|
|
Autor |
Thema: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuerung (Gelesen 4633 mal) |
|
hedgi (Offline)
V.I.P.
    

Profil anzeigen |
Beiträge: 1210
|
 |
Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #15 am: 26. Apr. 2006, 23:47 Uhr » |
|
Unsere Entscheidung welche Werte wir uns zukünftig wünschen, lässt sich schon lange nicht mehr national beantworten, dazu ist die Wirtschaft in der EU zur sehr miteinander verflochten. Im Moment sind die Franzosen am aktivsten ihre Rechte im Staat zu verteidigen. Die Fragen, die anstehen, wollen wir den Bürger von wichtigen Entscheidungen fernhalten, oder wollen wir mehr Demokratie in Europa. Zurzeit ist von Demokratie in Europa nicht viel zu spüren. Die Entscheidungen fallen nicht im gewählten Parlament, sondern im Ministerrat, der aus aus jedem Mitgliedsland entsendeten Vertretern besteht. Da die EU-Richtlinien auch bei uns immer mehr unsere Gesetze gegenstandslos werden lassen, wird auch unsere Demokratie ausgehebelt. Wenn ich mir eine Renaissance der 68-er wünsche, heißt das nicht, dass die gleichen Ideen und Ideale uns lenken sollten. Die Zeit ist in den letzten 35 Jahren nicht stehen geblieben, so wird es heute mehr um europäische und um internationalisierte Belange gehen. Fragen, ob wir mehr, oder wie viel Staat wir brauchen, ist allen Europäern gleichermaßen von Interesse. Aber so viel Staat brauchen wir, dass die Arbeitnehmer sich darauf verlassen können, ihre Arbeitsplätze zu behalten. Solange die Arbeitgeber jederzeit das Land wechseln können, sind sie dazu in der Lage die Arbeitnehmer verschiedener Länder gegeneinander ausspielen und zu Entrechteten zu degradieren. Das Werkzeug, um für Gerechtigkeit zu sorgen, ist eben die Steuerschraube. hedgi
|
| |
gespeichert |
Wahrheit ist das – was uns plausibel scheint, bis wir eines besseren belehrt werden.
|
|
|
Hanspeter (Offline)
V.I.P.
    

Profil anzeigen |
Beiträge: 4065
|
 |
Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #16 am: 27. Apr. 2006, 07:39 Uhr » |
|
Hallo hedgi Jaja, die Steuerschraube. Aber vor der Steuerschraube stehen einheitliche Steuergesetze. Und die kann ich leider beim besten Willen nicht erkennen. Der Traum der gesicherten Arbeitsplätze wird aber ein Traum bleiben, selbst wenn sich die EU auf eine Steuerharmonisierung einigen könnte. Schließlich gibt es ja immer noch die WTO und außereurpäische Länder. "Im Moment sind die Franzosen am aktivsten ihre Rechte im Staat zu verteidigen." Stimmt. Ob sie aber damit Erfolg haben, wird sich zeigen. Zumindest zu denken gibt mir die Tatsache, dass im internationalen Vergleich ein hoher Kündigungsschutz parallel mit einer hohen Arbeitslosigkeit einhergeht. Demokratie hin oder her - wichtig ist nicht, wo die Entscheidungen fallen, sondern ihr Inhalt. Du sehnst dich nach den Idealen der 68-er Generation. Welche sind es denn? Mehr sexuelle Freiheiten, mehr Drogenkonsum, eine neue RAF oder dass wir uns wegen der Nazis noch mehr geißeln? Gruß HP
|
| |
gespeichert |
|
|
|
Gordon (Offline)
Junior-Mitglied
 

