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02. Sept. 2010, 22:58 Uhr


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   Autor  Thema: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuerung  (Gelesen 4630 mal)
ontogen (Offline)
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Beiträge: 48
Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #60 am: 01. Mai 2006, 17:07 Uhr »

An sid
"Wir benötigen also einen "Reset" der Rechtsverordnungen? Oder einen anderen Ansatz, der weniger Mittel verschlingt. Weniger Staat = mehr Verantwortung für den Einzelnen oder Eine umfassende Reform unter Berücksitigung und Vermeidung der begangenen Fehler? "
 
Genau das verstehe ich unter „Strukturreform“ und Einbindung der Bürger in die Gestaltung des Staates. Allerdings sehe ich auch 2 Bremsklötze am Siegeswagen der Reformer:
1. Um welchen Staat geht es überhaupt, Alt BRD + ex DDR? Neu-Deutschland ohne West und Ost? Neu-Deutschland als integrierter Bestandteil der EU? Wir sind mitten im Übergang von 2 Staaten zu einem neuen Staatenbewusstsein, Europa liegt gedanklich noch in weiter Ferne und funkt dennoch dauernd in unseren Transformationsprozess hinein.
Vielleicht sollten wir eine Auszeit von Europa nehmen, bis wir unser Identitätsproblem gelöst haben und wissen wie unser Staat nachhaltig verändert werden muß.
2. Die angefachte „Wertediskussion“ unserer neuen Regierung startet aus der falschen Ecke und in die falsche Richtung. Die Diskussion mit den Kirchen über Werte ist ein schon hunderte von Malen gescheiterter Versuch Aufklärung und Dogmen zu vereinen. Nicht mehr Glauben ist gefragt sondern mehr Bildung und die Besinnung auf ethische  Fundamente unserer Dichter und Denker. Eine mögliche Trennung von Staat und Kirche würde auf jeden Fall helfen bei den Bemühungen, die Bürger mündiger zu machen. Das heißt keineswegs, dass die Kirchen überflüssig sind, aber sie sollten sich selbst bemühen, ihre Mitglieder zu finden anstatt über Steuern subventioniert zu werden wie die Agrawirtschaft.
Gruß  
ontogen
 
 
 
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hedgi (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #61 am: 01. Mai 2006, 19:31 Uhr »

Im April wurde im ZDF eine Sendung des philosophischen Quartetts unter der Überschrift  
Wie viel Wert haben Werte?  ausgestrahlt.
 
 
Die Sendung begann mit der Frage, gibt es einen Wert, den wir für uns zu erhalten wünschen? Offensichtlich scheint es solche Wünsche nicht zu geben, stattdessen ging es um neuere Modewerte, deren Halbwertzeit für uns sich in einem überschaubaren Zeitrahmen bewegt.  
   
So ging es darum, untergräbt das Wertegerede die Freiheit? Weil wir darunter Geld verstehen. Das wird regelmäßig in Talkshows bestätigt, zwar nicht direkt, aber wenn Krankheiten oder ähnliches Themen sind, geht es darum, ob man an der Krankheit genug verdienen kann. Dass es dabei um Solidarität gehen könnte, fällt kaum jemanden ein.  Deshalb kam der Vorschlag,  wir sollten statt über Werte lieber über Normen oder Rechte bzw. Pflichten reden. Eine Wertepredigt ist in diesem Fall nicht besonders effektiv, stattdessen müssten wir unsere Institutionen auf ihre Eignung als Verwalter der Werte einer Kontrolle unterziehen.  
 
Ein wirklicher Wertewandel tritt nur unter Ernstfällen auf, z.B. nach einem größeren Unglück, wie einen Krieg. Heutige Wertediskussionen hinterlassen oft den Eindruck  von Luxuswerten, denen die Ernsthaftigkeit derjenigen, die darüber diskutieren, nicht klar herüberkommt.  
 
