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   Autor  Thema: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuerung  (Gelesen 4636 mal)
Maulwurf (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #90 am: 09. Mai 2006, 01:29 Uhr »

Naja, wenn es darum geht ein Forum mit sinnleerem Geschwafel zu füllen, dann ist der Gipfel annähernd erreicht.
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hedgi (Offline)
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #91 am: 09. Mai 2006, 08:46 Uhr »

Naja, wir können von Glück reden, dass du dich mit ein zwei Sätzen begnügst.  
 
So bleibt es uns erspart, ins Leere zu lesen.  
 
hedgi


Wenn jemand nicht weiß wovon er redet und trotzallem nicht schweigt, sollten wir ihn mit Milde behandeln, denn er kann nichts dafür.
 
frei nach  Wittgenstein, Tractatus    
« Zuletzt bearbeitet: 09. Mai 2006, 09:54 Uhr von hedgi »  IP-Icon gespeichert

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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #92 am: 09. Mai 2006, 09:16 Uhr »

Ich meine, dass uns das Hoffen auf einen „SUPERPHILO“ nicht weiter bringt, genau so wenig wie ein
Jesus Christ Superstar, Superman oder Supernanny.  
Die von Dir zitierten Philosophen haben uns einen Fundus an Anregungen und Thesen hinterlassen, die uns (incl. Milton Friedmann) überleben werden, selbst wenn wir sie nicht anwenden.
Du siehst, welche Mühe und Arbeit es ist, Gedanken (vernünftige, sinnvolle oder schwierige) in diesem Forum an den Mann zu bringen. Nun stell Dir vor, Du solltest mit einer Diskussion über Werte die Park-Arena in Gelsenkirchen füllen.
Das schaffst Du nur mit Sport, Religion oder Events der „heilen Welt“ Schlager etc., weil es dem Streben nach der virtuellen Welt am nächsten kommt.
Die Frage ist, wie kann man Werte vermitteln?
Die Kirche versucht das über die Trägerschaft der Kindergärten.
Die Anthroposophen versuchen es mit den privaten Waldorfschulen.
Die Familienministerin will das über eine Wertediskussion mit der Kirche erreichen.
Den anerkannten Philosophen, wie z. B. Weizsäcker, der 1986 mit seinem Buch „Die Zeit drängt“, eine allgemeine Wertediskussion anschieben wollte, ist es in 20 Jahren nicht gelungen, Fortschritte zu erzielen. Das war auch nicht zu erwarten, weil der Angriff auf unsere persönlichen Werte wie Freiheit, Solidarität, Menschenwürde erst jetzt sichtbar wird. In diesem Sinne besteht Hoffnung:
Nur wenn es für uns schlimmer wird, kann es für uns besser werden.
Gruß
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #93 am: 13. Mai 2006, 11:10 Uhr »

Wertediskussionen gab es immer, manchmal erreichen sie stärker die Öffentlichkeit. Es ist aber besser gewisse Probleme in stabilen Zeiten anzusprechen, als wenn wir durch äußeren Druck zu Lösungen gezwungen werden.  
 
Ich finde es durchaus gut, wenn in unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen diese Diskussion geführt wird, die verschiedenen Gruppen können sich ihre unterschiedliche Sichtweise gegenseitig befruchten. Natürlich hat jede Gruppe ihre Sichtweise zu den Werten.  Ein Politiker wird seine Wähler so ansprechen, wie sie ihn verstehen wollen, denn dort geht es lediglich darum, Wahlen zu gewinnen. Dieser dort übliche Ton  wäre für ein Philosophieforum ungeeignet, aber geeignet Fußballstadien zu füllen. Beispiele zeigen den dort erfolgreichen Stil im Kampf um unsere Werte. Die CDU nannte ihre gegnerische Partei die 5. Kolonne Moskaus, als der kalte Krieg noch auf Hochtouren lief. Schröder begnügte sich damit, seine  politischen Gegner öffentlich als  Penner zu bezeichnen.
 
