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Thema: Bin ich in meiner Haut gefangen? (Gelesen 1093 mal) |
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sukzession (Offline)
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Re: Bin ich in meiner Haut gefangen?
« Antworten #15 am: 18. Feb. 2007, 14:38 Uhr » |
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Tag Philautos. Die Metaphysik spielt wie sie folgerichtig erkannt haben eine wichtige Rolle bei meiner Auseinandersetzung mit diesem so wichtigen Thema, also öffnete ich sogleich eine Tür, im Hause der Philosophie und betrat einen Raum welcher seit jeher nur durch Kerzenlicht beleuchtet ist. Sie Philautos erkannten schnell und zielsicher metaphysisches Gedankengut in meinen Aussagen, worauf bei Ihnen sofort die Alarmglocken leuteten, folgedessen bezeichneten Sie mich mit erhobenem Zeigefinger und Blick nach unten als Metaphysiker. Nun möchte ich auf Ihre Frage bezüglich meiner Denkmethode eingehen. Erstens mache ich die Allgemeinverbindlichkeit des individuellen Selbstdenkens am Ausgang und an der Methode an der Interesselosigkeit des Erkennenden fest. Zweitens ist die Philosophie kein System des Wissens, das gelernt oder reproduziert werden kann, sondern heißt für mich in erster Linie "Selbstdenken", beziehungweise Philosophieren, was jedoch nicht als Freibrief für die Willkürlichkeit des Denkens gedacht werden darf. Mein Denken ist eine Mischung aus Rationalsmus (Schauen) und Illuminismus (Fühlen), ich versuche beide Erkenntnisquellen zu verschmelzen, weder das Eine noch das Andere für sich allein ist ausreichend meinen Durst nach Erkenntnis zu stillen. Deshalb ist es stringent erforderlich das objektive des rationalen Denkens als auch das subjektive des intuitiven Erfassens in Verbindung zu bringen. Ich lasse mich aufgrund des oben gesagten in kein System pressen, auch ist die Wahrheit grundsätzlich perspektivisch und nur der alles übersehende und in Rechnung bringende Stand könnte eine absolute Wahrheit liefern, diese wiederum ist nur durch Überwindung aller Relationen a priori realisierbar. Ich lieber Philautos nehme die Metaphysik nicht als Fundament (dies wäre eine sehr einseitige Methodik), wie ich aus Ihrer Interpretation harauslesen konnte. Die Metaphysik spielt eine wichtige Rolle in meinem Denken, die Hauptrolle spielt jedoch die Empirie, ausschließlich sie liefert den Stoff den ich assimliere. Aber wie bereits gesagt, wenn ich Erklärungen suche, darf und kann ich nichts außer Betracht lassen. Klarerweise ist jemand, der wie ich metaphysische Stützen einschiebt angreifbar und somit ein gefundenes Fressen für alle Rationalisten, folglich stürzen sie sich mit lautem Geschrei und starken Worten sofort auf den armen Metaphysiker. Der arme Mann tut gut daran sofort das Weite zu suchen, denn seine Argumente sind nicht hieb und stichfest wie die ihrigen. Ihre Kampfansage lautet: "Was nicht beweisbar ist das kann nicht sein" Ich dagegen sage: "Erweitert euren Horizont und schließt nichts aus." Das intuitiv erfasste, das nicht durch Begriffe vermittelbare, das Gefühlte, oder das was hinter der Natur steckt und sie überhaubt erst möglich macht, das nenne ich Metaphysik. Aber dieses Gefühlte einem Rationlisten plausibel zu machen, ist wie verlangen, dass ein Riese den Schuh eines Zwerges anziehe. Dieses Gebiet ist ihen Feindesland und wenn sie einmal versehntlich eindringen und sich dann umsehen, finden sie darin nichts was ihr Interesse wecken könnte, also verlassen sie diese Region fluchtartig um in ihre Welt der Relationen zurückzukehren. Des Weiteren zitieren sie Aristoteles, welcher meinte die Dinge seinen so wie wir sie wahrnehmen, wie blauäugig war dieser große Denker doch in dieser Hinsicht. Des Aristoteles Vorausetzung wurde allerdings schon zu Beginn des Mittelalters angezweifelt, auch wenn Aristoteles als Ziehvater der Scholastiker bezeichnet werden kann. Ich möchte in diesem Zusammenhang an Giordano Bruno erinnern. MfG. D.W
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Lyx (Offline)
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Beiträge: 37
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Re: Bin ich in meiner Haut gefangen?