Profil anzeigen |
Beiträge: 100
|
 |
Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #17 am: 27. Apr. 2006, 08:50 Uhr » |
|
Aber so viel Staat brauchen wir, dass die Arbeitnehmer sich darauf verlassen können, ihre Arbeitsplätze zu behalten, schreibt hedgi. Dann würde die Logik gebieten, viel mehr Staat zu haben als jetzt, weil ja ständig Arbeitsplätze verloren gehen. Will hedgi das? Selbst wenn kann der Staat keine Arbeitsplätze garantieren, beim besten Willen nicht. Und im öffentlichen Dienst sind wir als Steuerzahler sogar dagegen, dass er es tut. (Zuviel Bürokratie.) An der Steuerschraube drehen? Wenn das was bringen würde, wäre nichts dagegen zu sagen. Erhöht aber nicht gerade die Konkurrenzfähigkeit der Produkte und gefährdet damit Arbeitsplätze. Ein Verbot, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern, würde vor keinem Gericht bestehen. Außerdem ist die deutsche Industrie Export-Weltmeister und wir sind im Prinzip an mehr Kaufkraft in anderen Ländern interessiert, weil das hilft Arbeitsplätze bei uns zu sichern. Es ist unmöglich, mit einigen marxistischen Versatzstücken komplizierte Sachverhalte zu lösen. Das heißt nicht, nichts zu tun. Die Vereinheitlichung der Sozialstandards zumindest in der EU würde helfen, dagegen sind aber auch Gewerkschaften in den "Billigländern", weil die wiederum Angst davor haben, dass dann in ihren Ländern weniger investiert wird und die Arbeitsplätze in Gefahr geraten. Es ist nicht populär, auf solche Probleme hinzuweisen. Jeder liebt die einfachen Lösungen. Acceptons le conflit, meint (glaube ich) Montaigne. Mit dem Konflikt und den Widersprüchen leben. Ohne das geht es weder in unserem Leben noch in der "großen Politik" ab.
|
| |
gespeichert |
|
|
|
hedgi (Offline)
V.I.P.
    

Profil anzeigen |
Beiträge: 1210
|
 |
Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #18 am: 27. Apr. 2006, 16:03 Uhr » |
|
Hi Hans-Peter und Gordon, Die Frage, wie viel Staat brauchen wir? Die Antwort ergibt sich aus den Pflichten eines Staates, die er gegenüber seinen Bürgern zu erfüllen hat. Jetzt auf Details einzugehen wäre verfrüht, bevor geklärt ist, wer wie viel zum Wohl der Gemeinschaft beigetragen hat. Erst dann kann über eine gerechte Verteilung des Erwirtschafteten entschieden werden. Die notwendigen Mittel für die Finanzierung der vielfältigen Aufgaben eines Staates kann nur über die Steuerschraube geregelt werden. Auch bei Arbeitsplatzverlegungen ins Ausland ist es rechtens durch Erhebung einer Steuer zu erschweren, da hier über Werte entschieden wird, die durch den Schweiß vieler Arbeiter geschaffen wurden. Wir leben nun einmal in einer großen Gemeinschaft, in der es bis heute legitim ist, über die Verteilung des Gewinns zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften zu verhandeln. Aufgabe der Regierung wird es sein für ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis zu sorgen. Sollte es gestört sein, wie es dank der Globalisierung den Anschein hat, ist ein Bedürfnis nach einer Korrektur unserer Gesetze entstanden, die nach Aussöhnung entstandener Widersprüche verlangen. Da in der Entwicklung unseres Zusammenlebens das Gleichgewicht der gesellschaftlichen Kräfte aus der Balance geraten ist, halte ich eine prinzipielle Wertediskussion für unausweichlich. Die Parteigremien halte ich für nicht geeignet, da die durch eine starke Lobby beherrscht werden. Deshalb sind von der Seite keine brauchbaren Impulse zu erwarten. Wenn wir in die Geschichte zurückblicken, war es immer die Intelligenz, von der neue Ideen ausgingen. Das war bei der französischen Revolution so, durch sie wurde unser Rechtssystem erneuert. Das war 1848 in der Frankfurter Paulskirche so, es hätte nie ein Deutschland gegeben. Es gibt viele solcher Beispiele. Allen gemeinsam ist, sie haben sich von überholten Herrschaftsstrukturen befreit. Voraussetzung für eine vorurteilsfreie Wertediskussion ist, wir dürfen uns nicht durch Ängste blockieren lassen, es könnte noch schlimmer kommen. Wenn wir uns aus Angst nicht mehr bewegen können, kommt es garantiert schlimmer, wenn auch langsam dafür aber kontinuierlich. Wir sollten uns bewusst sein, alle Philosophen sind teil unserer Geschichte der Geisteswissenschaften. Aus ihr und aus den Erkenntnissen anderer Philosophen sollte etwas Neues entspringen. Sollte das nicht mehr möglich sein, hat unsere Gesellschaft ihre Lebenskraft verloren und wäre an das Ende ihrer Geschichte gelangt. Nach Hegel müssen sich Widersprüche auflösen. Das Ziel ist aber die Versöhnung der Widersprüche. Sollte das nicht gelingen, ist die weitere Entwicklung beendet. Das passiert in der Natur, die Evolutionsgeschichte von Lebewesen kennt viele Beispiele von Sackgassen. Dann macht eine Art für eine andere Art Platz, also ein völlig normaler Vorgang. Auf unsere Gesellschaft übertragen, hieße das, wir leben in neuen gesellschaftliche Strukturen. Aber wir wollen uns doch nicht aufgeben, also machen wir uns Gedanken über zukünftige Werte. Die aus Konflikten entstandenen Widersprüche sind dazu da, gelöst zu werden. hedgi
|
| |
gespeichert |
Wahrheit ist das – was uns plausibel scheint, bis wir eines besseren belehrt werden.
|
|
|
Hanspeter (Offline)
V.I.P.
    

