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Thema: Hegels Weltgeist (Gelesen 9674 mal) |
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metin_oztaskin (Offline)
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Re: Hegels Weltgeist
« Antworten #45 am: 06. Sept. 2007, 23:17 Uhr » |
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Am 03. Okt. 2004, 11:32 Uhr, schrieb MultiVista : Theorien werden von den Massen abgelehnt. Sie mögen sie nicht, sie sind der Praxis – der sie unterliegen – ergeben. Und die Theorien mögen sie vor allem dann nicht, wenn es ihre liebgewonnenen „Erkenntnisse“ widerspricht. Man hat soviel investiert in diese Fassaden, die unsere Welt beDEUTEN. Nein, eine Theorie greift an und unser Welt und vor allem SELBST-Verständnis gerät aus den Fugen. DAS wollen wir uns nicht von diesen Theoretikern zerstören lassen. |
| Hallo Multivista, Es ist irgendwie verständlich, dass die Massen, also die meisten Menschen, die Theorie, weil die Theorien die bisherigen Erfahrung bzw. Gewohnheiten zerstören. Die Menschen lieben es nicht, wenn man die bisherigen Gewohnheiten zerstören Wenn man nach den Gewohnheit lebte, dann werden einige Entscheidung erleichtert. Man braucht über einige Fragen nicht nachgedacht. Man kann die Konsequenzen abschätzen. Aber auf der anderen Seite kann man die Ablehnung der Theorie nicht verstehen. Denn die Theorie soll nicht die Gewohnheiten der Menschen ändere, sondern eine neues Phänomen erklären, das bisher nicht bekannt war. Oder solche Betrachtung die Theorie nicht richtig. Doch für mich stellte sich die Frage, ob es nicht bessere währe wenn man abklären würde, was einer Theorie ist, bevor man über solche Fragen diskutiert. Ich denke solche Klärung währe gute angebracht. Jeder Mensch, mit einer guten Allgemeinbildung hat eine Vorstellung, was einer Theorie ist. Die Vorstellung sind jedoch vage, und nicht konkret. Aber vielleicht ist besser, wenn man einige Punkte nicht konret beschreibt. Auf dieser Weise ergeben sich neue Fragen. Und durch solchen frage wir die Diskussion lebendiger . Mit freundlichen Grüßen Metin Öztaskin [/quote
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metin_oztaskin (Offline)
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Re: Hegels Weltgeist
« Antworten #46 am: 09. Sept. 2007, 00:02 Uhr » |
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Am 03. Okt. 2004, 11:32 Uhr, schrieb MultiVista : Und Wahrheiten, Zusammenhänge erkennen, ohne dass daraus ein sofort ersichtlicher praktischer „Nutzen“resultiert? Ohne praktische Konsequenzen? Zumindest befriedigt es den „philosophischen Kopf“ zutiefst. Macht ihn glücklicher und ist seine Erkenntnis-Lust befriedigend. Das Bedürfnis nach Erkenntnissen? Praktische o.k., aber theoretische? Nein! Warum nicht? |
| Nach meinen bisherigen Beobachtungen ist eine komische Sache mit der Wahrheit. Die Menschen suchen die Wahrheit, doch wenn sie die Wahrheit gefunden haben, halte sie sich nicht an dieser Wahrheit. Es ist einleuchten, das die Menschen glücklich sind, wenn sie die Zusammenhänge in ihre Umgebung erkennen, vor allem philosophischen Kopf. Ich denke, der Grund für den Glückeffekt liegt wahrscheinlich, dass das Erkenntnis die Dunkelheit erhellen. Wie soll den letzten Satz dieses Zitat verstehen. Der Wunsch nach Erkenntnis hat praktischen nutzen, aber kein theoretische? Ist dieser Einsieht richtig? Zitat:| Es haben gerade auch diese theoretischen Einsichten einen befriedigenden Eigennutzen und sind VORAUSSETZUNG für eine auch in Hinsicht auf eine praktische, zukünftig weiter entwickelte Welt. Bedürfnis nach Erkenntnis ist evolutiv verankert. |
