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Thema: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuerung (Gelesen 4628 mal) |
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Hanspeter (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #105 am: 10. Juli 2006, 06:12 Uhr » |
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Zwischen Gut und Böse einerseits und Gut und Schlecht andererseits zu unterscheiden ist reiner Formalismus. Für den Mächtigen ist der Verlust der Macht nicht nur schlecht, sondern aus seiner Sicht auch böse. Und der Tod ist für beide schlecht oder böse, wie man will. Das scheinbar Neuartige an Nietzsche ist in Wirklichkeit eine uralte Erkenntnis, nämlich die Relativität der Werte. Gut 1500 Jahre christliche Einheitsideologie ließen uns das vergessen. Diese Relativität gilt nicht nur für Starke und Schwache, sondern auch für alle Gesellschaften dieser Welt. Und genau betrachtet hat jeder Mensch sein eigenes Wertesystem. Gruß HP
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hedgi (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #106 am: 10. Juli 2006, 19:05 Uhr » |
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Nietzsche soweit ich ihn verstehe, stellte sich gegen eingefahrene Denkschablonen, von denen er sich befreien wollte. Deshalb seine Forderung an seine Mitbürger, alte Werte über Bord zu werfen. Wenn ich mir meine Mitmenschen beobachte, kristallisieren sich einheitliche Denkschemata heraus. Es ist heute chic zu sagen, ich stelle mich gegen die übliche Meinung. Im Grunde genommen kann das kaum jemand. Der Forderung Nietzsches nachzukommen, dürfte jedem Schwierigkeiten bereiten, wir können eben nicht so ohne weiteres gewachsene Werte beiseite schieben, ohne dass an unserem Verstand gezweifelt würde. Gedanken über den Nutzen unserer Werte können wir uns schon machen. Selbst das wird uns durch unsere Medienkonzentration in wenigen Händen erschwert. Damit sind wir der Manipulation einiger weniger Oligarchen ausgesetzt. Wir sind in der Wertediskussion auf fremde Meinungen angewiesen, selbst die großen Philosophen haben ihr gedachtes System auf Gedanken ihrer großen Vorgänger aufgebaut. Es wäre eine Illusion zu glauben, etwas noch nie Geäußertes zu schreiben. Wir fangen also nicht bei Null an. hedgi
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Hanspeter (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #107 am: 11. Juli 2006, 08:02 Uhr » |
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Hallo Hedgi, deine Ansicht über Nietzsche teile ich und weiter bin ich der Meinung, dass zwischen der "Herrenmenschenideologie" und seiner gelebten Moral erhebliche Unterschiede bestanden. Sicher sind auch alle denkbaren Werte bereits irgendwann einmal formuliert worden, da ist nichts Neues zu erwarten. Doch bei den Werten kommt es nicht darauf an, was in den Büchern steht, sondern welche in der jeweiligen Gesellschaft gelten. Und da gibt es doch noch erhebliche Variationsmöglichkeiten. Dass die Medien die staatlich sanktionierten Werte vertreten und propagieren, ist normal und vernünftig - das fördert die staatliche Geschlossenheit. Wäre ja schon schön, wenn sich alle an diese Werte hielten. Gruß HP
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hedgi (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #108 am: 12. Juli 2006, 19:05 Uhr » |
