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Thema: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuerung (Gelesen 4356 mal) |
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ontogen (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #60 am: 01. Mai 2006, 13:41 Uhr » |
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Leider gibt es keine Sicherheit beim Volksentscheid, aber es ist schon die Angst des Torwarts vorm Elfmeter, wenn der Staat den Bürgern in einer Demokratie die Mitsprache bei Themen wie der Verfassungsänderung, Immigrantengesetzen oder der Zustimmung zur europäischen Verfassung verwehrt. Unmündige Bürger benehmen sich dementsprechend, lassen Wahlen Wahlen sein und bescheißen den Staat. Die Angst vor den Medien, ist auch die Angst vor dem Fehlen einer eigenen Meinung. Eine eigene Meinung kann durch Diskussionen und direkte Kommunikation gefestigt oder korrigiert werden, nicht durch Nachbeten von Schlagzeilen der Massenmedien. Beunruhigend sind in der Tat die Medienkonzentrationen, deren Sprachzerstörung und deren ausschließliche Ausrichtung auf Infotainment. Beunruhigend sind auch Erosionen von ethischen Maßstäben in den Medien, incl. Internet. Popularisierung von Gewalt, Sexualität ohne Schranken, sowie goldene Kälber wie „Superstars“ sind in der Vergangenheit die Zeichen für den Untergang einer Kultur gewesen. Was mich dennoch zuversichtlich stimmt, ist, dass unsere Demokratie in einer finanziellen Krise steckt, die nicht durch Massenmedien geheilt werden kann und die nicht durch noch so raffinierte und rücksichtslose Oligarchien a la Berlusconi zugedeckt werden kann. Die Bevormundung der Bürger kostet einen wahnsinnigen Aufwand in einer Demokratie, alles muss mit Gesetzen und Verordnungen geregelt werden, die wiederum überwacht und kontrolliert werden müssen. Dieser Beamtenstaat kann nur in den Zeiten einer Vollbeschäftigung bezahlt werden, sonst kommen die Schulden wie zurzeit. Es wird daher Zeit für die Pragmatiker und Sanierer in der Politik, die wiederum auf die Mitarbeit der Bürger, angewiesen sind. Sanierer sind unbeliebt und werden nicht von irgendeiner Lobby gesponsert. Erste Anzeichen dafür gibt es, die Fischers, Schröders, Scharpings und Westerwelles und was da sonst noch nichts bewegt hatte, hat nichts mehr zu sagen. ontogen
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sid (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #61 am: 01. Mai 2006, 14:01 Uhr » |
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@ ontogen "Die Bevormundung der Bürger kostet einen wahnsinnigen Aufwand in einer Demokratie, alles muss mit Gesetzen und Verordnungen geregelt werden, die wiederum überwacht und kontrolliert werden müssen." Wir benötigen also einen "Reset" der Rechtsverordnungen? Oder einen anderen Ansatz, der weniger Mittel verschlingt. Weniger Staat = mehr Verantwortung für den Einzelnen oder Eine umfassende Reform unter Berücksitigung und Vermeidung der begangenen Fehler? LG sid
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ontogen (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #63 am: 01. Mai 2006, 17:07 Uhr » |
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An sid "Wir benötigen also einen "Reset" der Rechtsverordnungen? Oder einen anderen Ansatz, der weniger Mittel verschlingt. Weniger Staat = mehr Verantwortung für den Einzelnen oder Eine umfassende Reform unter Berücksitigung und Vermeidung der begangenen Fehler? " Genau das verstehe ich unter „Strukturreform“ und Einbindung der Bürger in die Gestaltung des Staates. Allerdings sehe ich auch 2 Bremsklötze am Siegeswagen der Reformer: 1. Um welchen Staat geht es überhaupt, Alt BRD + ex DDR? Neu-Deutschland ohne West und Ost? Neu-Deutschland als integrierter Bestandteil der EU? Wir sind mitten im Übergang von 2 Staaten zu einem neuen Staatenbewusstsein, Europa liegt gedanklich noch in weiter Ferne und funkt dennoch dauernd in unseren Transformationsprozess hinein. Vielleicht sollten wir eine Auszeit von Europa nehmen, bis wir unser