« Antworten #16 am: 18. Feb. 2007, 15:05 Uhr » |
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Es ist nicht bloss so, dass die "Identität" einer Person überwiegend wandelbar ist, sondern wir entscheiden sogar selbst darüber, wodurch diese Identität bestimmt wird. Je nachdem in welcher Stimmung wir sind und welche Mentalität wir momentan annehmen werden wir von unterschiedlichen Sachen beeinflusst. Manchem sind sicherlich die diversen Thesen hinsichtlich Identität bekannt. Manche meinen dass unsere Identität total wandelbar ist - fliesst - und überwiegend von aussen bestimmt wird. Andere meinen dass unsere Identität fest ist und uns "gehört". Wiederum andere meinen das sie fest ist und wir keinen Einfluss auf sie haben (Deine These als Frage formuliert). Und wiederum andere Meinen dass sie sehr wandelbar ist UND uns gehört. All diese scheinbar widersprüchlichen Thesen lassen sich in einer Synthese vereinigen, welche so einfach ist, dass man sich fragen darf, wieso da nicht schon früher jemand drauf gekommen ist. Und die Kernaussage dieser Synthese ist, dass wir durch unser Verhalten selbst bestimmen, zu welchen Anteilen die verschiedenen Thesen zutreffen. Oder noch kompakter ausgedrückt: "wie wir sind, beeinflusst wie wir uns verändern". Die Identität bestimmt sich also selbst. Der biologische Aspekt ist geradezu winzig im Vergleich zu dem, was üblicherweise angenommen wird. Heutzutage hat überwiegend die Kultur bei den meisten Menschen den grössten Einfluss auf ihren Charakter. Also angelerntes. Die Überwindung des Ameisendaseins geschieht meist mithilfe von drei Merkmalen: Konzentration auf Bedeutungen statt Symbole oder Emotionen (Semantik), Wille zur Selbstbestimmung und -verantwortung, Selbstrelativierung. Ja, ich will damit andeuten das jede Person, welche freier als die meisten der heutigen Menschen ist, auch Philosoph oder Philosophien ist..... entweder direkt oder indirekt. Richtige Philosophie ist sogar genau das...... nicht ein auswendig lernen aller möglichen Schriften grosser Philosophen, nicht ein seichtes durchspielen aller möglichen "was ist X?"-Fragen, nicht eine wissenschaftliche Analyse des "wie?" und "was?".... sondern des "wieso?". Die Philosophie wurde aus der Unzufriedenheit gegenüber Dogmen und Ameisendasein geboren mit dem Ziel die Welt selbst verstehen zu wollen. Verstehen statt sich mit Imitation von Wissen zufrieden zu geben. - Lyx
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philautos (Offline)
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Beiträge: 259
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Re: Bin ich in meiner Haut gefangen?
« Antworten #17 am: 18. Feb. 2007, 18:46 Uhr » |
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Grüß´ Sie sukzession! Das ist ja eine >seltsame Mischung<, die Sie hier präsentieren, sukzession. Ich möchte diese Mischung ein bisschen ordnen, wenn Sie gestatten! Ihre Position: - individuelles Selbst-Denken - Mischung: Rationalismus (Schauen??) // Illuminismus (soll heißen: Illuminations-Lehre) (Fühlen??) - Hauptrolle: Empirismus - Nebenrolle: Metaphysik - Intuitionismus - Wahrheit ist >perspektivisch< Probleme habe ich mit Ihrem >Rationalismus-Konzept< als >Schauen< - als >Schau<. Rationalismus ist alles andere als >Schau<. Das Sehen oder die Schau führe ich – als Grundbestandteile jener Methode - auf die Phänomenologie zurück – 1. als reflexiv-phänomenologisches Sehen – oder Intuition (Husserl) oder als hermeneutisch-phänomenologisches Sehen – oder Intuition (Heidegger). Unter >Rationalismus< aber verstehe ich die auf Descartes zurückgehende Lehre, die Form und Inhalt alles Wissens aus der >ratio< (der Vernunft) ableitet, unter Vernachlässigung der empirischen Forschung. Heideggers phänomenologisch-hermeneutische Intuition ist als a-theoretische Methode gerade das Gegenstück zur >rationalistischen Reflexion<. Die ratio als Vernunft oder Verstand übernimmt die Führung des Denkens im Rationalismus. Die >Intuition< aber kann das Gegenstück zum Rationalismus heißen – als Gegenüber zur abstrahierend-rationalistischen Denkungsart. Auch Ihrer seltsamen Verwendung des Titels >illuminatio< als >Fühlen< - kann ich nicht folgen. Die augustinische Illumination (das Licht der Vernunft) führt Gott als Quelle allen Lichtes an, der die Seele des ens creatum >erleuchtet< - und in ihr die Wahrheit aufleuchten lässt (vgl. Coreth – Gott im