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   KKK afka der Philosoph ?
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   Autor  Thema: KKK afka der Philosoph ?  (Gelesen 4023 mal)
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Re: KKK afka der Philosoph ?
« Antworten #30 am: 20. Feb. 2009, 22:15 Uhr »

Am 19. Feb. 2009, 09:19 Uhr, schrieb MultiVista :


 
.... ....
 
Sind Gesetze und Tabus per se schon schlecht?

 
So gefragt, drängt sich auf nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Beiden zu fragen. Und ich meine mit der Forsetzung eine Antwort aufzuzeigen. Daher  
 
Fortsetzung:
 
 
 
GEGENPROBE
 
 
Gestützt auf <Der Prozess>
 
Das Ergebnis der Interpretation der Türhüterlegende muss im Roman Der Prozess stand halten. Der Roman führt Kapitel für Kapitel durch ein juristisches Verfahren: Verhaftung, Untersuchung, Verhör, familiärer Beistand, Anklage, Verteidigung, Verurteilung, ethischer Beistand, Strafvollzug. Doch keiner der Verfahrensschritte läuft nach den üblichen juristischen Gepflogenheiten, so dass sich der Leser fragt, welcher Art denn hier die Rechtssprechung ist. Es wird von Klägern, Untersuchungsrichtern, Verteidigern, Staatsanwälten und Richtern gesprochen, doch die Hauptperson Josef K. bekommt weder diesen noch jenen noch irgend eine Rechtsperson zu Gesicht. Die Personen, die er trifft, bleiben unverbindlich, weil sie die entsprechende Funktion, wenn überhaupt, bloss stellvertretend inne hätten. Es gibt alle Unannehmlichkeiten die ein Prozess mit sich bringt, bis hin zur Hinrichtung, aber es gibt, weder ein Gesetzbuch noch ein Gericht, sogar über den Namen des Gesetzes schweigt sich die Gesellschaft aus, in der Josef K. lebt. Im Roman Der Prozess heisst es am Ende des zweitletzten Abschnittes: <... Wo war der Richter, den er nie gesehen hatte? Wo war das hohe Gericht, bis zu dem er nie gekommen war?...> Die These, dass es um ein Gesetz geht, dem weder ein Gericht noch Richter zugehören, ist damit ausgewiesen/aufgemerkt.  
 
 
   Bereits damit ist das Werk in ein neues Licht gesetzt, sodass die Arbeit wie angekündigt von neuem beginnen kann und es parallel auch schon tut.

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Re: KKK afka der Philosoph ?
« Antworten #31 am: 22. Feb. 2009, 18:55 Uhr »

Fortetzung:
 
Bereits oben, in der Einleitung wurde erwähnt, dass der Geistliche sagt: „In dem Gericht täuschst du dich“ (weil <Gericht> nicht mit <Gesetz> verwechselt werden darf). Daher darf hier ergänzend gefragt werden, ob sich der Leser etwa auch im Wort „Prozess“ täuscht. Statt Prozess, könnte man auch Verfahren sagen. In beiden Fällen wird die Regelmässigkeit mit der Geschehnisse ablaufen betont. Es können jedoch weder juristische noch geschäftliche noch technische Abläufe gemeint sein, sondern Verhaltensweisen, d.h. Verhalten denen Gesetzmässigkeiten innewohnen. Im Kapitel mit dem Titel Im Dom, erfährt Josef K. vom ethischen Beistand, dass er nicht der Einzige ist, dem solches wiederfährt. Darüber hinaus sind diese Gesetzmässigkeiten nicht angesprochen. Da Kafka dies offen lässt, darf angenommen werden, dass es nicht um eine bestimmte Gesetzmässigkeit [über die nicht gesprochen wird] geht, sondern eben um Tabus im Allgemeinen, d.h. um das Geschehen das von Tabus ausgelöst und Tabus typischer Weise begleitet. Oder in andern Worten, es geht um den Prozess, der bei Tabus durchlebt wird. Damit sollten beim Leser auch noch die letzten Zweifel verfliegen können, ob die These dieser Interpretation Tabu ist und deren Titel angemessen. Auf diese Überlegungen stützt sich nun die nachfolgende spezifischere Interpretation.
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Re: KKK afka der Philosoph ?
« Antworten #32 am: 26. Feb. 2009, 08:15 Uhr »

Kafkas Weltbild, zumindest seine Erzählungen,
sind von einer endzeitlichen Stimmung geprägt, ja durchtränkt.
 