Identitätsproblem gelöst haben und wissen wie unser Staat nachhaltig verändert werden muß. 2. Die angefachte „Wertediskussion“ unserer neuen Regierung startet aus der falschen Ecke und in die falsche Richtung. Die Diskussion mit den Kirchen über Werte ist ein schon hunderte von Malen gescheiterter Versuch Aufklärung und Dogmen zu vereinen. Nicht mehr Glauben ist gefragt sondern mehr Bildung und die Besinnung auf ethische Fundamente unserer Dichter und Denker. Eine mögliche Trennung von Staat und Kirche würde auf jeden Fall helfen bei den Bemühungen, die Bürger mündiger zu machen. Das heißt keineswegs, dass die Kirchen überflüssig sind, aber sie sollten sich selbst bemühen, ihre Mitglieder zu finden anstatt über Steuern subventioniert zu werden wie die Agrawirtschaft. Gruß ontogen
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hedgi (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #64 am: 01. Mai 2006, 19:31 Uhr » |
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Im April wurde im ZDF eine Sendung des philosophischen Quartetts unter der Überschrift Wie viel Wert haben Werte? ausgestrahlt. Die Sendung begann mit der Frage, gibt es einen Wert, den wir für uns zu erhalten wünschen? Offensichtlich scheint es solche Wünsche nicht zu geben, stattdessen ging es um neuere Modewerte, deren Halbwertzeit für uns sich in einem überschaubaren Zeitrahmen bewegt. So ging es darum, untergräbt das Wertegerede die Freiheit? Weil wir darunter Geld verstehen. Das wird regelmäßig in Talkshows bestätigt, zwar nicht direkt, aber wenn Krankheiten oder ähnliches Themen sind, geht es darum, ob man an der Krankheit genug verdienen kann. Dass es dabei um Solidarität gehen könnte, fällt kaum jemanden ein. Deshalb kam der Vorschlag, wir sollten statt über Werte lieber über Normen oder Rechte bzw. Pflichten reden. Eine Wertepredigt ist in diesem Fall nicht besonders effektiv, stattdessen müssten wir unsere Institutionen auf ihre Eignung als Verwalter der Werte einer Kontrolle unterziehen. Ein wirklicher Wertewandel tritt nur unter Ernstfällen auf, z.B. nach einem größeren Unglück, wie einen Krieg. Heutige Wertediskussionen hinterlassen oft den Eindruck von Luxuswerten, denen die Ernsthaftigkeit derjenigen, die darüber diskutieren, nicht klar herüberkommt. Veränderungen haben Auswirkungen auf Werte, deren Ergebnisse von vorn herein nicht vorhersehbar sind. Ein Beispiel ist die Integrationsdebatte. Ursprünglich wurde in den Neuankömmlingen ein Reservoir an preiswerten Arbeitskräften gesehen. Später merkten wir, dass damit allerlei Probleme verbunden sind, weil wir nicht wissen wohin mit den vielen Arbeitskräften. Hier kommt die seit dem 2. WK übliche deutsche Neurose ins Spiel, schuldig zu sein. Wir fühlen uns schuldig, wenn die Immigranten bei uns nicht zurechtkommen. Das ist in anderen Ländern anders, dort muss sich ein Einwanderer an gegebene Verhältnisse anpassen. Dadurch hat ein Asylant nicht die Möglichkeit sich zu behaupten, weil wir ihm diese Möglichkeit nicht geben. In Amerika fragt ein Arbeitgeber lediglich, kann der Bewerber mir von Nutzen sein oder nicht, sonst kann er gehen, also es besteht eine völlig andere Situation. hedgi
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Hanspeter (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #65 am: 01. Mai 2006, 21:26 Uhr » |
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Vielleicht sollte man die Frage nach erhaltungswürdigen Werten nicht die Teilnehmer des philosophischen Quartetts fragen, sondern einfache Menschen aus dem Volk. Ich bin überzeugt, dass Werte wie Gesundheit, ein Arbeitsplatz oder Frieden überall hoch im Kurs stehen. Nun kann man den ersten beiden Werten einen gewissen Egozentrismus nicht absprechen, aber es liegt nun einmal in der Natur der meisten Lebewesen, den eigenen Interessen eine besonders hohe Priorität zuzuweisen. Und Menschen, denen das soziale Engagement wichtiger ist als das eigene Wohl gelten als depressiv strukturiert, unter einem Helfersyndrom leidend und folglich als krank.