Profil anzeigen |
Beiträge: 4065
|
 |
Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #19 am: 28. Apr. 2006, 07:27 Uhr » |
|
Hallo, der Analyse Gordons halte ich für zutreffend. Noch einmal, Hedgi, welche Werte willst du zur Diskussion stellen. Den der Verteilungsgerechtigkeit? Der wird im Prinzip von niemandem ernsthaft angezweifelt, doch der Teufel liegt im Detail: Wo beginnt sie und wo beginnt die Enteignung? Konkret: Eine Steuer auf die Verlagerung von Arbeitsplätzen. Machbar wäre dies nur auf Verlagerungen außerhalb der EU. Und selbst da ist es ein Problem, denn würden etwa die USA und Japan gleich ziehen, wäre auch so manche Investition im Osten nicht getätigt worden. Andererseits ist es fast unmöglich, unserem Staat seinen Hang zur Ausgabe unnützer Gelder zu bewegen. Ein Beispiel: das Elterngeld. Einerseits geht bereits jetzt ein viertel des Bundeshaushalts durch Zinszahlungen flöten, andererseits wirft die Regierung aus plumpem Opportunismus ca. 4 Milliarden Elterngeld zum Fenster hinaus, was den Schuldenberg weiter erhöht. Wir brauchen letztlich keine Wertediskussion, sondern eine Regierung, die ihr Handwerk versteht. Gruß HP
|
| |
gespeichert |
|
|
|
Gordon (Offline)
Junior-Mitglied
 

Profil anzeigen |
Beiträge: 100
|
 |
Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #20 am: 28. Apr. 2006, 09:23 Uhr » |
|
Immer wieder ist festzustellen, dass die vehementesten Kritiker des Staates gleichzeitig an seine Allmacht glauben und Forderungen an ihn stellen, die diese Allmacht als Voraussetzung haben. Dabei sind seine Möglichkeiten beschränkt, wie es auch die unseren sind, und er ist nicht stärker, sondern schwächer geworden. Dagegen werden auch bessere Regierungen im Prinzip nichts ändern, so notwendig sie sind. Erfreulich ist, dass bei den Politologen und Staatsrechtlern ebenfalls eine Wertedebatte stattfindet. Der Wert des Gemeinwohls gewinnt Boden gegenüber der Auffasung, dass die Vertretung pluralistischer Eigeninteressen mit dem Interesse aller übereinstimme. Die Theorie der Demokratie besinnt sich auf Wurzeln.
|
| |
gespeichert |
|
|
|
Gordon (Offline)
Junior-Mitglied
 

Profil anzeigen |
Beiträge: 100
|
 |
Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #22 am: 28. Apr. 2006, 11:24 Uhr » |
|
Ach der Marxismus! Ich habe mal eine kommunistische Redner gehört, der gefordert hat der "stinkenden Leiche des Kapitalismus den Todesstoß zu versetzen". Bitteschön.
|
| |
gespeichert |
|
|
|
ontogen (Offline)
Einsteiger