| Was sind theoretische Einsicht? Ich würde sagen, theoretische Einsichten sind gewisse ziele, die bestrebenswert sind bzw. sind Einsichten ist die Zusammenhänge, also wie das ganze funktionieren. Ich würde sagen, Bedürfnis nach Erkenntnis ist evolutiv verankert ist auch eine theoretische Erkenntnis, was sich in der Praxis bewahrt. Denn diejenigen, die mehr Erkenntnis haben, haben eine größere Überlebenschance. Sie können die Ressource effektiv ausnutzen und damit die Überlebenschance vergrößere. Das Streben nach Erkenntnis ist Ausdrucke der Intelligenz. Zitat:| Denken ist also nicht nur LUST-befriedigend sondern auch elementar für einen Fortschritt der Menschheit. |
| Auch dieser aussage ist verständliche. Das Denken ist eine Fortschritt im bestreben zu überleben. Was hätte Erkenntnisse für Wert, wenn man aus diesen Erkenntnissen mit Helfe des Denkens neuer Strategie entwickelt könnte? Kann man überhaupt ohne Denken Erkenntnisse gewinnen? Zitat:| Mißachtet das „elfte Gebot“, dass da heißt: “Esst nicht vom Baum der Erkenntnis“. Ich sage: Wer heute nicht bereit ist zu denken, wird auch das Morgen nicht mitgestalten können. Wer nur „Konformität“ beim allgemeinen, gesellschaftlichen Denken anstrebt ist tatsächlich schon gescheitert. |
| ich denke, an dieser Aussage ist etwas wahre daran. Wenn man etwas ändert will, dann sollte man bereit sein, mit denken. Und nicht vom anderen Menschen folge, auch wenn das einfache ist. Doch hier stellten sich die Frage, reiche das Mitdenken aus, um etwas zu ändert? Braucht man nicht macht, um etwas ändert? Zitat: Aber Fragen stellen, das kann jeder…? Nein, eben nicht! Es werden auch zu wenig und vor allem nicht die richtigen Fragen gestellt. Die Menschen wollen gar nicht „richtige Fragen“ stellen lernen, wollen nicht eine philosophische Tugend leben, die da heisst (Sokrates) Fragen stellen! Sind die Leute zu faul, bequem oder einfach nicht kreativ genug? |
| Es ist einleuchte, das die Menschen nicht Fragen stellen wollen. Der Grund, warum sie keine fragen stellenwollen, liegt wahrscheinlich darin, das es einfacher ist, mit den Anderen mitlaufen. Auf dieser Weise sparren sie Energie und fallen nicht auf. Die Menschen verlassen sich lieber auf das herkömmliche als etwas Neues zu suchen. Sie verlassen sich das herkömmliche, weil sie wissen, was das herkömmliche bringt, während sie nicht wissen, was das neuen bringt. Aber wie sieht die richtige Fragen stellen. Wie kann man lernen, richtige Fragen zu stellen ten Konsequenzen Aber gerade die Kreativität entsteht aus der Lebenspraxis die richtigen Fragen stellen zu lernen, also aus der Philosophie. Zitat:Er hatte keine Fragen - und bekam daher auch nie Antworten. Sie hatte sehr viele Fragen - und bekam aber nur wenige Antworten. Wer ist besser dran? Sie, denn sie kann weiter aufbauen auf den Antworten, sie reflektieren und nEUE Fragen stellen. |
| Natürlich ist derjenigen besser daran, der viele fragen. Der viele Fragen stellen hat die Chance einige Antworten auf die Fragen, die ihnen interessieren. Derjenige, der keine Fragen stellt, hat keine Interesse an den antworten. Doch ehrliche gesagt finden ich dieser Tatsache, das jemand kein Frage hat, verwunderliche, denn man begegnet immer wieder Phänomen, die man nicht erklären kann Zitat:Ach je, diese kurze Lebenszeit steht im krassen Missverhältnis zu dem was man zum lesen aller interessanten Bücher und Multirevuen eigentlich bräuchte. Schnell einen Kanon machen! Selbst-Beschränkung ist angesagt. Kanon für Literatur, für Musik, für alles und vor allem für seine Gedankenwelt. |
| Was heiß eigentlich kanonisieren bzw. was sind Kanon? Sind Kanon so was ähnliches wie Dogmen, das heiß nur eine Antwort ist richtig und alle anderen Antworte sind falsche. Dieser Schlussfolgerung ergibt sich aus den kontext dieses Aschnitt. Ich bin sehr gespannt, ob ich antworten Auf mewine fragen. Es währe jedenfalls sehr schon, wenn man mir einige Antworte schreiben würde Mit freundlichen Grüßen Metin Öztaskin
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MultiVista (Offline)
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Re: Hegels Weltgeist