Veränderungen haben Auswirkungen auf Werte, deren Ergebnisse von vorn herein nicht vorhersehbar sind. Ein Beispiel ist die Integrationsdebatte. Ursprünglich wurde in den Neuankömmlingen ein Reservoir an preiswerten Arbeitskräften gesehen. Später merkten wir, dass damit allerlei Probleme verbunden sind, weil wir nicht wissen wohin mit den vielen Arbeitskräften. Hier kommt die seit dem 2. WK übliche deutsche Neurose ins Spiel, schuldig zu sein. Wir fühlen uns schuldig, wenn die Immigranten bei uns nicht zurechtkommen. Das ist in anderen Ländern anders, dort muss sich ein Einwanderer an gegebene Verhältnisse anpassen. Dadurch hat ein Asylant nicht die Möglichkeit  sich zu behaupten, weil wir ihm diese Möglichkeit nicht geben.  In Amerika  fragt ein Arbeitgeber lediglich, kann der Bewerber mir von Nutzen sein oder nicht, sonst kann er gehen, also es besteht eine völlig andere Situation.  
 
hedgi    
 
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Hanspeter (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #62 am: 01. Mai 2006, 21:26 Uhr »

Vielleicht sollte man die Frage nach erhaltungswürdigen Werten nicht die Teilnehmer des philosophischen Quartetts fragen, sondern einfache Menschen aus dem Volk.
Ich bin überzeugt, dass Werte wie Gesundheit, ein Arbeitsplatz oder Frieden überall hoch im Kurs stehen.
 
Nun kann man den ersten beiden Werten einen gewissen Egozentrismus nicht absprechen, aber es liegt nun einmal in der Natur der meisten Lebewesen, den eigenen Interessen eine besonders hohe Priorität zuzuweisen. Und Menschen, denen das soziale Engagement wichtiger ist als das eigene Wohl gelten als depressiv strukturiert, unter einem Helfersyndrom leidend und folglich als krank.
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Joy (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #63 am: 02. Mai 2006, 04:12 Uhr »

Am 01. Mai 2006, 19:31 Uhr, schrieb hedgi :


In Amerika  fragt ein Arbeitgeber lediglich, kann der Bewerber mir von Nutzen sein oder nicht, sonst kann er gehen, also es besteht eine völlig andere Situation.

 
 
Diese Art von "Nutzen-Frage" zeigt doch nur eines, dass das  Wesentlich noch gar nicht erkannt und verstanden ist. LIEBE fragt niemals, was nutzt es mir. Und Philosophie hat was mit Liebe (= Philo) zu tun, nicht mit "Nutzen"...
 
Deine gesamte Wertediskussion ist, salopp gesagt, nichts anderes als ein "politischer Schmarrn"... Klingt brutal, oder? Das weiss ich auch und schreibe es hier -weil dies ein Philosophie-Forum ist- dennoch...
 
 
Gruß
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ontogen (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #64 am: 02. Mai 2006, 08:38 Uhr »

An joy
„Deine gesamte Wertediskussion ist, salopp gesagt, nichts anderes als ein "politischer Schmarrn"... Klingt brutal, oder? Das weiss ich auch und schreibe es hier -weil dies ein Philosophie-Forum ist- dennoch...“
 
Politischer Schmarrn ist auch ein Wert.
Allerdings wird er negativ eingestuft, nicht nur wegen der regionalen Bedeutung von Schmarrn, sondern weil er sich auf die aktuellen politischen Grundsätze in Deutschland bezieht, die von der Mehrheit der Bevölkerung so nicht akzeptiert werden.
Doch auch Politiker sind lernfähig, wenn es um z.B. um Akzeptanz (Wiederwahl) geht. Nicht von ungefähr wird nun die Wertediskussion neu politisiert. Es scheint daher für eine abschließende Beurteilung noch etwas zu früh zu sein.
Gruß  
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hedgi (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #65 am: 02. Mai 2006, 14:15 Uhr »

Joy schrieb: Zitat:

Diese Art von "Nutzen-Frage" zeigt doch nur eines, dass das  Wesentlich noch gar nicht erkannt und verstanden ist. LIEBE fragt niemals, was nutzt es mir. Und Philosophie hat was mit Liebe (= Philo) zu tun, nicht mit "Nutzen"...  
 
Deine gesamte Wertediskussion ist, salopp gesagt, nichts anderes als ein "politischer Schmarrn"... Klingt brutal, oder? Das weiss ich auch und schreibe es hier -weil dies ein Philosophie-Forum ist- dennoch...

dennoch  …. ,   Philosophie  hat viele Schnittstellen zu anderen Bereichen.  
 