Im Philosophieforum müssen wir dieses Thema schon  etwas ernsthafter angehen. Da Philosophen zu einer Sichtweise gezwungen sind, die für andere gesellschaftliche Gruppierungen als  Vorreiter in der Meinungsbildung dienen sollte, stehen Philosophen in einer besonderen Verantwortung.  
 
In der Wertediskussion sollte immer die Beständigkeit unserer Werte beachtet werden. Nicht vergessen werden sollte, wie setze ich die Werte-Diskussion im Volk in Gang. Ein Buch, wie das Beispiel von Weizsäckers Buch "Die Zeit drängt", uns bewies, scheint nichts zu bewirken, solange es nur bei einer Einzelaktion eines einzelnen Philosophen bleibt. Erst ein Zusammenwirken von mehreren Personen, kann dem Desinteresse im Volk Abhilfe schaffen. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, das zielgerichtete Bewegungen nur von Universitäten ausgehen können, weil dort Menschen zusammen sind, die erkennen können, dass die Zeit auch wirklich drängt.
 
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #94 am: 14. Mai 2006, 03:30 Uhr »

Am 13. Mai 2006, 11:10 Uhr, schrieb hedgi :


Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, das zielgerichtete Bewegungen nur von Universitäten ausgehen können, weil dort Menschen zusammen sind, die erkennen können, dass die Zeit auch wirklich drängt.

 
Welche "Zeit" ausser Deiner "ei-genen" hier und jetzt wahrgenommenen Zeit drängt denn hier bitte?
 
In 10.000 oder 1.000.000 oder 10.000.000 oder 100.000.000 Jahren, was könnte Dein hier und jetzt drängendes Verlangen dann noch für eine Bedeutung haben?
 
Kann es denn überhaupt "eine Zeit" ausser der hier und jetzt wahrgenommenen "Zeit", der hier und jetzt gedachten "Zeit" geben? Glaubst Du denn überhaupt an eine aussergeistig existierende chronologische "Zeit"? Wenn ja, was bestärkt, worauf stütz Du diesen Glauben denn bitte konkret?
 
Versuche nur einmal das für Dich "all-ein" hier und jetzt selbst heraus zu finden, nur für Dich "all-ein" hier und jetzt selbst zu erkennen...
 
 
Gruß
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #95 am: 14. Mai 2006, 17:31 Uhr »

Für alle die  im gleichen "hier und jetzt" leben, gilt eine identische Zeit. Dabei spielt es keine Rolle, welche Bedeutung für die in ferner Zukunft lebenden Menschen die Zeit haben wird.  
 
Es wird immer eine Zeit außer der hier und jetzt wahrgenommenen Zeit geben. Unser Verständnis für die Zeit, hängt auch von philosophischen Strömungen ab, die  ihrerseits nicht unbeeinflusst von den Erkenntnissen der Naturwissenschaften bleibt.  
 
Wir stehen noch unter dem Einfluss des Aristoteles, der in Gott den ursprünglichen Beweger sah, der den Anstoß für alle nachfolgenden Ursachen gab. Danach hat die Zeit einen Anfang, die mit dem ersten Anstoß begann. Augustinus übernahm diese Sichtweise, für ihn begann die Zeit mit der Erschaffung der Welt. So sehr viel weiter sind wir heute auch nicht, wir sehen die Geburt des Universums im Urknall und auch den Beginn der Zeit. Natürlich muss auch vor dem Urknall etwas gewesen sein, aber was? Es ist durchaus denkbar, dass davor, vor dem Urknall andere physikalische Gesetze galten, damit hätten wir auch einen anderen Zeitbegriff. Darüber finden wir bei Aristoteles oder auch Augustinus nichts.
 