« Antworten #47 am: 13. Sept. 2007, 10:11 Uhr » |
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Reinhard Jellen, "Junge Welt" - 11.08.2007: Die Geschichte stellt sich für Hegel dar als abflauende Wellenbewegung, in der es zu einer progressiven Annäherung zwischen Idee und Welt kommt, der Abstand zwischen Welt und Idee immer weiter abnimmt, bis beide sich ganz überschneiden und Stillstand eintritt. Die Einsicht der Hegelschen Philosophie ist, daß die Welt so ist, wie sie sein soll: Die Weltgeschichte ist die Vollführung des Planes Gottes. Der Beweis dieser Entwicklung liegt aber im Vollzug der Geschichte selbst, d.h., Hegel erhebt die Geschichte zur Verifikationsinstanz seiner Philosophie. Denn er kann eine kreisläufige Vermittlung des Geistes mit sich selbst nur postulieren, wenn diese sich praktisch schon in der Realität erreicht und sich die Freiheit in der Welt realisiert hat. Da Hegel für seine Philosophie die Übereinstimmung von Theorie und Praxis einfordert, kann man also beim Auftreten nicht integrierbarer Widersprüche seine Theorie in Frage stellen. Und letztendlich ist Hegels Theorie gescheitert an den Klassenwidersprüchen der französischen Julirevolution 1830, von der ihm einer seiner Schüler, Eduard Gans, berichtet hat. >>> Entgegen mancher früheren Epoche haben Armut und Reichtum in der bürgerlichen Gesellschaft nicht das Ungenügen der natürlichen Umwelt zur Ursache, sondern die Triebfeder von Elend und Wohlstand besteht in der Dynamik der gesellschaftlichen Antagonismen, da die Übereinstimmung der Privatinteressen nicht das Ergebnis freier Entscheidung, sondern ein Produkt des Zufalls ist. Aus sich heraus kann die bürgerliche Gesellschaft keine vernünftig-sittliche Allgemeinheit schaffen, und mit unweigerlicher Notwendigkeit klaffen die gesellschaftlichen Ungleichheiten zwischen Arm und Reich auseinander, derer keine private oder institutionalisierte Barmherzigkeit Herr werden kann. <<< >>> Hegel sieht deutlich, daß sich innerhalb der Sphäre der bürgerlichen Gesellschaft unmöglich ihre Widersprüche beseitigen lassen, hegt aber auch die Hoffnung, daß durch eine höhere Gewichtung gesellschaftlicher Einrichtungen diese Gegensätze abgemildert werden könnten. Währenddessen breitet sich der Einfluß der bürgerlichen Gesellschaft beständig aus und zwingt sie andere Völker unter ihre blinden Gesetzmäßigkeiten. (USA und die Globalisierung?) <<< Andererseits findet für Hegel die eigentliche Realität hinter der unmittelbaren Realität statt: Die empirische Wirklichkeit ist sozusagen nur die Spitze des Eisbergs, dessen Ausmaße sich bestenfalls erahnen lassen, während der größte Teil der Idee in ihrer Gesamtheit sich dem Auge entzieht. Er kann nur durch ein sorgfältiges Studium des Gegenstandes vermessen und der rote Faden darin aufgefunden werden. !!! Die erkennende Vernunft also, die zwar durch hartnäckiges Bemühen befähigt ist, das Geschehen der Vergangenheit vernünftig zu ordnen und Zusammenhänge zu erfassen und darzulegen, zeigt sich weitgehend unfähig, in der Gegenwart die herrschenden Tendenzen zu erkennen. Dies ist auch ein Grund, warum bei Hegel in der Gegenwart die Geschichte en gros aufhört. !!! Da aber Hegel gleichzeitig die (idealistiche?) These aufstellt, daß Vernunft die Welt beherrscht, geht er auch von der Prämisse aus, daß sie die Wirklichkeit bestimmt, also auf sie wirkt und Macht hat. Das wiederum bringt mit sich, daß sich die Vernunft in der Geschichte zeigen muß. Und die Aufgabe der Philosophie besteht darin, diese als in der Geschichte wirkend und sich verwirklichend aufzuzeigen, wobei es dabei wie oben zugehen soll. Der langen Rede kurzer Sinn: Nun ja, wir haben im Jahre 2007 immer noch Geschichte. und der koservative Philosoph G. Rohrmoser meint: "Was bedeutet der Eintritt Gottes in diese Welt, wie das Christentum es verkündet hat, nicht nur für die europäische Geschichte, sondern wie Hegel