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Thema: Konfuzius und Laotse (Gelesen 5973 mal) |
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LoRdGattaca (Offline)
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 Eigentlich weiß man nur, wie wenig man weiß. Mit dem Wissen wächst der Zweifel. (Goethe)

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Konfuzius und Laotse
« am: 18. Sept. 2002, 15:45 Uhr » |
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Wenn man über die Philosophie Chinas bzw. Asiens reden möchte, kommt man wohl kaum an den beiden obigen Philosophen vorbei. Was fällt denn Euch zu jenen weisen Männern ein? Grüße LoRdGattaca
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Wer an nichts glaubt, verzweifelt an sich selber.
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tiLL
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Re: Konfuzius und Laotse
« Antworten #1 am: 27. Okt. 2002, 12:00 Uhr » |
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Zu Laotse kommt mir natürlich als erstes das Nicht-Handeln in den Sinn. Damit ist keine äussere Passivität gemeint, sondern ein inneres belassen der Gedanken und Impulse wie sie sind. Fast alle Menschen "doktorn" ständig an ihren Gedanken herrum, da sie an einem Selbstbild festhalten, das ihnen nicht wirklich entspricht und um dessen Erfüllung sie nun ständig kämpfen müssen. Das ist ungünstig da sie so dauerhaft in einer verkrampften Haltung bleiben: "wer auf den Zehen steht, steht nicht sicher / wer große Schritte macht, kommt nicht weit" (Tao-te-King, 24). Laotse empfielt jedoch keineswegs, sich völlig seinen Impulsen hinzugeben, sondern lediglich gezielt statt krampfhaft einzugreifen. Er vergleicht das mit dem Wagenrad, das deshalb gut rollt, weil es hauptsächlich aus leeren Zwischenräumen besteht (wohl aber mit dünnen Speichen dazwischen). Die ununterdrückten Impulse weisen stehts zur Ausgeglichenheit: "bewegung überwindet kälte / stille überwindet hitze / reine stille gibt der welt / das rechte maß zurück" (Tao-te-King, 45).
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LoRdGattaca (Offline)
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 Eigentlich weiß man nur, wie wenig man weiß. Mit dem Wissen wächst der Zweifel. (Goethe)

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Re: Konfuzius und Laotse
« Antworten #2 am: 27. Okt. 2002, 15:16 Uhr » |
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Ach, wie schön, merci bien. Endlich jemand, der sich dafür interessiert! Grüße LoRdGattaca
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gershwin (Offline)
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Re: Konfuzius und Laotse
« Antworten #3 am: 27. Okt. 2002, 15:38 Uhr » |
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Hi Lord Wir interessieren uns wahrscheinlich alle dafür. Deine Frage (eigentlich nicht mal ne Frage sondern eine Aufforderung zum Verfassen eines Einführungslehrbuches) war jedoch etwas zu allgemein gehalten, so daß wir uns alle (nur Till nicht ) entschlossen, hier konsequent Wu Wei zu praktizieren. Grüße Thomas
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gershwin (Offline)
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Re: Konfuzius und Laotse
« Antworten #5 am: 28. Okt. 2002, 07:54 Uhr » |
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Hi Till Sorry, sollte nur ein Scherz sein. Ich kenne mich da nicht gut aus, habe nur ferne Erinnerungen an meine Jugendjahre, und damals dachte ich, WU Wei bedeutet "Nicht Handeln", sich mehr oder weniger passiv dem natürlichen Fluß der Dinge anvertrauen. Aber wie gesagt, ich habe null Ahnung von chinesischer Philosophie. Der Scherz bot sich einfach unwiderstehlich an, weil er mir so subtil erschien. Grüße Thomas
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tiLL
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Re: Konfuzius und Laotse
« Antworten #6 am: 28. Okt. 2002, 15:46 Uhr » |
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Hi Thomas, nichts für ungut. Die Annahme das es sich bei nicht-handeln um eine passive Einstellung handelt ist ja berechtigt und Weltweit verbreitet. Ich hab halt meine eigene Interpretation. viele Grüße tiLL
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Sheelina (Offline)
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Der Wille ist ein überschwenglich Maß an Hoffnung.