Gibt es eine Zeit als Idee, die nicht im Materiellen zu suchen ist? Wenn wir von Ideen erwarten, dass sie sich an logische Prinzipien halten, müssen wir ihnen eine Entwicklung zubilligen, die wir auch bei Organismen für selbstverständlich voraussetzen. Danach laufen alle durch irgendwelche Einflüsse angestoßenen Veränderungen innerhalb einer Zeitspanne ab. Selbst unbeseelte Stoffe verändern sich durch äußere Einflüsse. Daraus ergibt sich, was sich nicht verändern kann, braucht keine Zeit und hat demzufolge auch keine Zeit. Da heute gilt, Ideen sind nur zusammen mit Materie als Träger existent, gilt für sie auch die gleiche Zeit wie für alles Materielle.  
 
Auch ohne Analogien zu physikalischen Prozessen zu ziehen, merken wir an uns selbst, dass unsere Ideen eine bestimmte Zeit brauchen, um zu reifen. Sie verändern sich auch durch Anstöße seitens anderer Personen.  
 
Falls wir noch daran festhalten wollen, dass es einen Anfang der Zeit gab, müsste es auch ein Ende der Zeit geben. Das ist jetzt nur noch Spekulation, weil wir nicht wissen, was vor dem Urknall war. Ein mögliches Ende könnte sein, unser  Universum kühlt bis in die Nähe des absoluten Nullpunktes ab. Dann gibt es keine Veränderungen durch Reaktionen mehr. Dann gibt es keine Ideen, dann wird die Zeit nicht mehr gebraucht, dann gibt es sie nicht mehr.  
 
Wir sollten uns aber bewusst sein, dass die Zeitspanne in der die Entwicklung des Menschen stattfindet, nur einen sehr kleinen Kurvenabschnitt auf der Zeitachse innerhalb der Entwicklung unseres Universums belegt. Insofern ist Anfang und Ende der Welt für uns ohne jegliche Relevanz.  
 
Wenn Philosophen schreiben "die Zeit drängt", dann sehen sie Widersprüche in unserer Gesellschaft, die nach Auflösung schreien. So ist es auch heute in der Welt, wir sehen die Probleme, die viele  Menschen ins Elend treiben, bei vernünftigem Handeln könnten wir diese Probleme in den Griff bekommen. Wir verhalten uns aber ausgesprochen unvernünftig, dass die Spannungen noch steigert. So oder so, kommt es zu qualitativen Änderungen innerhalb der Gesellschaft. Wir können die alten Werte vergessen, denen wir das Entstehen einer lebensfähigen Gesellschaft verdanken, oder wir erinnern uns daran, dass für den Bestand unserer Gesellschaft so etwas wie Solidarität gehört. So könnten wir weiche Übergänge in ein weiterentwickeltes Bewusstsein schaffen. Wir können uns aber auch für die harte Methode entscheiden, für eine Gesellschaft, in der der mit den stärkeren Ellbogen, oder um auf auf der Ebene der Staaten zu bleiben, der Staat mit den schlagkräftigeren Waffen, sich das nimmt, was ihm beliebt. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich auszumalen, dieser Weg führt geradewegs in den Terror. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen uns, dass besonders nach Krisenzeiten, zum Beispiel nach dem 2. Weltkrieg, der Wunsch nach einer friedlichen Zeit wächst, sodass wir nur dann zu vernünftigen Gesetzesregelungen fähig sind, deren Fähigkeit dazu aber wieder schnell in Vergessenheit zu geraten scheint. Die Krisenzeiten sind die Momente, in denen qualitative Sprünge möglich sind, die in eine neue Gesellschaftsordnung münden.  
 
Wenn Philosophen schreiben "die Zeit drängt", ist das natürlich die Meinung einzelner. Sie entspringt der Hoffnung, dass ein qualitativer Sprung in der gesellschaftlichen Entwicklung ausnahmsweise einmal allein aus der Vernunft heraus glückt, statt wie bei uns üblich, vorher Kriege oder Aufstände vorausgehen müssen.
 