Sehe ich das falsch?
Ist es gut so, also ist es hilfreich?
 
Kafka hier im Forum?
 
http://www.philtalk.de/cgi-bin/YaBB.cgi?board=metaphysik;action=display; num=1234549581;start=11#11
 
http://www.philtalk.de/cgi-bin/YaBB.cgi?board=sonstiges;action=display;n um=1159004266;start=30#44
 
http://www.philtalk.de/cgi-bin/YaBB.cgi?board=logic;action=display;num=1 086945156;start=557#557
 
http://www.philtalk.de/cgi-bin/YaBB.cgi?board=kultur;action=display;num= 1235201407;start=345#355
« Zuletzt bearbeitet: 26. Feb. 2009, 08:45 Uhr von MultiVista »  IP-Icon gespeichert

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Re: KKK afka der Philosoph ?
« Antworten #33 am: 26. Feb. 2009, 08:23 Uhr »


"Die Sorgen, mit deren Last sich der Bevorzugte gegenüber dem Unterdrückten entschuldigt, sind eben die Sorgen um Erhaltung der Bevorzugung."  
 
Wichtiger ist folgende Feststellung Kafkas:  
 
"Alle Leiden um uns müssen auch wir leiden. Wir alle haben nicht einen Leib, aber ein Wachstum,  
und das führt uns durch alle Schmerzen, ob in dieser oder jener Form.  
 
So wie das Kind durch alle Lebensstadien bis zum Greis und zum Tod sich entwickelt (und jenes Stadium im Grunde dem früheren, im Verlangen oder in Furcht unerreichbar scheint)  
ebenso entwickeln wir uns (nicht weniger tief mit der Menschheit verbunden als mit uns selbst) durch alle Leiden dieser Welt. Für Gerechtigkeit ist in diesem Zusammenhang kein Platz, aber auch nicht für Furcht vor den Leiden oder für die Auslegung des Leidens als eines Verdienstes.  
 
Du kannst dich zurückhalten von den Leiden der Welt,  
das ist dir freigestellt und entspricht deiner Natur,  
aber vielleicht ist gerade dieses Zurückhalten das einzige Leid,  
das du vermeiden könntest."  
 
Und dann:
 
"Die Demut gibt jedem, auch dem einsam Verzweifelnden, das stärkste Verhältnis zum Mitmenschen,  
und zwar sofort, allerdings nur bei völliger und dauernder Demut."
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Re: KKK afka der Philosoph ?
« Antworten #34 am: 26. Feb. 2009, 20:23 Uhr »

Mulitvista, kannst Du uns die Zitate zu den Kafka Texten ein deinem Beitrag geben?
 
 
Fortsetzung zu <Zum letzten Mal vor dem Gesetz>, Alltags Interpretation der Parabel vor dem Gesetz von Franz Kafka, überprüft am Roman der Prozess:
 