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Re: Konfuzius und Laotse
« Antworten #7 am: 29. Okt. 2002, 09:30 Uhr » |
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Am 28. Okt. 2002, 15:46 Uhr, schrieb tiLL :Hi Thomas, nichts für ungut. Die Annahme das es sich bei nicht-handeln um eine passive Einstellung handelt ist ja berechtigt und Weltweit verbreitet. Ich hab halt meine eigene Interpretation. viele Grüße tiLL |
| Hi tiLL nochmal, ich sehe das ganz genauso. Diese Fehlinterpretation der östlichen Weisheiten hat schon einiges an Unlauteren Dingen hervorgebracht. Ich sehe z.B. auch rein geistige Tätigkeiten (meditieren, nachdenken, träumen) als aktive Handlungen an, die nicht nur in sich selbst wirksam, oder aufgrund von folgenden körperlichen Handlungen wirksam werden, sondern bereits Primärursache für unmittelbare Erscheinungen sind. Aber so ganz sicher bin ich mir eigentlich auch nicht. Wie siehst Du das? Lina
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"Die Zeit ist die Seele der Welt" (griech. Weisheit) Der Geist ist der Raum der Welt.
Von ´01-´09 schrieb ich hier. Seit 06 als Mod. eingetr. Inaktiv seit 2009. Ich wünsche dem Forum alles Gute
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tiLL
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Re: Konfuzius und Laotse
« Antworten #8 am: 31. Okt. 2002, 00:23 Uhr » |
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Hi Lina, da der Geist sich meiner Meinung nach nicht prinzipiell von Materie und Energie unterscheidet, stimme ich dir zu, dass "auch rein geistige Tätigkeiten [...] bereits Primärursache für unmittelbare Erscheinungen" sei können. Das ist es allerdings nicht der Punkt, den ich in meinen anderen Postings angesprochen hatte. Dort wollte ich darauf aufmerksam machen, dass das Tao-Te-King in einer sehr symbolhaften Sprache geschrieben ist. Auch wenn ein Mensch sehr körperlich Aktiv ist, kann das ein Ausdruck des Nicht-Handelns sein. Hm... aber Moment... vielleicht ist das doch ein ähnlicher Punkt... eigentlich ist dann die Trennung zwischen innen und aussen ja sinnlos... Diese Aspekte hatte ich noch garnicht verknüpft! Nicht-Handeln kann man ja dann auch als ein äusseres "den Dingen ihren natürlichen Lauf lassen" interpretieren. Dies wäre dann auch nicht im Sinne von Passivität gemeint, und auch nicht in einem Sinn, der sich gegen den technischen Fortschritt wendet. viele Grüße tiLL
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| « Zuletzt bearbeitet: 31. Okt. 2002, 00:36 Uhr von tiLL » |
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alexmaster (Offline)
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Konfuzius und Laotse - Freiheitsbegriff
« Antworten #9 am: 28. Feb. 2004, 20:05 Uhr » |
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Hi....! Hab mal ne Frage...! Beschäftige mich auch sehr viel mit der Philosophie in Japan und Asien allgemein und muss die nächsten Tage ein Referat darüber halten wie der Begriff "Freiheit" in der Philosophie Asiens so angesehen wird und wie man den so versteht! Welche Freiheiten man also hat, bzw. welche man sich eben nicht nehmen darf / soll. Könnte mir da jemand vielleicht mal einen Tip geben wo ich was im Internet finden könnte oder wie ich da vielleicht anfangen soll? Vielen Dank! MfG ALEX
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as_human_as_you (Offline)
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Re: Konfuzius und Laotse
« Antworten #10 am: 01. Juli 2004, 14:02 Uhr » |
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Zitat:| Ich hab halt meine eigene Interpretation. |
| also ich habe noch nirgens gelesen, dass Laotse ein passives Handeln predigte... was ich las war immer im Stile von dem gemeint: [quote]nicht-handeln im Sinne von "gezielt-handeln", im Sinne von "dort handeln, wo sinnvoll". Dieser Sinn trifft schlichtweg überall perfekt zu, auch heute:Deine erste Station auf dem Weg der Veränderung unseres Kapitalismus beispielsweise.... ist Anpassung, Ruhe, Gelassenheit, das "NICHT-HANDELN" im richtigen Moment. Egal, was du verändern willst. Wenn du dich nicht "anpassen" kannst, wirst du jenes kaum verändern können (unter unsren Umständen.) Das Gleiche bezogen auf unser Wissen: Du entdeckst Tatsachen, Realitäten. Trotzdem musst du die Fähigkeit besitzen, zur richtigen Zeit nicht an diese zu denken, ....auch wenn diese Tatsachen noch so schlimm sind.... "Ich kann nix sagen zu Dingen, von welchen ich nix weiss...." was das heissen soll ist doch klar. Du und ich und wir alle... sind täglich mit dem "Nicht-Handeln" konfrontiert....... Da wir schlichtweg von sehr, sehr vielen Dingen keine Ahnung haben, is ja logisch. abschliessend: Diese Antwort:ich weiss, dass ic hnix weiss... - regt mich zum Beispiel dazu an, erst Mythologien und Religionen zu studieren, bevor ich über sie berichte. Regt dich an, ... einem Mathematiker im Fach "Mathematik" nicht zu widersprechen....usw.....(oder hast du Mathe studiert?) es ist eigentlich ganz einfach... Kindergarten-Niveau... nur macht sich niemand diese Gedanken.