Eine verstärkt neurotische Züge aufweisende Gesellschaft, kann auch nichts besseres als einen politischen Schmarren zustande bringen.  
 
Das ist durch das widersprüchliche Handeln, einerseits von Liebe zu reden, aber andererseits lassen wir nichts aus, uns selbst zu geißeln. Die Unterstützung von Parteien, die die Globalisierung fördern mit dem Ergebnis einer massiven Arbeitsplatzvernichtung ist nichts anderes als eine Selbstgeißelung. Nebenbei wird damit die Saat für einen Anstieg der Kriminalität gelegt.
 
hedgi

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Maulwurf (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #66 am: 02. Mai 2006, 17:47 Uhr »

Am 02. Mai 2006, 14:15 Uhr, schrieb hedgi :

... aber andererseits lassen wir nichts aus, uns selbst zu geißeln.  

 
Nein, nicht WIR lassen nichts aus, sondern DU lässt nicht aus, um Dich und vor allem um andere zu geiseln.  
 
Du bist für Dein Tun selbst verantwortlich. Verstecke Dich nicht hinter einem erwünschtem Kollektiv! Das ist schäbig und feige!

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ontogen (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #67 am: 03. Mai 2006, 09:29 Uhr »

An hedgi,
Warum glaubst Du an die Weitsicht der Menschen bei einer Wahl, die bewusst eine Selbstgeißelung durch die Wahl der „falschen“ Partei anstreben?
Mir ist das zu gewagt und auf viel zu dünnem Eis.
Ist es nicht so, dass wir bei einer Wahl uns von Werten täuschen lassen, die es so gar nicht gibt:  
Friede Freude, Eierkuchen (Foto des lächelnden Kandidaten), „Flexibilität, Mobilität, Senkung der Lohnnebenkosten, Du bist Deutschland“ (Foto der lächelnden Kandidatin).
Ist es nicht vergleichbar mit dem Rumzappen an der Fernbedienung zur Flucht in virtuelle Welten, die
es real auch nicht gibt?
Glaubst Du, wir sind zu einem Massen Masochismus (jeder –Ismus ist gaga) körperlich und geistig fähig?
Ich meine, dass wir niemals vor der ungeheuerlichen Dimension unseres eigenen Unwissens erschrecken sollten und uns getrost auf die Suche nach einigen Fixpunkten bei unserer geistigen Odyssee machen sollten.  
Her mit den Werten und mögen sie noch so jung sein. (ist nicht von Beate)
Gruß  
ontogen
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #68 am: 04. Mai 2006, 00:19 Uhr »

Hi Ontogen
 
Ich glaube zurzeit herrscht eine gewisse Unsicherheit auf der Suche nach den richtigen Werten.  Ein Massenmasochismus ist nicht von der Hand zu weisen. Genauso wie die  Geißelungen der Mönche aus dem Mittelalter ihren Ursprung in einer kranken Gesellschaft hatten,  so ist unsere Selbstgeißelung als  Ursache einer kollektiven Angst zu sehen.  
 
Die Angst von heute ist ein Ergebnis der erfahrbaren Erkenntnis, dass immer mehr Menschen merken, dass sie einer Täuschung aufsitzen, da sie den Versprechungen des Neoliberalismus Glauben schenkten, deren bekanntester Vertreter der US-Ökonomen und Nobelpreisträger Milton Friedman ist.  
 
Deregulierung, Privatisierung und  Liberalisierung waren die Schlagwörter, nach denen sollte es allen besser gehen.  Der Zusammenbruch der Parteidiktaturen des Ostblocks verschaffte diesem Glauben zusätzlichen Schub und globale Durchschlagskraft. Befreit von der Drohung der Diktatur des Proletariats, wird seitdem umso härter an der Errichtung der Diktatur des Weltmarktes gearbeitet. Plötzlich erscheint die massenhafte Teilnahme der Arbeitnehmer an der allgemeinen Wertschöpfung nur als ein Zugeständnis im Kalten Krieg, das der kommunistischen Agitation die Basis entziehen sollte.
 