Profil anzeigen |
Beiträge: 48
|
 |
Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #23 am: 28. Apr. 2006, 11:27 Uhr » |
|
Hallo hedgi, Veränderung der Werte und persönliche Konsequenzen. Ich stelle mir das so vor: Werte oder Paradigmen sind über die Erziehung und weitere Einflüsse von außen durch meinen Verstand zu einem Rahmen für Kommunikation und Handeln umgesetzt worden. Dieser Rahmen stellt die Werte oder Paradigma dar, an denen sich mein Handeln und Denken orientiert. Die Eck- oder Fixpunkte des Rahmens sind Dogmen, zwischen denen das Wissen in nicht definierter Tiefe und unterschiedlichem Umfang eingebunden ist. Es gibt einen ständigen Austausch von Informationen, die entweder zu den Dogmen passen oder mein Wissen anreichern und mein Denken und Handeln verändern. Ich verstehe unter der Veränderung der Werte, dass das soziale Umfeld sich ändert und Einflüsse von außen in einigen Bereichen zu- bzw. in anderen abnehmen. Zum Beispiel geht das Interesse an direkter Kommunikation zurück und die mittelbare Kommunikation über die Medien nimmt zu. Die Folgen für das soziale Umfeld sind dann: weniger Gemeinsinn, Änderung der Sprachkultur, weniger Erziehung, verminderte Vermittlung der Werte und Isolation durch stark vermehrten Konsum der Medien. Das verändert meine Wertvorstellung keineswegs, da diese Veränderung keines meiner Dogmen oder Paradigma betrifft. Allerdings stelle ich mein Handeln auf die neuen Bedingungen ein und versuche die direkte Komunikation stärker zu beleben. Gruß ontogen
|
| |
gespeichert |
|
|
|
Hanspeter (Offline)
V.I.P.
    

Profil anzeigen |
Beiträge: 4065
|
 |
Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #24 am: 28. Apr. 2006, 13:39 Uhr » |
|
Hallo Gordon, wir wollen den Leichen keinen Todesstoß versetzen - töter als tot bringt nicht viel. Du schreibst: "Der Wert des Gemeinwohls gewinnt Boden gegenüber der Auffasung, dass die Vertretung pluralistischer Eigeninteressen mit dem Interesse aller übereinstimme." Ich denke, beide Auffassungen schließen sich nicht aus. Das Gemeinwohl ist ja die Summe der Einzelinteressen. Nur fragt es sich, wie die Einzelinteressen gewichtet werden. Dass der Shareholder für sein Geld Zinsen sehen will, leuchtet ein. Dass der Arbeiter seine Firma nicht ohne ihn in Polen wiederfinden will, ebenso. Also kommt es darauf an, dass der Staat dem Shareholder seine Zinsgewinne ordentlich versteuert und dafür die Unternehmen nicht dramatisch schlechter stellt als in anderen EU-Staaten. Wir brauchen folglich keine neuen Werte, sondern Regierungen, welche die bisher üblichen Werte auch umsetzen. Das aber ist nicht geschehen, weil bestimmte Interessensgruppen sich entgegen dem Willen des Volkes durchsetzen konnten. Gruß HP
|
| |
gespeichert |
|
|
|
Gordon (Offline)
Junior-Mitglied
 

Profil anzeigen |
Beiträge: 100
|
 |
Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #25 am: 28. Apr. 2006, 14:20 Uhr » |
|
"Ich denke, beide Auffassungen schließen sich nicht aus. Das Gemeinwohl ist ja die Summe der Einzelinteressen. " Eben nicht hanspeter. sondern so, dass sich die Einzelinteressen dem Gemeinwohl unterzuordnen haben. Die liberale Auffassung, dass sich durch die Wunderkraft des Privateigentums aus den Privatinteressen aller Gemeinwohl wird, hat sich nicht bestätigt. Die frühen Theoretiker der Demokratie waren sich des Problems durchaus bewusst. Sie waren überzeugt, dass ohne die Tugend der Bürger keine Demokratie existieren könne und das Allgemeinwohl gefährdet sei. John Stewart Mill forderten sogar: More virtues, more votes. Nun ist der Begriff Tugend für restlos überholt erklärt worden. Man wisse nicht, was das sei. Nun, vielleicht müssen wir es wieder lernen.
|
| |
gespeichert |
|
|
|
Hanspeter (Offline)
V.I.P.
    

