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   Autor  Thema: Grenzen der Toleranz  (Gelesen 17207 mal)
Uwe (Offline)
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Beiträge: 587
Grenzen der Toleranz
« am: 26. Okt. 2001, 17:53 Uhr »

Offenbar spielt in der letzten Zeit, die Frage nach den Grenzen der Toleranz eine große Rolle. Hier bei PhilTalk war schon mindestens zweimal am Rande das Thema diskutiert worden und hin und auch in meinem Postfach war die Frage zweimal von mir unbekannten eMail-Schreibern.  
 
Ich möchte hier die Diskussion auf diesen Punkt lenken und fragen: Was sind die Grenzen der Toleranz?
 
 Uwe
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underworld (Offline)
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Ignorieren ist noch keine Toleranz. (Theodor Fontane)

   
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Beiträge: 159
Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #1 am: 28. Okt. 2001, 18:23 Uhr »

hallöchen!
 
ich finde die grenzen der toleranz fangen
für mich da an wo menschen verletzt werden.
z.b wenn man für seinem glauben oder seiner
sexuellen neigung misshandelt wird.
ich selber bin sehr tolerant.ich akzeptiere
und respektiere jede meinung.
jedoch bei solchen sachen wie terroranschlägen,
aus religiösen gründen,oder rassismus aus purem
hass,hört für mich die toleranz auf.
 
ich möchte aber mal mit anfügen
das die toleranz heut zu tage sehr
abgenommen hat.ich möchte niemanden
beleidigen oder angreifen aber ich denke
die menschen sind zu egoistisch geworden
und nur auf sich selbst fixiert.
jeder möchte recht haben ,jeder möchte seine
vorstellung durchsetzen und jede art von
neuheit wird ignoriert nur damit man seine
alte lebensweise beibehält und sich keiner veränderung
stellen muss.
 
wo bleibt da noch die toleranz?!
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Zarathustra82 (Offline)
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Beiträge: 101
Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #2 am: 28. Okt. 2001, 20:17 Uhr »

Hallo underworld!
 
Ich muß dir Recht geben. Die Grenzen werden auch für mich durch das praktische Grundprinzip des Liberalismus determiniert, dass die individuelle Freiheit, bei der Freiheit des anderen aufhört - die Toleranz lässt sich ableiten.
Abnehmende Toleranz kann ich allerdings nicht feststellen. Stellt sich ja auch die Frage, abgenommen gegenüber wann? Ich bin z.B. der Meinung dass wir in einem grundsätzlich sehr liberalen, toleranten Staat leben - das war in der menschlichen Geschichte nicht selbstverständlich und mußte sich erst sehr lange und mühevoll entwickeln. Leider gibt es immer Minderheiten von Extremisten, die sich darüber hinwegsetzen, was nicht tolerabel ist - die Freiheit zu schützen ist eines der allerwichtigesten Notwendigkeiten.  
 
Selbstverständlich kann man überall Egoismus beobachten, Menschen die ihr Recht, ihre Meinung durchsetzen müssen. Nur das ist es doch gerade, was den Menschen ausmacht - die menschliche Grundmotivation: Jeder Mensch ist egoistisch - selbst Fortpflanzung macht "Spaß" und ist somit wieder daran rückgekoppelt. Das sich daran irgendetwas geändert haben sollte sehe ich nicht. Trotzdem ist zu bemerken, dass wir in einem wirtschaftlichen System leben, das genau diese Grundmotivation ausnutzt - egoistisches Denken wird deshalb praktisch auch von staatlicher Seite her gefördert, und versucht in allgemeinen Nutzen zu transformieren.
 
Warum hier konservatives Denken ein Problem ist kann ich nicht nachvollziehen.
 
Mit vielen lieben Grüßen  
Markus
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underworld (Offline)
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Beiträge: 159
Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #3 am: 28. Okt. 2001, 20:30 Uhr »

hallo marcus!
ich stimme dir zu das der staat deutschland
sehr tolerant ist.ich habe auch nicht deutsch-
land allgemein gemeint, sondern eher einige
menschengruppen.
 
liebe grüsse an dich
sandra
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Epimetheus (Offline)
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Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #4 am: 11. Nov. 2001, 21:36 Uhr »

Hallo,
 
ich denke das die Frage etwas unglücklich formuliert ist, die Toleranz als solche kann keine existenten Grenzen als solche besitzen.  
Die Toleranz ist im Prinzip als eine Eigenschaft des Gegenstandes der Betrachtung zu erachten. Da die Toleranz auf einen Menschen projeziert wird, verändert diese sich zwangsweise nach dem Menschen.
Demzufolge ist es notwendig sowohl das Objekt der Toleranz als auch das Subjekt zu betrachten, um entscheiden zu können ob das Objekt tolerabel ist.
 