Doch stattdessen zerstörte  diese Politik des  Neoliberalismus immer mehr Existenzen, zusammen mir dieser Entwicklung steigt die Kriminalität, weil immer mehr Menschen aus der Bahn geworfen wurden. In den USA übersteigen die Kosten für die Unterhaltung der Gefängnisse bereits den gesamten Bildungsetat.  
 
So trifft der Protest der Verlierer auf Regierungen und Politiker, deren Gestaltungsmacht kontinuierlich schrumpft. Egal, ob soziale Gerechtigkeit hergestellt oder die Umwelt geschützt werden muss, ob Medienmacht begrenzt oder die internationalisierte Kriminalität bekämpft werden soll: stets ist der einzelne Nationalstaat überfordert, und ebenso regelmäßig scheitert die internationale Konzertierung. Wenn aber Regierungen in allen existentiellen Zukunftsfragen nur noch auf die übermächtigen Sachzwänge der transnationalen Ökonomie verweisen, gerinnt alle Politik zu einem Schauspiel der Ohnmacht, und der demokratische Staat verliert seine Legitimation. Die Globalisierung gerät zur Falle für die Demokratie.
 
Für unsere Kurzsichtigkeit werden wir einen hohen Preis bezahlen, anders als in der  betriebswirtschaftlichen Logik, gibt es in der Gesellschaft keine Mehrwertmenschen, keine überflüssigen Bürger.      
 
Stattdessen wird sichtbar, dass Wähler die stereotypen Formeln der Globalisierer wirklich Ernst nehmen. Nicht wir sind es gewesen, die ausländische Konkurrenz ist schuld, erfährt der Bürger in jeder zweiten Nachrichtensendung aus dem Mund derer, die seine Interessen vertreten sollten. Von diesem - ökonomisch falschen - Argument ist es nur ein kleiner Schritt zur offenen Feindschaft gegen alles Fremde. Längst suchen Millionen verunsicherter Mittelstandsbürger ihr Heil im Fremdenhass, Separatismus und der Abschottung vorn Weltmarkt. Die Ausgegrenzten antworten ihrerseits mit Ausgrenzung.
 
Schon ist von der 20:80, der Einfünftelgesellschaft, wie sie die elitären Visionäre für das nächste Jahrhundert ausmalen, die Rede. Das heißt ein fünftel der Menschheit steht in Brot und Arbeit, der Rest, muss zusehen.   Der Welt-Wettlauf um höchste Effizienz und niedrigste Löhne öffnet der Irrationalität die Türen zur Macht. Es sind nicht die wirklich Notleidenden, die rebellieren. Unkalkulierbare politische Sprengkraft entspringt vielmehr der Furcht vor Deklassierung, die sich jetzt in der Mitte der Gesellschaft ausbreitet. Nicht die Armut gefährdet die Demokratie, sondern die Angst davor.
 
Die Geschichte wiederholt sich nicht, doch sind Kriege das wahrscheinliche Ventil, wenn soziale Konflikte sich bis zur Unerträglichkeit aufschaukeln.  Nicht die bereits Entwurzelten stellen unsere größte Gefahr dar,  es ist die Mitte der Gesellschaft,  die in Angst leben, bald  zu den Ausgestoßenen zu gehören.  
 
Es wird deshalb zu unserer vornehmsten Aufgabe gehören, den Staat als solchen wieder instand zu setzen, in dem das Primat der Politik über die Wirtschaft  gelten muss.
 
Ob wir dass schaffen, steht in den Sternen.  
 
hedgi
     
 
 
 
   
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #69 am: 04. Mai 2006, 01:11 Uhr »

Hallo hedgi,
 
so sehr ich Deinen politischen Standpunkt nachvollziehen kann und Deine gesellschaftspolitische Analyse in sich stimmig ist -es war viele Jahre lang auch meine eigene- so möchte ich Dir dennoch zurufen, dass Du so unsagbar irrst, wie sich nur irren lässt.
 
Verstehe es nicht als negativ wertend. Fast, so bin ich geneigt zu sagen, ist dieser grosse Irrtum notwendig, um zu einer eigenen vertiefende Einsicht in die eigene Lebenswirklichkeit zu gelangen.
 