meinte für die Weltgeschichte überhaupt? Der zentrale Satz von Hegels ganzer Philosophie lautet: Das Erscheinen Gottes in dieser Geschichte ist der Dreh- und Angelpunkt, um den das Ganze der Geschichte schwingt. Alle Geschichte ist eine Geschichte auf dieses Ereignis hin und alle Geschichte ist eine Geschichte von diesem Ereignis her. Worin aber liegt das noch über die Griechen Hinausweisende dieses Eingriffs des handelnden Gottes in die Geschichte? Es bedeutet, dass der Mensch in seiner Subjektivität und Endlichkeit zu einem Moment des Lebens Gottes geworden ist, wie es Hegel ausgedrückt hat. Das heißt, Kraft der Teilnahme am trinitarisch gedeuteten verfassten Leben des Absoluten bekommt jeder Mensch ein absolutes Recht, Kraft dieser Teilhabe am Absoluten auch frei zu sein."
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MultiVista (Offline)
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Re: Hegels Weltgeist
« Antworten #48 am: 13. Sept. 2007, 10:18 Uhr » |
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"..... entscheidend ist das Problem des Ausgleichs zwischen der Substanz, die in der Tradition bewahrt wird, und der Moderne. Mit der Französischen Revolution nimmt der Geist eine Wendung, indem er sich von seiner Herkunftsgeschichte einer in 2000 Jahren gewonnenen Kultur und Gestalt des Geistes löst und befreit. Man bricht die Kontinuität der Geschichte ab, setzt sich dem Alten und Gewordenen diskontinuierlich entgegen und versucht in der Trennung von dem, was 2000 Jahre in Europa geworden ist, die Vollendung der modernen Gesellschaft aus sich selbst. Hegel sieht zwar die Notwendigkeit, die hinter dem Ausbruch dieser Revolution steht, verkündet aber dann: Das, was hier geschieht, hat die Welt noch nicht gesehen, dass sich der Geist auf den Kopf stellt, um aus dem Kopf heraus eine nach der Vernunft des Kopfes konstruierte Welt hervorzubringen. An diesem Punkt erinnert Hegel an den Satz des Anaxagoras, dass der Nous, die Vernunft, die Welt und das Ganze regiert. Hegel sieht nicht den Bruch, das Heraustreten aus den Traditionen, sondern er sieht die Kontinuität, das heißt, dass in der modernen Welt etwas zum Vollzug kommt und zur Verwirklichung, was in dieser antik-christlichen Geschichte des Geistes seit über 2000 Jahren seinen Grund hat. Aber warum hat Hegel die Französische Revolution trotzdem bejaht? Weil in ihr die Freiheit des Einzelnen zu dem Rechtsprinzip wird, das den Rechtsstaat ausmacht. Was es in keiner Kultur bisher gegeben hat, was auch heute kaum eine andere Kultur versteht, ist, dass der Einzelne ein Recht auf Freiheit hat, und dass das Recht die Verwirklichungs- und Bewahrungsform dieser Freiheit ist. Um dieses Rechtsstaates willen hat Hegel die Notwendigkeit der Revolution bejaht. Er hat aber noch etwas anderes gesehen. Er hat gesehen, dass dem Freiheitsverständnis dieser Revolution etwas zugrunde liegt, was den Terror zur Konsequenz haben wird. Wann tritt der Terror ein? Wenn alle in der rechten republikanischen Gesinnung sein sollen und die republikanische Tugend herrschen soll. Wenn die aber herrschen soll, dann gibt es nur noch die Unterscheidung zwischen denen, die das Glück haben, in der rechten geforderten Gesinnung zu sein und denen, die das Pech haben, nicht in ihr zu sein. Hegel überschreibt das Kapitel „Die absolute Freiheit und der Schrecken“. Dann herrschen Misstrauen und Verdacht und das Leben des Einzelnen sei dann nicht mehr wert als das Abschlagen eines Kohlhauptes, oder das Austrinken eines Glases Wasser. Der Freiheitsbegriff – da taucht das platonische Problem wieder auf – setzt sich absolut und ist formal und entbehrt jeden Inhalts, jeder Substanz und ist damit unfähig die Ordnungen und Institutionen der Freiheit zu stabilisieren. Was Marx die permanente Revolution genannt hat, die uns nicht zur Ruhe kommen lässt, weil ein revolutionärer Schub den anderen wie