Apologeten und Imitatoren. „Während es Foucault, dem wichtigsten Denker unter den Postmodernisten, noch klar war, dass das metaphysische Denken in der Moderne durch die neue globale Kugel des Humanismus ersetzt wird, fehlt bei Sloterdijk jede Einsicht in die globale Struktur der modernen Sphärologie.“ Oder noch härter:
 
„Waren die postmodernen Herrenmenschen aus den 1970er Jahren noch heroische Retter der Differenz und Zerstörung des Systems, so scheint Sloterdijk eher vom Schaum des modernen Wohlstands hypnotisiert.“ Dabei verheddert sich Sloterdijk trotz zahlreicher Widersprüche nicht mal in einem Fundamentalwiderspruch, da er in die Zynik abschweift.  
 
So gesehen scheint Philosophie keien Wissenschaft....
im HERKÖMMLICHEN Sinne.
 
 
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seberta
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Re: Ist Philosophie eine Geisteswissenschaft?
« Antworten #42 am: 26. Aug. 2008, 10:44 Uhr »
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Am 26. Aug. 2008, 09:42 Uhr, schrieb MultiVista :


.....
 
 
So gesehen scheint Philosophie keien Wissenschaft....
im HERKÖMMLICHEN Sinne.
 
 

1. In seiner  "Kritik der zynischen Vernunft" analysiert und reflektiert Sloterdijk diese sog. "Vernunft" als Ausdruck "unglücklichen Bewusstseins".    
2. Philosophie ist in erster Linie eine Lebensform/Haltung -
und in zweiter Linie als Universitäts-Disziplin eine hermeneutische Wissenschaft, da vor allem Texte ausgelegt/interpretiert  werden  
 
sbt

« Zuletzt bearbeitet: 26. Aug. 2008, 10:45 Uhr von seberta »  IP-Icon gespeichert
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Beiträge: 7998
Re: Ist Philosophie eine Geisteswissenschaft?
« Antworten #43 am: 27. Aug. 2008, 13:59 Uhr »

Am 26. Aug. 2008, 08:26 Uhr, schrieb seberta :


 
1. In seiner  "Kritik der zynischen Vernunft" analysiert und reflektiert Sloterdijk diese sog. "Vernunft" als Ausdruck "unglücklichen Bewusstseins".    
 
2. Philosophie ist in erster Linie eine [b]Lebensform/Haltung -
und in zweiter Linie als Universitäts-Disziplin eine hermeneutische Wissenschaft, da vor allem Texte ausgelegt/interpretiert  werden  
 
sbt
 

 
zu 1) Mehr dazu? Hier im Forum?
 
zu 2) Ja Texte auslegen... aber doch wohl auch neue Gedanken und Erkenntnisse finden und generieren...??
Ausserdem legt ein Philosoph nicht nur Texte aus, sondern die ganze Welt, das Sein... so wie es uns Menschen  
er - s c h e i n t ...
es sei denn das ganze Sein ist auch nur TEXT ?
http://www.philtalk.de/msg/1161773282.htm

« Zuletzt bearbeitet: 27. Aug. 2008, 14:00 Uhr von MultiVista »  IP-Icon gespeichert

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Weil was wirklich wirklich ist,
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wirklich nicht...
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seberta
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Re: Ist Philosophie eine Geisteswissenschaft?
« Antworten #44 am: 27. Aug. 2008, 16:45 Uhr »
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