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Joy (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #66 am: 02. Mai 2006, 04:12 Uhr » |
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Am 01. Mai 2006, 19:31 Uhr, schrieb hedgi : In Amerika fragt ein Arbeitgeber lediglich, kann der Bewerber mir von Nutzen sein oder nicht, sonst kann er gehen, also es besteht eine völlig andere Situation. |
| Diese Art von "Nutzen-Frage" zeigt doch nur eines, dass das Wesentlich noch gar nicht erkannt und verstanden ist. LIEBE fragt niemals, was nutzt es mir. Und Philosophie hat was mit Liebe (= Philo) zu tun, nicht mit "Nutzen"... Deine gesamte Wertediskussion ist, salopp gesagt, nichts anderes als ein "politischer Schmarrn"... Klingt brutal, oder? Das weiss ich auch und schreibe es hier -weil dies ein Philosophie-Forum ist- dennoch... Gruß Joy
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ontogen (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #67 am: 02. Mai 2006, 08:38 Uhr » |
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An joy „Deine gesamte Wertediskussion ist, salopp gesagt, nichts anderes als ein "politischer Schmarrn"... Klingt brutal, oder? Das weiss ich auch und schreibe es hier -weil dies ein Philosophie-Forum ist- dennoch...“ Politischer Schmarrn ist auch ein Wert. Allerdings wird er negativ eingestuft, nicht nur wegen der regionalen Bedeutung von Schmarrn, sondern weil er sich auf die aktuellen politischen Grundsätze in Deutschland bezieht, die von der Mehrheit der Bevölkerung so nicht akzeptiert werden. Doch auch Politiker sind lernfähig, wenn es um z.B. um Akzeptanz (Wiederwahl) geht. Nicht von ungefähr wird nun die Wertediskussion neu politisiert. Es scheint daher für eine abschließende Beurteilung noch etwas zu früh zu sein. Gruß ontogen
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hedgi (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #68 am: 02. Mai 2006, 14:15 Uhr » |
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Joy schrieb: Zitat:Diese Art von "Nutzen-Frage" zeigt doch nur eines, dass das Wesentlich noch gar nicht erkannt und verstanden ist. LIEBE fragt niemals, was nutzt es mir. Und Philosophie hat was mit Liebe (= Philo) zu tun, nicht mit "Nutzen"... Deine gesamte Wertediskussion ist, salopp gesagt, nichts anderes als ein "politischer Schmarrn"... Klingt brutal, oder? Das weiss ich auch und schreibe es hier -weil dies ein Philosophie-Forum ist- dennoch... |
| dennoch …. , Philosophie hat viele Schnittstellen zu anderen Bereichen. Eine verstärkt neurotische Züge aufweisende Gesellschaft, kann auch nichts besseres als einen politischen Schmarren zustande bringen. Das ist durch das widersprüchliche Handeln, einerseits von Liebe zu reden, aber andererseits lassen wir nichts aus, uns selbst zu geißeln. Die Unterstützung von Parteien, die die Globalisierung fördern mit dem Ergebnis einer massiven Arbeitsplatzvernichtung ist nichts anderes als eine Selbstgeißelung. Nebenbei wird damit die Saat für einen Anstieg der Kriminalität gelegt. hedgi
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ontogen (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #70 am: 03. Mai 2006, 09:29 Uhr » |
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An hedgi, Warum glaubst Du an die Weitsicht der Menschen bei einer Wahl, die bewusst eine Selbstgeißelung durch die Wahl der „falschen“ Partei anstreben? Mir ist das zu gewagt und auf viel zu dünnem Eis. Ist es nicht so, dass wir bei einer Wahl uns von Werten täuschen lassen, die es so gar nicht gibt: Friede Freude, Eierkuchen (Foto des lächelnden Kandidaten), „Flexibilität, Mobilität, Senkung der Lohnnebenkosten, Du bist Deutschland“ (Foto der lächelnden Kandidatin). Ist es nicht vergleichbar mit dem Rumzappen an der Fernbedienung zur Flucht in virtuelle Welten, die es real auch nicht gibt? Glaubst Du, wir sind zu einem Massen Masochismus (jeder –Ismus ist gaga) körperlich und geistig fähig? Ich meine, dass wir niemals vor der ungeheuerlichen Dimension unseres eigenen Unwissens erschrecken sollten und uns getrost auf die Suche nach einigen Fixpunkten bei unserer geistigen Odyssee machen sollten. Her mit den Werten und mögen sie noch so jung sein. (ist nicht von Beate) Gruß ontogen