Wellen auf dem Meere ablöst, diese ständige Sorge um Stabilität, die von Tag zu Tag drängender wird, sagt Hegel, ist eine notwendige Konsequenz dieses sich absolut setzenden Begriffs von Freiheit, der zwar absolut, aber leer ist. Hegel sieht die Notwendigkeit dieses, die Moderne tragende und vorwärts treibende Prinzip der Freiheit mit der Substanz der Herkunft zu versöhnen, weil nämlich der Grund auch dieser Freiheit die im Glauben des Christentums gewonnene Freiheit im Verhältnis zu Gott ist. Das ist der Grund in seiner Tiefe. Das heißt, diese moderne Welt wird zu einer Bewährungsform und Herausforderung dessen, was diese Welt mit dem Christentum und seiner substanziellen Bestimmung von Freiheit teilt. Es geht um die Freiheit! Und Hegel sieht, dass die Aufklärung in ihrer alle Gestalten und Traditionen des Geistes auflösenden Kritik sich am Ende selbst zerstören wird. Das heißt, Hegel hat die Substanz des Christentums als Bewahrungs- und Erneuerungskraft herbeigerufen, nicht als Gegenkraft gegen die Moderne, sondern zur Bewahrung ihrer besten Resultate. Was für eine Zeit würde anbrechen, wenn wir endlich damit beginnen würden, statt uns Schlagwörter an den Kopf zu werfen, uns der wirklichen Natur der Probleme und Herausforderungen zuzuwenden und um eine Antwort darauf zu ringen. Das Fernsehen wird das aber unmöglich machen, und uns eher in die Idiotie treiben, als zur Lösung dieses für uns existenziellen Problems beitragen. In der Gegenwart tritt das von Hegel für den Fall Prognostizierte ein, dass die Aufklärung tabula rasa macht und jede Sittlichkeit auflöst. Wirklich wird das, was Hegel im Blick auf die moderne Gesellschaft als den Atheismus der sittlichen Welt bestimmt hat, die in ihre Extreme aufgelöste Einheit des Sittlichen" G. Rohrmoser Hegel richtig interpretiert? Oder missbraucht?
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Simon89 (Offline)
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Re: Hegels Weltgeist
« Antworten #49 am: 08. Okt. 2007, 15:40 Uhr » |
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Am 13. Sept. 2007, 10:18 Uhr, schrieb MultiVista :"..... Hegel sieht zwar die Notwendigkeit, die hinter dem Ausbruch dieser Revolution steht, verkündet aber dann: Das, was hier geschieht, hat die Welt noch nicht gesehen, dass sich der Geist auf den Kopf stellt, um aus dem Kopf heraus eine nach der Vernunft des Kopfes konstruierte Welt hervorzubringen. An diesem Punkt erinnert Hegel an den Satz des Anaxagoras, dass der Nous, die Vernunft, die Welt und das Ganze regiert. Hegel sieht nicht den Bruch, das Heraustreten aus den Traditionen, sondern er sieht die Kontinuität, das heißt, dass in der modernen Welt etwas zum Vollzug kommt und zur Verwirklichung, was in dieser antik-christlichen Geschichte des Geistes seit über 2000 Jahren seinen Grund hat. Aber warum hat Hegel die Französische Revolution trotzdem bejaht? Weil in ihr die Freiheit des Einzelnen zu dem Rechtsprinzip wird, das den Rechtsstaat ausmacht. Was es in keiner Kultur bisher gegeben hat, was auch heute kaum eine andere Kultur versteht, ist, dass der Einzelne ein Recht auf Freiheit hat, und dass das Recht die Verwirklichungs- und Bewahrungsform dieser Freiheit ist. Um dieses Rechtsstaates willen hat Hegel die Notwendigkeit der Revolution bejaht. Er hat aber noch etwas anderes gesehen. Er hat gesehen, dass dem Freiheitsverständnis dieser Revolution etwas zugrunde liegt, was den Terror zur Konsequenz haben wird. Wann tritt der Terror ein? Wenn alle in der rechten republikanischen Gesinnung sein sollen und die republikanische Tugend herrschen soll. Wenn die aber herrschen soll, dann gibt es nur noch die Unterscheidung zwischen denen, die das Glück haben, in der rechten geforderten Gesinnung zu sein und denen, die das Pech haben, nicht in ihr zu sein. Hegel überschreibt das Kapitel „Die absolute Freiheit und der Schrecken“. Dann