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #96 am: 15. Mai 2006, 15:11 Uhr »

Albert Einstein, Vesto Slipher, George Gamow, Arno Penzias, Robert Wilson und George Smmoot unterstützen die Theorie des Urknalls in der gleichen Weise.  
Stephen Hawking schließt allerdings aus, dass es Anfang und Ende gibt:
Zitat:
Wenn das Universum einen Anfang hatte, können wir von der Annahme ausgehen, dass es durch einen Schöpfer geschaffen worden sei. Doch wenn das Universum wirklich völlig in sich selbst abgeschlossen ist, wenn es wirklich keine Grenze und keinen Rand hat, dann hätte es auch weder einen Anfang noch ein Ende; es würde einfach sein. Wo wäre dann noch Raum für einen Schöpfer?“
1988 erschien mit „Eine kurze Geschichte der Zeit“ das erste populärwissenschaftlich geschriebene Buch von Stephen W. Hawking, in dem er seine Theorien zur Entstehung des Universums und zur Quantenmechanik darstellt.
Kommentar-Hawking-Zeit 3 : Die Sinnhaftigkeit und Sinnlosigkeit des Zeitbegriffs (2.6.2003/hawking-zeit2/Zeit, Begriff, Sinn)
Weshalb sollte ein Zeitbegriff VOR Beginn des Universums sinnlos sein?
Was erwartet Hawking vom Begriff der Zeit?
Welchen (tieferen) Sinn erhofft er sich von ihm?  
Der Begriff der Zeit ist, wie letztendlich alle Begriffe, ein Instrument, und er ist letztendlich, wie ebenfalls alle (anderen) Begriffe, nichts anderes als die Beschreibung eines Seins!
Einen anderen oder gar tieferen Sinn wird man im Zeitbegriff nicht finden!
Denn: Instrument, und die Beschreibung eines Seins zu sein, ist letztendlich der eigentlichste und grundlegendste Sinn, des Zeitbegriffs, und mit ihm aller anderen Begrifflichkeiten!  
Im Grunde seines Seins ist daher ein Begriff nur dann ein wirklich sinnloser, wenn er seine eigentlichste und grundlegendste Funktion nicht zu erfüllen mag:
Wenn es kein Sein gibt, das beschrieben werden könnte, macht ein Begriff als Instrument, tatsächlich keinen Sinn.
"Ein Sein das es nicht gibt, ist sinnlos zu beschreiben, und es bedarf, im wahrsten Sinne des Wortes, keiner Beschreibung, und damit keines Begriffs!"  
Gibt es allerdings ein Sein, ist seine Beschreibung, und damit seine begriffliche Fixierung, alles andere als sinnlos!  
Die Entscheidung, ob man sich eines Instruments bedient, das seine eigentlichste und grundlegendste Funktion erfüllt, liegt, wenn man sich ehrlich ist, beim Einzelnen, und ist eine zutiefst subjektive, nicht zu verallgemeinernde Entscheidung.
Denn: Für den Einen macht seine Verwendung Sinn, und für den Anderen wieder nicht.  
So gibt es beispielsweise Menschen die Handwerkzeug als äußerst sinnvoll ansehen, ja es lieben, und es jeden Tag benutzen; und, es gibt andere, die auf Hämmer, Sägen oder anderes handwerkliches "Zeug", gut gerne verzichten können.
Bedeutet dies aber, da einige auf Hämmer, Sägen oder andere handwerkzeugliche Instrumente, gut und gerne, verzichten können, dass Hämmer und Sägen, insgesamt und allgemein betrachtet, sinnlos sind?(!)
Ich glaube nicht!  
Für Hawking macht der Begriff Zeit VOR Beginn des Universums keinen Sinn!  
 