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Hi Hans-Peter, nicht immer vertritt eine Staatsmacht Werte, die es zu verteidigen gilt. So auch heute, wir betrieben Vergangenheitsbewältigung, ohne etwas daraus gelernt wurde. Die Allgemeinheit findet es völlig in Ordnung was im Nahen Osten geschieht, genauso wie unsere Väter vor 1945 alles in Ordnung fanden. Ein Staat befindet sich in einer Zwangssituation seine Macht zu sichern. Dann kommt es schon vor, dass ursprünglich ernst gemeinte Gelübde zum Erhalt der Idee zur Freiheit vergessen oder zu leeren Worthülsen verkommen. Die einzigen die die Menschheit zur Menschlichkeit mahnen können, sind Menschen. Aber dafür brauchen wir Vordenker. Habermass oder Küng können der Motor zur Durchsetzung vernünftiger Werte sein. Im Weltethos sind Werte definiert, die für die es lohnt sich einzusetzen, damit sie mit Leben erfüllt werden. Gruß hedgi
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Hanspeter (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #109 am: 12. Juli 2006, 22:33 Uhr » |
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Hallo hedgi, du schreibst: "nicht immer vertritt eine Staatsmacht Werte, die es zu verteidigen gilt." Wohl wahr, doch die Frage, welche sie vertreten soll, ist eben schwierig. Du deutetest es an: Naher Osten. Ja, ich bin der Meinung, wem Unrecht geschehen ist, der hat noch lange kein Recht, selbst Unrecht zu begehen. Europa, voran Deutschland, hat israelisches Unrecht toleriert, ja unterstützt, und trägt somit erhebliche Schuld an der dortigen Misere. Doch der Großteil unserer Politiker und unserer Medien unterstützt fast kritiklos Israel. Ob ein Habermas geeignet wäre, richtige Impulse zu setzen, bezweifle ich sehr. Jemand wie er, der die These der Kollektivschuld aller Deutschen am 3. Reich untersützt, ist für mich nicht tragbar. Ich betrachte mich nicht als Sohn von Mördern. Doch davon unabhängig, wo sind denn die Philosophen oder Theologen in der Politik, die dort ihre Duftmarken setzen? Ein Stolpe vielleicht? Letztendlich vertritt unser Staat doch in etwa die Werte, die die Mehrheit der Bevölkerung auch vertritt. Was natürlich nicht unbedingt ein Qualitätskriterium sein muss. Gruß HP
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Sheelina (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #110 am: 12. Juli 2006, 22:56 Uhr » |
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Am 12. Juli 2006, 22:33 Uhr, schrieb Hanspeter : Ich betrachte mich nicht als Sohn von Mördern. Gruß HP |
| Schlaue Proganda, vielleicht betrachtest Du Dich aber mal als der Enkel oder Urenkelsohn einer Generation der es mal sehr sehr schlecht ging. Aber ich vermute mal, Deinen Kreisen ging es nie so. Und natürlich, ein HP und auch eine mbl kann uns allen garantieren, dass es uns allen für immer gut gehen wird, wenn wir nur ja nicht ein bisschen Verantwortung auch für andere, auch für unsere Geschichte übernehmen und sogar aus ihr ein bisschen lernen auch für unsere Kinder und Enkelkinder. Jede Generation kann immer nur einen Teil übernehmen, vielleicht haben die Generationen es ja auch deshalb so schwer, weil irgendeine Generation meint sich aus diesem Prozeß ausschließen zu können. Wandern wir doch gleich alle aus nach Atlantis, bloß leider ist der Weg dorthin kein Weg, der durch ein Zaubermittel in die Welt kam, sondern Resultat derer, die zumindest versucht haben das Geschehen in vernünftige Bahnen zu lenken, die ein bisschen bereit waren auch zu Tragen. Und ja Patrik, jetzt haben wir den Salat Ist aber gleich wieder vorbei, versprochen. Gruß Lina
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Von ´01-´09 schrieb ich hier. Seit 06 als Mod. eingetr. Inaktiv seit 2009. Ich wünsche dem Forum alles Gute
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delfi (Online)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #111 am: 13. Juli 2006, 17:55 Uhr » |
