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Thema: Grenzen der Toleranz (Gelesen 17212 mal) |
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delfi (Online)
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Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #120 am: 03. Juli 2008, 22:35 Uhr » |
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Am 02. Juli 2008, 17:38 Uhr, schrieb Meisterdieb : @ hel Ich komme immer mehr zu der Überzeugung, daß Toleranz in Wahrheit eine Immunschwächekrankheit ist, besonders gefährdet das demokratische Herdentier. |
| Dir wäre offensichtlich wohler, wenn sich Türken und Deutsche nach dem Fussballspiel anständig verprügelt hätten. In Südamerika hat ein solches ja angeblich schon einen Krieg ausgelöst. Mir scheint also eher, bei Meisterdieb handelt es sich um einen Allergiker, hat auch was mit dem Immunsystem zu tun, ist aber ne Krankheit. Salve
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gnôthi seautón, medèn ágan, eî
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taunus (Offline)
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Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #121 am: 04. Juli 2008, 11:39 Uhr » |
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Hallo hel Am 03. Juli 2008, 20:46 Uhr, schrieb hel : Wenn man die Handlung aber ablehnt, sie für falsch erachtet, stellt sich die Frage, ob Toleranz überhaupt angebracht ist oder nicht vielmehr eine "Immunschwächekrankheit", wie das Meisterdieb so trefflich genannt hat. |
| Klar, es gibt auch Fälle von unangebrachter Toleranz: Wenn z.B. jemand einem Kinderschänder wohlwollendes Verständnis entgegenbringt, dann ist er selbst (nahezu) psychisch krank. Die Problematik der Toleranz liegt im Grenzbereich.Z.B.: Könntest/ kannst du es tolerieren, -wenn der Hund deines alten, einsamen Nachbarn fast jeden Tag , sagen wir mal, ca. eine viertel Stunde bellt? -wenn deine Frau mit ihrer Freundin zum Tanztee gehen möchte - nur so, um ein bisschen zu flirten? - dass der Iran an einem Atomprogramm arbeitet? -dass ein Vorstandsmitglied eines Konzerns ein Jahresgehalt von mehreren Millionen Euro bezieht? ..... Gruß taunus
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Hl._Geometriker (Offline)
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Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #122 am: 04. Juli 2008, 11:43 Uhr » |
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Dann hetze ich den Hund meines Nachbarn auf den am Atomprogramm des Iran beteiligten Manager, der meine Frau beim Tanztee trifft, und sie dort mit Geldscheinen lockt.
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hel (Offline)
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Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #123 am: 04. Juli 2008, 15:39 Uhr » |
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Am 04. Juli 2008, 11:39 Uhr, schrieb taunus : Könntest/ kannst du es tolerieren, -wenn der Hund deines alten, einsamen Nachbarn fast jeden Tag , sagen wir mal, ca. eine viertel Stunde bellt? |
| Ich bin nicht so lärmempfindlich, wie Meisterdieb. Aber in dieser Grauzone würde ich sagen - es kommt auf die Beziehung zum Nachbarn an. Je sympathischer mir der Kerl ist, desto toleranter werde ich sein. Ist das ein Arschloch, der z.B. meine Kinder beim Spielen im Hof gestört und ihnen Angst gemacht hat, rufe ich spätestens nach 30 sek die Polizei. Zitat: -wenn deine Frau mit ihrer Freundin zum Tanztee gehen möchte - nur so, um ein bisschen zu flirten? |
| Gehört m.E. in eine andere Kategorie, als Toleranz. Sie übt ihre Freiheit aus, ich die meine. Die Frage ist mehr, unter welchen Umständen wir miteinander glücklich sein können und unter welchen Umständen unsere Beziehung zerbricht. Zitat: - dass der Iran an einem Atomprogramm arbeitet? |