Wieviele Deiner Argumente entnimmst Du den Medien - ohne diese selbst überprüft zu haben? Die Massenmedien, sie werden einerseits oft als das Massenverdummungsinstrument erkannt und dennoch wird den über sie verbreitetet Nachrichten Glauben geschenkt. Glaubst Du, dass diese Medien unabhängig von Deiner geistigen Wahrnehmung existieren? Existiert das Beobachtete ohne Beobachtung?
 
Gehe tiefer in Dich selbst und Du wirst auf eine ungeahnte "Wasserader" stossen. Dein Heil liegt nicht in irgendeinem Politikprimat über die Wirtschaft, sondern im Erkennen, dass die gesamte von Dir wahrgenommene Welt allein Du selbst bist...
 
Was Du heute verteufelst, dem wirst Du morgen dankbar sein. Aber dankbar auf eine ganz andere Art und Weise, als Du es heute aus solchen Worten heraus liest. Der Christusgeist spricht eine sehr tiefe Weisheit aus, wenn er sagt: "Liebe deine Feinde." Er sagt nicht, bekämpfe sie. Und "Feind" ist immer das Dir Gegenüberstehende, Dein Gegenspieler, Dein Gegenpol, mit welchem Du untrennbar EINS bist. Je mehr Du ihn bekämpfst und ablehnst, umso grösser Dein Leid.  
 
In der LIEBE, der Vereinigung mit Deinem Gegenpol, verschwindet Ihr beide und es "entsteht" eine völlig neue Dimension - Du wechselst dann quasi die Schulklasse. Das Lernziel der "physisch-mentalen Dimension" ist und bleibt immer das gleiche, sowie auch vor hundert Jahren die Schüler der ersten Klasse zunächst immer erst einmal das Alphabet, Schreiben, Lesen und Rechnen lernen. Der Lerninhalt der ersten Klasse ist zeitlos der immer gleiche...
 
 
Gruß
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #70 am: 04. Mai 2006, 15:50 Uhr »

Hi Joy,
 
der Mensch ging bereits zur Schule weit vor der Zeit, als ihm die Schrift gegeben war.  Die Entwicklung des Menschen lässt sich, wegen fehlender Zeugnisse aus der Kindheitsphase nur anhand von Fundstücken die uns als Skulpturen überliefert sind, nur erahnen. Erst mit den ersten niedergeschriebenen Gedanken, die über die Buchhaltung erlegter Tiere hinausging, ist uns ein Einblick in die geistige Welt des frühen Menschen gestattet. Daraus folgt, die Geschichte der Menschheit beginnt weit früher, als Moses die 10 Gebote in Stein gemeißelt hat.    
 
In der ersten Klasse lernte der Mensch, dass er allein ohne die Gemeinschaft, in die er hineingeboren wurde, nichts ist. Das ist die Solidarität, vergessen wir das Wichtigste, was unsere ersten Vorfahren zum Menschen erhob und ihn aus seiner Tierhaftigkeit riss, verliert er jegliche Bindung zum Leben. Heute ist die Weltgemeinschaft etwas zahlreicher, das ist etwas, das wir noch verstehen lernen müssen, denn dadurch erhält Solidarität eine andere Dimension.  
In dieser Weltgesellschaft ist die christliche Religion eine von vielen. Ein Christ ist gut beraten, mit gutem Beispiel voranzugehen, und auf jegliche Form von Fundamentalismus zu verzichten, dass wir bei den Moslems so sehr verurteilen. Dazu gehört anzuerkennen, das  der muslimische Glaube sich auf einer ethisch ebenbürtigen Stufe befindet, wie der christliche Glaube.    
 
Mit unserer christlichen Gemeinschaft sind Werte verbunden, die wir nicht aufs Spiel setzen dürfen. Mit der Globalisierung werden einige unserer altbewährten Werte in den Schmutz getreten.  
 
Es ist unchristlich aus Gewinnsucht Einzelner, Mitglieder unserer großen Gemeinschaft, nur weil sie nicht mehr gebraucht werden, auszustoßen.    
 