Profil anzeigen |
Beiträge: 4065
|
 |
Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #27 am: 28. Apr. 2006, 17:39 Uhr » |
|
Hallo Gordon, was ist das Gemeinwohl? Doch ein Maximum an Zufriedenheit für ein Maximum von Menschen. Sicher müssen sich bestimmte Einzelinteressen dem Gemeinwohl unterordnen, aber in der Mehrheit werden die Einzelinteressen doch mit dem Gemeinwohl harmonieren. Schließlich ist das Gemeinwohl für die Mehrheit der Menschen da. Der Begriff Tugend klingt etwas altmodisch. Doch das will nicht viel besagen. Oft gefällt einer Generation ein bestimmter Begriff nicht. Dann wird er durch einen anderen ersetzt, der zwar anders klingt, aber dasselbe meint. Moral - Ethik oder Technik - Technologie sind solche Beispiele. Tugend, so heißt es, sei das Vermögen, Leistungen zu erbringen, die für wertvoll gehalten werden. Also, tugendvoll ist es, etwas Gutes zu tun. Welche Handlung aber gut (richtig) oder böse (falsch) ist, wird nach wie vor in unterschiedlichen Gesellschaften unterschiedlich gesehen. Richtig ist, dass sich auch unsere Gesellschaft darauf einigen muss, was sie will. Sie muss also festlegen, was gut und böse bzw. was eine Tugend oder eine Untugend sei. Und das geschieht ja. Die Kapitalisten halten es für tugendvoll, möglichst viel Geld zu scheffeln, die Sozialisten dagegen wollen sich alles Geld selbst unter den Nagel reißen um es, nach Abzug einer entsprechenden Provision, nach Gutdünken unter den Leuten zu verteilen. Die Tugend wird sein, das richtige Verhältnis zwischen diesen Interessen zu finden und durchzusetzen. Gruß HP
|
| |
gespeichert |
|
|
|
hedgi (Offline)
V.I.P.
    