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Am 12. Juli 2006, 22:56 Uhr, schrieb Sheelina : Schlaue Proganda, vielleicht betrachtest Du Dich aber mal als der Enkel oder Urenkelsohn einer Generation der es mal sehr sehr schlecht ging. Aber ich vermute mal, Deinen Kreisen ging es nie so. Und natürlich, ein HP und auch eine mbl kann uns allen garantieren, dass es uns allen für immer gut gehen wird, wenn wir nur ja nicht ein bisschen Verantwortung auch für andere, auch für unsere Geschichte übernehmen und sogar aus ihr ein bisschen lernen auch für unsere Kinder und Enkelkinder. Jede Generation kann immer nur einen Teil übernehmen, vielleicht haben die Generationen es ja auch deshalb so schwer, weil irgendeine Generation meint sich aus diesem Prozeß ausschließen zu können. Lina |
| gruss delfi p.s. ich binn allerdings (schon seit der Schulzeit) ein entschiedener Gegner von Kollektivschuld
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| « Zuletzt bearbeitet: 13. Juli 2006, 18:15 Uhr von delfi » |
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hedgi (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #112 am: 13. Juli 2006, 20:06 Uhr » |
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Die Garantie, dass es uns nun immer gut gehen muss, kann keiner geben. Die Schuldfrage, sofern wir überhaupt fremde Schuld begleichen können, hat die Menschheit wahrscheinlich schon seit langer Zeit beschäftigt. Gewalt gab es schon immer, in früherer Zeit war es prinzipiell üblich, besiegte Völker auszurotten. Die Frage ist vielmehr wie kommt es, dass Menschen sich schuldig fühlen, unabhängig von der Tatsache, ob sie nun an Kriegsverbrechen beteiligt waren oder nicht. Wenn sich heute jemand schuldig fühlt, geschieht das ohne Bezug zu Angehörigen, die wir persönlich kennen gelernt haben. Andererseits, wie viel Menschen gibt es, die kaum Kontakte mit ihrer eigenen Verwandtschaft pflegen? Wie schwierig es ist, mit der Schuldfrage umzugehen, zeigt ein Interview mit dem Piloten, der die Atombombe auf Nagasaki abgesetzt hat. Dieses Interview wurde von Günter Anders dokumentiert. Von Schuldgefühlen wurde der Pilot offensichtlich nicht geplagt, denn er konnte sich auf einen Befehl berufen, der befreite ihn von jeglicher Schuld. Das Leiden der Hunderttausenden wurde glücklicherweise für ihn durch eine schwarze Wolke zugedeckt. Ich habe bisher noch nichts davon gehört, dass sich in den USA wegen der Atombombe jemand schuldig fühlt. Um so etwas wie Schuldgefühle zu entwickeln, musste sich erst die Angst ausbreiten. Nach Rousseau war der Mensch ursprünglich gut. Das heißt keinesfalls, dass er nicht plünderte und mordete, nur er fühlte sich nicht schuldig. Solche Gefühle waren in der Zeit des Frühmenschen fremd. Nachdem sich die Stärksten unter ihnen sich ihren Besitz an Reichtümern und Arbeitssklaven zusammen gestohlen hatten, wollten sie ihre Beute gern behalten, so führten sie grausame Strafen für die ein, die sich ihrem Schicksal nicht fügen wollten. Damit war die Angst geboren, und damit waren alle Vorraussetzungen für Schuldgefühle geschaffen. Das heißt, wer den Anordnungen seines Herren widerspruchslos folgte, konnte solange keine Schuld entwickeln, wie die Befehlsinstanz seines Bezwingers intakt war. Deshalb fühlte sich auch kein KZ-Wächter schuldig. Erst nach Kriegsende fühlten sie sich auf Anordnung der Siegermächte schuldig. Wofür können wir als autark handelnde und angstfreie Menschen Verantwortung übernehmen, doch nur für unser eigenes Handeln. Natürlich bleibt es jedem unbenommen, sich schuldig zu fühlen. Aber das verhindert keine zukünftigen Verbrechen. Wir sagen uns, wir wollen keine Wiederholung der Verhältnisse von 1933 – 45. Dabei reicht