Zum Thema " die Zeit drängt " von Carl Friedrich von Weizsäcker möchte ich noch anfügen, dass CFvW  eine Weltversammlung der Christen im Sinne hatte, um ethisch konsensfähige, politisch realisierbare Forderungen zum Verhalten in den Themenbereichen Gerechtigkeit, Friede und Natur aufzustellen und natürlich auch zu realisieren. Diese Versammlung fand mit folgenden Teilnehmern statt:
Ökumenischer Patriarch Bartholomaios I.  
Erzbischof von Canterbury, George Carey  
Dr. Ishmael Noko (Lutherischer Weltbund)  
Dr. Setri Nyomi (Weltbund der Reformierten Kirchen)  
Geshe Tashi Tsering (Buddhismus)  
Chef Amadou Gasseto (Afrikanische Naturreligionen)  
Didi Talwalkar (Hinduismus)  
Sheikh Al-Azhar Mohammed Tantawi (Islam)  
Rabbi Israel Singer (Judentum)  
Seine Seligkeit Teoctist (Rumänisch-Orthodoxe Kirche)  
Leider entwickelte sich aus der Versammlung vom 24.1.2002 in Assisi nicht viel.  
Danach ist schon eine Menge Zeit vergangen, ohne dass die Weltreligionen sich für die Veränderung tatkräftig einsetzen.
Ich schließe daraus, dass die Kirchen nicht die gleiche Kraft haben, wie sie erforderlich ist und wie sie die Protagonisten der Aufklärung mit einer nicht religiös ausgeprägten Ethik gefordert und definiert haben.
Gruß
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Re: Weltgeist    –     Zeitgeist,
« Antworten #97 am: 16. Mai 2006, 17:10 Uhr »

bedingen sich gegenseitig. Wir leben in dieser Welt nicht unbeeinflusst von unserer Umwelt und unseren Nachbarn. So können wir sagen, wir werden alle gemeinsam von gleichen zurzeit üblichen Ideen beherrscht. Wir sind auch alle vom Zeitgeschmack gefangen, dafür sorgt die Werbung. Als synonym dazu passt auch der Zeitgeist.  Wenn wir über geschichtliche Ereignisse reden, sagen wir auch, die zu dieser Zeit veröffentlichten Publikationen entsprachen dem damaligen Zeitgeist. Auch der Weltgeist entspricht dem gerade herrschenden Zeitgeist. Vom Zeitgeist ist auch unser Wertesystem betroffen, also müssen wir es dem Weltgeist zuordnen.  Auch der Weltgeist ist dem  Kräftespiel These – Gegenthese unterworfen und drängt zur Synthese nach Auflösung, um der hegelschen Dialektik zu genügen. Damit die These uns recht lange erhalten bleibt, sind bestimmte gesellschaftliche Kreise daran interessiert, dass der Weltgeist, also die These, seine Kreise wie ein Tiger in der Manege in kontrollierten Bahnen zieht. Dass das so bleibt, für diese verantwortungsvolle und ehrenvolle Aufgabe ist bei uns die Bild-Zeitung zuständig. Der Weltgeist ist demnach ständigen Veränderungen unterworfen, die sich im jeweiligen Zeitgeist widerspiegeln. Der momentane Weltgeist befindet sich auf einer Stufe zwischen muss erst noch werden und seiner endgültigen Vollendung, gemäß dem Zeitgeist. Die Weltmeinung, den Weltgeist zu kontrollieren, gelang nicht immer. Dann, wenn der Druck durch die Gegenthese auf die wirklichen Verhältnisse derart anstieg, sodass sich der durch die Widersprüche angestaute Unmut in der Bevölkerung unkontrolliert entlud. Das war während der französischen Revolution der Fall. Die Segnungen dieser Revolution stellten sich nicht unmittelbar ein, in Deutschland hatte es später durch Napoleon, den es ohne die Revolution nicht gegeben hätte, auf unser Rechtssystem positive Auswirkungen. Auch die deutsche Aufklärung hätte es ohne die französische Revolution nicht gegeben.  
 