 
Im letzten Absatz des Romans der Prozess heisst es. <Aber an K.s Gurgel legten sich die Hände des einen Herrn, während der andere das Messer ihm tief ins Herz stiess und zweimal dort drehte. Mit brechenden Augen sah noch K., wie die Herren, nahe vor seinem Gesicht, Wange an Wange aneinandergelehnt, die Entscheidung beobachteten. „Wie ein Hund!“ sagte er, es war, als sollte die Scham ihn überleben.> Ganz offensichtlich hat K. Atemnot und stechende Schmerzen in der Brust. Anhaltend stechende Schmerzen, die K. treu ergeben in der Erwartung hinnimmt, dass es die letzten sind. Unmittelbar vorher, also am Ende des zweitletzten Absatz des Romans der Prozess heisst es. <Vollständig konnte er sich nicht bewähren, alle Arbeit den Behörden nicht abnehmen, die Verantwortung für diesen letzten Fehler trug der, der ihm den Rest der dazu nötigen Kraft versagt hatte. Seine Blicke fielen auf das letzte Stockwerk des an den Steinbruch angrenzenden Hauses. Wie ein Licht aufzuckt, so fuhren die Fensterflügel eines Fensters dort auseinander, ein Mensch, schwach und dünn in der Ferne und Höhe, beugte sich mit einem Ruck weit vor und streckte die Arme noch weiter aus. Wer war es? Ein Freund? Ein guter Mensch? Einer der teilnahm? Einer, der helfen wollte? War es ein einzelner? Waren es alle? War noch Hilfe? Gab es Einwände, die man vergessen hatte? Gewiss gab es solche. Die Logik ist zwar unerschütterlich, aber einem Menschen, der leben will, widersteht sie nicht. Wo war der Richter, den er nie gesehen hatte? Wo war das hohe Gericht, bis zu dem er nie gekommen war? > Kafka schreibt über das Geschehen vor dem Sterben im Allgemeinen. Der Sterbende weiss um seinen nahen Tod. Er hielt sich tapfer. Doch nun ist er zu schwach um die Besucher am Sterbebett zu erkennen. Es geschieht der letzte Fehler, für den K. nicht verantwortlich ist, weil ihm die Voraussetzungen den Fehler abzuwenden genommen wurden. Die Krankheit hat ihm das Sprachvermögen geraubt: < Er hob die Hände und spreizte die Finger. >. Daher kommt es auch jetzt nicht dazu, dass über seine Gesundheit, seine lebensbedrohende Krankheit, seinen nahen Tod gesprochen wird.
 
 
« Zuletzt bearbeitet: 26. Feb. 2009, 20:28 Uhr von Alltag »  IP-Icon gespeichert
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Re: KKK afka der Philosoph ?
« Antworten #35 am: 27. Feb. 2009, 23:00 Uhr »

Fortsetzung:
 
Der Roman beginnt mit dem Satz: <Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet. > Doch bevor die Kapitel Verhaftung - Gespräch mit Frau Grubach – Dann Fräulein Bürstner, die einen Tag im Leben des Josef K. von morgen früh bis spätabends erzählen, zu Ende sind, weiss der Leser, dass die Worte <verleumden> und <verhaften> nicht die übliche Bedeutung haben. Denn K. geht wie gewohnt zur Arbeit und kehrt abends wieder zurück in die Pension von Frau Grubach, die, wie er sagt: <im übrigen von mir abhängig [ist], denn sie hat eine grössere Summe von mir geliehen.> Dem Leser bleibt in seiner Verunsicherung als Fakt in etwa Folgendes:  
 
<Die Köchin der Frau Grubach, seiner Zimmervermieterin, die ihm jeden Tag gegen acht Uhr früh das Frühstück bracht, kam diesmal nicht. Das war noch niemals geschehen. K. wartete noch ein Weilchen, sah von seinem Kopfkissen aus die alte Frau, die ihm gegenüber wohnt und die ihn mit einer an ihr ganz ungewöhnlichen Neugierde beobachtete, ...> Alsdann werden Vorfälle geschildert durch die einige Unordnung in seinem Zimmer, im Nebenzimmer und im Zimmer des Fräulein Bürstners gekommen ist. <Als er wieder in das Nebenzimmer zurückkam, öffnete sich gerade die gegenüberliegende Tür und Frau Grubach wollt dort eintreten. Man sah sie nur einen Augenblick, denn kaum hatte sie K. erkannt, als sie offenbar verlegen wurde, um Verzeihung bat, verschwand und äusserst vorsichtig die Tür schloss.>  
 