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hedgi (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #71 am: 04. Mai 2006, 00:19 Uhr » |
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Hi Ontogen Ich glaube zurzeit herrscht eine gewisse Unsicherheit auf der Suche nach den richtigen Werten. Ein Massenmasochismus ist nicht von der Hand zu weisen. Genauso wie die Geißelungen der Mönche aus dem Mittelalter ihren Ursprung in einer kranken Gesellschaft hatten, so ist unsere Selbstgeißelung als Ursache einer kollektiven Angst zu sehen. Die Angst von heute ist ein Ergebnis der erfahrbaren Erkenntnis, dass immer mehr Menschen merken, dass sie einer Täuschung aufsitzen, da sie den Versprechungen des Neoliberalismus Glauben schenkten, deren bekanntester Vertreter der US-Ökonomen und Nobelpreisträger Milton Friedman ist. Deregulierung, Privatisierung und Liberalisierung waren die Schlagwörter, nach denen sollte es allen besser gehen. Der Zusammenbruch der Parteidiktaturen des Ostblocks verschaffte diesem Glauben zusätzlichen Schub und globale Durchschlagskraft. Befreit von der Drohung der Diktatur des Proletariats, wird seitdem umso härter an der Errichtung der Diktatur des Weltmarktes gearbeitet. Plötzlich erscheint die massenhafte Teilnahme der Arbeitnehmer an der allgemeinen Wertschöpfung nur als ein Zugeständnis im Kalten Krieg, das der kommunistischen Agitation die Basis entziehen sollte. Doch stattdessen zerstörte diese Politik des Neoliberalismus immer mehr Existenzen, zusammen mir dieser Entwicklung steigt die Kriminalität, weil immer mehr Menschen aus der Bahn geworfen wurden. In den USA übersteigen die Kosten für die Unterhaltung der Gefängnisse bereits den gesamten Bildungsetat. So trifft der Protest der Verlierer auf Regierungen und Politiker, deren Gestaltungsmacht kontinuierlich schrumpft. Egal, ob soziale Gerechtigkeit hergestellt oder die Umwelt geschützt werden muss, ob Medienmacht begrenzt oder die internationalisierte Kriminalität bekämpft werden soll: stets ist der einzelne Nationalstaat überfordert, und ebenso regelmäßig scheitert die internationale Konzertierung. Wenn aber Regierungen in allen existentiellen Zukunftsfragen nur noch auf die übermächtigen Sachzwänge der transnationalen Ökonomie verweisen, gerinnt alle Politik zu einem Schauspiel der Ohnmacht, und der demokratische Staat verliert seine Legitimation. Die Globalisierung gerät zur Falle für die Demokratie. Für unsere Kurzsichtigkeit werden wir einen hohen Preis bezahlen, anders als in der betriebswirtschaftlichen Logik, gibt es in der Gesellschaft keine Mehrwertmenschen, keine überflüssigen Bürger. Stattdessen wird sichtbar, dass Wähler die stereotypen Formeln der Globalisierer wirklich Ernst nehmen. Nicht wir sind es gewesen, die ausländische Konkurrenz ist schuld, erfährt der Bürger in jeder zweiten Nachrichtensendung aus dem Mund derer, die seine Interessen vertreten sollten. Von diesem - ökonomisch falschen - Argument ist es nur ein kleiner Schritt zur offenen Feindschaft gegen alles Fremde. Längst suchen Millionen verunsicherter Mittelstandsbürger ihr Heil im Fremdenhass, Separatismus und der Abschottung vorn Weltmarkt. Die Ausgegrenzten antworten ihrerseits mit Ausgrenzung. Schon ist von der 20:80, der Einfünftelgesellschaft, wie sie die elitären Visionäre für das nächste Jahrhundert ausmalen, die Rede. Das heißt ein fünftel der Menschheit steht in Brot und Arbeit, der Rest, muss zusehen. Der Welt-Wettlauf um höchste Effizienz und niedrigste Löhne öffnet der Irrationalität die Türen zur Macht. Es sind nicht die wirklich Notleidenden, die rebellieren. Unkalkulierbare politische Sprengkraft entspringt vielmehr der Furcht vor Deklassierung, die sich jetzt in der Mitte der Gesellschaft ausbreitet. Nicht die Armut gefährdet die Demokratie, sondern die Angst davor. Die Geschichte wiederholt sich nicht, doch sind Kriege das wahrscheinliche Ventil, wenn soziale Konflikte sich bis zur Unerträglichkeit aufschaukeln. Nicht die bereits Entwurzelten stellen unsere größte Gefahr dar, es ist die Mitte der Gesellschaft, die in Angst leben, bald zu den Ausgestoßenen zu gehören. Es wird deshalb zu unserer vornehmsten Aufgabe gehören, den Staat als solchen wieder instand zu setzen, in dem das Primat der Politik über die Wirtschaft gelten muss. Ob wir dass schaffen, steht in den Sternen. hedgi