Das alles hat mit unserem Wertesystem zu tun, die Kontrolle über unsere Werte scheinen wir dann zu verlieren, wenn wir uns zu sehr von unseren ursprünglichen Werten entfernt und unsere Wurzeln vergessen haben, die noch aus Zeiten stammen, als die Menschen noch wussten, dass die Menschheit nur Bestand haben kann, wenn ihr klar ist, dass ohne Solidarität kein Zusammenleben geben kann.  
 
Auch in Deutschland hatten wir Momente, als der Weltgeist aus der Kontrolle der herrschenden Schicht ausbrach.  Das war 1848 und 1968 der Fall. Beide Ereignisse hatten nicht unmittelbar etwas verändert, doch die dort verbreiteten Ideen  hatten noch Jahre später nachhaltigen Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung und führten zu einer Dynamisierung in der Politik. Man sagt Geschichte wiederholt sich nicht, doch beide Ereignisse wiesen Parallelen auf, die von 1848 und die von 1968 führten ca. 20 Jahre später zur einer Einigung, die Reichsgründung durch Bismarck und die Wiedervereinigung Deutschlands.
 
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #98 am: 16. Mai 2006, 18:36 Uhr »

Ich glaube, dass der Zeitgeist, wenn du ihn so nennen willst, zumindest in Deutschland zwischen zwei Strömungen hin und her schwankt.  
Die eine Strömung ist der Ökonomismus mit all seinen Ausprägungen, der unser tägliches Leben über die Medien bestimmt. Daher haben wir uns angewöhnt Gewinnorientiert zu denken und uns dementsprechend zu verhalten. Einhergehend damit ist die Zunahme der Machtpräferenz: Geld = Macht.
Die andere Strömung ist der starke Einfluss der Religionen, ihre Bedürfnisbeschränkung und ihr Gemeinde- Gedanke.
Die Strömungen arbeiten gegeneinander, das ist wie Dagobert Duck gegen Albert Schweitzer, um mal ein Beispiel für die Vertreter der Strömungen zu geben.
Bisher sah es so aus, als wenn der grenzenlose Überfluss auf Kosten der Nachwelt machbar war.
Doch inzwischen dämmert es manchen, siehe Kyoto-Protokoll, dass diese Strömung einer entgleisenden Vernunft zu einem Mega-Gau anwachsen kann.
Die Antwort auf diese Herausforderung ist allerdings noch nicht gefunden.
Es kann auch nicht nur die Religiosität dieses Problem lösen, im Katastrophenfall rennen wir wie die Lemminge in die Kirchen, doch beten allein hilft nicht.
Allerdings glaube ich auch, dass  im Konfliktfall zwischen den Gesellschaften, diejenigen eine Stärke oder auch eine Überlegenheit besitzen, die stärker aus der Glaubensorientierten Bedürfnisbeschränkung ihr gesellschaftliches Zusammenleben führen. Sie können eher die Solidarität leben als andere.
Doch ohne eine aufklärende Vernunft kann das Ziel nicht erreicht werden.
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #99 am: 16. Mai 2006, 22:13 Uhr »

Der erste Schritt muss die Problemerkennung sein, dann kann die Sortierung der Probleme nach Priorität erfolgen. Dann kann nach dem warum gefragt werden, und danach wer könnte Abhilfe schaffen, vielleicht ergeben sich daraus Lösungsansätze. Vielleicht lassen sich Parallelen in der Vergangenheit finden. Das ist die Arbeitsweise, wie in Unternehmen Projektarbeit geleistet wird.  
 
Die Politiker und Experten in den Talkshows sind nicht diejenigen, die uns eine brauchbare Lösung präsentieren können. Die interessieren sich höchstens für Armut, wenn jemand ihnen vorrechnen kann, wie viel sich an Armut verdienen lässt. Aber niemand erinnert sie an unsere ursprünglichen Werte, oder dass sie in ihren Gedankenspielen den kategorischen Imperativ Kants mit einfließen lassen könnten.    
 