Aus der Sicht von K. schreibt Kafka <Sie mochten zusehen, wie er zu einem Wandschränkchen ging, in dem er einen guten Schnaps aufbewahrte, wie er ein Gläschen zuerst zum Ersatz des Frühstücks leerte und wie er ein zweites Gläschen dazu bestimmte, sich Mut zu machen, das letztere nur aus Vorsicht für den unwahrscheinlichen Fall, dass es nötig sein sollte. / Da erschreckte ihn ein Zuruf aus dem Nebenzimmer derartig dass er mit den Zähnen ans Glas schlug.>
 
K. kam um halb zehn Uhr abends von der Arbeit nach hause. <Er hätte geradewegs in sein Zimmer gehen können, aber da er mit Frau Grubach sprechen wollte, klopfte er gleich an ihre Türe an. ... für ihn sei sie immer zu sprechen, er wisse sehr gut, dass er ihr bester und liebster Mieter sei. K. sah sich im Zimmer um, es war wieder vollkommen in seinem alten Zustand, ... „Ich habe Ihnen heute wohl noch eine aussergewöhnliche Arbeit gemacht?“ „Wieso denn?“, fragte sie... „... Nun , es ist vorüber und ich wollte eigentlich auch gar nicht mehr darüber sprechen, nur Ihr Urteil, das Urteil einer vernünftigen Frau, wollte ich hören und bin sehr froh, dass wir darin übereinstimmen. Nun müssen Sie mir aber die Hand reichen, eine solche Übereinstimmung muss durch Handschlag bekräftigt werden.“ ... „Nehmen Sie es doch nicht so schwer, Herr K.“ sagte sie, hatte Tränen in der Stimme und vergass natürlich auch den Handschlag. ... „ ... Schliesslich muss es doch im Sinne jedes Mieters sein, wenn man die Pension rein zu erhalten sucht, und nichts anderes ist mein Bestreben dabei.“ „Die Reinheit!“ rief K. noch durch die Spalte der Tür, „wenn Sie die Pension rein erhalten wollen, müssen sie zuerst mir kündigen.“ ...  >  
 
Zusammenfassend ergibt sich aus den ersten Kapiteln des Romans folgendes Bild: Offensichtlich erwachte Josef K. so unruhig, dass die Köchin, obwohl sie sich dadurch verspätete, bei Frau Grubach Rücksprache hielt. Die alte Frau, die ihm gegenüber wohnt, konnte  Josef K. auf seinem Kopfkissen beobachten. Und was sieh sah, weckte in ihr eine ganz ungewöhnliche Neugierde. Irgend etwas trieb ihn hin und her, ins Nebenzimmer und schliesslich auch noch in das Zimmer von Frau Bürstner, die aber schon weg war. Die Zimmervermieterin Grubach wollte zum Rechten sehen. Doch der Anblick von Josef K. machte sie verlegen. Schliesslich ging Josef K. zur Arbeit. Am Abend suchte er das Gespräch mit Frau Grubach. Er interessiert sich für ihr Urteil über den morgendlichen Vorfall. Aufgrund einer Nebensächlichkeit zerstritten sie sich und beim Weggehen bezichtigte er sich der mangelnden Reinheit. Josef K. suchte alsdann das Gespräch mit Fräulein Bürstner [xxx]. Obwohl schon fast Mitternacht war, lud sie ihn zu sich ins Zimmer ein. Offensichtlich wäre der Leitende Angestellte Josef K. für sie, die Schreibmaschinenkraft, eine gute Partie. Doch mit jedem Zeichen der Annäherung baute Josef K. durch ungeschickte Äusserungen oder Passivität Hemmschwellen auf, obwohl ein solches Verhalten nicht seinem Naturell entspricht oder der Leser keinen Anlass hat anzunehmen, dass K. von Natur aus scheu sei. Schliesslich gibt es einen Vorfall, durch den das Fräulein Bürstner sich von Josef K. distanziert und ihn elegant ins Vorzimmer lockt, wo K. sie auf den Hals küsst, doch sie entzieht sich ihm. Im Kapitel Die Freundin des Fräulein Bürstner – vernimmt man von der Freundin, dass das Fräulein Bürstner an jeglichem Kontakt zu Josef K. desinteressiert ist. K. musste auch feststellen, dass das Fräulein Bürstner ihr Zimmer für einen potentiellen neuen Verehrer, einen Hauptmann und Verwandten der Zimmervermieterin frei machte. Eine solch brüske Wende hatte er trotz des Vorfalls nicht erwartet.  
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Re: KKK afka der Philosoph ?
« Antworten #36 am: 02. März 2009, 19:00 Uhr »