Ob die "Menschheit" sich tendenziell tolerabler zeigt wage ich zu bezweifeln; Zwar sind die Freiheiten des Individuums vom Zeitpunkt der Geburt der Menschheit gestiegen, jedoch erfährt dieser Trend seit der industriellen Revolution eine Umkehrung. Dieser Trend findet in ökonomischer Hinsicht seinen bisherigen Höhepunkt in der Globalisierung, in Bezug auf individuelle Freiheitsrechte sind nur diverse Gesetzes entwürfe zur inneren Sicherheit der Bundesregierung zu betrachten.
 
MfG, Epimetheus
 
P.S. Ich hoffe das schamlose zur Schaustellen von Meinungen wird mir verziehen.
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Sonja (Offline)
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Beiträge: 311
Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #5 am: 15. Nov. 2001, 07:39 Uhr »

Hallo Epimetheus,
 
sicherlich gibt es keine Toleranz an sich. Sicherlich ist die Toleranz an Situtaionen, deren Geschichte und den beteiligten Situationen gebunden, die Frage ist jedoch, welche Kriterien wir haben, um uns in konkreten Situationen Rechenschaft darüber ablegen zu können, ob wir lieber tolerant oder lieber intolerant sein sollen. Mit anderen Worten, die Frage ist, welche Kriterien es gibt, um die Grenzen der Toleranz (in bestimmten Situtationen) bestimmen zu können. Man kann, wie mir scheint, derartige Kriterien nicht nur aus Freiheitsargumenten ableiten, zumindest ebenso entscheidend sind Argumente wie die der sozialen Sicherheit u. ä.
 
Sonja  
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Epimetheus (Offline)
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Beiträge: 22
Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #6 am: 15. Nov. 2001, 16:13 Uhr »

Hallo,
 
Kriterium der Freiheit ist unteranderem die soziale Sicherheit. Die soziale Sicherheit beschert dem Geniesser die Unabhängigkeit (=nicht unfrei) vom Arbeitgeber bzw der Arbeitsmarktlage. Wenn sich die soziale Sicherheit von der Freiheit ableiten lässt, so sollten sich dieselben Dinge von der sozialen Sicherheit ableiten lassen wie von der Freiheit.
 
MfG, Epimetheus
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Sonja (Offline)
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Beiträge: 311
Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #7 am: 16. Nov. 2001, 09:49 Uhr »

Meint Ihr tatsächlich, dass Toleranz aufhört, wo ich die Freiheit der anderen einschränke. Nehmen wir ein drastisches Beispiel. Jemand will in meine Wohnung ziehen, ich will dort aber wohnen bleiben. Soll ich, weil ich sonst die Freiheit des anderen beschränke, ausziehen. Mir scheint eine solche Bestimmung der Grenze der Toleranz nicht sehr treffend. Jeder (außer der andere) würde sagen, Du mußt auch Deine Bedürfnisse, Deine Freiheit ... ins Kalkül ziehen. Die Grenze der Toleranz kann also nicht die Einschränkung der Freiheit des anderen sein. Oder?
 
Sonja  
« Zuletzt bearbeitet: 16. Nov. 2001, 10:28 Uhr von Sonja »  IP-Icon gespeichert
gershwin (Offline)
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Beiträge: 246
Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #8 am: 16. Nov. 2001, 20:36 Uhr »

Hallo Sonja
Streiche Freiheit, setze Rechte.
Gruß
Thomas
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Sonja (Offline)
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Beiträge: 311
Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #9 am: 17. Nov. 2001, 09:19 Uhr »

Hallo Thomas,
 
was soll das heißen, dass die Grenze der Toleranz, die Rechte des anderen sind? Verstehe ich nicht.
 
Sonja  
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Zarathustra82 (Offline)
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Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #10 am: 17. Nov. 2001, 22:08 Uhr »

Hi Sonja!
 