Ein Hauptproblem stellt sicherlich die Ökonomie mit seinen Begleiterscheinungen dar, das sich in Geld = Macht äußert, so wie du es bereits geschrieben hast. Das ist auf jeden Fall in den USA und Europa der Fall. Die Religion kann ein Faktor werden, wenn viele, die durch das System zu Schaden kommen, in der Religion Zuflucht suchen. Das ist in den islamischen Ländern heute der Fall. Aber dort, wo die Religion den Ton angibt, ist von Vernunft absolut nichts zu spüren.    
 
Es bringt nichts, Modelle zu entwerfen, wenn wir bereits bei ihrem Entwurf erkennen können, dass wir dann auf Widerstände gewisser Lobbyisten stoßen werden, weil die mit Sicherheit nicht auf bisherige Privilegien verzichten werden. Das bekommen wir ständig in der Subventionierungsdebatte vorgeführt.
 
Da es nicht möglich ist, unsere Gesetzgebung auf den Stand von Anfang der 1950-er Jahre zurückzusetzen, bleibt uns vorläufig nichts anderes übrig als, abzuwarten bis es zum Crash kommt. Das ist unter anderem bereits mit dem Ärztestreik vorprogrammiert. Niemand kann erwarten, dass die Ärzte ohne Bezahlung Überstunden leisten müssen. Aber das Geld für die Forderungen muss aufgebracht werden. Hier ist bereits der bevorstehende Systemzusammenbruch sichtbar. Es wäre besser, wenn sich dieses Problem zur Zufriedenheit aller  lösen ließe, nur sehe ich das nicht.  
 
Wir sollten wissen was zu tun ist, wenn es zum Zusammenbruch der Gesellschaft gekommen ist. Dann müssen wir wissen, wer noch vernunftsfähig ist. Von Lobbyisten kann das nicht erwartet werden, wer kann sich schon vom Leben im Überfluss auf ein normales Leben umstellen. Also bleibt nur die Intelligenz in den Universitäten, so wie das bisher immer der Fall war.
 
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #100 am: 17. Mai 2006, 05:57 Uhr »

Am 16. Mai 2006, 22:13 Uhr, schrieb hedgi :


Wir sollten wissen was zu tun ist, wenn es zum Zusammenbruch der Gesellschaft gekommen ist. Dann müssen wir wissen, wer noch vernunftsfähig ist. Von Lobbyisten kann das nicht erwartet werden, wer kann sich schon vom Leben im Überfluss auf ein normales Leben umstellen. Also bleibt nur die Intelligenz in den Universitäten, so wie das bisher immer der Fall war.

 
Das derzeitige Gesellschaftssystem, dessen unvermeidbarer Zusammenbruch ins Haus steht, beruht auf der sogenannten(!) "Intelligenz in den Universitäten". Auf diese "Intelligenz" würde ich keinen Pfifferling mehr verwetten...
 
 
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #101 am: 17. Mai 2006, 08:48 Uhr »

Die Stunde nach dem Crash gehört den Pragmatikern und nicht der Intelligenz. Überlebenskünstler zeichnen sich nicht durch Intelligenz, sondern durch die Anpassungsfähigkeit an die jeweiligen Umstände aus. Da machen sich unsre Gene aus der Steinzeit bemerkbar, leider auch der Wille zum Überleben auf Kosten anderer.
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #102 am: 17. Mai 2006, 14:24 Uhr »

Hi ontogon,  
 
Der von dir angenommene "worst case" ist eine der Möglichkeiten, die wir uns nicht wünschen können.  Aber denkbar ist es schon, dass das, was vom Menschen noch übrig bleibt, alle ehemals nützlichen Funktionen abwirft, und sich auf das absolut Notwendige beschränkt, um zu überleben.
 