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Joy (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #72 am: 04. Mai 2006, 01:11 Uhr » |
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Hallo hedgi, so sehr ich Deinen politischen Standpunkt nachvollziehen kann und Deine gesellschaftspolitische Analyse in sich stimmig ist -es war viele Jahre lang auch meine eigene- so möchte ich Dir dennoch zurufen, dass Du so unsagbar irrst, wie sich nur irren lässt. Verstehe es nicht als negativ wertend. Fast, so bin ich geneigt zu sagen, ist dieser grosse Irrtum notwendig, um zu einer eigenen vertiefende Einsicht in die eigene Lebenswirklichkeit zu gelangen. Wieviele Deiner Argumente entnimmst Du den Medien - ohne diese selbst überprüft zu haben? Die Massenmedien, sie werden einerseits oft als das Massenverdummungsinstrument erkannt und dennoch wird den über sie verbreitetet Nachrichten Glauben geschenkt. Glaubst Du, dass diese Medien unabhängig von Deiner geistigen Wahrnehmung existieren? Existiert das Beobachtete ohne Beobachtung? Gehe tiefer in Dich selbst und Du wirst auf eine ungeahnte "Wasserader" stossen. Dein Heil liegt nicht in irgendeinem Politikprimat über die Wirtschaft, sondern im Erkennen, dass die gesamte von Dir wahrgenommene Welt allein Du selbst bist... Was Du heute verteufelst, dem wirst Du morgen dankbar sein. Aber dankbar auf eine ganz andere Art und Weise, als Du es heute aus solchen Worten heraus liest. Der Christusgeist spricht eine sehr tiefe Weisheit aus, wenn er sagt: "Liebe deine Feinde." Er sagt nicht, bekämpfe sie. Und "Feind" ist immer das Dir Gegenüberstehende, Dein Gegenspieler, Dein Gegenpol, mit welchem Du untrennbar EINS bist. Je mehr Du ihn bekämpfst und ablehnst, umso grösser Dein Leid. In der LIEBE, der Vereinigung mit Deinem Gegenpol, verschwindet Ihr beide und es "entsteht" eine völlig neue Dimension - Du wechselst dann quasi die Schulklasse. Das Lernziel der "physisch-mentalen Dimension" ist und bleibt immer das gleiche, sowie auch vor hundert Jahren die Schüler der ersten Klasse zunächst immer erst einmal das Alphabet, Schreiben, Lesen und Rechnen lernen. Der Lerninhalt der ersten Klasse ist zeitlos der immer gleiche... Gruß Joy
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hedgi (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #73 am: 04. Mai 2006, 15:50 Uhr » |
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Hi Joy, der Mensch ging bereits zur Schule weit vor der Zeit, als ihm die Schrift gegeben war. Die Entwicklung des Menschen lässt sich, wegen fehlender Zeugnisse aus der Kindheitsphase nur anhand von Fundstücken die uns als Skulpturen überliefert sind, nur erahnen. Erst mit den ersten niedergeschriebenen Gedanken, die über die Buchhaltung erlegter Tiere hinausging, ist uns ein Einblick in die geistige Welt des frühen Menschen gestattet. Daraus folgt, die Geschichte der Menschheit beginnt weit früher, als Moses die 10 Gebote in Stein gemeißelt hat. In der ersten Klasse lernte der Mensch, dass er allein ohne die Gemeinschaft, in die er hineingeboren wurde, nichts ist. Das ist die Solidarität, vergessen wir das Wichtigste, was unsere ersten Vorfahren zum Menschen erhob und ihn aus seiner Tierhaftigkeit riss, verliert er jegliche Bindung zum Leben. Heute ist die Weltgemeinschaft etwas zahlreicher, das ist etwas, das wir noch verstehen lernen müssen, denn dadurch erhält Solidarität eine andere Dimension. In dieser Weltgesellschaft ist die