herrschen Misstrauen und Verdacht und das Leben des Einzelnen sei dann nicht mehr wert als das Abschlagen eines Kohlhauptes, oder das Austrinken eines Glases Wasser. Der Freiheitsbegriff – da taucht das platonische Problem wieder auf – setzt sich absolut und ist formal und entbehrt jeden Inhalts, jeder Substanz und ist damit unfähig die Ordnungen und Institutionen der Freiheit zu stabilisieren. Was Marx die permanente Revolution genannt hat, die uns nicht zur Ruhe kommen lässt, weil ein revolutionärer Schub den anderen wie Wellen auf dem Meere ablöst, diese ständige Sorge um Stabilität, die von Tag zu Tag drängender wird, sagt Hegel, ist eine notwendige Konsequenz dieses sich absolut setzenden Begriffs von Freiheit, der zwar absolut, aber leer ist. Hegel sieht die Notwendigkeit dieses, die Moderne tragende und vorwärts treibende Prinzip der Freiheit mit der Substanz der Herkunft zu versöhnen, weil nämlich der Grund auch dieser Freiheit die im Glauben des Christentums gewonnene Freiheit im Verhältnis zu Gott ist. Das ist der Grund in seiner Tiefe. Das heißt, diese moderne Welt wird zu einer Bewährungsform und Herausforderung dessen, was diese Welt mit dem Christentum und seiner substanziellen Bestimmung von Freiheit teilt. Es geht um die Freiheit! Und Hegel sieht, dass die Aufklärung in ihrer alle Gestalten und Traditionen des Geistes auflösenden Kritik sich am Ende selbst zerstören wird. Das heißt, Hegel hat die Substanz des Christentums als Bewahrungs- und Erneuerungskraft herbeigerufen, nicht als Gegenkraft gegen die Moderne, sondern zur Bewahrung ihrer besten Resultate. Was für eine Zeit würde anbrechen, wenn wir endlich damit beginnen würden, statt uns Schlagwörter an den Kopf zu werfen, uns der wirklichen Natur der Probleme und Herausforderungen zuzuwenden und um eine Antwort darauf zu ringen. Das Fernsehen wird das aber unmöglich machen, und uns eher in die Idiotie treiben, als zur Lösung dieses für uns existenziellen Problems beitragen. In der Gegenwart tritt das von Hegel für den Fall Prognostizierte ein, dass die Aufklärung tabula rasa macht und jede Sittlichkeit auflöst. Wirklich wird das, was Hegel im Blick auf die moderne Gesellschaft als den Atheismus der sittlichen Welt bestimmt hat, die in ihre Extreme aufgelöste Einheit des Sittlichen" G. Rohrmoser Hegel richtig interpretiert? Oder missbraucht? |
| Wer interpretiert Hegel richtig? Gehen wir mit unseren Prämissen und "Dogmen" an Hegel heran oder lassen wir uns auf diesen Denker selbst ein? Als an Philosophie interessierter Schüler will ich mir nicht anmaßen, einen so großen Denker zu begreifen. Wenn ich Rohrmoser einigermaßen verstanden habe, interpretiert er Hegel, indem er ihn in seiner Gesamtheit zur Kenntnis nimmt, d.h. von seinen "Theologischen Jugendschriften" aus. Damit steht er über den sonst üblichen Kategorien der Links- und Rechtshegelianer. Hegel steht jenseits von "progressiv" und "konservativ". Diese "liberale Hegelinterpretation" hat er von seinem Lehrer Joachim Ritter übernommen. (aus: G. Rohrmoser: Emanzipation oder Freiheit G. Rohrmoser: Konservatives Denken im Kontext der Moderne - Joachim Ritter als Modernisierer (http://www.gfk-web.de/inhalt/buecher/buecher.html)
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Gruß Simon
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MultiVista (Offline)
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Re: Hegels Weltgeist
« Antworten #51 am: 11. Apr. 2008, 15:52 Uhr » |
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Hegel: "Die Natur des Geistes läßt sich durch den vollkommenen Gegensatz desselben erkennen. Wie die Substanz der Materie die Schwere ist, so, müssen wir sagen, ist die Substanz, das Wesen des Geistes die Freiheit" Ich sage nur: "Natur" hat sich in seiner Entwicklung (evolutiv) aus-diffenziert, und so haben wir heute auch neben Körper den Geist (Seele) Nicht wahr?