An Joy,
die Gesellschaftskritiker an den Universitäten sind nicht schuld am Zerfall der Gesellschaft. Würde man auf sie hören, könnte manches in vernünftige Bahnen gelenkt werden. Die wahrgenommene Welt  existiert für alle real, würde sie nur im Geist eines Einzelnen präsent sein, wäre ihr Zerfall für die Anderen nicht weiter tragisch.
   
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Möge der Übermensch kommen !

   
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Re: Zwischen Erhaltung unserer Werte u. d. Erneuer
« Antworten #103 am: 19. Mai 2006, 23:02 Uhr »

Nietzsche !!!
 
Übermensch !!!
 
alles weitere was ich hierzu sagen wuerde waere ueberfluessig !!!
 
 
MFG  
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Re: Nietzsches Übermensch braucht keine Werte,
« Antworten #104 am: 09. Juli 2006, 17:04 Uhr »

denn er ist stark.  
 
Die Werte sind für die Schwachen da. Das legt den Schluss nahe,  bereits zur Geburtsstunde des Homo Sapiens bestand das Gros der Mitglieder aus Schwächlingen.    
 
Die Aussage Nietzsches „Gott ist tot“ könnte folgendermaßen  interpretiert werden, als ob wir unsere Werte verloren hätten. Die Werte können sich ändern, sie passen sich dem jeweiligen Zeitgeist an, aber es gibt dauerhafte Werte, ohne die wir als Menschen verloren wären. Einer dieser Werte ist die Solidarität; unabhängig davon, wie sich unsere Religion  an den Zeitgeist angepasst hat. Das ändert auch nichts an dieser Tatsache, wenn auch manch anständiger Bürger, hört er den Begriff Solidarität, nur noch rot sieht. Der Wertewandel kann sogar soweit gehen, dass wir unsere aktuelle Religion nicht mehr wieder erkennen.  
 
Zusammen mit dem Übermenschen schrieb  Nietzsche über die Herren- und Knechts-Moral. Es sind 2 interschiedliche Wertesysteme. Die Herrenmoral schwankt zwischen gut und schlecht während die Knechtsmoral zwischen gut und böse unterscheidet. Deshalb passen diese Moralsysteme absolut nicht zusammen.
 
Nietzsches Übermensch als Aristokrat ist von der Idee besessen, zu unbedingter Macht zu gelangen, dann kann es nur um nützliche Eigenschaften gehen, unabhängig, ob sie anderen als böse erscheinen mögen. Im Erfolgsfall, wird der Übermensch sich vor der Masse immer als gut präsentieren.  Gut und böse ist nur etwas für den namenlosen Menschen aus der Herde. Der verhält sich böse, wenn er sich nicht an die gesetzten Normen des Herren hält.    
 
Der Knecht hat nur eine Chance, die Unselbstständigkeit seines Herren soweit zu fördern, dass er in seiner Abhängigkeit von seinem Knecht, nicht mehr ohne ihn existieren kann. Auch der Herr setzt alles daran, seine Herrschaft über die Knechte zu erhalten und damit seine Unabhängigkeit zu sichern indem er sie gegebenenfalls durch neue ersetzt. Der Herr ist sich dessen bewusst, dass er ohne die Arbeit seiner Knechte nicht existieren kann. Im Zeitalter der Globalisierung stehen dem Herren aber bedeutend mehr Knechte als jemals zuvor in der Geschichte zur Verfügung. Daran lässt sich erkennen, die Knechte haben sich äußerst dumm verhalten, denn sie haben nicht erkannt haben, in welchem Dilemma sie stecken.  
 
Diese Entwicklung verhält sich konform mit Hegels Dialektik. Am Ende sollte sich aber der Herr-Knecht-Gegensatz aufheben.  Sonst findet die Entwicklungsgeschichte des Homo Sapiens ein vorzeitiges und unrühmliches Ende.  
 
hedgi
 
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