es beim größten Teil unserer Mitbürger noch nicht einmal das Ganze intellektuell zu verarbeiten. Eine exakte Wiederholung vergangener Vorkommnisse gibt es nie, das wäre auch zu einfach. Grausamkeiten wiederholen sich gewöhnlich mit anderen Darstellern an anderen Orten. Ob wir aus der Vergangenheit gelernt haben, zeigt sich an unserem Verhalten gegenüber neuen Gewaltorgien irgendwo in unserer Nachbarschaft. Unser Verhalten gegenüber den regelmäßigen Folterflügen der CIA in verteilte Gefängnisse bestätigt, viele von uns, und besonders unsere Politiker verhalten sich exakt genauso, wie es im Hitlerdeutschland üblich war. Man bekommt am besten nichts mit, dann bleibt man sauber. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, sind wir überhaupt lernfähig? Das war nur ein Beispiel. Jetzt dürfen wir bald dem Überfall auf den Iran beiwohnen. Dann können wir auch wieder die Frage nach der Schuld stellen. Für mich habe ich sie bereits gefunden. Wenn uns Schuld trifft, kann ich sie zumindest nicht abwenden. Unser Staat kann die USA nicht daran hindern ihren Krieg zu führen, aber wir müssen uns nicht an diesem Krieg beteiligen. Falls sich unser Staat mit an diesem Krieg beteiligt, bin ich wider Willen schuldig. An dieser Stelle wäre es an der Zeit, die unterschiedlichen Schuldformen zu klassifizieren. 1. Persönliche Schuld, die Schuld, wenn wir jemandem einen Schaden zufügen. 2. Kollektivschuld, die Schuld, die einer Gruppe eingeredet wird, weil die, die eigentlich schuldig sind, den angerichteten Schaden allein nicht begleichen könnten. 3. Erbschuld, mit diesem Begriff weiß ich nichts rechtes anzufangen. Dieser Begriff kommt aus der christlichen Lehre, die jüdische Religion kennt nur eine konkrete Schuld, sie muss nicht real sein, es wird im Fall eines Unglücks aber auf eine Bestrafung Gottes zurückgeführt, so wie die Vertreibung der Juden aus Israel zur Zeit im Jahr circa Null. Wann unsere Zeitrechnung begann, wissen wir nicht so genau. Bei der Verbreitung der Schuldgefühle in unserem Land muss es noch mehr Ausprägungen von Schuld geben. Mir geht es in diesem Thread um erhaltenswerte Werte. Dazu gehören aber nicht die aus unserer dunklen Vergangenheit. Als erhaltenswert betrachte ich die, die sich über die Jahrhunderte wiederholt als festigend für unsere Weltgemeinschaft herauskristallisiert haben, davon war bereits auf den 8 vorangegangenen Seiten die Rede. In einer vorangegangenen Antwort an Hans-Peter erwähnte ich Habermass als ein Vorbild. Auch wenn er wie eingewendet uns zur Besinnung auf die Kollektivschuld mahnte, heißt das nicht, wir müssten wie ein geprügelter Hund schuldbeladen bei unseren Nachbarn zu Kreuze kriechen. Wir sollten stattdessen, dort unsere Stimme erheben, wo wir Unrecht in unserer Welt wahrnehmen. Das ist heute nun einmal der Nahe Osten. Gerade gestern wurde der Libanon aus fadenscheinigen Grund überfallen. Außerdem mit welchem Recht werfen wir andren vor, bei Hitler lange Zeit zugesehen zu haben, wo wir heute das gleiche tun? Gruß hedgi
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| « Zuletzt bearbeitet: 13. Juli 2006, 20:27 Uhr von hedgi » |
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Sheelina (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #113 am: 13. Juli 2006, 22:51 Uhr » |
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Hallo Hedgi Am 13. Juli 2006, 17:55 Uhr, schrieb delfi : p.s. ich binn allerdings (schon seit der Schulzeit) ein entschiedener Gegner von Kollektivschuld |