phil. Denken). Das >lumen naturale< hat im Grunde nur Sinn im Gegenüber zum >lumen fidei< - heißt: Gott ist das >wahre Licht<, das erleuchtet – den ganzen Menschen – der Mensch kann zu einer Reihe von Einsichten gelangen, aber im Grunde nur dadurch, weil er am >göttlichen Licht< teilhat. Ja, und jetzt Ihre Interpretation der Illumination als >Fühlen<?? Weiter oben interpretieren Sie Ihr Denken eigenartigerweise als Rationalismus und weiter unten treten Sie als scharfer Kritiker des Rationalismus – als Metaphysiker auf. Und Aristoteles? Nun, Verehrter, Aristoteles ist wohl jener große Denker, der neben Platon und Parmenides die in der Antike entbrannte gigantomachia peri tês ousias - nachher als Metaphysik getauft - für immer begründet hat. Nun müssen Sie mir gerechterweise in Bezug auf Aristoteles – in Bezug auf seine Metaphysik – noch erklären, was da im Mittelalter denn angezweifelt wurde. Das ist mir jetzt nicht ganz klar. Fazit: Ihre Methode des Vorgehens ist mir nach wie vor nicht klar. Ihr Satz: „Erstens mache ich die Allgemeinverbindlichkeit des individuellen Selbstdenkens am Ausgang und an der Methode an der Interesselosigkeit des Erkennenden fest“ – ist mir vollkommen dunkel. Sie gestatten: Formulieren Sie diesen Satz für mich so, dass er klarer nachvollziehbar wird – ich bin ein alter Mann. Ihr philautos
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Emmanuel (Offline)
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Re: Bin ich in meiner Haut gefangen?
« Antworten #18 am: 28. Feb. 2007, 07:05 Uhr » |
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Hallo Suksession, Sie haben ja bereits Kant in Bezug auf ihre eigene Fragestellung zitiert. Wenn ich mich recht erinnere hat das "ich" keine körperliche Verortung sondern zeigt sich in der "Transzendentalen Einheit der Apperzeption". Die Bedingungen, die die Möglichkeit einer Zusammenlaufenden Wahrnehmung erzeugen. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang das Buch "Die Grenzen der Wahrnehmung" von Aldous Huxley. Er beschreibt dort seine Selbstversuche mit Peyote (wird das so geschrieben?) und LSD. Er beschreibt wie sich sein Ich beginnt aufzulösen und seine Wahrnehmung nicht mehr seine Wahrnehmungen sind. Es handelt sich hier nicht um einen esoterischen "wahrnehmungserweiterungskurs" oder eine Legitimation des Drogenkonsums sondern um eine tiefsinnige sehr interessante philosophische Untersuchung. Nur falls sie interessiert sind. lieber Gruss Emmanuel
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Think-Thank (Offline)
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Re: Bin ich in meiner Haut gefangen?
« Antworten #19 am: 02. Okt. 2009, 15:35 Uhr » |
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Bin ich in meiner Haut gefangen? Zumindestens in Ihrer Haut sind sie gefangen. Ansonsten keine Bange, sie werden sich selbst nicht entrinnen.
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Das Denken für sich allein bewegt nichts, sondern nur das auf einen Zweck gerichtete und praktische Denken. _____________________________ A R I S T O T E L E S _____________________________
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MultiVista (Offline)
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Re: Bin ich in meiner Haut gefangen?
« Antworten #20 am: 02. Dez. 2009, 14:38 Uhr » |
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Am 13. Feb. 2007, 20:59 Uhr, schrieb sukzession : Bin ich in meiner Haut gefangen, oder steht es mir frei ein anderer zu sein als ich bin? Mir scheint als wäre der Mensch ein Gefangener seiner selbst, er will, kann jedoch nicht aus seiner Haut, der Mensch ist ein durch und durch determiniertes Wesen. Sein Schicksal steht unwiderruflich fest, seine Geburt ist ein kurzer Aufschrei der Natur, welcher nach kurzer Zeit wieder verhallt.... Der Mensch muss sein wie er ist und was er ist, er hat keine Wahl. Wir sind wahrlich Gefangene. ... Ich habe oben festgestellt, dass der Charakter unveränderlich und angeboren ist, doch wer bestimmt diese so wichtige Tatsache? Wer hat uns zu dem gemacht was wir sind? |
| Deren Gründe, Faktoren sind viele: http://www.philtalk.de/msg/1199278080.htm
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TIEF durchatmen nicht vergessen! Weil was wirklich wirklich ist, weiss der Mensch nun wirklich nicht... (c) Multi 2003
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