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| « Zuletzt bearbeitet: 01. Juli 2004, 14:07 Uhr von as_human_as_you » |
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fosca (Offline)
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Re: Konfuzius und Laotse
« Antworten #12 am: 11. Juli 2004, 15:08 Uhr » |
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ein gruß in die runde... ich denke, daß sich "nicht handeln" auf das völlige losgelöstsein der jeweiligen ergebnisse bezieht. das heißt also , vollkommen frei. mitunter auch vom sogenannten "freien willen". laotse spricht von einem bereits "unpersönlichem" standpunkt aus. "dem seienden entstammen alle dinge, dem nichtseienden entspringt das seiende" das nichtseiende ist das unpersönliche bewußtsein, in welchem das seiende entsteht. das heißt, wenn sich das bewußtsein manifestiert, name und form annimmt, und zum seienden wird. dieser vorgang geschieht im nichtseienden. so meine ich, laotse spricht aus der erfahrung des nichtseienden . er sieht die bewegung der totalität in seiner gesamtheit. von diesem standpunkt aus , ist handeln oder nicht handeln keine frage der entscheidung oder des abwägens, sondern es wird zum spontanen reagieren auf die zeit. jede "gezielte handlung" ist auf ein bestimmtes ergebnis gerichtet, und kann daher nicht mehr als "nicht handeln" bezeichnet werden, ganz gleichgültig ob man handelt oder nicht. so denke ich darüber... noch was schönes für euch ...natürlich laotse... "kenne das männliche und halte das weibliche" gruß fosca
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WuWei (Offline)
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Re: Konfuzius und Laotse
« Antworten #13 am: 11. Juli 2004, 21:37 Uhr » |
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Hallo fosca, wie willst du dich vom freien Willen befreien? Jemand hat hier geschrieben: "Gemäß seiner Natur zu handeln wäre hier Nicht-Handeln im Sinne Lao Tses." Meiner Meinung nach ist wuwei das Erkennen, daß man eben überhaupt niemals GEGEN seine Natur handeln kann. Jedes Handeln ist IMMER gemäß der eigenen Natur. Aber man kann sich einbilden, gegen die eigene Natur zu handeln. Doch auch diese Einbildung gehört zur eigenen Natur. Also ist Nicht-Handeln lediglich, den scheinbaren freien Willen nicht auszuüben. Das Handeln geschieht einfach. WuWei
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Ich habe mir viele Gedanken gemacht, damit ich mir keine Gedanken mehr machen muss
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WuWei (Offline)
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Re: Konfuzius und Laotse
« Antworten #14 am: 13. Juli 2004, 22:11 Uhr » |
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Buddha sagte, es gibt keinen Handelnden, nur ein Geschehen. Ein frei Handelnder müsste außerhalb des natürlichen Ablaufs der Dinge stehen, was unmöglich ist. Deshalb kann es keinen freien Willen geben. (Inzwischen kommen ja auch die Hirnforscher immer mehr darauf). Wenn sich also niemand zum Handeln entscheiden kann, kann sich auch niemand entscheiden, nicht zu handeln. Aber man kann es sich einbilden. Wenn diese Täuschung fällt (auch das kann nur geschehen), geschieht Handeln spontan und im WuWei.
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