| Gegen ein schlechtes Gewissen und Gewissensbisse bin ich auch, egal ob nun kollektiv oder individuell. Aber nicht seit meiner Schulzeit, eher seit der Zeit, an dem mir klar wurde, dass aus einem nicht wieder gut zu machendem schlechten Gewissen heraus genauso viel Unheil geschehen kann wie aus einem guten verantwortungslosen Gewissen heraus. Ersteres aus einem Gefühl heraus, dass nicht weiß wohin und sich auch an falschen Stellen entladen kann und letzteres aus einem nicht gekannten Verantwortungsbewußtsein, bzw. nicht gewußt wird, was die Gemeinschaft eigentlich will oder wie sie organisiert ist. Viele Grüße
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Von ´01-´09 schrieb ich hier. Seit 06 als Mod. eingetr. Inaktiv seit 2009. Ich wünsche dem Forum alles Gute
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hedgi (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #114 am: 26. Juli 2006, 10:28 Uhr » |
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Hallo, Je mehr wir auf der Suche nach unseren verloren gegangenen Werten sind, desto mehr wundern wir uns über unseren endlos tief scheinenden Fall in die Ratlosigkeit, wenn wir bei den zurzeit üblichen Aggressionen in der Welt im kleinen wie im großen uns fragen, wie kommt es, dass wir nicht in der Lage sind, unserem Nachwuchs glaubhaft vernünftige Werte zu vermitteln. Das fragte ich mich, als im Fernsehen eine Dokumentation über den Schulalltag einer berliner Hauptschule lief. Wir wundern uns über unsere Ideenlosigkeit, wenn wir anfangen nach Gründen für unser gesellschaftliches Versagen zu suchen und glauben über die Religion könnte dieses Manko gelöst werden. Ich glaube wir sollten uns erst einmal fragen, was können wir von Schülern der Real- und Hauptschulen anderes erwarten, die bereits während ihres Schulbesuches gelernt haben, dass sie dazu bestimmt sind, im späteren Leben zu den Underdogs zu gehören. Ich meine, wir können uns nicht oft genug an die erste Lehrstunde zurückerinnern, die der frühe Mensch gelernt hat, die ihn in die Lage versetzte, die Gefahren in der Welt zu überstehen. Das ist das gegenseitig aufeinander verlassen können, die Solidarität innerhalb der Lebensgemeinschaften, die auf engerem Raum zusammenlebten. Das was neu für uns ist, die Lebensgemeinschaften werden größer und reichen heute über Staatsgrenzen hinaus. hedgi
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hedgi (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #115 am: 14. Aug. 2006, 13:41 Uhr » |
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Gewohnheitsgemäß gehen wir von unserem Wissen aus, fragen dann, was wir tun sollen, um endlich unsere Hoffnungen zu formulieren. Seit der Mensch seine Umwelt bewusst wahrnimmt und nicht nur in sie lebt, hat er an seinem Wertesystem gearbeitet, dass ihn seitdem begleitet. Die durch den Fortschritt geförderte Dekadenz, lässt ihn von Zeit zu Zeit seine eigenen Werte ignorieren, die seine Existenz einst überhaupt erst ermöglichte. Andererseits verlieren die alten Werte in einer Welt scheinbarer Sicherheit ihre kreative Kraft. Zur Erinnerung, ich meine die Solidarität aus dem Eingangstext dieses threads, ohne die der einst schutzlose Mensch gegenüber übermächtigen Raubtieren sich nicht hätte behaupten können. Das regelmäßige Vergessen unseres Wertesystems aus unserem Gedächtnis zwingt jede Generation sich ihr Wertesystem neu zu schaffen und seinen Bedürfnissen anzupassen. Beeinflusst durch Hegels Dialektik und auch Poppers Wissenschaftstheorie, leben wir von Methoden, da wir heute von unseren Erkenntnissen erwarten, dass sie sich in einer Versuchsanordnung beweisen lassen. Vom Wunsch geleitet, die von uns regelmäßig neu formulierten Werte mögen keine leeren Floskeln bleiben, wie das bisher leider auch Hans Küngs formulierten Weltethos erging, möchte ich auf