Profil anzeigen |
Beiträge: 1210
|
 |
Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #29 am: 28. Apr. 2006, 19:33 Uhr » |
|
Bevor wir uns über Details unseres Wertesystems Gedanken machen können, müssen wir uns über gewisse Eigenheiten unserer vorgestellten Welt machen. Wir reden von "Gefangensein" in einer Ideologie und meinen aber, jemand folgt einer anderen Ideologie als "man" üblicherweise zu folgen hat. Wir müssen uns aber darüber im Klaren sein, jeder folgt einer Ideologie, gewöhnlich ist es die vorgegebene, bei uns ist es die Herrschaftsgläubigkeit an das Geld, das dem, der genug davon besitzt, alle Rechte einräumt. Kommt jemand, der diese Ordnung infrage stellt, betrachtet auch der in Abhängigkeit gehaltene das als einen Angriff auf seine ihm eingeredete Freiheit. Vielleicht können die Schriften eines deutschen Philosophen des Existenzialismus Heidegger für Aufschluss sorgen. Die Angst hält er für einen Grundtatbestand der menschlichen Existenz, die Angst ist für ihn das "Hauptexistential". Diese Angst ist es, die sich wie ein Schleier über das Sein, den Menschen, legt und ihn handlungsunfähig werden lässt. Solange ihn diese Angst umklammert hält, kann er sich nicht aus dem man befreien. [Man tut das nicht, man verhält sich so und nicht anders] Wir sind in diese Welt geworfen, Heidegger-Terminologie, andere sagen dazu, dass ist unser Kama. In dieser Angst erblicken wir das Nichts, durch diese versuchen wir das Wesentliche des Seins zu erblicken. Zusammenhängend mit der Angst kommt noch ein weiteres hinzu, die Schuld[komplexe]. Das Sein als solches ist schuldig, das drückt sich in der Erbsünde aus. [Die Angst spu(c)kte in seinem Kopf herum]. Als Folge lebt der Einzelne in der Massengesellschaft unter der Herrschaft des "man". Um zu Hegel zu gelangen, wenn wir das Sein als Weltgeist und Seiendes als konkrete Manifestation des Weltgeistes verstehen können, sind wir bei Hegels Dialektik, denn auch das Sein möchte Vollkommenheit anstreben, ohne sie jemals erreichen zu können, weil sie als gedachte letzte Möglichkeit nicht im Unendlichen für uns nicht mehr wirklich ist. Entscheidend für uns ist, dass überhaupt eine Entwicklung stattfindet. Um zu den konkreten Werten zu gelangen, sollten wir als Ausgangspunkt bestehende Werte selektierten, die wir als die beständigen Werte ansehen und von denen wir meinen, sie überdauern die Zeit. Zum Beispiel gehört dazu die Solidarität, ohne die wäre die menschliche Gesellschaft nie entstanden. Als Ergebnis der Solidarität entstanden die 10 Gebote, die wir in allen Religionen wieder finden. Noch haben wir die Sozialsysteme als Ergebnis der Solidarität vergangener Tage, von denen wir uns lieber heute als morgen befreien wollen. Das wird in Talkshows mehr als deutlich, die Solidarität spielt in diesen Gesprächen kaum noch eine Rolle, es geht hauptsächlich um den Kranken als Kunden an dem verdient wird. Dort sind vornehmlich die Kranken von Interesse, die sich eine Privatkrankenkasse leisten können. Nun gibt es Werte die sich konträr gegenüberstehen, das ist zum einem der Unwille Steuern zu zahlen, zum anderen besteht die Verpflichtung Geld für die Erziehung unseres Nachwuchses bereitzustellen, da das jeder nicht mehr als Einzelperson kann, muss eben jeder, ob er will oder nicht, etwas von seinem Eigentum dafür opfern. Bei unseren Kindern geht das gerade noch, aber in der Sozialfürsorge wird das schon schwieriger. Für die lästigen Alten möchte niemand belastet werden, jedenfalls solange wir selbst nicht auf Unterstützung durch die Gemeinschaft angewiesen sind. Besonders erleben wir das bei den international organisierten Großunternehmen, die verstehen es sich völlig von Steuerabgaben zu befreien, aber die Infrastruktur die sie für die Aufrechterhaltung ihres Betriebes benötigen, wollen sie vom Staat instand gehalten haben. hier ist eine Harmonisierung zwischen Gemeinwohl und Einzelinteressen von Nöten. Das Gleichgewicht dieser Interessen stimmt schon lange nicht mehr. Besonderes Augenmerk ist auf das Verhalten unserer Volksvertreter zu legen. Wir erwarten von ihnen, dass sie die Intertressen ihrer Wähler umsetzen, und nicht, dass sie im fremden Auftrag auf die Gesetzgebung Einfluss nehmen. Das ist nicht mehr gewährleistet, wenn wir es zulassen, dass sie auf Gehaltslisten von anderen Gesellschaften stehen. Die Globalisierung übt einen starken Druck auf uns aus, zwischen der Freiheit derjenigen, die über das Kapital verfügen und der Freiheit der vom Kapital Abhängigen zu differenzieren. Die Freiheit der verschiedenen Schichten Angehörenden stehen sich mit entgegen gesetzten Interessen gegenüber. Die Freiheit des einen schränkt zwangsweise die Freiheit des anderen ein. Es ist durchaus legitim und sogar erforderlich, versucht eine Seite ihre Interessen auf egoistische Weise durchzusetzen, sich dagegen mit den erforderlichen Mitteln zur Wehr zu setzen. Sollten Arbeitsplatzverlagerungen ins Ausland mit normalen gewerkschaftlichen Mitteln nicht verhindert werden können, sind Gesetzesänderungen nicht zu vermeiden. Dann sollten wir uns Gedanken darüber machen, wer alles an der Schaffung der Werte eines Unternehmens mit beteiligt war. Es war nicht nur der, der das Kapital bereitstellte, ohne den Arbeitnehmer wäre nie etwas entstanden, was verkauft werden könnte. Deshalb bedeutet Besitz am Firmenkapital gleichzeitig Verantwortung denjenigen gegenüber, die das Kapital erarbeitet haben. Das war einstmals die Leitidee der Sozialdemokratie und darauf sollten sich Sozialdemokraten wieder besinnen. Das hat nichts mit Sozialismus zu tun, in dem alles verstaatlicht wird. Der Idee einer Sozialdemokratie fühlte sich Friedrich der Große bereits eher verwandt als es heute bei vielen den Anschein hat. Das ist aus alten Prozessakten überliefert, in dem höhergestellte Persönlichkeiten Interessen von Leuten niederen Standes nachgeben mussten. Es fand also eine Abwägung zwischen Einzelinteressen und dem Gemeinwohl statt. Eine wichtige Position in unserer Demokratie nehmen die Medien ein. Wir wollen garantieren, dass alle Gruppierungen unserer Gesellschaft ihre Meinungen publizieren können. das muss so sein, damit wir Vergleichsmöglichkeiten haben. Das kann nicht mehr gewährleistet werden, wenn sich die Medien in nur wenigen Händen befinden. Über das Kartellamt können wir noch Konzentrationen vermeiden, das wird meiner Meinung nach nicht restriktiv genug gehandhabt. hedgi
|
| |
gespeichert |
Wahrheit ist das – was uns plausibel scheint, bis wir eines besseren belehrt werden.
|
|
|
|