| Auch das ist zunächst ein anderes Kapitel. Eher eine Einschätzung der Gefahrenlage. Im Jahre 1948 empfahl Bertrand Russel, auf alle Fälle zu verhindern, dass die Sowjetunion die Bombe entwickle. Selbst, wenn man dafür auf Moskau die Atombombe werfen müsse. Er schätzte die Gefahr einer Vernichtung der Menschheit so hoch ein, sollten beide Blöcke die Atombombe haben, dass er die Vernichtung Moskaus - und den Tod von hunderttausenden - als kleineres Übel erachtete. Nachdem aber die Würfel gefallen waren - das Gleichgewicht des Schreckens erreicht - setzte er sich konsequent für alle Mittel der Verständigung und Deeskalation ein. Zitat: -dass ein Vorstandsmitglied eines Konzerns ein Jahresgehalt von mehreren Millionen Euro bezieht? ..... |
| Ist ein Corporate Governance Problem, das mich - ich bin leider kein Aktionär - persönlich nicht betrifft. Auf den Aktionärsversammlungen ist es aber möglich, unangemessene Vorstandsgehälter zu diskutieren. Wenn die Aktionäre - also Eigentümer - damit einverstanden sind, kann mir als Außenstehender, das ziemlich egal sein, wofür die ihr Geld rausschmeissen - oder vernünftig investieren - je nach Qualität der Manager. Toleranzfragen wären für mich: sollen wir tolerieren, dass Diktatoren ihre Bevölkerung blutig ausbeuten? Sollen wir tolerieren, dass aus religiösem Aberglauben Mädchen die Klitoris beschnitten wird? Dass Dieben die Hand abgehackt wird und Ehebrecher gesteinigt? Dass Millionen sterben, obwohl Medikamente und Lebensmittel verfügbar wären? Ich bin in der Hinsicht ausgesprochen tolerant, weil es mich nicht direkt betrifft und es mir deswegen vollkommen gleichgültig ist. Wie gut, dass Toleranz eine Tugend ist. Grüße, hel
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| « Zuletzt bearbeitet: 04. Juli 2008, 15:44 Uhr von hel » |
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hel (Offline)
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Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #125 am: 11. Juli 2008, 12:48 Uhr » |
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Am 05. Juli 2008, 21:57 Uhr, schrieb Abrazo : Die würde aber nicht kommen, Hel. Bis zu 10 Min am Stück darf er bellen. Will sagen: es gibt auch einen objektiven Maßstab der Toleranz, und den setzt der Staat. Und der verlangt, dass man IHN toleriert. |
| Ist ja auch gut so Gewiss wäre ich manchmal gerne ein unbeschränkter Herrscher wie ein louisquinze, der seine Intoleranzanfälle so richtig ausleben konnte - kann aber recht gut verstehen, dass meine Umwelt mir Schranken setzen will. Grüße, hel
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wosi (Offline)
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Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #128 am: 04. Okt. 2008, 09:40 Uhr » |
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Am 26. Okt. 2001, 17:53 Uhr, schrieb Uwe Wiedemann :Offenbar spielt in der letzten Zeit, die Frage nach den Grenzen der Toleranz eine große Rolle. Hier bei PhilTalk war schon mindestens zweimal am Rande das Thema diskutiert worden und hin und auch in meinem Postfach war die Frage zweimal von mir unbekannten eMail-Schreibern. Ich möchte hier die Diskussion auf diesen Punkt lenken und fragen: Was sind die Grenzen der Toleranz? Uwe |
| => http://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz Zit.: „Toleranz meint die Haltung eines Menschen, der andere respektiert, obwohl sie andere Meinungen und Überzeugungen vertreten.“ – Katholischer Erwachsenen-Katechismus „Toleranz schließt die Ehrfurcht vor dem, was dem anderen heilig ist, ein“ – nach Papst Benedikt XVI Die Grenze der Toleranz ist für mich genau dann erreicht, wenn die Ehrfurcht vor dem, was den anderen heilig ist, mich zu verschlingen droht. Was aber, wenn mich lediglich die Einbildung verschlingt? Was aber, wenn ich mich einlullen lasse und die tatsächlichen Gefahren übersehe oder übersehen will? Die Grenzwertbestimmung der Toleranz ist bei gegebenen Werten ein reines Entscheidungsproblem.