Immanuel Kant aufsetzen, und in umgekehrter Reihenfolge vom Hoffen aus auf ein Wissen über stabilere Werte gelangen. Wer hofft nicht, dass Menschen glücklich und in Frieden miteinander auskommen können. leider bleiben wir sehr schnell im sollen stecken, so stehen wir wieder am Anfang unseres Wissens, das immer noch den Eindruck eines unbeschriebenen Blattes hinterlässt. Aus unserer bisherigen Historie, dabei dürfen wir uns nicht allein auf unsere eigene beschränken, lässt sich erkennen, relativ sicher lässt es sich leben, wenn zwei gleich starke Mächte sich gegenüber stehen. Dieses Phänomen lässt sich auch in der Tierwelt nachvollziehen. Solange eine Art einer anderen Art gegenübersteht, die für sie eine Gefahr darstellt, funktioniert die natürliche Auslese und nur die dieser Gefahr Gewappneten vermehren sich und erhalten die Art. Erst wenn diese natürliche Auslese fehlt, beginnen sich Degenerationsmerkmale auszubreiten, dass zur Folge hat, dass diese Art in sich selbst ihren größten Feind hat. Konrad Lorenz hat das an europäischen Bären nachgewiesen, dessen Degenerierungen sich auch an Äußerlichkeiten wie Fettleibigkeit sichtbar werden ließen. Auch das Weltreich Rom ist ein Opfer seiner eigenen Dekadenz geworden, sodass es für in ihrer Entwicklung zurückgebliebene Barbaren ein leichtes war, in ein verteidigungsunfähiges Reich einzudringen. In einer Zeit, in der das kommunistische Gespenst als Gefahr für unsere kapitalistische Welt ausgeschieden ist, sind wir dabei uns einen neuen Feind heraufzubeschwören. Nichts erscheint uns geeigneter zu sein, als ihn in einer fundamentalistischen Religion zu suchen. Zum Glück gibt es die Moslems, nur müssen wir dazu den christlichen Fundamentalismus neu beleben, um den gewünschten Gegensatz zu haben. Nach dieser Idee müssen nicht lange suchen. Dogmen aus der Inquisition und Eingebungen im Traum eines Präsidenten sollten reichen, dem Beispiel Roms zu folgen. Ich möchte aber diesen Text beenden, nicht ohne den Vorschlag zu unterbreiten, beenden. Suchen wir doch nach Werten, die unsere ursprünglichen Werte, unter anderem auch, Solidarität zwischen den Menschen, Raum geben. Zur Solidarität gehören auch die goldenen Regeln die Hans Küng in seinen von ihm verfassten Weltethos zusammengetragen hat. Was Du selbst nicht wünscht, das tue auch nicht anderen Menschen an. Konfuzius, Lun Yu ca. 500 v. Chr. hedgi
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MultiVista (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #116 am: 21. Aug. 2006, 14:23 Uhr » |
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"Was Du selbst nicht wünscht, das tue auch nicht anderen Menschen an" Konfuzius 500 Jahre vor Christi und noch weiter vorher als Kant... Ist das eigentlich so in den UN-Menschenrechten enthalten? Wenn nicht > Nachholen! Renegade schrieb folgendes zu WERTEN: "Werte sind bewusste oder unbewusste Orientierungsdirektiven für menschliche Handlungen (faktische wie hypothetische), welche lebens- und sinnstiftende Funktion haben. Werte sind - im Gegensatz zu Normen - mittelbar handlungsleitend, nicht verpflichtend und meistens nicht sanktioniert (im Prinzip höchstens im Sinne von sozialer Ächtung bzw. sozialem Lob). Man kann den Ausdruck „Wert“ als die allgemeinsten Grundprinzipien der Hand-lungsorientierung und der Ausführung bestimmter Handlungen, und als Vorstellungen vom Wün-schenswerten, Leitbilder, die die gegebene Handlungssituation transzendieren, verstehen. Werte drücken etwas aus, das erstrebenswert, gewünscht, gewollt wird, das verwirklicht werden soll, beziehen sich auf ein Gut, das auch als solches für ein Individuum oder eine Gruppe von Individuen zählt."