Es ist aber christlich, wenn wir dem Beispiel Moses folgen und uns Gesetze auf heute üblichen Materialien festschreiben, um auch zukünftig unsere Zusammenleben zu gewährleisten.
 
Lieben kann nur jemand, der selbst in gesicherten Verhältnissen lebt. Fordern wir Nächstenliebe von jemand ein, den wir gerade  ausgestoßen haben, d.h. die Existenzgrundlage zerstört haben, dient das der Unterdrückung und hat nichts mit christlichem Verhalten zu tun.  
 
Unser derzeitiges Verhalten ist erlernt. Auch der Umgang mit den Medien muss erlernt werden. Nur durch Vergleiche, solange wir Zugang zu unterschiedlichen Meinungen haben, müssen wir lernen, daraus die Wahrheit zu selektieren.  Wir sind nun einmal keine Engel, und es wird viel gelogen. Durch hinterfragen, können wir aber lernen, das nicht in ein Gesamtbild Passende auszusortieren.  Wir müssen nun nicht jedes Mal genau prüfen, ob das Gelesene logischen Gesetzen standhält.  Das geschieht ohnehin jedes Mal im Hinterkopf. Wir bilden uns ohnehin ein Urteil über die Qualität eines Mediums.  
 
Gruß
hedgi
     
 
 
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #71 am: 04. Mai 2006, 17:28 Uhr »

Hallo hedgi,
 
so lange der lebendige Geist der Du selbst bist (= ICHBIN) davon ausgeht, dass die gesamte von ihm wahrgenommene, von ihm erlebte und von ihm erkannte Welt von seiner Wahrnehmung, seinem Erleben und seinem Erkennen getrennt und unabhängig ebenso materiell existiert, quasi Welt als eigenständige raumzeitliche Entität, steht er auf völlig verlorenem Posten (= Finsternis). Er schaut sozusagen VIELES was aber in Wirklichkeit faktisch EINES ist, nämlich er selbst.
 
Begriffen (Worten) kommt keine aussergeistige Wirklichkeit zu, sie bezeichnen gar keine aussergeistige Wirklichkeit (= objektive Welt), welche vom wahrnehmenden Geist separat existiert, sondern bezeichnen das eigene geistige Erleben, das eigene geistige Wahrnehmen und geistige Erkennen: Die gesamte von Dir wahrgenommene objektive Welt bist Du selbst, sie IST das Erleben, das Wahrnehmen und das Erkennen hier und jetzt, welches Du "all-ein" selbst bist. DAS selbst zu erkennen, ist quasi das selbst definierte "Klassenziel" in dieser "Schulklasse", von mir aus genannt mit Namen "Physische Existenz". Du wirst diese "Schulklasse" sogar freiwillig so oft wiederholen, bis Du es (es = Dich selbst) auch selbst erkannt hast...  
 
Diese Art des sich physisch und psychisch getrennt Erlebens -obwohl die Trennung faktisch eine Illusion ist-, das ist eine "bestimmte Schulklasse" auf dem Weg zur eigenen geistigen Erkenntnis, dass das, was hier sprachlich metaphorisch als "Gott" (= LIEBE) bezeichnet wird, allein Du selbst bist, der erkennende, erlebende und wahrnehmende Geist (= ICHBIN).
 
Die Welt verändern zu wollen, sie verbessern zu wollen, hiesse -in diesem Gleichnisbild verbleibend- den Lehrstoff einer bestimmten "Schulklasse" verändern zu wollen. Es geht aber nicht um das Verändern des Lehrstoffes, sondern um dessen Integration - nur deswegen hast Du Dich quasi entschlossen, diese "Schulklasse" zu absolvieren...
 
Das noch viel grössere Paradox der Selbsterkenntnis ist nun aber, dass Du sie -betrachtet im Licht der Ewigen Wahrheit- gar nicht "wirklich" absolvierst...
 