christliche Religion eine von vielen. Ein Christ ist gut beraten, mit gutem Beispiel voranzugehen, und auf jegliche Form von Fundamentalismus zu verzichten, dass wir bei den Moslems so sehr verurteilen. Dazu gehört anzuerkennen, das der muslimische Glaube sich auf einer ethisch ebenbürtigen Stufe befindet, wie der christliche Glaube. Mit unserer christlichen Gemeinschaft sind Werte verbunden, die wir nicht aufs Spiel setzen dürfen. Mit der Globalisierung werden einige unserer altbewährten Werte in den Schmutz getreten. Es ist unchristlich aus Gewinnsucht Einzelner, Mitglieder unserer großen Gemeinschaft, nur weil sie nicht mehr gebraucht werden, auszustoßen. Es ist aber christlich, wenn wir dem Beispiel Moses folgen und uns Gesetze auf heute üblichen Materialien festschreiben, um auch zukünftig unsere Zusammenleben zu gewährleisten. Lieben kann nur jemand, der selbst in gesicherten Verhältnissen lebt. Fordern wir Nächstenliebe von jemand ein, den wir gerade ausgestoßen haben, d.h. die Existenzgrundlage zerstört haben, dient das der Unterdrückung und hat nichts mit christlichem Verhalten zu tun. Unser derzeitiges Verhalten ist erlernt. Auch der Umgang mit den Medien muss erlernt werden. Nur durch Vergleiche, solange wir Zugang zu unterschiedlichen Meinungen haben, müssen wir lernen, daraus die Wahrheit zu selektieren. Wir sind nun einmal keine Engel, und es wird viel gelogen. Durch hinterfragen, können wir aber lernen, das nicht in ein Gesamtbild Passende auszusortieren. Wir müssen nun nicht jedes Mal genau prüfen, ob das Gelesene logischen Gesetzen standhält. Das geschieht ohnehin jedes Mal im Hinterkopf. Wir bilden uns ohnehin ein Urteil über die Qualität eines Mediums. Gruß hedgi
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Joy (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #74 am: 04. Mai 2006, 17:28 Uhr » |
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Hallo hedgi, so lange der lebendige Geist der Du selbst bist (= ICHBIN) davon ausgeht, dass die gesamte von ihm wahrgenommene, von ihm erlebte und von ihm erkannte Welt von seiner Wahrnehmung, seinem Erleben und seinem Erkennen getrennt und unabhängig ebenso materiell existiert, quasi Welt als eigenständige raumzeitliche Entität, steht er auf völlig verlorenem Posten (= Finsternis). Er schaut sozusagen VIELES was aber in Wirklichkeit faktisch EINES ist, nämlich er selbst. Begriffen (Worten) kommt keine aussergeistige Wirklichkeit zu, sie bezeichnen gar keine aussergeistige Wirklichkeit (= objektive Welt), welche vom wahrnehmenden Geist separat existiert, sondern bezeichnen das eigene geistige Erleben, das eigene geistige Wahrnehmen und geistige Erkennen: Die gesamte von Dir wahrgenommene objektive Welt bist Du selbst, sie IST das Erleben, das Wahrnehmen und das Erkennen hier und jetzt, welches Du "all-ein" selbst bist. DAS selbst zu erkennen, ist quasi das selbst definierte "Klassenziel" in dieser "Schulklasse", von mir aus genannt mit Namen "Physische Existenz". Du wirst diese "Schulklasse" sogar freiwillig so oft wiederholen, bis Du es (es = Dich selbst) auch selbst erkannt hast... Diese Art des sich physisch und psychisch getrennt Erlebens -obwohl die Trennung faktisch eine Illusion ist-, das ist eine "bestimmte Schulklasse" auf dem Weg zur eigenen geistigen Erkenntnis, dass das, was hier sprachlich metaphorisch als "Gott" (= LIEBE) bezeichnet wird, allein Du selbst bist, der erkennende, erlebende und wahrnehmende Geist (= ICHBIN). Die Welt verändern zu wollen, sie verbessern zu wollen, hiesse -in diesem Gleichnisbild verbleibend- den Lehrstoff einer bestimmten "Schulklasse" verändern zu wollen. Es geht aber nicht um das Verändern des Lehrstoffes, sondern um dessen Integration - nur deswegen hast Du Dich quasi entschlossen, diese "Schulklasse" zu absolvieren... Das noch viel grössere Paradox der Selbsterkenntnis ist nun aber, dass Du sie -betrachtet im Licht der Ewigen Wahrheit- gar nicht "wirklich" absolvierst... Gruß Joy
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