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TIEF durchatmen nicht vergessen! Weil was wirklich wirklich ist, weiss der Mensch nun wirklich nicht... (c) Multi 2003
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metin_oztaskin (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #117 am: 22. Jan. 2010, 22:53 Uhr » |
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Am 24. Apr. 2006, 13:18 Uhr, schrieb hedgi :| Ich glaube ich schreibe nichts neues, wenn ich schreibe nichts besteht ewig. Das trifft auch auf unsere Werte zu. Aber wenn jemand behauptet, die Linken sind diejenigen, die die Werte der Gesellschaft zerstören, dann weise ich diesen Vorwurf strikt zurück. |
| Hallo freunde und Hedgi, muss alles neue sein, was man in Philtalk schreibt? Alles ist den Gesetze der Werden und den Vergehen unterworfen, so auch die werte. Ist die Behauptung, die linken würde die Werte zerstören, nicht angebracht? Die Linken stehen doch für Erneuerung. Zitat:| Wir müssen uns aber ernsthaft fragen, wer für die Erhaltung unsere Werte zuständig ist? Zumindest für ihre Definition ist es unsere hoch bezahlte Intelligenz. Früher waren es unsere höheren Staatsbeamten und Vertreter der Kirchen, die für die Verbreitung der Anstandsregeln sorgten. |
| Heute sind die Menschen selbstbewusster. Sie lassen sichvom eine kleine Gruppe nicht vorschreiben,wie sie leben sollen. Auf der Seite brauchen die Menschen Orientierung. Zitat:| Heute lassen sie sich von Unternehmensberatungen, die für die Sprüche "Du bist Deutschland" zuständig sind, unterstützen. Heute haben wir eine breit gestreute und gut ausgebildete Intelligenz, aber wegen mangelnder Medienunterstützung, bleibt die Verteidigung bestehender Werte weiterhin einer keinen Gruppe Bevorzugter vorbehalten. |
| dieser Sätze verstehen ich nicht ganz. Ich meine auch, dass in diesen Sätze kleine schreib fehle enthalte ist. Es soll wolle heiße … die Verteidigung bestehender Werte eine kleine GRUPPE Bevorzugter vorbehalten. Wenn man den Satz so liest, dann ergibt eine Sinn. Nämliche die Verteidigung der bestehender Werte kleine Gruppe vorhalten, weil dieser Gruppe daran Interesse hat, das die Werte erhalten werden. Es währe für die elite Gruppe von nachteil, wenn sich die Menschen an den Werte orientieren würde Zitat:| Für diesen Nachteil bezahlen wir einen hohen Preis, da wir als Volk nur wenig flexibel auf bestehende Widersprüche reagieren können. zu den Bevorzugten könnrn wir die Besitzer der Medien rechnen. |
| bestimmte die Medien welche Werte in der Gesellschaft vom Bedeutung sind? Zitat:Dieses Phänomen ist uns altbekannt. Schon Sokrates stand mit der athener Aristokratie auf dem Kriegsfuß, weil er, wie ihm vorgeworfen wurde, auf die Jugend einen schädlichen Einfluss ausübte, und sie gegen die so genannten alten Werte, die Götter, aufbrachte. Weil sein Wirken die damalige Jugend, dazu veranlasste, sich gegen die Autoritäten in Opposition stellen, war das für die Herrschenden Grund genug, die athener Bevölkerung zu überreden, Sokrates zum Tode zu verurteilen. Sokrates wollte, dass die Menschen bewusster Leben führten und darum hat er versucht die Jugend aufklären. Auf