Fortsetzung (über Franz Kafka, der Prozess, Vor dem Gesetz):
 
So stellt sich dem Leser/Interpreten die Frage nach der Art des Vorfalls. Ist K. aus einem schlechten Traum aufgeschreckt oder trieb ihn ein Hustenanfall aus dem Bett, ins leere Nebenzimmer usw.? - An dieser Stelle mag der Vermerk hilfreich sein, dass Kafka mehreren schwere Krankheitsschübe hatte, zwischen denen er unter anderem seine Verlobung auflöste und den Prozess schrieb. Die Krankheit wurde am 4. September 1907 als Lungentuberkulose und später auch als Kehlkopftuberkulose diagnostiziert. Er starb daran im Alter von nicht ganz Vierzig. - War der Vorfall ein erster Hustenanfall, der so heftiger und bedrohliche war, dass niemand sich traute darüber zu reden? Das wäre verständlich, weil es einem immer schwer fällt über eine möglicherweise tödliche Krankheit zu sprechen. Kafka schreibt jedoch nichts von einer Krankheit. Es geht offensichtlich nicht um diese oder irgendeine Krankheit, sondern um das Befinden beim „Nicht darüber reden“. Daher ist es auch nicht entscheidend, ob der Vorfall, wie eingangs dieses Absatzes vermutet, ein Hustenanfall war oder nicht.
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Re: KKK afka der Philosoph ?
« Antworten #37 am: 08. März 2009, 21:25 Uhr »


Fortsetzung (über Franz Kafka, der Prozess, Vor dem Gesetz):  
 
Im Kapitel Erste Untersuchung wird K. < telefonisch verständigt, dass am nächsten Sonntag eine kleine Untersuchung in seiner Angelegenheit stattfinden wird. ... „ ... man hat vergessen, mir zu sagen, zu welcher Stunde.“ ... er dachte ..., dass es am besten sein werde, um neun Uhr vormittags hinzukommen, da zu dieser Sunde an Werktagen alle Gerichte zu arbeiten anfangen. ... > K. findet nach längerem Suchen den Untersuchungsraum in der Vorstadt und trägt dort, ohne recht hinzuhören, seine vorgefasste Meinung vor. Ausser ihm spricht kaum jemand und der Leser wird im unklaren gelassen, ob all die Äusserungen von K. bloss auf dessen Vermutungen beruhen.
 
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Re: KKK afka der Philosoph ?
« Antworten #38 am: 11. März 2009, 20:42 Uhr »

Fortsetzung (über Franz Kafka, der Prozess, Vor dem Gesetz):    
 
 
Im anschliessende Kapitel mit dem Titel  Im leeren Sitzungssal – Der Student – Die Kanzleien  verliert K. seine Selbstsicherheit. Er vereinzelt und wird von einer körperlichen Schwäche befallen, die beim Verlassen der bedrückenden Örtlichkeit augenblicklich von ihm abfällt.
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Re: KKK afka der Philosoph ?
« Antworten #39 am: 15. März 2009, 14:50 Uhr »

Fortsetzung : (  Eine Interpretation über Franz Kafka Der Prozess, Vor dem Gesetz )
 