 
Gruß
Joy
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ontogen (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #72 am: 04. Mai 2006, 17:40 Uhr »

An hedgi,
Unsicher zu sein auf der Suche nach den Werten ist doch was Gutes, vorausgesetzt die Suche wird ernsthaft betrieben. Die Sicherheit oder das Vertrauen in Werte kann doch nur gelingen, wenn die eigenen Ängste durch Suchen überwunden werden.
Den „Massenmasochismus“ finde ich zu einfach für die Situationsbeschreibung.
Die Geißelung der Mönche resultiert aus der Unfähigkeit des Individuums beim ständigen, erfolglosen Versuch die religiöse Vollkommenheit (Reinheit) zu erreichen. Das ist ein religiöses Phänomen, das auf Dogmen beruht und über Dogmen kann man nicht diskutieren.
Ich kann das auch nicht vergleichen mit der pessimistischen Grundeinstellung einer Bevölkerung.
Hier liegen soziale und kulturelle Defizite vor.
Die Diktatur des Weltmarktes ist ein Widerspruch in sich und eine Fata Morgana. Ein Markt kann nur durch Angebot und Nachfrage existieren und niemals die Konkurrenz endgültig ausschalten. Eine nationale Diktatur des Kapitals wäre eher möglich, allerdings kann ich mir das auch nicht national oder weltweit auf Dauer vorstellen.
Warum?
Es gibt überall nationale und auch teilweise internationale Strukturen der organisierten Kriminalität, die sehr kräftig und lukrativ sind und auf dem Prinzip der Gewalt und Unterdrückung basieren. So wie die Drogenkartelle, Mafia, Menschenschmuggel, Energiekonzerne etc. Hier herrscht das Gesetz des Stärkeren, es ist die Voraussetzung für den Erfolg dieser kapitalistischen Organisationen.
Diese Strukturen passen in totalitär regierte oder demokratisch unterentwickelte Staaten wie Afghanistan, Kolumbien, den Süden von Italien, Tschetschenien, Nigeria, Saudi Arabien etc.
Wieso besonders da?
Weil der Bildungsstand entsprechend niedrig ist, Solidarität, Aufklärung und freie Presse unterentwickelt oder nicht vorhanden sind.
Das alles trifft auf unseren Staat nicht zu. Unser Leiden rührt von selbst gemachten Problemen her:
von einer verkrusteten Bürokratie,  
einer zick-zackenden Bildungspolitik,  
einer Vereinigung ohne soziales Fundament,  
einer stark defizitären und subventionierenden Wirtschaftspolitik und  
einer abnehmenden sozialen Einstellung.
Du hast Recht, dass wir ein Ventil brauchen, um den angesammelten Frust los zu werden.  
Und ich glaube auch, dass wir diese Ventile haben und die Fehler beheben können, wenn wir sie erkannt haben:
Vollbeschäftigung ist eine Utopie, subventionierte Arbeit ist Arbeitsplatzvernichtung, bezahlte Arbeitslosigkeit vernichtet soziale Bindungen, freie Presse heißt nicht schrankenlose, zerstörende Artikel etc.
Billige und einfache Methoden wie Abschottung, Ausgrenzung und Fremdenhass sind ohne Erfolg, was uns die Geschichte lehrt.
Wir müssen per aspera ad astra, denn es gibt keine Wahrheiten sonder nur Wahrheitssuchende.
q.e.d
Gruß
ontogen
 
 
 
 
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #73 am: 05. Mai 2006, 00:16 Uhr »

Meine Absicht war, das Beständige an unseren Werten heraus zu selektieren, und inwieweit dort Änderungen möglich sind, und  welche Gesetzmäßigkeiten auf diese Werte einwirken müssen, um vielleicht doch dauerhafte Änderungen in unserem Werteverständnis zu kreieren.  
 
Nach dem ich im Internet etwas gesucht habe, fand ich z.B., dass bereits 1000 vor Chr. folgende Aussage: „Was alles dir zuwider ist, das tue auch nicht anderen an."  Shayast-na-Shayast ,  
 
oder bereits im alten Testament, 9. – 6- Jahrhundert v. Chr.  "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."  
 
Oder aus dem Hinduismus hören wir 150 v. Chr. "Tue anderen nichts, das dir Schmerz verursachte, würde es dir getan."  Mahabharata.    
 
Der kategorische Imperativ,  Ende 1700 "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde." Kant  
 
Auch heute vertreten wir gleiche Werte, 1997  "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu." wird Teil der Allgemeinen Erklärung der Menschenpflichten.  
 