diese Weise hat er erreichte, dass die Jugend gegen die Autoritäten opponierten. Sokrates würde zum Tode verurteilte, weil er eben durch seiner Aufklärung unruhe in die Gesellschaft brachte. Das ist eine Prinzip. Jeder, der die herkömmlich Ordnung infrage stellte und Unruhe in Gesellschaft bringt, ist unerwünschte und wird deshalb zum verurteilte [quote]Hegel hat die Methode der Dialektik vervollkommnet, sodass wir mit ihr ein Werkzeug in die hand bekamen, den Prozess des ständigen gesellschaftlichen Verfalls und seiner Erneuerung besser verstehen zu können. In seinem Herr Knecht Gleichnis ist Hegels Dialektik verständlich beschrieben. Bis zu Kant und Fichte war die dialektische Methode noch statisch, aber seit Hegel wurde sie dynamisiert. Nach Hegel ist mit der Geburt der These bereits ihre Antithese vorhanden, die nach einer Synthese sucht. Es reicht aber nicht die These zu beseitigen. Sie muss mit der Antithese versöhnt werden. Die daraus gewonnene Synthese ist bereits die neue These mit ihrer dazugehörenden Antithese. Es ist also ein ewig andauernder Prozess, der nach Vollkommenheit strebt. |
| ist die Dialektik der Weg zur Vollkommenheit? Es ist sehr einleuchte, das beei der Geburt der These bereits die Antithese vorhanden ist, denn zue Theorie gehört eine Gegentheorie, die die Theorie widerlegt. Aber wie soll man die These mit der Antithese versöhnen? Vielleicht den Mittelweg finden Der prozess des Verfall und der Erneuerung läuft nach meiner Auffassung folgendmaßen ab. Die Werte verfallen, weil sie auf die Fragen der Gegenwart keine Antwort geben. Doch die Werte, die verfallen, sind nicht nutzlos. Sie bilden die Grundlage für die neuen Werte. Was soll man unter statische und dynamische dialektischen Methoden vorstellen? Zitat:| Unsere Gesellschaft lässt sich in die Rollen der Knechte und Herren aufteilen. Dabei sind die vielen abhängig Beschäftigten in die Knechts rolle gedrängt. Die Herren, unsere Großaktionäre und Großunternehmer sind daran interessiert, die Knechte unter ihrer Herrschaft zu halten und wie Vampire Werte aus der Arbeitskraft abzusaugen. Die fleißigen Arbeiter wissen, dass die Herren von der Arbeitskraft ihrer Arbeiter abhängig sind, und selbst ohne fremde Unterstützung nicht zum eigenen Lebenserhalt fähig wären, so sind sie daran interessiert die gegenseitige Abhängigkeit zu erhalten. |
| dieser Sätze sind sehr einleuchte, das heiß man kann die Aussage sehr gut nachvollziehe. Die Großaktionäre sind daran interessiert, ihre kapital zur vergrößert. Das können sie erreichen, indem sie billiger Arbeitskräfte anwerben und Stundenlöhne niedrigen halten. Die Arbeitnehmer wollen nicht ausgebeutet werden. Sie sin daran interessiert die gegenseitige Abhängigkeit aufrecht zu halten. Sie können die gegenseitige Abhängigkeit aufrecht halten, wenn sie Streiken. Der Streike ist der einzige Weg, das die Arbeiter ihre Interesse gegenüber der Arbeitgeber durch zu setzen. Die Arbeiter wissen, die Arbeitgeber sind auf ihre Arbeitskräfte angewiesen sind. Ist der Streik eine Errungenschaft der Moderne? Mit freundlichen Grüßen Metin Öztaskin
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