Dem Kapitel Der Prügler sind klare Hinweise zu entnehmen, dass das beschriebene so nicht stattgefunden haben konnte: < Als er [am nächsten Tag] auf dem Nachhauseweg wieder an der Rumpelkammer vorbeikam, öffnete er sie wie aus Gewohnheit. Vor dem was er statt des erwarteten Dunkels erblicket, wusste er sich nicht zu fassen. Alles war unverändert, so wie er es am Abend vorher beim öffnen der Tür gefunden hatte. ... Der Prügler mit der Rute, die noch vollständig ausgezogenen Wächter, die Kerze ... „Räumt doch endlich die Rumpelkammer aus!“ rief [K. den Dienern zu]. „Wir versinken ja im Schmutz!“ >  Der Leser darf sich also fragen, was sich denn hier vorgefallen sein könnte. Hat sich K. aufgrund eines erneuten Vorfalls/Hustenanfalls in die Rumpelkammer geflüchtet, damit die Anagestellten seinen erbärmlichen Zustand nicht miterleben müssen? Und sich schliesslich an der frischen Luft am Fenster Erleichterung verschafft?
« Zuletzt bearbeitet: 15. März 2009, 14:52 Uhr von Alltag »  IP-Icon gespeichert
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Re: KKK afka der Philosoph ?
« Antworten #40 am: 19. März 2009, 20:53 Uhr »

Fortsetzung : (  Eine Interpretation über Franz Kafka Der Prozess, Vor dem Gesetz )
 
 
Im Kapitel  Der Onket – Leni    bemüht sich der Verwandte vom Lande    K.' Sache voranzutreiben, in dem er einen alten Freund, der Advokat ist, mit K. zusammen besucht. Obwohl zufällig ein Untersuchungsrichter ebenfalls zu Besuch ist, zeigt K. für seinen Fall weniger Interesse als für die Bedienstete Leni.
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wokarb
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Re: KKK afka der Philosoph ?
« Antworten #41 am: 20. März 2009, 12:28 Uhr »
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Welche Argumente sprechen dafür, dass sich ein heute lebender Mensch mit KAFKA beschäftigt
Worin besteht möglicherweise seine Aktualität (die von KAFKA... )
Gruß, wokarb
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Beiträge: 1826
Re: KKK afka der Philosoph ?
« Antworten #42 am: 20. März 2009, 13:35 Uhr »

Fortsetzung : (  Eine Interpretation über Franz Kafka Der Prozess, Vor dem Gesetz )  
 
 
Am Anfang des langen Kapitels   Advokat – Fabrikant – Maler    heisst es: < ....das Gesetz aber schreibt Öffentlichkeit nicht vor. Infolgedessen sind auch die Schriften des Gerichts, vor allem die Anklageschrift, dem Angeklagten und seiner Verteidigung unzugänglich, man weiss daher im allgemeinen nicht oder wenigstens nicht genau, wogegen sich die erste Eingabe zu richten hat, ... Die Verteidigung ist nämlich durch das Gesetz nicht eigentlich gestattet, sondern nur geduldet, und selbst darüber, ob aus der betreffenden Gesetzesstelle wenigstens Duldung herausgelesen werden soll, besteht Streit. Es gibt daher strenggenommen gar keine vom Gericht anerkannten Advokaten, alle, die vor diesem Gericht als Advokaten auftreten, sind im Grunde nur Winkeladvokaten. >   Dass das von Kafka angesprochene Gesetzes aussergewöhnlich ist, wird durch diese Textpassage einmal mehr belegt: Welcher Art ist ein Gesetz, das die Verteidigung nicht gestattet? Anderseits ist der Fauxpas, den sich K. mit der Bediensteten des Advokaten im Kapitel  Der Onkel – Leni   leistete, durch die Geringschätzung, dass jeder Advokat ein Winkeladvokat sei, beträchtlich relativiert.
 