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MultiVista (Offline)
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Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #131 am: 09. Dez. 2008, 16:21 Uhr » |
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aus http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/Doc~E82CF09EED0 3D43ABB49E794A4533DDA5~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed_feuilleton folgendes: Seit die Toleranz das Erdulden der Andersartigkeit meint, hängt sie mit Pluralismus, auch Relativismus zusammen. Gehören alle Menschen derselben Religion an, so braucht es keine religiöse, pflegen alle denselben Lebensstil, so braucht es keine soziale Toleranz. Ebenso wenig ist sie dort gefragt, wo vollkommene Beliebigkeit herrscht. Gelten alle Ansichten und Lebensformen als gleicherweise gültig, so verliert die Toleranz ihren Anwendungsbereich. Tolerant ist, wer im Gegensatz zur Gleichgültigkeit in den Ansichten und Lebensweisen anderer Zumutungen erfährt, sie im Gegensatz zur Intoleranz aber aushält. Eine erste, pragmatische Rechtfertigung fällt leicht: Wer Vielfalt zulässt, fördert ein reibungsärmeres Zusammenleben und verhilft zu einem größeren Reichtum an menschlicher Selbstverwirklichung. Die anspruchsvollere, moralische Rechtfertigung beruft sich auf ein Gerechtigkeitsprinzip, auf das gleiche Recht aller, das Leben in eigener Verantwortung zu führen. Viele halten die Toleranz für eine Erfindung der Neuzeit. Tatsächlich wird ein wichtiges Prinzip schon eineinhalb Jahrtausende vorher aufgestellt. Im alten Orient waren Religion, Gesellschaft und Staat miteinander eng verquickt. Im Gegensatz dazu deutet die neutestamentliche Forderung "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist" (Mt. 22, 21) eine Ent-Quickung an. Das davon inspirierte Toleranzedikt von Mailand macht schon im Jahr 313 das entscheidende Element rechtsverbindlich: Jedem steht es frei zu glauben, was er will. Infolgedessen werden für Religionsdelikte weltliche Strafen verboten. Ein Jahrhundert später jagt aber das rasche Aufkommen von Spaltungen und Abweichungen (Häresien) dem Kirchenlehrer Augustinus einen derartigen Schrecken ein, dass er in altorientalische Verhältnisse zurückfällt. Die Religion wird wieder eng an die Politik gebunden; nicht selten lässt man den Übertritt zu einem fremden Kult sogar wie ein Kapitalverbrechen bestrafen. Um der Toleranz erneut zum Sieg zu verhelfen, müssen die Theologen einige Einsichten wiedergewinnen. Dazu gehören der pragmatische Gedanke, dass man in der Regel "verirrte Seelen" eher in Milde als mit Gewalt zurückgewinnt, weiterhin die theologische Erinnerung, dass der Geist des Neuen Testamentes in Geduld und Liebe besteht. Dazu zählt auch die Einsicht, dass der Glauben ein Akt der Freiheit darstellt, weshalb Zwang eigentlich nutzlos ist, denn bestenfalls führt er zu einem vorgetäuschten Glauben. Schließlich verdient im Fall eines irrenden Gewissens keineswegs der Irrtum, wohl aber der Mensch als verantwortliche Person Achtung. Die entsprechende Toleranz zieht einen scharfen Schnitt zwischen der Person und ihren Überzeugungen. Dass sich am Ende die Religionsfreiheit weithin durchsetzt, verdankt sich nicht schlichter Einsicht, sondern meist erst der blutigen Erfahrung religiöser Kriege und Bürgerkriege, darüber hinaus wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Gründen. Denn Intoleranz gefährdet die freie Entfaltung von Handel und Gewerbe, auch von Wissenschaft und Kunst. Tolerante Staaten wie Brandenburg-Preußen und die Niederlande blühen dagegen wirtschaftlich und kulturell auf. Schon das aufgeklärte Selbstinteresse spricht also zugunsten von Toleranz. Normativ grundlegender ist die Rechtfertigung aus der unantastbaren Menschenwürde. >> Ihretwegen endet die Toleranz dort, wo Freiheit und Würde anderer verletzt werden. << Weil die interkulturell anerkannte Goldene Regel zum selben Ergebnis kommt, gibt es die nur oberflächlich paradoxe Situation, dass multikulturell gültige Argumente gegen eine schrankenlose Multikulturalität Einspruch erheben. Das Kriterium für diesen Einspruch liegt auf der Hand: Ein Gemeinwesen verdient umso mehr Achtung, als es die Menschenrechte achtet. Hier pflegt zwar der Einwand zu kommen, dass die Menschenrechte derart von abendländischen, also von jüdisch-christlichen, griechischen, römischen und germanischen Elementen, geprägt sind, dass sie anderen Kulturen fremd bleiben müssen. In Wahrheit finden sich menschenrechtserhebliche Elemente auch in anderen Kulturen, zum Beispiel im Konfuzianismus. Nach dessen zweitwichtigsten Klassiker, Mong Dsi bzw. Menzius, besitzt "jeder einzelne Mensch" eine ihm angeborene "Würde in sich selbst". Diese kann durch die jeweiligen Machthaber weder gewährt noch genommen, sondern lediglich gewährleistet oder aber verletzt werden.
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| « Zuletzt bearbeitet: 09. Dez. 2008, 16:23 Uhr von MultiVista » |
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TIEF durchatmen nicht vergessen! Weil was wirklich wirklich ist, weiss der Mensch nun wirklich nicht... (c) Multi 2003
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Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #134 am: 11. Dez. 2008, 08:42 Uhr » |
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Die Grenzen meiner Toleranz ... hat wosi überschritten. Ich wünsche euch allen Themenweiterführende Beiträge und keine abschweifenden, penetranten Wiederholungen. >> Ihretwegen endet die Toleranz dort, wo Freiheit und Würde anderer verletzt werden. << Die Freiheit, eine themenorientierte Diskussion zu erfahren und nicht das Zerreden eines jeden Themas, was gegen die Würde ist.
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| « Zuletzt bearbeitet: 11. Dez. 2008, 08:44 Uhr von Sigmar » |
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