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seberta
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Re: Hegels Weltgeist
« Antworten #52 am: 11. Apr. 2008, 16:25 Uhr » |
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Am 11. Apr. 2008, 15:52 Uhr, schrieb MultiVista : und so haben wir heute auch neben Körper den Geist (Seele) Nicht wahr? |
| ....als psycho-somatisch-unbewußt-bewußte Einheit, nicht wahr? sbt
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Don_Quichote (Offline)
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Re: Hegels Weltgeist
« Antworten #53 am: 11. Apr. 2008, 16:56 Uhr » |
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Hegel: "Die Natur des Geistes läßt sich durch den vollkommenen Gegensatz desselben erkennen. Wie die Substanz der Materie die Schwere ist, so, müssen wir sagen, ist die Substanz, das Wesen des Geistes die Freiheit" was sagte doch gleich Schopenhauer zum Thema Hegel? Brav Schopi! don qu.
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MultiVista (Offline)
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Re: Hegels Weltgeist
« Antworten #54 am: 11. Apr. 2008, 17:09 Uhr » |
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"was sagte doch gleich Schopenhauer zum Thema Hegel? Brav Schopi!" Brav OOOOO Schopi. Schopi gegen Hegel 5 : 1 in der "Liga Filosofia" Schopi war halt REALIST Hegel nur ein schwäbischer Idealist, mehr Dichter als Denker MultiVista
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| « Zuletzt bearbeitet: 11. Apr. 2008, 17:10 Uhr von MultiVista » |
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Don_Quichote (Offline)
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Re: Hegels Weltgeist
« Antworten #55 am: 11. Apr. 2008, 17:18 Uhr » |
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Wer von beiden mit der deutschen Sprache befreundet war und wer nicht, steht ja wohl auch außer Frage. don qu.
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MultiVista (Offline)
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Re: Hegels Weltgeist
« Antworten #56 am: 11. Apr. 2008, 18:00 Uhr » |
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Ha klar isch`s, dr Hegel hätt seine Vorleunge uff schwäbisch geschwätzt...
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seberta
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Re: Hegels Weltgeist
« Antworten #57 am: 13. Apr. 2008, 06:34 Uhr » |
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Ja ja! Dialekt und Dialektik ....
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Re: Hegels Weltgeist
« Antworten #59 am: 29. Apr. 2008, 11:42 Uhr » |
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"Dies sind die großen Menschen in der Geschichte, deren eigne partikulare Zwecke das Substantielle enthalten, welches Wille des Weltgeistes ist. [...] Solche Individuen hatten in diesen ihren Zwecken nicht das Bewußtsein der Idee überhaupt, sondern sie waren praktische und politische Menschen. Aber zugleich waren sie denkende, die die Einsicht hatten von dem, was not und was an der Zeit ist. >>> Das ist eben die Wahrheit ihrer Zeit und ihrer Welt, sozusagen die nächste Gattung, die im Innern bereits vorhanden war.<<< Ihre Sache war es, dies Allgemeine, die notwendige nächste Stufe ihrer Welt zu wissen, diese sich zum Zwecke zu machen und ihre Energie in dieselbe zu legen. Die welthistorischen Menschen, die Heroen einer Zeit, sind darum als die Einsichtigen anzuerkennen; ihre Handlungen, ihre Reden, sind das Beste der Zeit." Seberta zitierte an anderer Stelle Hegel: "Philosophie ist ihre Zeit in Gedanken erfaßt."
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