 
**********
Damit hört meine Analyse über Franz Kafka Der Prozess, Vor dem Gesetz auf, obwohl es eigenlich noch einige Kapitel zu diskutieren gäbe. Aber weiter bin ich noch nicht gekommen , sodass @Wokarbs Frage eigentich ganz willkommen ist. Dazu mehr in einem separat Text.  
« Zuletzt bearbeitet: 20. März 2009, 18:02 Uhr von Alltag »  IP-Icon gespeichert
wokarb
Ehemaliges Mitglied
Re: KKK afka der Philosoph ?
« Antworten #43 am: 20. März 2009, 14:42 Uhr »
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wokarb bittet darum ...
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Re: KKK afka der Philosoph ?
« Antworten #44 am: 20. März 2009, 17:54 Uhr »

Über Franz Kafka Der Prozess, Vor dem Gesetz  
 
 
Gedanken zum Motiv
 
Gibt die dreimalige Publikation der Legende einen Hinweis zu den offen gebliebenen Fragen? Beispielsweise der wie ein erratischer Block auffallende Titel <Ein Landarzt>. Hat es den Landarzt wirklich gegeben? Wollte Kafka ihn mit der Publikation in der Wochenschrift ausfindig machen? Ihm mit der dritten Publikation gar drohen?  
 
Vielleicht gibt Kafkas Biographie eine Auskunft zu den offen gebliebenen Fragen. Über den unglückliche Zufall, der dem Mann vom Lande den <Floh> zum unermüdlichen Grübeln ins Ohr gesetzt hat, haben wir, nebst der spärlichen Informationen aus der Legende, einen Strauss von Fragen: Hat der Mann vom Lande jemanden oder etwas wiedergetroffen, sich aber nicht sofort, sondern so später erinnert, dass ihm nur noch das darüber Nachgrübeln bleibt? War es ein Traumfragment? Was kann ihn denn unablässig zum Grübeln veranlasst haben? Klar ist, dass man eigentlich nicht darüber reden darf. Es stellt sich daher auch die Frage, ob der Mann vom Lande sich als Opfer sieht und ob er das Geschehene nur unter eigenem Schaden in die Öffentlichkeit tragen könnte. Dies würde seine lebenslangen Hemmungen verständlich machen. Ebenso klar ist, dass in Treu und Glauben eine nicht-rechtsstaatliche Instanz „ersucht“ wird und dass dieses Ersuchen nicht in der Öffentlichkeit geschieht.  
 
Gegen Schluss des mit   Ende    betitelten Kapitels  heisst es: < ... Seine Blicke fielen auf das letzte Stockwerk des an den Steinbruch angrenzenden Hauses. Wie ein Licht aufzuckt, so fuhren die Fensterflügel eines Fensters dort auseinander, ein Mensch, schwach und dünn in der Ferne und Höhe, beugte sich mit einem Ruck weit vor und streckte die Arme noch weiter aus. Wer war es? Ein Freund? Ein guter Mensch? Einer, der teilnahm? Einer, der helfen wollte? War es ein einzelner? Waren es alle? War noch Hilfe? Gab es Einwände, die man vergessen hatte? Gewiss gab es solche. Die Logik ist zwar unerschütterlich, aber einem Menschen, der Leben will, widersteht sie nicht. .... Er hob die Hände und spreizte alle Finger. >  Wann macht man eine solche Bewegung? Wird mit dieser Bewegung etwas anderes signalisiert, als das im Titel des Kapitels stehende <Ende> ? Offenkundig ist vom Sterben die Rede, vom Sterben aus der Sicht des Sterbenden, der die letzte Ausdrucksmöglichkeit abgibt, aber selbst noch nach Atem ringt und mit brechenden Augen nicht den Tod sieht, sondern die Entscheidung selbst beobachtet: < “Wie ein Hund!“ ….. , als sollte die Scham ihn überleben. >
 
**************
  @Wokarb
 
Ohne Alleingültigkeit zu beanspruchen, sind damit meine Argumente aufgemerkt, die dafür sprechen, dass Franz Kafka auch heute noch aktuell ist! Und es bleiben wird!  
 
Gruß
Alltag  
« Zuletzt bearbeitet: 20. März 2009, 17:59 Uhr von Alltag »  IP-Icon gespeichert
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