Ich glaube hier liegt ein Missverständnis vor:  
Tatsächlich hört Toleranz da auf, wo man selbst tangiert werde, in seiner Freiheit in meinen Rechten eingeschränkt werde. Will jemand anderes in deine Wohnung ziehen, darfst du es also gar nicht tolerieren.  
 
Bis dann
Markus
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Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #11 am: 20. Nov. 2001, 09:12 Uhr »

Hallo Markus,
 
welche Art von Recht soll denn die Grenze von Toleranz bilden. Zum Beispiel ist in vielen Gesellschaften (und in Deutschland war es auch bis in die 1970er) Jahre Homosexualität rechtswidrig. Trotzdem ist denke ich Homosexualität zu tolerieren. Wenn es solche Toleranzen nicht gäbe, würde sich das Recht nicht ändern. Oder nehmen wir ein anderes Beispiel. In einigen asiatischen Ländern ist gesetzlich egal welche Religion man hat, aber wer keiner Religion angehört wird hart bestraft. Ist nicht trotzdem der Atheismus des Nachbarn zu tolerieren.
 
Sonja  
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Sheelina (Offline)
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Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #12 am: 20. Nov. 2001, 11:38 Uhr »

"Tollerranz ist der Tanz um die Totalitäten herum."
Die Tollerranz hört da auf, wo sie einer festen, sicheren Größe begegnet, z.B. den Gesetzen oder die für einen Menschen unanfechtbare eigene Meinung. Ist die Tolleranz bestrebt nicht mehr darum herum zu tanzen, sondern ändern zu wollen hat sie sich damit selbst widerlegt und verdient nicht mehr den Begriff als solches. Tollerranz gegenüber der Intolleranz heißt die Meinung des anderen aktzeptieren. Um die Intolleranz in bestimmten Dingen von bestimmten Menschen oder Menschengruppen tollerieren zu können, müßte man ersteinmal zuhören lernen, verstehen lernen um schließlich tollerieren zu können.  
 
Aber wir sprechen alle so unterschiedliche Sprachen, so unterschiedlich wie unsere Ziele sind. Dabei gehen wir alle den gleichen Weg und der Weg ist das Ziel und das Ziel ist die größtmögliche Einigkeit zu finden (Ich glaub es wird bereits an einer Weltsprache gearbeitet). Aus dem Chaosk wächst die Ordnung. Bin schon gespannt was nach der Ordnung wieder für ein Chaosk erwächst, dessen wir zu meistern bestimmt sind.  
Sheelina
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"Die Zeit ist die Seele der Welt" (griech. Weisheit)
Der Geist ist der Raum der Welt.

Von ´01-´09 schrieb ich hier. Seit 06 als Mod. eingetr. Inaktiv seit 2009. Ich wünsche dem Forum alles Gute
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Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #13 am: 20. Nov. 2001, 11:54 Uhr »

"Aber wir sprechen alle so unterschiedliche Sprachen, so unterschiedlich wie unsere Ziele sind. Dabei gehen wir alle den gleichen Weg und der Weg ist das Ziel und das Ziel ist die größtmögliche Einigkeit zu finden (Ich glaub es wird bereits an einer Weltsprache gearbeitet)."
 
Wenn ich das richtig mitbekommen habe sprichst du von
allen,das alles den gleichen Weg gehen und das alle
die gleichen Ziele verfolgen!
woher willst du das wissen??
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Re: Grenzen der Toleranz
« Antworten #14 am: 28. Nov. 2001, 17:25 Uhr »

Liebe Leute,
 bei allem Respekt vor dem, was gesagt wurde, bewundere ich Euren Mut, in einem uferlosen Thema einen Standort bestimmen zu wollen.
Für mich ist Toleranz eine für soziale Gruppen notwendige Umgangsform, weniger eine moralische Kategorie, und als solche an Interessen gebunden. Ich kann sehr tolerant sein gegenüber Handlungen, die mich nicht tangieren - und sehr rabiat zu werden, wenn sie es tun. Und ich hatte viele Gelegenheiten, zu erfahren, dass die im im wirklichen Leben handelnden Personen, vom Philosophen bis zum Kesselflicker, ebenso verfuhren.  Mit Gruß, Hermann.
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