Auch vor ca. 2400 Jahren vertraten an verschiedenen Plätzen Aristoteles sowie Konfuzius fast identische Werte, sodass man meinen könnte sie hätten von einander abgeschrieben, zumindest sich gegenseitig beeinflusst.  
 
Sie hielten den Stand in den ein Mensch hineingeboren wurde, für vorherbestimmt, mahnten aber den von Geburt an höher Gestellten, sich seiner Verantwortung bewusst zu sein und die Bedürfnisse der ihm angehörenden Untertanen zu berücksichtigen.  
 
Nichts anderes erwarten wir von unseren Volksvertretern, dass sie die Gesetze bereitstellen, die vergessliche  Unternehmer an die Wahrnehmung ihrer Pflichten gegenüber der Menschheit erinnert und notfalls zur Sorge für ihre Angestellten zwingt.
 
Wir können bereits bei Kant einen Unterschied in der Formulierung der Verhaltensanweisung gegenüber früheren Weisungen ausmachen. Während vor Kant der Einzelne angesprochen wurde, sich entsprechend zu verhalten, gibt sich Kant damit nicht mehr zufrieden und erhebt diese Forderung zum allgemeinen Gesetz für alle.    
 
Das klingt durchaus vernünftig, da der Unternehmer erst durch die Hände Arbeit seiner Arbeiter seinen Reichtum anhäufen konnte. Warum soll dann der Arbeitnehmer als Dank nicht wenigstens seinen Arbeitsplatz behalten dürfen, die seine Existenz sichert.  
 
Die Solidarität aus unserem Wertesystem zwischen den Vertragspartnern Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist bedeutungslos, seit unsere Heuschrecken Arbeitplätze als Handelsware betrachten. Somit ist die Beziehung zwischen den Vertragspartnern unterbrochen. Dieser Verlust in unserem Wertesystem hat selbstverständlich Folgen. Das was bis vor kurzem für alle als Selbstverständlichkeit galt, der Generationsvertrag in der Altersversorgung, oder das Kümmern um unsere Kranken gilt nicht mehr als gesichert, weil die Einzahlungen in die Sozialsysteme infrage gestellt sind. Wo sollten die Zahlungen auch herkommen, wenn unsere Arbeitsplätze gewinnbringend ins Ausland verhökert wurden?  
 
Das wird nicht ohne Einfluss auf unsere Religion bleiben,  denn wir sind gezwungen die Nächstenliebe neu zu definieren, oder ganz zu streichen, weil unsere Vorbilder uns etwas ganz anderes zeigen.  Erfolg hat der Rücksichtslose, der den Schwachen wie Ballast aus dem Weg räumt.
 
Damit nähern wir uns dem Recht des Dschungels, in dem der Stärkere  sich das nimmt, was er sich ersehnt. Das ist die liberale Anarchie, von der unsere Heuschrecken noch träumen, es gibt bereits Wirtschaftswissenschaftler die vom goldenen Zeitalter ohne Zwänge für Großaktionäre ins schwärmen geraten.   Nichts anderes wird gesagt, wenn weniger Staat gefordert wird.  
 
Gruß
hedgi
     
 
 
 
 
 
 
 
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #74 am: 05. Mai 2006, 00:49 Uhr »

An Joy,  
 
die materielle Welt existiert nur einmal, wir können sie auch "Welt an sich" nennen. Wir als Subjekt nehmen diese Welt als Phänomen unter unterschiedlichen Blickwinkeln wahr. Dadurch kann es zu völlig unterschiedlichen Sichten kommen. Einige Mitbewohner unserer Erde schaffen es besser als die Anderen, ihre eigenen Interessen in den Hintergrund zu drängen.  Das kann bis zur völligen Selbstaufgabe führen, falls es jemandem gelingt, seine eigene Identität zu verleugnen, um sich als Teil eines Übergeordneten zu sehen.  
 
Ein Wirtschaftswissenschaftler der Ernst genommen werden möchte,  muss bemüht sein, die Welt so zu beschreiben, dass der größte Teil seiner Leser die von ihm beschriebene Welt als identisch mit der wahrgenommenen Sicht des Lesers erkannt werden kann.
 
Gruß
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